Zul-aer /lnzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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^ 117 — 12. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 21. Mai 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Eine Woche voller Spannungen.
Die Welt sieht mit Spannung der Hitler-Rede entgegen. Entscheidung in dem italienisch-abessinischen Streit?
Bor uns liegt eine Woche voller Spannungen. Das Nische Volk und mit ihm die ganze Welt wartet mit Innung aus die Rede Adolf Hitlers im jkichstag. Gleichzeitig verursacht einigen Staaten i;it Völker b u n d st a g u n g in Gens, die am Montag können hat, etwas Unbehagen, denn der italie- lisch-abessinische Konflikt bedeutet eine schwere Aliftungsprobe für Genf, die einige Staaten gern ver- khen hätten.
Vor allem ist man in London etwas nervös, die »onboner Zeitungen sind übereinstimmend der Ansicht, daß diese Woche für die britische Innen- und Austen- Mik wie für den Frieden Europas nahezu historische Entscheidungen bringen werde.
Wsiegelbewahrer Eden soll bis Freitag „die schwie- Ge Frage, vor die Großbritannien seit Kriegsende gest ist", lösen und, wie in politischen Kreisen vermutet M, sich mit der Schlichtung des abessinischen Konflikts dii Sporen für den Posten des Außenministers verdienen. Man hofft, daß der Völkerbund sich nur formal mit der Stage Abessiniens zu beschäftigen habe und am nächsten Mag bereits in der Lage sein werde, auf die inzwischen I erfolgte Einigung zu verweisen.
Mittwoch erfolgt in beiden Häusern des englischen Parlaments die
I Bekanntgabe eines neuen englischen Aufrüstungsprogramms.
I Minin werde im Unterhaus den Regierungsstandpunki Wen. Seine Rede wird in starkem Maße von der Hitlers beeinflußt sein. Das Kabinett »Mittwoch früh znr Rede Hitlers Stellung nehmen l ÄUie Erklärungen Baldwins im einzelnen begutachten. Man werden sich die englischen Parteien unb Parla- AWschüsse zu Beratungen zusammenfinden, die st-x englischen Aufrüstung, teils den bevorstehenden "Änderungen im englischen Kabinett : A sollen.
M die französische Regierung beschäfti- ftMe Ereignisse sehr ernstlich. Was den italienisch- Wischen Konflikt anbetrifft, so glaubt man in franzö- M politischen Kreisen, daß die vermittelnden Mächte, -twkreich und England, alle Regierungen auffordern Wen, beiden Streitparteien keinerlei Unterstützung zu w Das würde praktisch natürlich darauf hinaus- I W; daß Abessinien jede Zufuhr an Kriegsmaterial ab- ?Mitten wird. Andererseits soll aber von Italien ver- «gt werden, daß es alle weiteren militärischen Vor- I "citungen in Ostafrika einstellt.
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$000 Mann und 1000 Flugzeuge stehen gegen Abessinien bereit.
Älbessinische Außenminister hat gegenüber bem atter des „Daily Telegraph" in Addis Abeba ^PNdc Erklärung abgegeben: _
»Italien hat an unserer Grenze 8 0 0 0 0 Mann 1000 Flugzeuge zusammengezogen, Ber- "ngen von 10 000 Maun monatlich Men ein. Seine Worte sind keine Friedensworte. pW uns und dem Krieg steht nur der Völkerbund. der Rat es nicht erreicht, daß Italien eine nm * schiedsrichterliche Regelung annimmt, sind d i e Zuchten schwarz."
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^k Kaiser von Abessinien an den Völkerbund.
Genf, 21. Mai.
Telegramm des Kaisers von Abessinien Hafte
I k an den Generalsekretär des Völkerbundes heißt
Ä ^1' Zeit nach dem Zwischenfall von Ual-Ual hat Wit allen in der Diplomatie bekannten Mitteln I i^ feinen internationalen Verpflichtungen zu und eine unparteiische Prüfung der Meinungs- I unb „pleiten zu verhindern, die leider zwischen chm I itll ^standen sind. Es hat versucht, durch Drohun- I Linien Wiedergutmachungen und Entschuldc- I h ?lr Verstöße zu erlangen, die es gar nicht began- I einen? -^, das, zumal offenkundig ist, daß Stalten I Teil des abessinischen Gebietes rechts- hält. Italien hat letzhin einen Propaganda- I ^fini^uslnet, um die von ihm durchgeführte Besetzung I Gebiets als eine Kulturaufgabe zu rechtfer-
^nen Angriff und seine Begehrlichkeit gegen- I Ür èir^^ Volk als eine Behandlung hinzustellen, wre Teil Varbarenvolke zukomme.
ilünbio^ ^grnwärtiqen Einstellung Italiens ist eine Ver- I diplomatischem Wege durch Ein>etzung I unparteiischen Schiedsverfahrens nicht mog-
I 0 ivud es nicht sein.
Wir haben jeden Zusammenstoß an der Grenze vermieden und uns sogar mit der Errichtung einer vorläufigen neutralen Zone einverstanden erklärt, die ganz auf unserem Gebiet liegt. Das alles haben wir getan, obwohl die Kriegsvorbereitungen unseres Nachbarn und die Herausforderungen an unserer Grenze anhielten.
Wir verlangen entschieden, daß der Rat für die Erledigung sorgt und daß er den militärischen Maßnahmen Italiens, die unzutreffenderweise als „defensiv" hingestellt werden, Einhalt gebietet. Falls Italien die schiedsgerichtliche Auslegung des Vertrages vom 16. Mai 1908 und die Behandlung aller Zwischenfälle, die sich seit dem 23L November in der Nähe der Grenze zwischen Abessinien und Somaliland ereignet haben, ablehnen sollte, dann verlangen wir vom Völkerbund den Beschluß, daß er sich selbst mit dem Streitfall befaßt und auf Grund des Artikels 15 des Paktes zu einer Untersuchung und restlosen Prüfung schreitet.
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Der Sieg des Deutschtums
bei den tschechischen Wahlen.
Durchbruch der Henlein-Front. — Das Hultschiner Ländchen entlarvt die Lüge von Versailles
Die Wahlen jum tschechischen Parlament haben für uns durch den großen Sieg des Sudetendeutschtums eine ganz besondere Bedeutung gewonnen. Man rechnet damit, daß von den 70 deutschen Mandaten die Sudeten- deutsche Partei Konrad Henleins 45 bis 49 Mandate bekommen wird; es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß sie die stärkste Partei überhaupt im Parlament werden wird.
Die grundlegende Änderung im deutschen Lager hat in Regierungskreisen den größten Eindruck hervorgerufen. Welche Folgerungen daraus zu ziehen sein werden, soll im tschechischen Ministerrat erörtert werden. Große
Freudenkundgebungen der deutschen Bevölkerung werden aus allen sudetendeutschen Städten gemeldet. Eine begeisterte Menge durchzieht singend die festlich beleuchteten Straßen. Konrad Henlein, dem Führer der Sudetendeutschen Partei, der sich mit seinen Mitarbeitern in Eger befindet, wurden riesige Freudenkundgebungen bereitet.
Von größtem Interesse sind die Wahlen im voli-
(Deuische Presse-Phow-Zentrale.)
Der Sieger der tschechischen Wahlen.
Konrad Henlein, dem es gelang, das Sudeten- deutschtum zu einen. Sein Werk brachte der „Sudeten- deutüven sseimafironft einen entscheidenden Sieg bei den tschechischen Wahlen ein - He n le in bei einer ' seiner vielen Wahlreden.
kitckn'n Bezirk H u l t s ch i N , Der einen bedeutenden Teil des kn Friedensvertrag von Versailles an die Tschechoslowakei abgetretenen sogenannten Hultschiner Ländchens umschließt ‘ Bei den letzten Wahlen im Jahre 1929 er- bielten die deutschen Sozialdemokraten 2591, jetzt 218 Klimmen der Bund der Landwirte 173, jetzt 35 Stimmen, bie deutschen Christlichsozialen 4503, jetzt 1171 Stimmen. Nr. leiden 1933 aufgelösten völkischen deutschen Parteien Flammen 5476. - Diesmal erhielt die Sudeten- vi-iitsckie Partei Konrad Henleins 15 342 Stmmen und wiberdem noch der sudelendeutsche Wahlblock 162 Stimmen Kje tschechischen Parteien erhielten 1929 zusammen 10 7^5 ~nnb am Sonntag nur 8119 Stimmen. Der h p f di e Anteil an der Wählerzahl ist damit von 54 auf 67,6 v. H. gestiegen.
England; Aukrüktung
Bor der Regierungserklärung über Wehrfragen.
London, 21. Mai.
Der Präsident des Staatsrates, Baldwin, wurde am Montag von König Georg zu einer etwa halbstündigen Unterredung empfangen. Wie verlautet, galt die Audienz der Regierungserklärung über Fragen der Wehrtechnik und der Landesverteidigung, die Baldwin am Mittwoch im Unterhaus abgeben wird. In den letzten Tagen der vergangenen Woche waren nacheinander Ministerpräsident Mac Donald, Simon, Dominieuminister Thomas und Lordsiegelbewahrer Eden ebenfalls zur Audienz im Buk- kingham-Palast.
Der politische Korrespondent der „Evening News" sieht in der Rede, die das Kabinettsmitglied Ormsby Gore während des Wochenendes gehalten hat, einen deutlichen Hinweis auf den Charakter der Erklärung, die Baldwin am Mittwoch im Unterhaus abgibt. Ormsby Gore, Mitglied des kleinen Kabinettsausschusses für den Ausbau der englischen Luftstreitkräfte, hat erklärt:
„Um die Luftparität mit Deutschland aufrecht zu erhalten, muß England in dieser Woche eine weitere gewaltige und kostspielige Vermehrung seiner Luftabwehrstreitkräfte ekanntgeben. Das mutz so schnell wie möglich getan werden, wenn wir nicht der Gnade und dem Diktat Deutschlands ausgeliefert sein wollen für den Fall, datz deutscherseits jemals diplomatische Forderungen an uns gestellt werden sollten."
Die Deutschen im Hultschiner Ländchen erlangten über die Zweidrittelmehrheit.
in der Stadt Hultschin allein erhielten die Deutschen 1825, die Tschechen 880 Stimmen. Auch hier erlangten die Deutschen somit die Zweidrittelmehrheit. Unter den deutschen Stimmen befinden sich 86 v. H. der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins.
Besonders schwer ist die Niederlage der deutschen Regierungspartei des Bundes der Landwirte. Die Stellung seines bisherigen Vertreters in der Regierung, des Ministers Spina, erscheint schwer erschüttert. Auch die Lage der Christlichsozialen und die Lage der Sozialdemokraten erscheint äußerst schwach.
Nach den bisher amtlich mitget«lten Einzelergebnissen wurden in 89 politischen und Gerichtsbezirken
in Böhmen 658 822 deutsche Stimmen gegenüber 567 747 im Jahre 1929 abgegeben. Hiervon erhielten die Deutschen Sozialdemokraten 88 734 (1929: 166 071), der Bund der Landwirt, 72 312 (1929: 162 356), die Deutschen Christlich-Sozialer 48 851 (1929: 125 865), ferner der Deutsche Wahlblock 6451 und die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins 442 484 Stimmen.
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HenSeins Suöeienöeuische — größte und stärkste Partei der Republik!
In Prag hatte das Ministerpräsidium am Montagabend die Vertreter der Prcffe eingeladen, um ihnen die bis dahin errechneten Wa''lrcsultate bekanntzugeben. Zur Überraschung der tschechischen Öffentlichkeit zeigte es sich, daß die Sudetcndeutsche Partei mit 1 249 497 Stimmen zur stärksten und größten Partei der ganzen tschechoslowakischen Republik aufgerückt ist.
Die bisher immer als erste Partei führenden tschechischen Agrarier sind mit 1 176 517 Stimmen nun an die zweite Stelle zurückgedrängt worden. An dritter Stelle kommen die tschechischen Sozialdemokraten mit 1 034 804 Stimmen, während die deutschen Sozialdemokraten von 506 761 Stimmen auf 299 925 Stimmen sanken und von 14 Mandaten nur noch sechs retten konnten.
Die Deutschen Regierungsaktivisten (Agrarier) erhielten von 396 454 Stimmen nur noch 142 388 und behielten mit Not die Mandatszahl für das Abgeordnetenhaus. Sie haben Hoffnung auf fünf Mandate bei Verlust vou sieben Mandaten. Im Senat aber fielen sie durch und werden dort nicht vertreten sein.
Alich die Deutschen C h r i st l i ch s o z i a l e n sanken von 348 066 auf 162 797 und von 14 auf sechs Mandate. Beachtenswert ist auch, daß die tschechischen Faschisten mit 167 440 Stimmen zum ersten Male und zwar mit sechs Mandatsträgern in das Parlament einziehen.
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Die Wahlen zum tschechofpowakischen Abgeordnetenhaus hatten, wie von amtlicher Stelle verlautet, folgendes Ergebnis: Deutsche Parteien: Deutsche Sozialdemokraten 11 Mandate (1929: 21); Bund der Landwirte 5 (12); Deutsche Christlichsoziale 6 (14); Sudetendeutsche Partei Henlein 44 (1929 hatte die aufgelöste Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei und die eingestellte Deutsche