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^Hi^er-s Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

) Lauter- Znl-K- und Haunetal »ZulSaer Kreisblatt tra&e^V Telefon $9896 - Neüakttsn unö GsfchZstsstrUe: KSntgstraße 42 Z.rnfprech-Rnsthluß Nr. 24S4 'lt : Bernd Heim, Fulda. Nachürmk -er mit * verfehsnrn Frtlkrl mir mtt y^eltenas-abe .Zui-aer fi»K«jgrr'g»sta«»1.

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ft. 120 12. Jahrgang

Fulda, Freitag, 24. Mai 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Die Kabinette prüfen Hitlers Friedensprogramm.

zn London, Paris und Rom günstige Aufnahme der deutschen Vorschläge

Der stellvertretende englische Ministerpräsident IUdwin hat als erster zu dem großen Friedens- programm Hitlers Stellung genommen und mit seiner siede im Unterhaus den Auftakt zur Erörterung der Thesen Hitlers gegeben. Was das deutsche Angebot jii einem Lustabkommen betrifft, so hat der eng- li^ Luftfahrtminister Lord Londonderry in tinem Presscintcrview erklärt, daß England dem Angebot Hitlers für eine Begrenzung der Luftwaffen eine gute äilsnahme bereite. Gleichzeitig werde England jedoch (eine erklärte Politik ins Werk setzen, keine Unter- legenheit gegenüber den englischen Nachbarn in der ich hinzunehmen. Die englischen Luftaufrüstungsmaß- chmen werden durch eine Verordnung des Luftfahrt- Misters in Kraft gesetzt. Die Aushebung von Rekruten ßi die Luststreitkräfte soll sofort beginnen, damit 1937 2500 Piloten ausgebildet sind. Augenblicklich lascht die britische Luftmacht über 2700 ausgebildete Piloten. Im ganzen Laude werden 10 neue R e - ilillenaushcbun gsstellcn und 3 1 neue Mitärflughäfen eröffnet werden. Außerdem ist die Zndicnststeüuttg einiger neuer Flugboot- und Jagd- siiigzcugstaffeln geplant.

Taskr a n » ö s i s â> e Kabinett wartet die Rückkehr

Lustaufrüstung mit Volldampf

Die NeLrutrerungen haben in England begonnen. - .

AZonnerstag abend wurde in London das Gerücht Met, daß die englische Regierung möglicherweise iHitaufrüftungsprogramm nicht in vollem Umfange N^ren werde. Nach der Erklärung Hitlers über ^chlands Bereitwilligkeit zum Abschluß eines Luft- «iiMmens sehe die Regierung eine größere Möglichkeit, filier Söereinbarung zu kommen, die vielleicht das ganze '^liistungsprogramm hinfällig machen würde.

.Demgegenüber wird in gutunterrichteten englischen Krer- erklärt, daß zumindestens die Behauptungen über mögliche Abänderung des Lustprogramms auf rei-- Mutmaßungen beruhen.

Seit der Verkündung des Programms im Parlament M sich jedenfalls noch nichts ereignet, um der Lage ein Ms Gesicht zu geben. Vorläufig sei der Beschluß Eng- die neuen Aufrüstungsmaßnahmen mit Volldampf ? Angriff zu nehmen, in keiner Weise geändert worden. Andwelche Schritte zur Erzielung eines Luftpaktes Wen selbstverständlich in enger Zusammenarbeit und Mrache mit Frankreich, Italien und anderen inter- lOerten Mächten unternommen werden.

, ^as Luftsahrtministerium hat genaue Einzelheiten über ? großen Rekrutierungsfeldzug für die Lustaufrüstung Mnntgegeben. Der Luftfahrtminister Londonderry erließ öffentlichen Aufruf, in dem es heißt:

Ä Rekrutierung beginnt sofort, und ich appelliere an der Nation, der königlichen Luftflotte be>zu- 611 Insgesamt werden 2500 Fluazeuaführer und

Frankreich besürchisi WusiniiLiaüens aus dem BoSkerbuud.

Ic ^Handlungen im italienisch - abessinischen Konflikt fcstgefmircn.

ton?/' Verhandlungen über den Abessinien- in Genf sind festgefahren. Die abesn- Regierung hat an den Völkerbund ein VP^tbum gerichtet, in dem Italien beschuldigt wird, jeLPP Schiedsverfahren auszuweichen suche und Absiii»! essinien Gewalt anzuwenden beabsichtige, daß SA âber Einschüchternngen oder Gewaltandrohuw bettvA,^ weichen werde, sondern auf den Völkerbund tiii italienische Vertreter Baron Wie« den Fortbestand der Sklaverei in Abesstmen Hub hu u?h dies als eine Beleidigung für die Humamtat ^Zivilisation bezeichnet.

. erklärt allgemein, daß die bisherigen Bc- Mn J. g k n Lavals und Edens e r f o l g 1 o » Kien, wenn man auch nock nicht die Hoffnung, in »^ habe, trotz der italienischen Nnnachgtelngkeit glichen Lösung zu gelangen. Der itnhcmidp droh Streitfall, so schreibt dasEcho de Pans , »nd mehr, sich zu einem Streit zwischen Italien tbenjgP Völkerbund auszuwirken. DerMatin wetzt hm Zuf diese besondere Gefahr bin, die den A u v = "niaZ^lien.s au s der Genfer B ,e r - V""g nach sich ziehen könnte. Die Lage sei vor- so ungeklärt, daß man die Folgen überhaupt ,e9en könne.

Laval aus Gens ab. Laval ist noch mit dem Abessinien-Kon­flikt beschäftigt. Er behält sich seine Stellungnahme vor, bis er, wie halbamtlich gemeldet wird, Gelegenheit ge­nommen habe, die Rede im Wortlaut zu lesen. Immerhin betrachte man die Ausführungen des Kanzlers als sehr bedeutsam. Alan erkläre, daß sie eine sehr auf­merksame Untersuchung wert seien, und lasse durchblicken, daß sich der französische Außenminister in allernächster Zeit mit den französischen Sachverständigen über gewisse Punkte dieser Rede ins Benehmen setzen werde. In Pariser politischen Kreisen wird die Meinung geäußert, daß auf Grund der Reichstagsrede Hitlers eine Reise des französischen Außenministers nachBerlinln den Bereich der Möglichkeit gerückt sei. Da der französische Botschafter in Berlin seinen Urlaub gerade in Paris verbringt, wird er zur Berichterstattung

zur Verfügung stehen.

In Italien hat die Erklärung Hitlers, daß es, ab­gesehen von der österreichischen Frage, keine Gegensätze mit Italien gäbe, ihren Eindruck nicht verfehlt. Man rechnet mit weiterer Entspannung der Beziehungen zwi­schen beiden Ländern. Mussolini will, so heißt es, und dabei

am Sonnabend auf Hitlers Rede antworten auch auf den Abessinien-Konflikt eingehen.

20 000 Mann FllegerperfoMl mehr benötigt, die Hälfte bis April 1936 eingestellt sein muß. . Mannfchaftsstärke beträgt 32 500 Mann. Bis zum Früh­jahr 1937 wird sie auf 55 000 Mann erhöht sein. Bereits am ersten Tage sollen sich Hunderte von jungen Leuten

von Dene« Die jetzige

gemeldet haben.

Bis zur Errichtung der vorgesehenen 31 neuen Militär­flugplätze werden verschiedene Verkehrsflugplätze für die Zwecke der LuUtreitkraft herangezogen werden. Innerhalb der Territorialarmee sind drei neue leichte Bombenge­schwader gebildet worden. Es ist beabsichtigt, unterirdische Vorratshallen für Treib- und Explosivstoffe zu bauen. Für eine Anpassung der englischen Flugzeugindustrie an die neuen hochgespannten Anforderungen sind weitgehende Maßnahmen vorgesehen.

Bereits 4000 bis 6000 Flugzeuge?

Der liberaleStar" meldet in großer Aufmachung unter der UeberschriftEnglands versteckte Luftstärke", daß die englische Heimatluftflotte einschließlich der Re­serven zur Zeit bereits 1500 bis 2000 Maschinen betrage. Bei Vollendung des gegenwärtigen Aufrüstungspro­gramms im März 1937 werde die wirkliche Stärke der Heimatflotte nicht nur 1500, sondern 4000 bis 6000 Flug­zeuge betragen. Niemand in England glaube, daß Deutschland bereits die Gleichheit mit England in der Luft erreicht habe. Die Kosten des englischen Aufrü- stungsprogramms würden sich auf ruird 10 Millionen Pfund belaufen.

Riesenwasserflugzeug der amerikanischen Marine abgestürzt 6 Tote.

Während der großen amerikanischen Flottenmanöver im mittleren Pazifik stürzte ein Riesenwasserflugzeug der Marine ab. Sechs Marineflieger fanden den Tod.

*

Das verunglückte Marineflugzeug 6 P 7 ge­hörte einem Großgeschwader an, das von der M i d w a y- Insel abflog, um an einem Scheinangriff auf die Flotte teilzunehmen. Das Flugzeug verließ indes das Geschwa­der, als ein anderes Flugzeug, 6P 10, infolge eines Motordefekts auf schwerer See n o t l a n d e u mußte. Das Flugzeug 6P7 umkreiste die 6 P 10 etwa eine Stunde lang und gab drahtlos die Mitteilung, daß die 6P 10 stark lecke. 6 P iO und die Mannschaft wurden gerettet. Später entdeckte man aber, daß die 6 P7 verschwunden war. Eine Untersuchung ergab, daß die 6P7 offenbar abgestürzt und mit großer Wucht auf das Wasser auf- geschlagcn ist, so daß die Maschine in Trümmer ging und sank Nur der Benzintank und eine Flügelspitze wurden auf dem Wasser treibend ausaefnnden.

Genf. In der öffentlichen Sitzung des Völker- b u n d s r a t e s wurde die K l a g c der Schweiz gegen Deutschland, Frankreich und Italien wegen der schweizerischen Bürgern im Weltkrieg zugefügten Schäden endgültig abgewiesen.

Lichtblick in elfter Stunde.

Durch die Rede des englischen Ministers Baldwin, der als erster auf die große Friedensrede des Führers geantwortet hat, ging so etwas wie eine Erlösung. Baldwin, der als ein Mann von nüchternem Abwägen und vorsichtigen Beschlüssen gilt, hat den Mut gehabt, offen zu bekennen, daß er einen inneren Stel­lungswechsel nach der Hitler-Rede vorgenommen hat. Es kommt nicht oft bei Staatsmännern vor, daß sie offen bekennen, sie hätten ihre Ansichten geändert. Es ist daher besonders anerkennenswert, wenn Herr Baldwin gesteht, daß er den wohlvorbereiteten Schluß seiner Rede, die er im Unterhaus als Antwort auf die Hitler-Rede halten wollte, zerrissen habe, nachdem er das Friedens­programm des Führers gehört habe. Dieses Zerreißen des Baldwin-Manuskriptes kann der Beginn einer neuen Epoche in der europäischen Politik sein, wenn Baldwin die Linie einhält, die er mit seiner bedeutungsvollen Unterhausrede eingeschlagen hat. Es ist wohltuend, aus dem Munde eines so berufenen englischen Politikers, der in allernächster Zeit die Ministerpräsidentschaft über­nehmen wird, Worte der Versöhnung und der Anerken­nung zu hören, Worte, die offen und ehrlich gesprochen sind, Worte, die der Sehnsucht nach der Wiederherstellung des europäischen Gleichgewichts entsprungen sind.

Nach der Erklärung Hitlers und der Erwiderung Baldwins scheint eine Berechtigung vorzuliegen, von einemLichtblick in elfter Stunde" zu sprechen, wie Bald­win sich ausgedrückt hat. Wenn auch England allein nicht imstande ist, den Stellungswechsel der interalliierten Staaten d u r ch z u f ü h r e n , so ist es sehr wohl berufen, den Stellungswechsel vorzubereiten. Zwar hat Baldwin noch einige Vorbehalte gemacht, die wohl da­mit zu erklären sind, daß er in der Eile den Geist der Führerrede noch nicht ganz in sich hat aufnehmen können, aber schon der T o n seiner Rede berechtigt zu Hoffnungen, wie wir sie seit Jahr und Tag nicht hegen konnten.

Sperr Baldwin spricht von der Ungewißheit der Welt über das, was hinter den Plänen der autoritären Staaten, deren es in Europa drei gäbe, stecke, und gesteht ein, daß Deutschland den Schleier teilweise gelüftet habe. Er spricht weiter die Hoffnung aus, daß endlich der Schleier völlig gelüftet werde. Nun, es ist wohl aus der Vorsicht des Herrn Baldwin zu verstehen, daß er immer noch einen leichten Schleier über der Politik Adolf Hitlers liegen sieht. Uns will scheinen, daß durch die Rede des Führers im Reichstag der Schleier vollkommen von der deutschen Politik gerissen ist. Und wir möchten wünschen, daß Bald­wins Ermahnung viel mehr an die beiden anderen autori­tären Staaten Europas, an Italien und Rußland gerichtet ist, deren Europapolitik noch reichlick verschleiert und undeutlich erkennbar ist. Es ist bezeicknend, daß Herr Baldwin in diesem Zusammenhang Sowjetrüß- l a n d erwähnt. Er scheint demnach von der Meinung seines Kollegen Eden, der voller Begeisterung aus Mos­kau zurückkehrte, nicht ganz überzeugt zu sein. Er hat da­mit zweifellos die klügere Einstellung zur Sowjetpolitik in Europa und erkennt wohl klarer als der junge' Heiß­sporn Eden die Absichten Sowjetrußlands. Baldwin und mit ihm die englische Regierung werden ihren ganzen Einfluß geltend machen müssen, um Sowjetrußland zur Entschleierung seiner Europapolitik zu bewegen. Sie werden das üm so eher können, wenn es ihnen gelingt, den großen Partner Rußlands, Frankreich, von der Not­wendigkeit des Stellungswechsels in der Europapolitik zu überzeugen.

Bisher lauten die P a r i se r P r e s s e k o m m e n - tare zur Führerrede nicht gerade sehr versöhn­lich. Aber wir sind gewöhnt, daß Paris auf jede, auch noch so gut gemeinte Rede wie ein bockiges Kind ant­wortet. So auch diesmal. Dabei läßt sich aber nicht verkennen, daß in Frankreich ein gewisses Un­behagen aufgekommen ist, weil man jetzt keinen Angel­punkt mehr hat, um wieder zu erklären, was Hitler da gesagt hat, sei ohne Bedeutung. Man merkt wohl, daß der alte Standpunkt nicht mehr haltbar ist und daß die grundsätzliche Ablehnung alles dessen, was aus Deutsch­land kommt, zu keinem Ziele führt. Natürlich besitzt der Franzose nicht den Mut, von heute auf morgen zu be­kennen, daß er sich geirrt habe und daß er zur Einsicht gekommen sei. Dazu fehlt ihm die innere Größe. Er kann sich ein Beispiel an Baldwin nehmen. Aber der Beifall, mit dem die Führerrede in England aus­genommen worden ist, wird ihn davon überzeugen müssen, daß es an der Zeit ist, sich mit dem Deutschland Adolf Hitlers etwas ernster als bisher zu beschäftigen und die deutschen Vorschläge etwas genauer als sonst zu prüfen.

Das Wort hat der französische Außenminister Laval. Er läßt sich Zeit, über die Rede Adolf Hitlers nachzudenken. Er ist noch in Genf und wird erst nach seiner Rückkehr nach Paris Stellung nehmen zur Führer­rede. Wir wollen nicht in einen übersprudelnden Optimismus verfallen und aus der leisen Andeutung des halbamtlichen französischen Nachrichtenbüros allzu viel »offnuna schöpfen. Aber wir verzeichnen gern die Notiz dieses Büros, das da schreibt, Laval betrachte die Aus­führungen des Kanzlers alssehr bedeutsam" und einer sehr aufmerksamen Untersuchung für wert". Das ist immer schon ein Fortschritt und wir freuen uns ja schon über die kleinsten Anzeichen von Vernunft und Einkehr in Frankreich.

Es ist zu hoffen, daß die verantwortlichen Staats­männer Frankreichs mit demselben Freimut und der­selben Klarheit zu den 13 Thesen Adolf Hitlers Stellung nehmen, und daß sie denselben Bekennermut auibrinaen.