Zulöaer Anzeiger
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Nr. 123 — 12. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 28. Mai 1935
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England verteidigt seine Luftfahrt-Politik.
Erotze Rede Valvwins.
Zn der überfüllten Albert-Hall sprach Baldwin am Montagabend zur Verteidigung der Luft- sahrtpolitik der Regierung. Er begann seine Me mit einem Angriff auf die Opposition und sprach sodann über den Völkerbund.
Zch wünsche, so erklärte er u. a., daß Sie alle, die Sie Sympathien für den Völkerbund haben, sich der ungeheuren Schwierigkeiten bewußt sind, die dem Völkerbund gegenübergestanden haben. Wir haben niemals einen solchen Völkerbund gehabt, wie er denen vorgeschwebt hat, die ihn geschaffen haben. Die Aktionen gewisser Länder haben, wenn auch manchmal erst später, ihre Auswirkungen gezeigt. Der erste große Schlag, der dem Völkerbund versetzt wurde, war die Weigerung der Vereinigten Staaten, dem Wunsche des Präsidenten Wilson entsprechend, Mitglied dieses Völker- dundes zu werden. So begann der Völkerbund ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten, ohne die Hilfe Rußlands Md ohne die Hilfe Deutschlands. Heute haben wir Sowjet- ruhland int Völkerbund. Wir haben hingegen Deutschland verloren, hoffentlich nur für kurze Zeit. Die Vereinigten Staaten stehen noch immer außerhalb. Japan hat den Völkerbund verlassen und ich sehe auch keine Aussicht, daß es bald zurllckkehren wird. So ist der Völkerbund verkrüp- ptlt, und wir Völkerbündler haben nicht die Stärke, mit der wir so viel hätten erreichen können. Frankreich hat dem Friedensvertrag einige Zugeständnisse gemacht in der Er- «tung, daß es Unterstützung erhalten würde. Daran «h man sich erinnern, weil kein Land beschuldigt werden ton, daß es sich in dieser Frage einer schweren Todsünde HAg gemacht habe. Die Lage ist aus zweierlei Tatsachen «toben: Die ganze Zeit hindurch hat sich Frankreichs ■W Sorge zuerst und zuletzt um seine eigene Sicherheit Wt. Vor verhältnismäßig kurzer Zeit sah es aus, als M der Grundlage für ein Uebereinkommen näher ge- hen seien. Aber in diesein Augenblick zogen sich die .-Aschen vom Völkerbund zurück, und die gesamte Lage *rte sich durch die Machtübernahme Hitlers. Die Ge- A die in Deutschland gewesen waren, nahmen offenere Mit an. Aus bestimmten Gründen wurde jedoch die «Mirklichung dieser Politik äußerst geheimnisvoll durch- Ärt. Angesichts des Spannungszustandes, in den: sich Mlopa seit langer Zeit befand, rief die Tatsache allein, daß Mdetmas im Geheimen getan wurde, Mißtrauen hervor, M so hat es die unnatürliche Erscheinung, gegeben, daß was getan wurde, tausendfach übertrieben wurde. Mchland schritt auch auf anderen Gebieten als in der W vorwärts, und wir haben erst vor einigen Tagen er- Aren, daß die Herstellung von Unterseebooten über den nand einer akademischen Erörterung hinaus gediehen ist. I W Dinge haben zweifellos den Argwohn in Europa sttmehrt, weil man sich an die verschiedenen Kriege er- die innerhalb der letzten drei Generationen geführt würben und in die Deutschland verwickelt war. Das ist P Erund, warum wir immer verlangt haben, daß es Allerlei Geheimnis geben dürfe und daß Europa die Tatzen kennen müsse.
Alle Regierungen haben sich um die Abrüstung bemüht. Mum den Völkern zu zeigen, wie sehr wir das wollten, 7 wir sogar davon Abstand genommen, die Militür- ^ke Großbritanniens auf einer Höhe zu halten, aus der ^Iuh. eigentlich befinden sollte. Jetzt aber hat das ganze M leine Ansicht geändert. Ich glaube, es gibt nur noch die eine einseitige Abrüstung unterstützt hatten, eine Abrüstung durch uns allein. (Beifall.)
tzeine Regierung in Großbritannien könnte auch nur einen Tag am Leben bleiben, die sich damit zufrieden geben würde, daß unser Land eine wooetnc Luftstreitmacht besäße, die irgend einer I """"en Luftstreitmacht in erreichbarer Nähe unterlegen wäre.
M Sie fragen, warum machen Sie die Luftmacht mir v $ so stark wie die französische? Da braucht man le« Augenblick na^'udenken, um darauf zu antwor- ^ben mit den Franzosen Jahrbunderte hindurch bar d ' Wir kämpften aber mit ihnen in den unnnttel- M kWbarten Gewä fern. Doch was damals möglich her freute unmöglich. Im Zeitalter der Luftfahrt und mit £eren Geschütze wissen die Franzosen und wir, die Ate u?^?n einer schmalen Meeresstraße leben, daß wir W, rn^r • rn bleiben müssen und auch gute Freunde — in dummer wir empfinden und über uns denken mögen Prob Augenblick, indem der eine den andern auf die uöllio ,^'It wie das Nachbarn manchmal tun. . Es ist seien ""geschlossen, daß die beiden Nationen, die sozu- ziehe» ^Ee an Seite leben, einen Krieg in Erwägung st eten. Und dieses Gefühl, das wir haben mutzte Alkern beiderseits aller Grenzen geben und bei den ^iinc f’^P05 bis in die Knochen hinein. Dies ollem Hub ^?"n, wenn wir schließlich die verschiedenen Pakte der ^reinbnrnngen abschließen, die über die Begrenzung ^tben AllnÖ abgeschlossen und die zustande gebracht toetbeii ff-- wenn Die Zivilisation Europas erhalten
Ara wohn und aus dieser Furcht heraus, die 9 Rö« Erze in Europa empfunden werd: „Was ge
schieht, wenn die Luftstreitkräfte im Krieg Herllberkom- men?" ist es zu erklären, daß die Menschen üch dem zuwen- den, was man kollektive Sicherheit nennt. Der Erundgedanek der kollektiven Sicherheit im weitesten Sinne ist, daß Europa keinen Krieg dulden sollte, und daß, wenn doch irgendein Land, welches Land es auch immer sei und wo auch immer es gelegen fein möge, einen Krieg beginnt, mit anderen Worten, zum Angreifer wird, daß dann alle Länder sich verbinden sollten, um dieses Land zum Einhalten zu bringen. Wir sind noch weit von der Erreichung dieses Zieles entfernt. Aber auf einem begrenzten Gebiet ist etwas Ähnliches bereits im Vertrag von Locarno geschaffen worden, in dem sich die Westmächte, die ihn unterzeichnet haben, verpflichteten, ihre Kräfte vereint einzusetzen gegen jeden von ihnen, der diesen Pakt brechen sollte.
Deshalb bin ich der Ansicht, daß vor allen Dingen zwischen diesen Mächten versucht werden muß — und Hitler hat sich damit grundsätzlich einverstanden erklärt — den Gedanken eines ergänzenden L u f t p a k t e s zu verwirklichen, der in diesen Vertrag einzu bauen wäre, eines Luftpaktes, in den möglicherweise als besonderer Teil ein Pakt über Rüstungsbeschränkung mit eingebaut ist. Einige von Ihnen mögen fragen: Warum gerade in der Luft? Darauf antworte ich: Es gibt ein Sprichwort: „Beiß nicht mehr ab, als Du schlucken kannst". Die Schwierigkeit, eine schnelle Abrüstung herbeizufllhren, ist eben hier sehr groß. Was ruft denn all die Furcht in Europa hervor? Das sind nicht die Heere und nicht die Flotten: das ist die Luftwaffe. Und wenn die Furcht vor den Luftflotten den Völ
Göring bei König Boris.
Begeisterung für die Deutschen in Bulgarien.
Reichsluftfahrtmimster General Göring stattete am Montag dem bulgarischen Ministerpräsidenten Toschefs im Ministerpräsidium einen Besuch ab, der 20 Minuten dauerte. Anschließend besuchte General Göring Außenminister Kosseiwanoff, Kriegsminister Zineff und Verkehrsminister Koschucharoff in ihren Ministerien. Alle Ministerien waren mit der bulgarischen Fahne und der Hakenkreuzfahne geschmückt.
Wie Ministerpräsident Göring nach dem Besuche dem Vertreter des DNB. erklärte, hat der dem Ungarischen Ministerpräsidenten sowie den übrigen Ministern seinen ganz besonderen Dank für die überaus herzliche Aufnahme zum Ausdruck gebracht, die ihm seitens der bulgarischen Regierung und des bulgarischen Volkes trotz des rein privaten Charakters feines Besuches zuteil geworden ist.
Kurz vor 13 Uhr begab sich General Göring in einem Kraftwagen des Königs nach dem Sommerschloß 33 ran ja bei Sofia, wo König Boris ihn und seine Gattin, Reichsminister Serri und Gattin sowie Damen und Herren der Begleitung, den deutschen Gesandten Rümelin und die Herren der Gesandtschaft zu einem Frühstück geladen hatte.
Der Wettbewerb des Deutschlandfluges 1935 eröffnet.
Berlin, 28. Mai. Im Auftrage des Reichsluftfahrtministers General der Flieger Göring gab der Präsident des Deutschen Luftsportverbandes Oberst Loerzer am Montag um 18 Uhr das Zeichen zur feierlichen Flaggenhiffung, womit er den Wettbewerb des Deutschlandfluges 1935 für Die 154 Flugzeuge mit 308 Führern und Ortern eröffnet. Der Start zu bem bisher größten Deutschlandflug fand Dienstag früh um 8 Uhr statt. An dem diesjährigen Wettbewerb nehmen 30 Verbände teil, und zwar sechs Verbünde zu drei Flugzeugen, ein Verband zu vier Flugzeugen, 17 Verbünde zu fünf Flugzeugen, 3 Verbände zu sieben Flugzeugen und 3 Verbünde zu neun Flugzeugen.
Da es sich ausschließlich um einen Gemeinschaftsslug handelt, an dem Flugzeugführer, Orter und Bodenpersonal alle zu ihrem Teil am glücklichen Gelingen des Fluges arbeiten müssen, würe es unangebracht, Namen zu nennen Immerhin sei erwähnt, daß auch einige Staffeln des Reichsluftfahrtministeriums teilnehmen.
Präsident Loerzer überbrachte den Wettbewerbsteilnehmern die Grüße und Glückwünsche des Reichsministers der Luftfahrt Göring zur guten Durchführung des Fluges. Er sprach die Erwartung aus, daß die besonderen Aufgaben des diesjährigen Fluges voll unb ganz erfüllt wer- den Der diesjährige Flug sei noch mehr als der vor- iübrige Ausdruck der Gemcinschastsleistung. Unter den Klängen des Deutschland- und des Horst-Weffel-Liedes erfolgte darauf die Flaggenhiffung, zu der zglsireiche Mili- türattachös der in Serin akkreditierten Mächte und Ehrengäste erschienen waren.
kern Europas genommen werden kann, so daß kein Luftkrieg mehr zu befürchten ist, würde Europa in der Lage sein, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern, wie das lange nicht mehr der Fall war.
Der Grund, warum eine Begrenzung oder gar Entwaffnung oder gar ein Uebereinkommen in der Luft so wichtig ist, liegt in der Schwere des Schlages begründet, der von der Luft aus versetzt werden kann. Man braucht Zeit, ein Heer zu mobilisieren, man braucht aber keine Zeit, um in der Luft zu mobilisieren.
Deswegen hoffe ich, daß die am Locarno-Vertrag interessierten Mächte in absehbarer Zeit zusammentreten, um zu verhandeln und in ihn einen Luftpakt einzubauen, der zum ersten Mal eine Rüstungsbegrenzung bringen wird, weil die Festsetzung selbst einer hohen Ziffer einem Wettlauf der Rüstungen bei dieser Waffe ein Ende setzt. Baldwin bedauerte an dieser Stelle noch einmal, daß die Vereinigten Staaten an diesen Verhandlungen nicht teilnehmen könnten, da ihre Beteiligung überall, in Europa, im Osten oder sonstwo, in Zusammenarbeit mit dem britischen Reich die größte Sicherung gegen den Krieg darstellen würde.
Zum Schluß gab Baldwin seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß keine Nation Krieg wünsche, zum mindest nicht im Augenblick, weil es keine Nation in Europa gebe, die nicht genug damit zu tun hätte, sich um ihr eigenes Volk zu kümmern und die eigenen Schwierigekiten zu überwinden.
Auch im Laufe des Montags wurde General Göring überall, wo er von der Bevölkerung erkannt wurde, mit Sympathiekundgebungen überhäuft. Das Hotel „La Bulgarie", in dem Göring Wohnung genommen hat, ist seit den frühen Morgenstunden von einer Menschenmenge umlagert, unter der sich auch die in Sofia lebenden deutschen Volksgenoffen befinden. Die Menge harrte stundenlang aus, um Göring sehen und begrüßen zu können. Aus der Bevölkerung ertönten immer wieder die Rufe: „Heil Hitler!" und ,Z e i l Göring!"
Gegenüber böswilligen Erfindungen ausländischer Blätter von einer kommunistischen Kundgebung gegen Göring in Sofia erklärt der Direktor der Landespolizei dem Vertreter des DNB., daß diese Nachrichten völlig aus der Luft gegriffen sind.
Der König Boris hat Ministerpräsident Göring das Großkreuz des Alexanderoroens, dem Reichsminister Kerrl die 1. Klasse desselben Ordens, Staatssekretär Körner und Generalleutnant Milch das Großkreuz des Zivilverdienstordens bzw. Militäroerdienftordens verliehen. Auch die anderen Herren der Begleitung der Reichsminister erhielten vom König hohe Auszeichnungen.
Des Führers Dank
für die deutschen Erfolge beim Avus-Rennen.
Der Führer und Reichskanzler hat an Korpsführer
Hühnlein folgendes Telegramm gerichtet:
„Für Ihre Meldung von dem überlegenen Sieg des Mercsdes-Venz-Wagens und den Erfolgen der DKW.- und BMW.-Motorräder beim gestrigen Avusrennen, sage ich Ihnen meinen besten Dank. Ich habe mich über diesen neuen Beweis der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der deutschen Maschinen aufrichtig gefreut. gez. Adolf Hitler."
Seinen Sohn und sich selbst ermordet.
In Mücheln im Geiseltal hat vor etwa einer Woche der ckOjährige Ewald Lohmann in Verzweiflung über die Zerrüttung seiner Ehe seinen zwölfjährigen Sohn erdrosselt unb sich dann selbst durch Oeffnen der Pulsader und Stiche in den Hals getötet. Da die Ehefrau sich mit den beiden anderen Kindern der Familie, zwei Mädchen, zur Zeit bei ihrer Mutter in einem Nachbarort aufhält, war die Tat eine ganze Woche lang unbemerkt geblieben.
Zwei Personen nach Genuß von giftigem Kuchen gestorben.
Wad) dem Genuß von sogenanntem Sudankuchen sind in Kiel 3tuet Personen gestorben, acht weitere Personen sind erkrankt Die Bäckerei, die den Kuchen hergestellt hatte, wurde sofort geschloffen. Die Untersuchungen haben bisher noch sein Ergebnis gehabt. 7