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§ul-aer Anzeiger âint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der a^Mtag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM.

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? Ee- Tageblatt für Rhön und Vogelsberg" O Julöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

Anzeigenpreis: 1mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei zwangs­weiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder An­spruch auf Nachlaß.DA." IV. 35.910. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. Verantwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-Rnsthluß Nr. 2484 Nachdruck der mit * versehenen Frttkel nur mit (Quellenangabe, Zulbaer Anzeiger" gestattet.

Nr. 124 12. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 29. Mai 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Der große Flug über Deutschland.

Minuten, 16 weitere Staffeln in Dresden ein und setzten dann den Flug fort. Gegen 12 Uhr mittags befand sich die Spitzengruppe schon über O b e r s ch l e s i e n. Der erste Flugtag endete in Guben.

Biel junger Nachwuchs.Alte Knochen" gehen mit gutem Vorbild voran.

Sonder bericht für unsere Zeitung.

Am Dienstagmorgen um 8 Uhr erfolgte im Berliner Flughafen Tempelhof der Start zum größten fliegerischen Ereignis des Jahres, demDeutschlandslug 1935". 1 5 4 Zpörtmaschinen, die aus allen Teilen des deut­schen Vaterlandes Herbeigekummen waren, um an dieser lirosren Prüfung teilzunehmen, verließen in Verbänden ven drei bis neun Flugzeugen den Platz. Der Präsident des Deutschen Luftsportverbandes, Oberst Bruno L o c r - sei, schickte die Flugzeuge auf die lange Reise, von der sie erst Sonnabend abend zurückkchrcn werden, über ganz Deutschland werden nun in diesen Tagen die Propeller dröhnen.

7 U h r morgens. Auf dem Flughafen Tempel­hof dem Herzen der deutschen Luftfahrt, herrscht ein seltsames Bild. Wo sonst um diese Zeit höchstens eine totere Verkehrsmaschine donnernd in die Lüfte steigt,

Das Flugfeld vor dem Start. (Weltbild.) Ausländische Militärattaches besichtigen die Maschinen.

Herrscht Hochbetrieb. Man glaubt in ein Heerlager hin-

Mgeschneit zu fein. Über hundert kleine

Sportmaschinen aller Typen

^ehen sauber ausgerichtet auf dem Platz, hier und da tattert schon ein Propeller. Monteure geben ihren Pflegebefohlenen noch einmal denletzten Schliff", hier noch schnell eine Schraube nachgezogen, da Be- tnebsstoff nachgefüllt. Ein Lautsprecher gibt die fètz^n «iernachrichten durch, die ziemlich günstig lauten. Nach nach kommen auch die Piloten mit ihren Ortern auf Platz, und jetzt kommt Leben in die Bude. Überall Wien die Motore auf, es wird allmählich ein Höllen- Inzwischen haben sich auch zahlreiche Zuschauer ^gefunden; alles, was in der Fliegerei einen Namen Misti natürlich draußen. Immer weiter rückt der Zer-

Punkt 8 Uhr rollt der erste Verband, drei Klemm- Maschinen aus Bremen, an den Startplatz.

Aerst L o e r z e r senkt die Flagge, die kleine,r Maschinen sich nach kurzem Start in die Luft und verschwm- bald. Nun geht es Schlag auf Schlag. Ein «er* nach dem anderen startet in Richtung Dresden, schon sgerrchtet brausen sie über uns hinweg. Erne er* Nuche Tatsache ist in diesem Jahre besonders festzu- Der N a ch w u ch s, der im vorigen Jahr noch mcht »bei sem konnte, ist diesmal in stärkstem Maße ftI"Uigt. Viele Namen, die man noch nicht kennt, auf der Teilnehmerliste.

Besonderes Interesse erwecken natürlich

°le beiden Staffeln, die das Reichsluftfahrtministerium gestellt hat.

2'haben sich die besten deutschen Kriegsflieger zusam- um zu zeigen, daß sie das Fliegen immer 2 Ulcht verlernt haben. Sie wollen den jungen Flre- itll" "m gutem Vorbild vorangehen.Wenn die Jungs ' " wir alten Knochen diese Anstrengungen durch- oen anneu, dann werden sie sich um so mehr anstren- 6 h'r: 1 aus zu übertreffen," meint Fliege ro b e r st L'stransen, der Führer der einen Staffel, und die ^"/.allerletzten" Zigarettenstummel weg, bevor er £ st/."Awe besteigt. Auch der Lour-ikâsriw-Flieger ift mit dabei. Zum tausendsten Male laßt zu Gitter jungen Frau ermahnen, hübsch vorsichckg die vMiene verzieht er dabei. Gegenüber steht ^icnS^ unter Führung von Hauptmann Wat VVter gibt es beim Start noch einen ZW i- ^rinn,,^61: Motor des Führerflngzeuges will nicht h, er Ä1 alne halbe Stunde reden sie ihm schon gut Piaschin- ^'"^ch nicht. In letzter Minute wird noch w- r "e ausgeivechselt.

Von Karlheinz Christiansen.

Flieger sind abergläubisch, genau wie die Seeleute!

Da sehe ich gerade, wie ein Pilot unter wilden Flüchen einen Blunienstrauß aus. dem Sitz herauspfeffert, den ihm irgendeine zarte Hand hineingelegt hat. Denn BlumenimFlugzeugbringen Unglück! Das ist eine alte Sache. Sagen die Flieger. Und es fehlt nicht der leuchtende Schal desRoten Teufels" Seidemann und auch nicht das alte zerbrochene Hufeisen, dasK r i - s ch a n" (lies: Fliegeroberst Christiansen) immer in der rechten Tasche seiner Jacke trägt. Man sagt auch nicht zu ihnengute Reise" oderKomm glücklich wieder zurück", man sagt vielmehrHals- und Beinbruch" und schüttelt ihnen kräftig die Hand. So sind die Flieger!

Während eine Staffel nach der anderen über un­seren Köpfen dröhnt, betrachten wir uns noch fchnell einmal die

Maschine, die mit einem Kurzwellensender den ganzen Flug begleitet.

Jeden Abend werden wir im Rundfunk eine span­nende Reportage direkt aus der Luft hören können. Der bekannte Kunstflieger Kropf rast mit einem Film- apparat auf dem Platz herum. Auch er wird den Flug begleiten und einen Film drehen, der schon am Sonntagabend bei der Preisverteilunguraufgeführt" wird.

Mit bewundernswerter Genauigkeit legten die Staffeln der ersten Gruppe ihren Flugweg nach Dresden zurück. Bald nach der Landung der ersten Formation trafen kurz hintereinander, nur im Abstand von wenigen

heftiger Kampf am den sraazastslyen Am.

Heraussetzung des Diskontsatzes auf 6 v. H. Die Spekulation wühlt weiter.

Sprunghaft erhöht die Bank von Frankreich den Dis­kont, um die Spekulation gegen den Franc zu bekämpfen. Erst am 25. Mai war der Diskontsatz auf 4 v. H. herauf­gesetzt worden, drei Tage später bereits, am 28. Mai, wurde er erneut heraufgesetzt, und zwar gleich um 2 v. H., auf 6 v. H. Dementsprechend wurde der Lombardsatz von 5% auf 7 v. H., der Zinssatz für Vorschüsse auf Wert­papiere von 4% auf 6% v. H. und der Zinssatz für monatliches Geld von 4 aus 6 v. H. erhöht.

Trotz dieser Abwehrmaßnahmen der Bank von Frank­reich hält die Spekulation gegen den Franc u n v e r ä n d e r t an. Die FinanzzeitschriftLa C a p i - t a l" schreibt,

die Manöver gegen den Franc

seien am Montag besonders lebhaft gewesen. Sie hätten ihren Ausdruck gefunden in einer verstärkten Nachfrage nach Devisen und in entsprechenden Knrserhöhungen, in Terminkäufen von Devisen, in Ankäufen von Goldmünzen mit außerordentlichem Aufgeld und in großer Nachfrage uach ausländischen Effekten. Das Blatt stellt mit Be­dauern fest daß nicht nur das Ausland gegen den ^ranc spekuliere, sondern daß auch in Frankreich selbst heftige Angriffe auf den Frane zu bemerken seien. Drese äußer­en sich vor allem darin, daß dienarrisch gewordenen Geldbesitzer sich auf sogenannte s ichere Werte stürzten ' Die Nervosität scheint sich aber nicht nur auf die Gruppe der Kapitalisten zu beschranken.

Die Gerüchte über eine mögliche Francabwertung, die Abwehrmaßnahmen der Bank von Frankreich und die Meldungen über die Goldabgaben der Bank von Frank­reich beginnen auch die kleinen Sparer in Bewe­gung zu b!inqen. So berichtetParis Midi", daß

die -vartasie von Paris in der Zeit vom 20. bis

mm 25. Mai 9 Millionen Franc hat auszahlen müssen.

W Black bestätigt, daß am Montag für 1,1 Milliarden Trane Gold die Bank von Frankreich verlassen hat. Ä s Gegenwert erhalte die Bank Papiergeld, das somit der Zirkulation und der wirtschaftlichen Betätigung entzogen werde. *

Der französische Ministe rral trat unter Vorsitz des Präsiden en der-Republik zusammen, um sich mit dem Ju- W des Gesetzentwurfes über die Vollmachten des Mini- ? beschäftigen. Die amtliche Mitteilung «Ssärrat besagt u. a..: ^er Ministerrat Hatdie Gesetzesvorlage abgefaßt über die Vollmachten dre die Re- nieruna vom Parlament verlangt, um a l l e M a tz n a h - K er ar eisen, die geeignet sind, chic G e s u n - n a der öffentlichen Finanzen, die Wieder­belebung der wirtschaftlichen Tätigkeit die Verteidigung des Kredits und die Sicherung der Wahrung zu gewähr­leisten." .

Ein Aufruf der Regierung.

Die Regier,mg hat einen Aufruf an das französische srmr erlassen. in dem sie betont, daß sie erneut die Lage gS S feftgeftelt d-de. M di- Währung

*

De«Wls»d-Flieser in Tuben

Der erste Tag des großen Fluges beendet.

Berlin, 29. Mat.

Der erste Tag des Deutschland-Fluges 1935 ist beendet.

Auf der ganzen Flugstrecke, die von Berlin in einer weiten Schleife über das Schlesierland zum ersten Tagesziel Guben führte, hatten die Flieger herrliches Wetter. In Neiße, das um 12.24 Uhr zuerst von der Dresdener Dreierkette angeflogen wurde, hatte sich der Abstand der einzelnen Verbände schon etwas vergrößert. Ueber die Wendemarken Cosel und R a t i b o r ging es dann zum nächsten Landeplatz G l e i w i tz. Hier wie überall buntes Leben und Treiben. Die ganze Bevölkerung war auf den Beinen, um die Flieger begeistert zu begrüßen. In Gleiwitz hatte sich wieder Nordhausen nach vorn geschoben, die Dresdener folgten mit geringem Abstand. Die Verbände der schweren Maschinen, die eine höhere Geschwindigkeit einzuhalten haben, hatten von den zwei Stunden Vorgabe schon einen großen Teil aufgeholt. Bei S a n d o w i tz (Gleiwitz) mußte eine Maschine notlanden, die dem Karls­ruher Siebenerverband angehört. Ein weiterer Apparat dieses Verbandes, erlitt in Guben, dem ersten Tagesziel, Fahrgestellbruch. Die Besatzungen beider Flugzeuge blieben unverletzt. Der letzte Zwangslandeplatz vor dem Tagesziel war Breslau. Schon um 15.01 Uhr überflog hier die Nordhausener Kette die Linie. Drei Minuten später folgten die Dresdener. Hannover und Danzig waren die nächsten. Um 16.53 Uhr trafen die ersten Flieger in Guben ein. Bis 19.30 Uhr hatten 153 Maschinen das erste Tages­ziel erreicht. Nacheinander gingen die Dresdener, Nord­häuser, Hannoveraner, Danziger und Breslauer Flug­zeuge nieder.

nicht gesäyrdet sei, sondern daß die letzten Vor­gänge auf finanziellem Gebiete nur der Spekula­tion zuzu schreiben feien. Die Regierung werde die Spekulation brechen; sie fei ein Gegner jeder Abwertung und fordert die Franzosen auf. ihre Währung verteidigen zu helfen.

BsgiKN der öeuisch-SKgttschen KtsiiszIhesprechLZNgerZ am 4. Zum.

DNB. meldet. Wie verlautet, ist im Einvernehmen mit der königlich britischen Regierung der Beginn der verein­barten Fwttcnbesprrchungen zwischen Deutschland und England auf Dienstag, den 4. Juni, in London, festgesetzt worden. Die deutsche Delegation, die unter Führung des Beauftragten der Reichsregierung für Abrüstungsfragen, von Ribbentrop, steht und der von der Marineleitung Konteradmiral Schuster, der deutsche Marincattachë in London, Kapitän zur See Waßner, sowie Korvetten­kapitän von Kiderlen angehören werden, wird sich Ende dieser Woche nach London begeben.

(Weltbild.)

Von Görings Aufenthalt in Sofia.

Der Ministerpräsident ehrt die Fahne eines bulgarischen Regiments, dessen Soldaten einst Schulter an Schulter mit den Deutschen im Weltkrieg gekämpft hatten