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Zulöaer Anzeiger

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Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- klau, Fulda, Königstraße 42, Telefon 2989. Berantw. für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.

Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-^nschluß Nr. 2-8- Nachöruck der mit * versehenen Artikel nur mit (ßyelknongabe .ZulSaer ^ngeigtr'geflatteL

Nr. 130 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 6. Juni 1935

Anzeigenpreis. 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlatz nach Preisliste gewährt, bei zwangs­weiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder An­spruch auf Nachlatz.DA." IV. 35.910. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. Verantwort!. für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

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Technik und Wirtschaft.

Der Reichsverkehrsminister spricht auf einer öffentlichen Kundgebung.

Anläßlich des Tages der deutschen Technik sand im Konzcrthaus in Breslau eine öffentliche, stark besuchte Kundgebung statt. Die Kundgebung wurde von dem Generalinspekteur für das Straßenwesen, Dr. Tod t, eröffnet, der besonders herzlich den Reichsverkehrsminister Freiherrn von Eltz-Rübenach begrüßte. Dr. Todt wies auf die Bedeutung des Tages der deutschen Technik hin und betonte, daß der Techniker in den letzten Jahren i wohl wirtschaftlich zu denken gelernt habe, aber der Wirtschastssührer nicht technisch zu denken.

Präsident Pietzsch sprach sodann über das Thema Die Gestaltung nationalsozialistischer Wirtschaftsführung durch technisches Denken".

Kraftquellen der Verkehrsmittel.

Reichsverkehrsminister Freiherr von Eltz-Rübe­nach sprach anschließend über dieKraftquellen der Verkehrsmittel". Der Verkehrsminister, der selbst In­genieur ist, schilderte die Inanspruchnahme der Kraft­quellen (Kohle, Ql, Elektrizität) durch die einzelnen Ver- lehrsmittel. Das finanzielle Gewicht des Energieaufwan­des wird in der Öffentlichkeit, so hob der Minister her­vor, meistens überschätzt. Bei der Deutschen Reichsbahn, die im Jahre 1934 z. B. eine Gesamtausgabe von 3,3 Milliarden Mark hatte, betrug die Ausgabe für Koh­len 213 Millionen Reichsmark, das sind also nicht einmal 6,5 v. H. Die Personalausgaben einschließlich der Ruhe- qehaltskosten mit insgesamt 2V« Milliarden schlagen da schon mehr zu Buch.

überraschend war der Hinweis des Ministers auf die Tatsache, daß

die Maschincnlcistungew der Verkehrsmittel mehr als dreimal so groß als diejenigen der gesamten statio­nären Kraftanlagen Deutschlands

f Ä. Den Löwenanteil an der großen ?8-Zahl der Ährsmittel hat der K r a f t w a g e n. Die ?8-Rechnung ^allerdings keinen Maßstab für den Energieverbrauch, âinehr sei dieser bei den stationären Anlagen mindestens »mal so groß wie bei den Verkehrsmitteln. Der Grund he darin, daß die stationären Kraftanlagen meistens den Unzen Tag, häufig Tag und Nacht, liefen, während die Verkehrsmittel nur einen sehr geringen Ausnutzungsgrad hätten. Zur

Elektrifizierung der Eisenbahn

bemerkte der Minister nach Schilderung der Vor- und Nachteile:Ich glaube nicht, daß es notwendig sein w.rd, °us diesem Gebiet eine besondere Politik festzulegen. Anzu- nreben ist auf alle Fälle, daß die elektrisch betriebenen Fahnen sich mit ihrem Strombezuge der allgemeinen ^ektrizitätswirtschaft anpassen." Zu den Bestrebungen Reichsbahn, den Verkehr auf den nichtelektrifizrerbareu Strecken durch Verwendung von

Triebwagen mit Verbrennungsmotoren iu beschleunigen, sagte der Vortragende, daß er den Be- surchtungen derjenigen, welche diese Entwicklung als ab­wegig betrachteten, zustimmen würde, wenn es sich um e>ne plötzliche Umstellung handelte. Es handele sich aber um ein Programm über 1 5 Jahre. In 15 Jahren Hürden die Devisenschwierigkeiten sicherlich überwunden MN, auch würde die Erzeugung heimischer Treibstoffe uns W Auslande unabhängig gemacht haben. ,,^ch sehe alzo keine Notwendigkeit", so schloß der Minister diese Betracq-

Die französische Regierungskrise.

Lavals Verhandlungen für die Regierungsbildung gescheitert.

. Ter überraschende Sturz des Kabinetts Bouisson hat der Welt berechtigtes Aufsehen erregt. Nachdem am Mmittag 390 Abgeordnete der französischen Kammer lein Vertrauensvotum für die Regierung zugestunmt M nur 192 dagegen gestimmt hatten, kam es bei oer eM- 'denden Abstimmung über die Vollmachten der Regle- Bouisson zu der Reqierunqsniederlage, da 264 Ab- 2"" Wnunn nnb 262 für «n «w» ^ugscmtrag der mit dem Vertrauensvotum verbunden stimmten.

Abgeordnete haben also in entscheidenden Kunden des französischen Regimes eine auf breiter Grundlage geplante französische Regierung gestürzt, ji.'L^ Bestürzung über dieses Ereignis kam darin zum Ausdruck, daß nach der Abstimmung bei:. einigen Abge- Vneten Gewissensbisse entstanden und sie erklärten, sie >veü^ £e.*ne Berichtigung ihrer Stimmabgabe vornehnten, das Kabinett hätten stimmen wollen. Die Re- $ Bouisson hatte indessen bereits ihren Rücktritt "chgeflihrt, so daß an der innenpolitischen Lage nichts ^ändert werden konnte. . ~

mit Ausnahme der Konupunisten war in Frankreich entstandenen Lage niemand zufrieden Die Pa Matter waren einmütig der Ansicht. daß die Lag ^rnst sei. Die ersten Folgen der Regierung»- 1 -varen nach der Kammersitzung

Demonstrationen der rechtsstehenden Gruppen,

tung,den Bestrebungen der Reichsbahn aus Be­schleunigung und Auflockerung des Verkehrs in den Arm zu fallen."

Die Seefahrt stünde, so meinte der Minister, außerhalb der heimischen Verkehrsmittel. Ihr Feld ist die Welt, und es wäre ganz verkehrt, wenn man ihr be­züglich der zu verwendenden Kraftquelle eine Zwangs­jacke anziehen wollte. Etwas anderes als bei der See­schiffahrt lägen die Dinge bei der Binnenschiff­fahrt. Hier entfielen immerhin schon 22 v. H. der Maschinenleistung auf Motorschiffe. Niemand denke daran, den Betrieb der Motorschiffe einzuengen. Aber eine gewisse Zurückhaltung im Übergang der Binnenschiffahrt auf Verbrennungsmo­toren sei doch geboten.

Zur Energiequelle des Kraftfahrwesens sagte der Minister:Die Vorteile des flüssigen Treibstoffes sind zweifellos anzuerkennen, aber nicht für alle Verhält­nisse. Unter bestimmten Bedingungen werden Elektrizität, Speichergas, Kohle, Holzkohle und Schwelkoks mit dem­selben Nutzen, ja teilweise mit größerem, zu verwenden sein. Durch die Novelle zum Kraftfahrzeugsteuergesetz hat die Reichsregierung ihren Willen bekundet, die Ver­wendung der nichtflüssigen Treib stoffe zu fördern. An dieser Absicht wird die Reichsregierung festhalten."

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Fernheizung der Berliner Innenstadt.

Bekanntgabe eines gigantischen Plans aus der Breslauer Tagung der Technik.

In der Reihe der Vorträge in,den Fachsitzungen auf Der Breslauer Tagung der deutschen Technik erregte ein Vortrag von Dr.-Jng. Wellmann besonderes Interesse, der von einem großzügigen Plan zur Fern­heizung der Berliner Innenstadt berichtete. Der Zeit­punkt zur Verwirklichung des Planes ist noch nicht fest-

Die Anlage sieht einen großen Heizring um Berlin vor, der teils aus bestehenden älteren Kohleukraftwerken, teils aus neu zu errichtenden Heizkraftwerken gespeist werden soll und die Stadtteile Charlottenburg, Schöne­berg, Friedrichstadt, Mitte und Moabit verbinden wird. Die einzelnen Stadtbezirke sollen von je einem Höchstdruck­dampfwerk gespeist werden, das für eine

Wärmeabgabe von etwa 100 Millionen Wärme­einheiten in der Stunde

entsprechend dem Wärmeverbrauch eines Berliner Jnnen- stadtviertels von hoher Wärmedichte eingerichtet sein müßte. Unter den Bedingungen geringster Belastung des Straßenverkehrs durch An- und Abtransport von Brenn­stoffen und Asche und geringster Belästigung der An­wohner durch Geräusche, Ruß und Rauch ist unter B e - rücksichtigung der Luftschutzforderungen ein solches Kraftwerk nach den neuesten Grundsätzen und letzten Erfahrungen ausgearbeitet worden. Bei Erhaltung der Wirtschaftlichkeit soll ein Gaspreis von nicht mehr als 0,6 Pfennig für 1000 Kilo Kalorien bewilligt werden können. Untersuchungen haben ergeben, daß Generatorgas aus Braun­kohlenbriketts für diesen Zweck geeignet sein dürfte.

die in Straßenkundgebungeu ihrem Unwillen über die Lage Ausdruck gaben. Starke Polizeiaufgebote mußten für Ruhe sorgen. In der französischen Bevölkerung ist vor allem die Erregung darüber so groß, daß das fran­zösische Parlament zu nützlicher Arbeit unfähig ist. Man schreibt u. a. in der Pariser Presse, daß die französische Kammer Unheil genug angerichtet habe, und das Land von der Kammer nichts mehr wissen wolle. Der Spit­zenverband der Frontkämpfer hat in diesem Sinne eine scharfe Entschließung an alle Parlamentarier gesandt, in der es heißt, daß niemand mehr in Frankreich begreife, daß Ministerien, die wiederholt gestürzt wur­den, immer wieder durch andere ersetzt würden, die die­selben Persönlichkeiten umfassen.

Im A u s l a n d e ivirb allgemein darauf hinge- wiesen, daß das französische Parlament sich als eine un­berechenbare Einrichtung erwiesen habe, der jedes Ver­antwortungsgefühl gegen den Staat fehle. Die Londoner Leitungen schreiben, daß der französische Parlamentaris­mus offensichtlich abgewirtschaftet habe.

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Auch Laval lehnt ab.

Der französische Außenminister Laval erklärte Mitt­woch abend dem Präsidenten der Republik, daß er den Auftrag zur Kabinettsbildung nicht über­nehmen könne.

(Schirner.)

Die schwerste deutsche Kraftfahrzeugprüsung.

Der erste Tag der Dreitage-Mittelgebirgs- fahrt, die diesmal nicht im Harz, sondern in Thüringen und in der Rhön ausgetragen wird, brachte bereits zahl­reiche Ausfälle. Durch Regenfälle wurden die anfangs ziemlich leicht erscheinenden Straßen derartig aufgeweicht, daß die Anforderungen des ersten Tages bereits den Beweis erbrachten, daß die Mittelgebirgsfahrt nach wie vor die schwerste deutsche Kraftfahrzeugprüsung ist. Während der Führer des deutschen Kraftfahrsports, Korpsführer Hühnlein, und der Reichsführer SS., Himmler, bereits dem ersten Tage der Fahrt bei­wohnten, wird der Reichskriegsminister, Generaloberst V. Blomberg, am Abschlußtage sich von den Leistungen der Fahrer und Maschinen überzeugen.

Unmittelbar darauf erläuterte er die Gründe für seine Absage. Sie liegen in der Haltung, die die Radikalsoziale Partei eingenommen hat.

Laval erklärte, daß die von den Radikalsozialen be­schlossene Tagesordnung, die nur in beschränktem Maße Vollmachten, und zwar ausschließlich zum Kampf um die Währung, aber nicht für die Ausgleichung des Staatshaushalts vorsah, ihm zwar in ihren Einzelheiten an sich tragbar erschienen sei, sie aber mit einer so geringen Mehrheit innerhalb der Parteigruppe angenommen worden sei, und zwar nur mit 31 gegen 27 Stimmen, daß er auf dieser Grundlage nicht hoffen könne, für ein von ihm gebildetes Kabinett in der Kammer die starke Mehrheit zu erhalten, die zur Durchführung seiner Aufgabe, nämlich der Verteidi­gung des Franken, unerläßlich sein werde.

Bald darauf berief der Präsident der Republik, Lebrun, den zurückgetretenen Ministerpräsidenten Bouisson und Herriot ins Elysëe zu einer weiteren Besprechung. Die Lage ist nach dem Scheitern der Bemühungen Lavals völlig ungeklärt.

Linksgerichtete Kartellregierung?

Innerhalb der Linksparteien fand den ganzen Tag über ein lebhafter Meinungsaustausch über die Möglichkeit der Bildung einer linksgerichteten Kartellregierung statt, die man jetzt nach dem Scheitern Lavals auch durchaus nicht für ausgeschlossen hält. Es ist dabei besonders bemerkenswert, daß auch die K o m m u n i st e n ihre Mitwirkung an einer solchen Regierung oder mindestens ihre Duldung nicht unbedingt zurückgewiesen haben. In der Presse der' Rechten und dèr Mitte sieht man dieser Entwicklung natürlich mit schwersten Besorgnissen entgegen.

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Erneute Stratzeuunruhe» in Boris

Paris, 6. Juni. Vor der ZeitungPetit Journal" ist eZ zu Unruhen gekommen. Anhänger derAction francaise" haben gegen die von diesem Blatt befürwortete Abwer­tungspolitik protestiert und sämtliche Fenster der Ge­schäftsräume eingeschlagen. Auch aus anderen Stadtteilen werden Ansammlungen gemeldet.

»Freie Christengemeinde e. 5." aufgelöst. Staatsfeindliche Umtriebe unter reli­giösem Deckmantel.

Auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichsprä­sidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Fe­bruar 1933 wurde dieFreie Christengemeinde e. B." für das gesamte hamburgische Staats- gebiet aufgelöst und verboten, weil unter dem Deckmantel einer religiösen Betätigung Gesundbeterei be­trieben wurde. Außerdem konnten in diesem Verein staatsfeindliche Umtriebe s e st g e st e l l t werde«. Der Leiter und Prediger der Gemeinde, ein Ausländer, wurde aus dem Reichsgebiet ausgewiesen.