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Zulöaer Anzeiger SSÜbSS; S Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ^miionâlulk: Frièdiâ EhrenklaE Dauter- Iul-a- unö Haunetal »Zulüaer Kreisblatt Na u', Fulda^^öniMratze ^42, Telefon ^2989° - Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-flnsthluß Nr. 24S4 Mantw. für den Inhalt: B e r n d Heim, Fulda. Nachdruck âer mit* versehenen ftrttkel nur mit (Quellenangabe.Zulöaerftnzeiger'gestattel.

!t 131 12. Jahrgang

Fulda, Freitag, 7. Juni 1935

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei zwangs­weiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder An­spruch auf Nachlaß.DA." IV. 35.910. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. Verantwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

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Die Krise im Kreise.

Immer die alten Namen. Bedenkliches Abrutschen nach links.

Wenn Frankreich âeRegierungskrisedurch- «cht und die üblichen ^Handlungen um die wbildung .einer Regie- mg ausgenommen wer- m, dann tauchen seit Mr und Tag immer begleichen Namen au f. Immer die alten Wlamentskämpen, die »m Kuhhandel austragen. Wer von ihnen ist schon verschiedene Male Mini- hr gewesen. Heute hatte !i dies, morgen jenes Ministerium inne; er eig- M sich zum Landwirt- Wsisminister so gut wie jiini Marineminister.

Uns will diese Vieb- Digkeit nicht gerade be- Nndernswert erscheinen, dm wir sind der Aus­

Piètri, der sich um die Regierungsneu­bildung bemühte. (Wagenborg- Bildarchiv.)

WNg, daß die Leistung den Menschen für einen Wm bestimmt und nicht die Partei. Wir sehen darin die Tragik des Systems,

keinen jungen Nachwuchs hat, das sich im W dreht und. sich völlig ausschöpft, während die Mente des Staates und der Wirtschaft von Tag zu ^ sich verlagern und ernster werden.

Laval hat sehr schnell feinen Auftrag zur Regie- èldung zurückgegeben. HerrUjLder Mistec M lentshandel, hat gleich verzichtet. Am Donnerstag e sich der bisherige Marineminister P i é t r i, auch Mnn, der immer dabei ist, um die Regierungsneu- f% Auch er ging den alten ewig gleichen Trott und tadelte mit den ewig gleichen Männern: mit Laval, Min, Tardieu, Caillaux und Malvy. Wie alle vor verstrebte er ein Kabinett auf möglichst breiter Grund­ke. Aber solch ein Vorhaben wird heute schon schwierig M die

fortschreitende Linksentwicklung in den Reihen der Radikalsozialen,

^ das Zünglein an der Waage sind, die Regierungen Ren, neue bilden, oder auch ihre Bildung verhindern, â haben die Verhandlungen innerhalb der sogenann- jMelegation der Linken", die Vertreter aller Mteien, von den Radikal sozialen bis zu Kommunisten, umfaßt, vorerst noch nicht zur Wellung eines gemeinsamen Aktionsprogramms ge- Ä denn die von ßéon Blum vorgetragenen sozialistr- M Vorschläge, die auf eine ausgesprochen r e v o l u t i o- ""-marxistische Umwälzung auf wirtschaft- 'wn Gebiet hinauslaufen, haben doch bei einem Teri Radikalsozialen einigen Schrecken erregt. Immerhin !«e am Schluß eine gemeinsame Entschließung der Wgaüon angenommen werden, die die Grundlage für Verhandlunagen über ein Zusammengehen der Misgruppen einschließlich der Kommunisten bietet.

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lehrreicher Anschauungsunterricht.

Sie Ereignisse, die sich in den letzten Tagen in Frank- W abgespielt haben, sind für jeden, der sich mit dem Änm der Staatsformen befaßt, von interessanter Be- Wahrend das französische Volk den dringenden Wunsch M daß mit raschen, klaren Maßnahmen der Franken- L entgegengetreten wird, hat es die Parlamen­te Organisation möglich gemacht, daß wertvolle "..nutzlos verstreichen mußte. Denn die Sach- â^ eine außerordentlich einfache. Es gibt eine ganze Ä von festumrissenen Maßnahmen, die gegenüber Muven Manövern, wie sie gegenwärtig mit dem betrieben werden, unternommen werden können.

Nir solche Maßnahmen ist an sich nicht die 1 vlichkeit, die sie durchführt, sondern nur die Frage, Ab'° rasch und energisch in Angriff genommen werden, kümmert es den Parlamentsklungel, ob Staat S Not leiden. Hier werden nicht Volksinteressen ändern Parteiinteressen. Die Partei über da- so heißt imdemokratischsten aller Staaten die Statt eine Beschleunigung zu unterstützen, wird di «"d parlamentarischer Arithmetik den Mannern, und in der Lage sind, dre erforderlichen unternehmen, die Möglichkeit dazu erschwert Sie S Volk in den Zustand der Bestürzung versetzt. Mutation aber ist der lachende D c itt >. eit« verfolgen solche Beispiele mit besonderem Ritter erinnern daran, daß noch nicht viel Zeit lst, seit auch in Deutschland Regierungen zum ?^ Volkes das Ergebnis endloser parlanmn< ^h'gsKoalitidnsverhandlnngen und eines widerlichen â udels um Abaeordnetenstimmen hhse^' Veispiele, wie wir sie in den letzten Tugen el ^Mrken festlichen Nachbar vor Augen gefuhib erhielten^ eu tn uns den Dank an den Führer, bei Deutsch

land das Gesetz des Handelns wiedergegeben und uns aus der Sch ach e r w i r t s ch a f t des Parlamen­tarismus befreit hat.

Auch Pittn verzichtet.

Am Donnerstagnachmittag hat auch Marineminister P i 6 t r i auf den Auftrag der Kabinettsbildung ver­zichtet. Schon die ersten Besprechungen, die Pietri mit den Vertretern der einzelnen parlamentarischen Gruppen zu Beginn des Nachmittags führte, hatten ihn davon überzeugt, daß seine Aussichten, mit dem Kabinett zu­stande zu kommen, verschwindend gering wären. Er begab sich daher zum Präsidenten der Republik ins Elysöe und teilte ihm mit, daß er den Auftrag zur Regierungsbildung nicht übernehmen könne. P i é t r i erklärte beim Ver­lassen des Elysëes kurz und offensichtlich verstimmt, daß er eine übergÄgsfor für die Vollmachtsgesetze ins Auge gefaßt hatte und daß er alle Parteien an der Regierung habe beteiligen wollen. Er habe sich aber davon über­zeugen müssen, daß er für eine solche Lösung bei den Parteien nicht genügend Entgegenkommen und Opfer­willigkeit gefunden habe, um den Erfolg sicherzustellen. Daher habe er sich entschlossen, auf weitere Versuche zu verzichten. Nach Piötris Verzicht wurde B o u i s s o n erneut zum Staatspräsidenten Lebrun gerufen. Er hat wenige Minuten später die Beauftragung abgelehnt und gar nicht erst mit politischen Besprechungen begonnen.

Der nächste war Herriot, der aber nachher aus­drücklich betonte, er fei nur zu einer Beratung berufen worden. Man werde aber in einigen Minuten den Namen des Auserwählten wissen. Das war nun freilich eine Täuschung, denn nach über einer halben Stunde traf der Vorsitzende der radikalsozialen Kammergruppe, Del- bos.ein,. der Mr den. Mr, WmMMdentxm H.er Re­publik angebotenen Auftrag zur Kabinettsbildung eben­falls ablehnfe, und zwar mit der Begründung, er fühle sich, besonders da er noch nie Minister gewesen, und in finanziellen Dingen nicht sehr bewandert sei, nicht kom­petent genug, um diese schwierige Aufgabe zu übernehmen. Dann kam Laval.

Pierre Laval hat beim Verlassen des Elysöes erklärt:

Der Präsident der Republik hat mir erneut die Regie­rungsbildung angeboten. Angesichts der ernsten Lage

Appell an die wirtschaftliche Vernunft.

Neichsbankpräsident Dr. Schacht auf der Internationalen Wollkonferenz in Berlin.

Die elfte Internationale Wollkonferenz, dre am 6. unb 7 Juni in Berlin tagt, wurde in Anwesenheit zahlreicher in- und ausländischer Delegierter von denr Vorsitzenden der Internationalen Wollverermgung, Manrice Dubrulle, eröffnet.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht überbrachte dann auftragsgemäß die Grüße des Führers und Reichskanz­lers. der infolge seiner Abwesenheit von Berlin zu ser- nein Bedauern verhindert sei, die Delegation der Inter­nationalen Wollvereinigung zu empfangen. Namens des Führers und der Reichsregierung wünschte Dr. Schacht der Soiiferens einen erfolgreichen Verlauf. Dr. Schacht kuhr fort: Es sei üblich, bei Gelegenheiten wie der vor­liegenden, eine wohlvorbereitete und wohltemperierte Be- arüßungsansprache zu halten. Er möchte heute hiervon ab sehen und einmal als ehemaliger Kaufmann zu den Teilnehmern der Konferenz sprechen. Denn die erfolg- Hiche Führung der privaten Wirtschaft sei die Vorbedin­gung jeder Volkswirtschaft.

tvalitik und Politiker könnten nur leben, wenn die Wirtschaft gesund sei.

Dr Schacht verwies auf die ungeheure Verwirrung und Unsicherheit, die in allen Ländern in die Wirtschaft hin- eingetragen worden sei durch die politischen Fehler der Ver­gangenheit Internationale politische Konferenzen hätten ebenso abgewirtschaftet wie die internationalen volkswirt­schaftlichen Konferenzen. Deshalb seien Tagungen der Privatwirtschaftler, die an der Aufrechterhaltung und Wiederbelebung der internationalen wirtschaftlichen Be­ziehungen direkt interessiert seien, vielleicht ein geeignetes Mittel um wieder zur Vernunft zurückzuführen.

Dr Schacht wies dann darauf hin, daß die Teil- nebnwr der Konferenz sicherlich neben ihren beruflichen Fragen die sie bei der Konferenz zu behandeln gedächten, auch ben Wunsch hätten, das neue Deutschland kennenzu- lerne' Sicherlich würden sie auch an dem neuen Deutsch- land diese unb jene Mängel bemerken, ivie es auch vor den: Kriege hier und bei jedem anderen Staatswesen der Fall gewesen sei; aber

eine große Wattdlung sei in Deutschland zu bemerken:

sierr-Äe ein einheitlicher Wille von der obersten bis zur untersten Stelle, und dieser Wille fei darauf gerichtet, durch die Störungen seitens der internationalen Politik

ßiicli das innere Wirtschaftsgebäude zerstören zu lassen Deutschland müsse sich mit bem Außenhandel so rccbi und so schlecht ivie möglich abfinden, aber es richte

habe ich nicht geglaubt, mich dieses Auftrages entziehen zu können. Ich werde also die Regierung bilden."

Aus dieser Erklärung glaubt man in parlamentari­schen Kreisen schließen zu dürfen, daß Laval ohne Rück­sicht auf die Einstellung der verschiedenen Gruppen, in­sonderheit der Radikalsozialisten, ein Kabinett zusammen- bringen will, mit dem er so schnell wie möglich vor die

Kammer treten könnte. Laval soll entschlossen sein, die Kammer vor die Verantwortung ru stellen.

Das Kabinett Laval gebildet.

Paris, 7. Juni. (Funkmeldung.) Kurz vor drei Uhr früh hat Ministerpräsident Laval sein Kabinett gebildet, das sich wie folgt zusammensetzt:

Ministerpräsident: Laval (Senator, parteilos),

Staat sm imster: Herriot (Abgeordneter, Radikalsozia­list), Marin (Abgeordneter, republikanische Ver­einigung), Flandin (Abgeordneter, Linksrepu­blikaner),

Justiz: Berard (Senator, Richtung Marin), Innenminister: Paganon (Abg. Radikalsozialist), Kriegsminister: Oberst Fabry (Abgeordneter, Mittel- republikaner der Richtung Tardieu und Vorsitzender des Generalausschusses der Kammer), Kriegsmarine: Pie tri (Abgeordneter, Republikaner), Luftfahrt: General D e n a i n, Handel: Bonnet (Abgeordneter, Radikalfozialist), Finanzen: Marcel Regnier (Senator, Radikalsozialist), Unterricht: Marconbes (Abgeordneter, Radikalsoz.), Oeffentliche Arbeiten: Laurent-Eynac (Abgeordne­ter, Radikalsozialist),

Kolonien: Rollin (Abgeordneter, Radikalsozialist), Handelsmarine: Roustarn (Senator, Radikalsozialist), Arbeitsminister: Frossard (Abgeordneter, früherer Altsozialist),

Pensionen: M a u p o i l (Abgeordneter, Radikalsozialist), Landrvirtschaft: Cathala (Abgeordneter, Radikale Linke), der gleichzeitig die elsässisch-lothringischeu Angelegenheiten mit verwalten wird,

^Mentlichx Gesirndheiti Lafont (Abgeordneter, Neu­republikaner),

Postminister: Mandel (Abgeordneter, unabhängig).

Ministerpräsident Laval und seine Mitarbeiter haben sich sofort ins Elyfëe begeben, um sich dem Präsidenten der Republik vorzustellen, der die Ernennungsdekrete unter­zeichnete. Diese erscheinen heute früh imJournal Officiel". Im Laufe des Vormittags findet eine Minister­besprechung statt. Am heutigen Freitag abend um 6 Uhr tritt die neue Regierung bereits vor das Parlament.

sich im Innern so ein, daß die Arbeitslosigkeit beseitigt werde und Ruhe und Ordnung in der Wirtschaft herrsche.

Die Reichsregierung wünsche die deutsche Wirtschaft, ihre Konsumkraft und das deutsche kaufmännische Emp­finden für eine bessere Zukunft intakt zu halten und den Wert internationaler kaufmännischer Beziehungen zu demonstrieren. Denn ewig würden die Fehler der bis­herigen Politik nicht dauern, die Völker verlangten zurück zum normalen Austausch von Waren und Leistungen, auf dem allein die Zivilisation beruhe. Dieser Wille der Völker zu fruchtbringender Arbeit sei es, der ihn, so fuhr Dr. Schacht fort, mit einem unzerstörbaren Optimismus erfülle.

Staatsbegräbnis für Generaloberst v. Linsingen.

Aus Anlaß des Hinscheidens des Generalober­st e n v. Linsingen ist vom Führer und Reichskanz­ler ein Staatsbegräbnis an geordnet, das am 8. Juni stattfindet. Die Trauerfeier beginnt um 9.30 Uhr in der Marienkirche in Hannover. Von dort wird die Leiche des Entschlafenen mit einer Trauerparade zum neuen St. Nikolai-Friedhof in der Strangriede i n Hannover übergeführt.

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Nachruf des Neichskriegsministers.

Der Reichskriegsminister und Oberbefehls­haber der Wehrmacht hat dem verstorbenen General­obersten Alexander von Linsingen einen Nachruf gewidrnet, in dem es heißt:Einer der erfolgreichsten Armeeführer des Weltkrieges ist zur großen Armee abberufen worden. Im Kriege 1870/71 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, wurde er in ehrenvoller Friedenslaufbahn Komman­dierender General des II. Armeekorps, das er im Welt­kriege siegreich an der West und Ostfront führte. Mit be­sonderem Stolz gedenkt die Wehrmacht der ruhm­reichen W a f f e n t a 1 e n , die deutsche und verbündete Truppen unter ihm als Armee- und Heeresgruppenführer an der Ostfront vollbrachten. Das Andenken dieses un­erschrockenen, vorbildlichen Führers wird in hohen Eb^n gehalten werden." "