Zul-aer /lnzeiger
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Nr. 137 — 12. Jahrgang
Fulda, Samstag, 15. Juni 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
BoKsttauer um die Opfer von Reinsdorf.
Die Ursache des furchtbaren Explosionsunglücks. — Ueber fünfzig Todesopfer. Die Reichsminister Dr. Frick und Dr. Goebbels an der Unglücksstätte.
über die Ursache des furchtbaren Explosionsunglücks in der Westfälisch-Anhaltinischen Sprengstoff-Fabrik in Reinsdorf bei Wittenberg wird folgendes bekannt: Durch einen Betriebsunfall im Sprengstoffbetrieb, wahrscheinlich in der Wäscherei für Rückstände, entstand ein Brand. Dieser Brand war die Ursache einer dann folgenden Explosion. Durch diese erste Explosion wurden infolge Übertragung durch Sprengstücke weitere Teilexplosionen und Brände verursacht.
Bis Freitag wurden 45 Tote geborgen. Es ist anzunehmen, daß bei den Ausräumungsarbeiten weitere Tote ausgefunden werden, da die Verlustliste noch nicht abgeschlossen ist. An Schwerverletzten befinden sich 73 in Krankenhäusern. Die Leichtverletzten, die kleine Glassplitterverletzungen haben, arbeiten zunl Teil bereits wieder.
Die Sorge für die Hinterbliebenen.
Die Werksleitung sorgt in vollem Umfange für die Hinterbliebenen. Die B e st a t t u n g , die besonders feierlich in Anwesenheit von Vertretern der Reichs- regierung und der Partei gestaltet werden wird, findet niif Kosten der Werksleitung statt. Die Hinterbliebenen erhalten die volle Höhe des Lohnes bis zum Eintreten der Versicherung ausgezahlt. Ferner ist das Werk bereit, den Hinterbliebenen auf Lebenszeit eine Rente auszusetzen. Die Deutsche A r b e i t s f r o n t hat, wie Dr. Leh in einem Tele- Mmm an den Betriebsführer der Wasag in Reinsdorf Utteilte, bereits 50 000 Mark zur Abwendung in durch das Unglück entstandenen schlimmsten Not ge- ^nbet Die Deutsche Arbeitsfront wird weiter n o ch -ine S o n d er a kti o n zugunsten der Hinterbliebenen nilleiten. Ebenfalls sind von der „Stiftung für die Opfer der Arbeit" bereits 50000 Mark angewiesen worden. Aus Wittenberg und den Orten der Umgebung kommen immer wieder Meldungen über Zeichen echten nationalsozialistischen Gemei n s ch a f t s g e i st e s. In bereitwilligster Weise wurden Wohnungen zur Unterbringung der m der ersten Panikstimmung geflüchteten Bewohner von Reinsdorf, Braunsdorf und anderen Orten der Nachbarschaft des Werkes zur Verfügung gestellt. Auch die Arbeiter, die zum Teil nicht in die mitunter weit entfernten Heimatorte zurückkehren konnten, da sie bei dem schnellen Verlassen des Werkes ihre Fahrräder zurücklassen mußten, konnten dank der Hilfsbereitschaft aller Volksgenossen behelfsmäßig
Stiftung für
bereits 50 000 Mark an-
untergebracht werden.
Spendet zur Linderung der Aot!
Das Reichsministerium für Volksaufklär unq und Propaganda teilt mit: Es wird gebeten, S p e n d e n , die zur Linderung der Notlage der Opfer des Unglücks bei Wittenberg bestimmt sind, aw die beim Reichsministerium für Volksaufklarung und Propaganda bestehenden „Stiftung für Opfer d Arbeit" (Kontonummer 120) bei der Reichskreditg s ll- schaft, Berlin W 8, Behrenstraße 20/21, mit dem Vermerk „Für Wittenberg" einzuzahlen.
Flaggen aus Halbmast.
Gauleiter I o r d a n des Gaues Halle-Mersoburg glbi folgende Anordnung bekannt: „In tiefer Trauer stehen die Parteigenossen des Gaues Halle-Merseburg an der Bahre der durch das furchtbare Unglück von Reinsdorf gefallenen Kameraden der Arbeit. Zum Zeichen der Anteilnahme der Parteiorganisation des Gaues Halle-Merseburgi ordne! ich an: Alle Dienststellen der Partei flaggen mit sofortigem Beginn bis einschließlich des Beisetzungstages halb >nast, und sämtliche Fahnen der Parteiorganisation sind während derselben Zeit umflort zu tragen.
Für die Deutsche Arbeitsfront hat ~r. ~ y angeordnet, daß als äußeres Zeichen der tnwn Kameradschaft mit der schwer heimgesnchtm Gefolg chaft der Westfälisch-Anhaltinischen F^nk samt iche Dienst stellen der DAF sofort die Arbeit s fro n t f ach n e ms einschließlich des Beisetzungstages der Opfer auf!h a^l b mast fe^en. Zum Dienstanzug wird auf fünf -agc " r a u e r f l o r angelegt.
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AllsräumungsarbeLien aus der Auglüelösiätle
Nur den Ingenieuren und den Rettungsmann- 'maften wurde wie berichtet wird, das Vorormgen Segen den Katâstrophenherd gestattet. Zu wirren Knaueln
toten wer und Werksgngehörige damit heschaft g, )
1 Arbeitskameraden zu bergen.
Einer für alle.
Todesmutiger Opfersinn und wagemutige Einsatzbereitschaft für die Arbeitskameraden zeichneten die Rettungsaktion aus. ©ine besondere Gefahr bildeten im Augenblick der Katastrophe einige große Behälter mit Sprengstoffen. Unter Einsetzung ihres Lebens drangen mehrere Betriebsangehörige vor, um ihren Arbeitskameraden, der dort ständige Wache hält, zu bergen. Auf mehrmaliges Rufen erschien der Arbeiter wohlbehalten und erklärte, nicht eher vom Platze
(Aufn. Associated Preß.)
Eine riesige Wolle türmte sich kurz nach der Explosion über dem Fabrikgelände auf.
zu weichen, bis die gesamte Anlage vollkommen unter Wasser gesetzt sei. Diese Pflichterfüllung bis zum letzten hat eine Ausbreitung des Unglücks und die Vermehrung der Zahl der Opfer verhindert.
An vielen Stellen drangen auch Arbeiter, die ihre Werkstellen noch rechtzeitig verlassen konnten, trotz der durch herumflicgcnde Glassplitter und Steine erlittenen Verletzungen in andere Werkstätten ein, um Arbeiter, denen durch Einsturz oder schwere Verwundungen das Entkommen unmöglich war, zu bergen.
Über die vielen
Ein nationales Unglück.
Trauerkundgebung für die Remsdorser Opfer. — Reichsminister Dr. Frick spricht.
in
Dresden, 15. Juni. Der Kreis Dresden der £ AF hatte für Freitag abend zu einer Massenkundgebung aufgerufen, die sich im Hinblick aus das furchtbare Explosionsungluck in Reinsdorf spontan zu einer^ eindrucksvollen, ernsten Drauerkundgebung von etwa 35 000 schaffenden Volkse genossen gestaltete. 5m Mittelpunkt der Kundgebung stand eine Ansprache des Reichsministers des Innern Dr. Frick, der gerade von der Unglücksstätte in Reinsdorf gekommen war. Die toten Kameraden, so sagte der Reichsminister, • sind auf dem Felde der Arbeit und der Ehre geblieben. Die Katastrophe von Reinsdorf ist ein nationales Unglück, wie wir es Gottseidank nur selten zu verzeichnen haben.
45 Tote betrauern wir bis jetzt. 7 3 Schwerverletzte liegen in den Krankenhäusern. Es ist zu befürchten, daß n o ch m e h r T o t e sich unter den Trümmern befinden.
Die Regierung wird ihr Möglichstes tun, um die Betriebssicherheit cuf das größtmögliche Maß zu erhöhen. Es sind bereits von der Regierung und der DAF Mittel bereitacstcllt worden, um den Opfern, insbesondere den Hinterbliebenen, zu helfen und sie vor Rot zu schützen. Der Betrieb, in dem sich das Unglück ereignete, hat sich bereit erklärt, den Hinterbliebenen eine lebenslängliche Rente auszusetzen. Es wird also alles geschehen, um das Unglück zu lindern, soweit dies überhaupt möglich ist Wir deutschen Volksgenossen neigen uns in diesem Augenblick vor der Majestät des Todes.
Nach Minuten des stillen Gedenkens fuhr Reichsminister Dr Frick fort: Aber Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen, und so wollen wir Weiterarbeiten und kämpfen Seite an Seite, und jeder Unglücksschlag soll unsere Reihen nur dichter schließen und uns als ein geschlossenes Ganzes finden hinter unserem Führer. So werden wir jedes Unglück überwinden und schließlich das ^iel erreichen, das uns der Führer gesteckt hat: ein neues Deutschland, das Dritte Reich. wie wir es in den Zeiten
Taten echter Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und der Formationen der Bewegung wird berichtet, daß z. B. die Arbeiter, die vielfach barfuß von der Unglücksstätte geflüchtet waren, sofort notdürftig mit Schuhzeug versorgt wurden. Schon in den ersten Morgenstunden war von der Kreisleitung in Wittenberg für die notwendige Verpflegung Sorge getroffen worden. Schlächtereien und Gastwirtschaften organisierten mit Unterstützung des Schlachthofes einen Essenträgerdicnst. Um die Arbeiterschaft mit den notwendigen Geldmitteln zu versorgen, wurden auf den Arbeitsämtern und teilweise auch auf freiem Felde die Löhne ausgezahlt.
Das Werk, das nach dem Versailler Vertrag unter Aufsicht der alliierten Kommission als einziges in beschränktem Umfange bestehengeblieben war, hat diesmal das dritte Unglück über sich ergehen lassen müssen.
Bereits in den Jahren 1915 und 1925 haben zwei schwere Explosionen stattgcfundcn, die in beiden
Fällen etwa je 50 Menschenleben forderten.
Am Freitag gegen Mittag erschienen in Reinsdorf Reichsminister Dr. Frick und General Daluege, die sich an Ort und Stelle von dem Ausmaß des Unglücks überzeugten. In den Werkstätten, sofern sie nicht zu dem zerstörten Betrieb gehören, wurde nach Beseitigung der Glasscherben und der kleinen anderen Schäden, bereits wieder gearbeitet. Ein großer Teil der Leichtverletzten ist am Freitagmorgen wieder zur Arbeit erschienen. Feiern will keiner, sofern er nur irgend arbeiten taun, obwohl ein Fernbleiben von der Arbeitsstätte infolge der Verletzungen keinen Verdicnstansfall bedeuten würde.
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Wie die NSK. meldet, hat die NSDAP, durch Neichs- schatzmeister Schwarz den Betroffenen des Unglücks von Reinsdorf einen Betrag von 10 0 0 0 0 Mark überweisen lassen. Das Hauptamt für Volkswohlfahrt stiftete nach Bekanntgeben des Unglücks in Reinsdorf den Betrag von 50 000 Mark.
Der Reichs- und preußische Wirtschaftsmini st er und der Reichs- und preußische Arbeitsminister haben dem Betriebsführer und der Gefolgschaft der Westfälisch-Anhaltinischen Sprengstoff-Fabrik zu dem Erplosionsunglück im Werk ihre wärmste und aufrichtige Anteilnahme ausgesprochen. Der R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r hat sich ferner sofort mit der Berufsgenossenschaft der Chemischen Industrie in Verbindung gesetzt, damit durch beschleunigte Auszahlung von Vorschüssen auf die entstehenden Rentenansprüche der dringendsten Not in den Familien der Verunglückten gesteuert wird.
des Kampfes vor Augen haften und wie wir es in den zweieinhalb Jahren unserer Regierungstätigkeit schon jetzt zu einem guten Teil verwirklicht haben.
s Brausend erscholl das ,,Siegheil" über den weiten Platz. Die Tausende sangen das Horst-Wessel-Lied. Dann nahm Reichsminister Dr. Frick den Vorbeimarsch der Abteilungen der DAF ab.
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Minister Dr. Goebbels bei den Opfern
Reichsminister Dr. Goebbels war am Freitagnachmiftag in Wittenberg, um die Folgen der Katastrophe von Reinsdorf zu besichtigen und die Opfer der Katastrophe persönlich zu ehren. In seiner Begleitung befand sich der stellvertretende Gauleiter von Berlin, Staatsrat Görlitzer. Kurz vor Wittenberg wurde der Minister von dem Gauleiter von Halle-Merseburg, Jordan, sowie von dem zuständigen Kreisleiter Heidenreich erwartet und zu der Unglücksstelle geleitet, die Dr. Goebbels eingehend be- sichftgte. Die bisher geborgenen Toten, die in einem zur Totenhalle umgewandelten Schuppen auf dem Werkgelände provisorisch aufgebahrt sind, ehrte Dr. Goebbels durch stummen Gruß. Dann begab er sich in das Paul-Gerhard- Stift, um jedem einzelnen der 86 Schwerverletzten persönlich die Hand zu drücken. Es war erschütternd und erhebend zugleich, zu sehen, wie diese Männer und Frauen, die zum Teil furchtbare Schmerzen zu erdulden haben, als deutsche Arbeiter heldenhaft ihr Schicksal ertragen und ausnahmslos mit dankbaren, strahlenden Augen den Besuch des Ministers begrüßten.
Zur Milderung der ersten Notlage für die Hinterbliebenen und Schwerverletzten übermittelte Reichsminister Dr. Goebbels dem Kreisleiter einen vorläufigen Betrag von 10000 Mark.