Zul-aer /lnzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. «ei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Vertag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42, Telefon 2989. — Lerantw, für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt
Re-aktion un- Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernfprech-flnßhluß Nr. 2989
Nachdruck der mit ♦ versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »Zulöaer flnzeiger'gestattet.
Anzeigenpreis. 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei zwangs- weiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß.-„DA."IV. 3S.910.-Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. — Verantwort!. für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau. Lauterbach-H.
Nr. 138 — 12. Jahrgang
Fulda, Montag, 17. Juni 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Der Ehrentag des deutschen Handwerks.
Die alte Reichsstadt Frankfurt im Festkleid. — Viele Tausende nehmen aus dem ganzen Reich teil. — Der Führer erhebt Frankfurt a. M. zur Stadt des deutschen Handwerks.
Die alte Reichsstadt Frankfurt a. M. stand am Sonn- tz im Zeichen des Reichshandwerkertags. Fahnen und Wanden gaben der Stadt ein festliches Gepräge. Weit Her 100 000 Teilnehmer aus allen Gauen des Reiches Baren in Sonderzügen angerollt, um gemeinsam den Ehrentag des deutschen Handwerks zu begehen.
Den Auftakt zum Reichshandwerkertag bildeten die Nömerbergfe st spiele. Wallensteins Lager und Piccolomini zogen in einer künstlerisch geschlossenen Auf- ftihrung vor der mittelalterlichen Fassade des Römers vorüber. Die Einzigartigkeit des Schauplatzes wurde allen Teilnehmern zum tiefen Erlebnis. Am Sonnabend tagten die Kommissionen der Innungen und die Obermeister, und die Verbände erledigten ihre interne Arbeit. Am Nachmittag wurden die Teilnehmer an der Handwerker- zielfahrt — Meister und Gesellen — offiziell begrüßt, und abends fanden auf allen Plätzen der Stadt die .bandwerkerspiele und Tänze statt. Da sah man den alten Schäfflertanz, das Zimmerer- klatschen, den Tanz der W a s s e r m a d el n, den historischen Schwertertanz und das derbkomische Buchdrucker-Gautschen.
Eine Rede Dr. Schachts.
Im prächtig geschmückten Haus der Technik auf dem Mhallengelände versammelten sich Handwerkerabordnun- M aus dem ganzen Reiche, die Spitzen der Partei und H Staates sowie eine große Zahl von Ehrengästen zu mr erhebenden Feierstunde. Reichshandwerlsmeister l^midt begrüßte die Festteilnehmcr, insbesondere den Hsorganisationsleiter der NSDAP., Dr. Ley, und den Wwirtschaftsminister und Reichsbankpräsidenten st Schacht. Er erteilte dann dem Reichswirtschafts« Mster Dr. Schacht das Wort, der unter dem Jubel der Äsende mitteilte, daß er im Auftrage des Führers und Reichskanzlers gekommen sei, der es unendlich bedauere, Ä es ihm nicht vergönnt fei, seine ursprüngliche Absicht Aszuführen, zu dieser Festwoche der Handwerker zu erscheinen.
Ich begrüße diese Tagung als die erste große Heerschau des deutschen Handwerks und freue mich, daß ich diese ®iü6e und Wünsche aussprechen kann in Frankfurt am
Das Römerbcrg-Festspicl, das den Auftakt zu dem Reichshandwerkertag bildete.
Un, das schon im Jahre 1848 den überhaupt ersten ^ndwerkertag gesehen hat.
Das ganze Handwerk soll es sein.
*te Gesell- und L-hrlin, muffen zu einer Arb-ilZ. 5™ znsamm-ng-schw-ißt werden. »n ° ,'. Mmft des deutschen Handwerks sich aufbamn kann.
Arbeitsgemeinschaft, gegründet aus der Selbst ^ning boii einem rum anderen und nicht traolnoue . 2"des- und Klassehunterschieden, soll alles zusammen- Diese nationalsozialistische. Griindauffassung 'st Arâs^"' die mich mit dem Führer der ~ 1
Dr. Ley, zusammengefuhrt hat, «m «ne rind Arbeitsgemeinschaft nicht nur tm Handwerk, ^°»dern in der ’S Wirtschaft au schaffen.
Das ist der Sinn des Abkommens, das ich mit dem Führer der Deutschen Arbeitsfront getroffen habe.
Wenn wir im besonderen vom Handwerk sprechen, so ist noch eines zu sagen: Das Handwerk ist kein Stand und keine Klasse für sich. Auch das Handwerk wird im Dritten Reich nur gedeihen, wenn es sich mit den übrigen Ständen verbunden fühlt. Wenn ich für Ihr Recht kämpfe, so verlange ich von Ihnen Verantwortungsgefühl gegenüber der Allgemeinheit.
Nachdem Dr. Schacht seine Ausführungen beendet hatte, verlas Reichshandwerksmeister Schmidt unter unbeschreiblichem Jubel ein
Telegramm des Führers
an den Aeichshandwerksmeister.
Darin heißt es: „Den in Frankfurt zu festlicher Kundgebung versammelten Handwerkern, Meistern, Gesellen und Lehrlingen gilt heute mein Gedenken. Es ist mein Wunsch und Wille, daß das deutsche Handwerk, verwurzelt in ehrwürdiger Überlieferung, im Schutz von Volk und Staat, einer neuen Blüte entgegengehe. Die Wahl der alten Kulturstadt am Main mit ihrer großen, ruhmreichen Handwerkertradition als Stadt Ihrer Tagung rst ein besonders glückliches Symbol dieses Aufstieges. An ihm in zäher Energie und unerschütterlichem Glauben an ein ewiges Deutschland mitzuarbeiten, um dem deutschen Handwerk die seiner großen wirtschaftlichen Bedeutung entsprechende Geltung im In- und Ausland zu erringen, ist Aufgabe jedes einzelnen von Ihnen. Meiner Unterstützugg hierher können Sw gewiß sein."
Nach einer Ansprache des Stabsleiters der Deutschen Arbeitsfront, Dr. v. Rentelen, hielten Vorführungen alter Handwerksbräuche die Festteilnehmer noch lange Zeit in froher Gemeinschaft zusammen.
Der Aufmarsch der 300 000
Der Höhepunkt des Reichshandwerkertages in Frankfurt a. M. war die Großkundgebung des deutschen Handwerks auf dem Frankfurter Sportfeld. Um die Mittagsstunde des Sonntags formierte sich der riesige Festzug zunächst zum Vorbeimarsch vor dem Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, und dem Reichshandwerksmeister Schmidt. Ganz Frankfurt war auf den Beinen. Die festlich geschmückte Stadt sah nicht nur 200 000 Handwerker als Gäste, sondern vielleicht noch einmal 300 000 bis 400 000 Menschen als Zuschauer und Miterlebende dieses großen Ereignisses.
Der Festmarsch bat ein herrliches, buntes und lustiges Bild.
Fast zwei Stunden lang marschierten und fuhren die Handwerker durch Frankfurt, voran die SS. mit einer großen Kapelle, dann die Handwerker mit ihren riesigen Wagen, auf denen die einzelnen Handwerke dargestellt waren. So standen die Schornsteinfeger vor rauchenden Schornsteinen, so fuhren die Maurer auf einem rollenden Haus, so saßen die Hamburger Zimmerleute vergnügt auf einem fahrenden DmH- stuhl, so marschierten die Frisöre in ihren weißen Kitteln, die Küfer mit ihren braunen Lederschürzen, die Tischler thronten aus einem überdimensionalen Hobel; jedes Handwerk zeigte seine Symbole und seine Arbeit.
Den Beginn des Zuges machte der silbern leuchtende Wagen der Deutschen Arbeitsfront,
der von vier Pferden gezogen wurde und auf dem drei Schmiede an einem Amboß standen. Gegen V24 Uhr traf der Festzug auf dem Sportfeld ein. Das Frankfurter Sportfeld, vor den Toren der Stadt wunderbar gelegen, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Im ganzen waren hier vielleicht 300 000 deutsche Handwerksmeister, Gesellen und Lehrlinge aufmarschiert. Die Kundgebung wurde durch Reichshandwerksmeistcr Schmidt eröffnet.
Der Reichshandwerksmeister verlas das folgende beim Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger eingegangene Telegramm: „Führer und Reichskanzler ist damit einverstanden, daß die Stadt Frankfurt a. M. sich künftig „Stadt des Deutschen Handwerks" nennt. Staatssekretär und Ches der Reichskanzlei Dr. Lammers."
Dann fuhr der Reichshandwerksmeister fort:
Ich erkläre hiermit kraft meines Amtes als Reick)s- Handwerksmeister die alte ruhmreiche Stadt Frankfurt a. M. zur Stadt des deutschen Handwerks. Mögen die damit gewordenen wechselseitigen Beziehungen zum besten unseres Vaterlandes dienen, möge aber auch diese Bevorzugung Frankfurts allezeit gerechtfertigt sein.
Gewaltig erklang das Treuegelöbnis des deutschen Handwerks, und mit dem Gesang des Deutschland- und des
Feierstunde in der Pauls-Kirche.
Schon am frühen Morgen des Sonntags herrschte in den Straßen und auf den Plätzen der Reichshandwerkerstadt Frankfurt a. M. ein emsiges Leben und Treiben. Auf dem Opcrnplatz hatten sich etwa 1000 wandernde Gesellen zu einem Appell eingefunden. In ihren schmucken und zünftigen Trachten, mit dem derben Wanderstock in der Hand, gaben sie diesem Festakt sein besonderes Gepräge.
Freudig begrüßt, erschienen bald Reichshandwerksmeister Schmidt, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Dr. Krebs, um die wandernden Gesellen willkommen zu heißen. Ein junger Konditorgeselle aus Ostpreußens Hauptstadt Königsberg trat aus den Reihen seiner Kameraden hervor und übergab dem Reichshandwerksmeister als Zeichen der Dankbarkeit die wuchtige und künstlerisch gestaltete Handwerkerlade, die mit ihren herrlichen Holzschnitzereien ein wahres Kunstwerk darstellt und dazu berufen ist, für Jahrhunderte symbolisch die alte Tradition des deutschen Handwerks zu wahren. Mit herzlichen Dankesworten übernahm der Reichshandwerksmeister die Lade, worauf Reichsorganisationsleiter Dr. Ley das Wort ergriff. Er überbrachte zunächst die Grüße der Partei und Arbeitsfront und gab seiner stolzen Genugtuung darüber Ausdruck, daß durch das Aufleben des alten Brauchs des Gesellenwanderns eine neue Epoche angebrochen fei. Der deutsche Mensch lerne erst dann sein Vaterland aus heißem Herzen lieben, wenn er alle seine Schönheiten kenne.
Im Anschluß daran versammelten sich im Bürgersaal des Frankfurter Rathauses 90 aus - gewählte Meister, um hier in feierlicher Handlung die Meisterschaften zu empfangen.
Horst Wessel-Liedes fand die bisher größte Handwerkerkundgebung ihr Ende.
Handwerkerspiele und -tanze auf verschiedenen Plätzen der Stadt am Abend beendeten den Haupttag des Reichshandwerkertags 1935.
Reichsstatthalter Sprenger spricht:
Dieser Reichshandwerkertag ist der bedeutsamste und größte aller Zeiten; niemals vorher bestand Gelegenheit und Möglichkeit, die deutschen Handwerker in solcher Zahl an einer Stelle zusammenzubringen. Die nationalsozialistische Revolution mußte erst kommen, das Handwerk zusammenzuschweißen, um so die Voraussetzungen zu schaffen für den heutigen Bekenntnistag zur Gemeinschaft.
Von dieser stolzen Höhe einen kurzen Rück- und Ausblick zu halten, ist Pflicht. Vor mehreren Jahrhunderten, in der Zeit der Blüte des deutschen Handwerks, wurzelte die schöpferische Kraft der deutschen Meister in der Gemeinschaft der Familie. Lehrling, Geselle und Meister waren nicht nur werkverbunden; sie bildeten eine Familiengemeinschaft. Die damalige Personenauslese war auch die Grundlage der schöpferischen Kraft des Handwerks, die hinaufführte zu einer künstlerischen Höhe, von der heute noch die in unseren Museen ausgestellten Werke zeugen. Wäre das Handwerk dem Ausleseprozeß der Personen treu geblieben, so wäre es nimmermehr so zerfallen, wie mir es in unserem Zeitalter erleben mußten.
Der Gauleiter wies dann auf die profitgierigen Elemente im Handel hin, die die gesunden Grundsätze der Zünfte zerfreßen hätten. Anstelle des Austausches habe der Handel allmählich das Prinzip des raschen Umsatzes gesetzt mit der Parole: Verdienen! Der Abweg des deutschen Handwerks sei aber bedingt gewesen durch die politische Entwicklung.
Die gesunden Kräfte des Volkes aber, so fuhr der Gauleiter fort, regten sich in natürlichem Selbsterhaltungstrieb. Die Zeit war reif, die Vorsehung gab uns Adolf Hitler. Run konnte auch das deutsche Handwerk, auf seiner großen Tradition fußend, sich neu entwickeln. Handwerk und Maschinen sind im nationalsozialistischen Deutschland keine Gegensätze mehr. Fest gehören sie zusammen, fest müssen sie zusammenstehen.
Der heutige Reichshandwerkertag zeigt vor aller Welt die Wiederherstellung der Gemeinschaft der werkenden Menschen. Der Weg ist wieder frei zur Aufwärts- und Vorwärtsentwicklung. Mit der Aufwärtsentwicklung des gesamten Volkstums wird auch das deutsche Handwerk wieder goldenen Boden finden in dem Maße, in dem das deutsche Volk in seiner Gesamtheit wieder goldenen Boden gewinnt.
Das ist mein Wunsch für das deutsche Handwerk Das ist auch die Erkenntnis, die herausleuchtet aus der' Herr-