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Zul-aer Anzeiger

S3S M Tageblatt für Rhön und Vogelsberg j£3t^ ZulSa- und Haunetal ^Zulöaer Kreisblatt

^â Fulda^^önig^ ^/leson ®iM - Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-^nsthluß Nr. 2484 Berantw. für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda. NachSruck Ser mit * versehenen flrttkrl nur mit (Quellenangabe .ZulSaer stnAeiger'gegattet.

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Nr. 139 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 18. Juni 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Im Ehrenhof stehen die Särge.

Die Beisetzung der Opfer von Reinsdorf. Innigster Anteil des ganzen Volkes. Vorbildliche Beispiele von Gemeinschaftsgeist und Hilfsbereitschaft.

Die Fahnen im Deutschen Reich sind halbmast gesetzt. Das ist das äußere Zeichen der Teilnahme des ganzen Volkes an dem Tode der Arbeitskameraden in Reinsdorf, die nun zur letzten Ruhe gebettet werden. Die Särge der Opfer stehen im Schatten der Bäume vor dem Unglücks- iverk. Rings um sie ist ein Ehrenhof geschaffen worden, den zehn Meter hohe Pylonen umrahmen. Nach hinten schließen sechs hochragende Säulen den Ehrenhof ab, ein großes schwarzes Kreuz beherrscht die Stätte der Trauer. Hunderte von Hortensien in den verschiedensten Farben und Grünblattschmuck geben dem Ganzen einen feierlichen Rahmen, über der Trauerstütte Wehen von hohen Masten lange Hakenkreuzfahnen mit schwarzem Trauerflor. Hinter der Rednertribüne stehen die wackeren Mannschaften, die sich bei den Nettungsarbeiten besonders ausgezeichnet haben.

Gegenüber dem Ehrenhof nehmen die Hinterbliebenen, die Vertreter der Reichsregierung und die Trauergäste der Partei und des Staates Platz. Formationen der SA., TZ., PO., der Deutschen Arbeitsfront und aller anderen Gliederungen säumen den Ehrenhof, ans dem auch die ganze Gefolgschaft der Westfälisch-Anhaltinischen Spreng­stoffwerke Aufstellung nimmt.

Im Werk schreiten die Aufränmungsarbeiten fort. Das hohe Lied der Kameradschaft findet seinen tiefen Ausdruck in der Hilfsbereitschaft des ganzen deutschen Volkes. Es sind

bereits beträchtliche Summen sowohl an die Hinter­bliebene» der Opfer als auch an die Schwer- und

Leichtverletzten ausgezahlt

korben. In den Krankenhäusern ist man mit großer èiebe bemüht, den dort befindlichen Verunglückten ihr Los 5 erleichtern. Die gesamte Streikleitung der NSPAP. Ätenberg sowie eine Anzahl Mitglieder der Gauleitung ße-Merseburg sind Tag und Nacht unermüdlich dabei, «alle erdenklichen Erleichterungen und Hilfsmaßnahmen «die vom Unglück Betroffenen durchzuführen. An der rmmmerstätte arbeiten seit Tagen ungeachtet der eiaeueu Gesundheit die Mitglieder der freiwilligen S a n itäts.. lelonnen vom Roten Kreuz, um gememschastuch mit den Arbeitskameraden aus dem Werk die Verungluck- ten zu bergen. Unermüdlich und in mustergültiger Opfer- bereitschaft

helfen die Männer Dom Arbeitsdienst der Bevölkerung bei der Aufbauarbeit.

Der Feldzug gegen die Steuersünder.

Staatssekretär Reinhardt über Wiederherstellung der Steuerehrtichkeit.

Staatssekretär Reinhardt sprach im großen Saai des Ausstellunqspalastes in Dresden auf einer fachwrsseu- schafilichen Tagung vor fast 1700 Reichssteuerbeamten aus ganz Deutschland Er behandelte die für die Herstellung der Steuerehrlichkeit und die Hebung der Steuermoral be­sonders wichtige Frage der Betriebsprüfung. ,

Ohne Steuer, so führte Reinhardt u. a. aus, gebe es keinen Staat, und ohne Staat keine Daseinsmogllchkert.

Die Steuer sei kein Opfer ves einzelnen, sondern der Kostenbeitrag, den er für die Erfüllung der Aufgaben des Staates aufzubringen habe.

®iner der wichtigsten Grundsätze nationalsozialistischer Steuerpolitik sei, daß die Steuer sozral g e r e ch < mn müsse. Diese Gerechtigkeit werde durch Steuerhrnter- Mungen aufs schwerste gefährdet. Betrug und Diebstahl seien als eins der schwersten Verbrechen Segen die Volksgemeinschaft angesehen worden.

Die Betriebsprüfung wolle nun den Staat und alle anständigen Volksgenossen gegen derartrge Steuer­hinterziehungen schützen.

Sie diene damit der Stärkung und Erhaltung der mate- nellen Kraft des Staates und der anständigen ^Volks Sonossen. Sie müsse planmäßig fern und alle Betriebe erfassen.

Den anständigen Betriebsführer wolle sie aufkläre» und vor unbewußten Übertretungen der Steuergezetze be­fahren. Sie werde sich vielfach auch zum vorteil der Steuerpflichtigen auswirken. Darüber hinaus wolle bte ?»5^wmfung Verständnis zwischen Steuerverwaltung und Wirtschaft fdnffen den Steuerbeamten mit den Ver­hältnissen der Wirtschaft vertraut machen und eme^ ver­trauensvolle Zusammenarbeit zwischen beiden herstellen.

Der Staatssekretär betonte, daß

die Betriebsführung verpflichtet lfi, den Betr ebs- Prüfer bei der Erfüllung seiner Ausgabe led

Weise auch positiv zu unterstützen.

^mgÄXS Val 2s ^"^ L eigenem Ermessen jederzeit eme ^ Sääää^ "tnebsprüfunaen durchgeführt werden müssen, w

In Braunsdorf, Reinsdorf, Dobien und Rüdersdorf schaffen die Arbeitsmänner an Häusern und Schuppen, setzen Fenster ein, legen Dachziegel auf und sind überall da, wo sie gebraucht werden.

Der Betriebsführer der Provinzialfeuerversicherungs­anstalt der Rheinprovinz, Hans Goebbels, hat seinem Bruder, dem Reichsmiuister Dr. Goebbels, in einem Telegramm mitgeteilt, daß er als Betriebsführer der Provinzialfeuerversicherungsanstalt der Rheinpro­vinz die

Ehrenpatenschaft über zehn kleine Kinder aus den durch die furchtbare Katastrophe in Reinsdorf in Not geratenen Familien übernimmt. Zur Linderung der Not wird jedem der Kinder eine Ausbildungs- bzw. Aussteuerversicherung in Höhe von 1000 Mark über­eignet.

Die Trauerfeierlichkeiien für die Opfer von Nemsdorf im Rundfunk.

Der deutsche Rundfunk überträgt Dienstag von 1 2 . ü 0 b i s 12.45 U h r die Trauerfeierlichkeiten für die Opfer der Erplosionskatastrophe in Reinsdorf: I. Trauermarsch aus derEroica" von Beethoven, 2. Rede' des evangelischen Pfarrers, 3. Rede des katholischen Pfarrers, 4. Ansprache des Vertreters der Westfälisch- Anhaltischen Sprengstoffwerke A. G., 5. Ansprachen von Vertretern der Partei und Arbeitsfront, 6.Ich hatt' einen Kameraden", 7 Trauerrede eines Vertreters der Reichsregierung, 8. Trauermarsch ausGötterdämme­rung" von Richard Wagner, 9. Deutschland- und Horst- Wessel-Lied.

Eine Spende aus Amerika.

Das Central Relief Comitee New York hat an den Bürgermeister in Reinsdorf folgendes Tele­gramm gerichtet: Unser Comitee, erschüttert von der Km. tastrophe, möchte hundert betroffene Familien durch Sie mit Lebensmitteln versorgen. Unser Lager bei Bachmann- Bremen ist angewiesen, hundert Nahrungsmittelkisten zu Ihrer Verfügung zu halten, Eine Spende wie die des Central Relief Comitees in New York wird nicht nur von den vom Unglück Betroffenen, sondern vom ganzen deut­schen Volk mit aufrichtigem Dank in Empfang genommen.

bei Anträgen auf Steuerstundung oder wenn der Ver­dacht der Steuerhinterziehung bestehe.

An Hand zahlreicher Einzelfälle wies Reinhardt nach, daß

es um die Steuermoral in Deutschland immer noch sehr bedenklich bestellt sei,

wenn auch in den beiden letzten Jahren eine merkliche Besserung eingetreten sei. Die Buchprüfungen würden, wenn sich der Apparat einmal richtig eingespielt habe, jährlich einige hundert Mi lK tonen Marl bisherhinterzogenerSteuergelder ersassen. Die Arbeit der Buchprüfer werde daher für die künftige Gestaltung des Haushaltsplanes von außerordentlicher Bedeutung fein.

Zum Schluß kündigt Staatssekretär Reinhardt an, ^ vom nächsten Jahr ab jeder Steuerbeamte die Buchführung und das Abschluß- und Bilanzwesen voll­kommen beherrschen müsse, andernfalls er die Prüfung nicht bestehe. *

Fnbtdingt gediegene Fmanzivirtschast."

Staatssekretär Grauert über die Finanzpolitik der Gemeinden.

Auf einer kommunalpolitischen Sondertagung des Kanvarteitages Osthannover gab Staatssekretär G r a u - ' r t in einer Rede einen Rückblick über die Jahre, die seit der Machtübernahme hinter uns liegen. Wenn es in den verflossenen zwei Jahren dank der großzügigen Maß­nahmen der Reichsregierung und dank ihrer Initiative auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung gelungen sei, den unmittelbar drohenden Zusammenbruch der Gemeinde­finanzen im ganzen Reich durch die Entlastung der Aus- nabenseite von einem großen Teil der Wohlfahrtsauf- wendungen sowie durch die Verbesserung der Einnahme- seite abzuwenden und die Gemeinden durch die große Gesetzliche Umschuldung von dem Druck ihrer außerordent- licb hohen kurzfristigen Verbindlichkeiten zu befreien, so könne das nicht hoch genug eingeschätzt werden. Damit sei aber

die dauerhafte Sanierung der Gemeindefinanzen, ohne die eine wirkliche Gesundung der gesamten

öffentlichen Finanzwirtschaft und der Volkswirtschaft überhaupt nicht möglich sei, noch nicht erreicht. Die wichtigste Ausgabe der kommenden zwei Jahre müsse es sein, dieses Werk zu vollenden.

Aus den finanzrechtlichen Vorschriften, die in die Deutsche Gemeindeordnung ausgenommen worden sind, behandelte der Staatssekretär die Frage des Haushalts­ausgleichs. Was von den Gemeinden unter allen Um­ständen verlangt werden müsse, sei eine unbedingt gediegene Finanzwirtschaft, ein Fernhalten von finanzpolitischen Experimenten jeder Art. Staats­sekretär Grauert streifte dann das Gemeindeumschul­dungsgesetz und das Arbeitsbeschaffungsprogramm. Er betonte, daß

sich die erhebliche Besserung der Arbeitsmarktlage insbesondere bei der Erhöhung der Steuereinnahmen bemerkbar mache.

Die Erträgnisse, die den Gemeinden infolge der staatlichen Maßnahmen aus der wirtschaftlichen Belebung zuflössen, müßten dazu benutzt werden, den Etat nicht nur auszu­gleichen, sondern ihn auf eine gesunde Basis zu stellen, d. h. es müßten Rücklagen gemacht werden, damit in dem Augenblick, wenn die Mittel aus dem Reiche nicht mehr in die Wirtschaft flössen, die Gemeinden von sich aus, so wie es auch früher gewesen sei, die Initiative ergreifen könnten. Jetzt werde die Wirtschaft mit zen­tralen Mitteln angekurbelt, wenn das aber nicht mehr möglich sei, müßten die Gemeinden und Städte, die dann gesundet wären, diese Aufgabe übernehmen.

Französisches Kanonenboot im Swinemünder Hasen.

Der erste Kriegsschissbesuch nach dem Kriege.

Am Montag lief das französische F i s ch e r e i s ch u tz - bootA i l e 11 e in den Swinemünder Hafen ein und machte am Hohenzollernbollwerk fest. Es ist dies bei erste Besuch eines französischen Marine­schiffes nach dem Kriege in Deutschland. DieAilette". ein Aviso der französischen Kriegsmarine, kommt aus der Nordsee und wird in Swinemünde fünf Tage Aufenthalt nehmen. Das 1918 vom Stapel gelaufene Fahrzeug ist als Kanonenboot gebaut und hat eine Be­waffnung von vier Geschützen mit einem Kaliber von je 10 Zentimeter und einem Schnellfeuergeschütz vom Kaliber 6,5 Zentimeter. Kommandant des Schiffes ist Fregatten­kapitän du Tour.

Gleich nach dem Einlaufen des Schiffes begab sich efu Marineoffizier der Kommandantur Swinemünde an Bord des französischen Bootes. Danach stattete der französische Kommandant dem Festungskommandanten Konteradmiral v. Schröder einen Besuch ab. In Erwiderung dieses Besuches begab sich dann der Festungskommandant an Bord derAilette". Gleichzeitig mit dem französischen Aviso besucht das deutsche FischerbootElbe" den Swinemünder Hafen und machte neben dem französischen Boot fest.

Der Abschluß der Marine-Volkswoche in Kiel.

Oben: der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Raeder, nimmt auf dem Kasernenhof in Kiel-Wik den Vorbeimarsch ab Unten: W e t t r u d e r n der Krieasschiffsboote; im Hintergrund Kreuzer K a r l s r u h e", der jetzt gerade von seiner Auslands- sahrt heimgekehrt ist. (Weltbild, Scherl M.)

Moskau. In Odessa ist der rumänische Dampfer Prinzessin Maria" eingetauDn, der die sterblichen Über­reste des rumänischen Fürsten Kantmir, der im Jahre 1742 gestorben und in Rußland beigesetzt war, nach Rumänien überführen wird. Außerdem wird der Dampfer den rilmänischen Staatsschatz unb das Staatsarchiv mitnehmen, die im Jahre 1916 von der rumänischen Regierung zur Aufbewahrung während des Weltkrieges nach Petersburg bzw. Moskau gebracht worden waren.