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Nr. 144 — 12. Jahrgang
Fulda, Montag, 24. Juni 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Der Führer bei den Reinsdorfer
Opfern
Er lieh sich Bericht erstatten über das Befinden jedes einzelnen Schwerverletzten.
schen Besucher würden sich ihr ganzes Leben daran erinnern. Unter großem Beifall erklärte Fürst Bismarck.
Deutschland und England hätten nur einmal in ihrer Geschichte gegeneinander gekämpft, und diese Katastrophe dürfe sich niemals wiederholen.
Nach einem Sieg Heil der deutschen Besucher auf ihre Gastgeber setzte sich auch der englische Frontkämpferhauptmann McCabe für eine festere und stär -
Der F ü h r c r besuchte am Wochenende das P a u l - Gerhardt-Stift in Wittenberg, in dem die 83 Schwerverletzten des Explostons - Unglücks in Reinsdorf untcrgebracht sind. Im Vorraum wurde er von dem Kreisleiter Heidenreich, dem Chefarzt Dr. Boffe und seinen Assistenten empfangen. Der Chefarzt erstattete Bericht über das Befinden jedes einzelnen und gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß er nunmehr alle im Paul-Gerhardt-Stift liegenden Verletzten durchdringen werde.
Dann geleitete er den Führer zunächst zu den Schwerverletzten, die, wie auch alle anderen, in hellen, freundlichen Zimmern untergebracht sind. Auf jedem Tischchen standen frische Blumen, lagen Erfrischungen der verschiedensten Art.
Der Führer trat an das Bett jedes einzelnen und drückte ihnen die Hand.
Er fragte sie nach ihrem Befinden und ließ sich vom Kreisleiter über die sozialen Verhältnisse sowie die bisher getroffenen Fürsorgemaßnahmenunterrichten. Es ist schwer, die Freude zu beschreiben, die sich auf den Gesichtern der Verletzten über den überraschenden Besuch ihres Führers widerspiegelte. Soweit sie dazu imstande tonten, hoben sie die Hand zum deutschen Gruß. Wenn sie sich aufzurichten versuchten, drückte sie der Führer unter freundlichem Zuspruch wieder in die Kissen, fragte nach ihrem Ergehen und ihren Wünschen und dankte auch den Stationsschwestern für die aufopfernde Pflege, die sie ihren Patienten zuteil werden lassen.
Mit leuchtenden Augen begleiteten Frauen und Männer ihren Führer, bis er in der Tür grüßend noch einmal von ihnen Abschied nahm. So ging es von Zimmer zu Zimmer. Auch die, die bereits aus der Terrasse in den wärmenden Strahlen der Sonne sitzen konnten, tourben nicht vergessen.
Nach dem Rundgang ließ sich der Führer noch eingehend über die ärztlichen Maßnahmen in der Unglücksnacht selbst unterrichten, um schließlich auch die Kinderabteilung zu besuchen und den kleine« Patienten baldige Genesung zu wünschen.
Nach der Besichtigung der Säuglingsstation b a t Führer den Chefarzt noch einmal dringend, Mittel der ärztlichen Kunst aufzuwenden und alle? zu tun, was zur Wiederherstellung der Gesundheit bet todesmutigen Männer und Frauen geschehen könne, di» bei dem Unglück von Reinsdorf ihr Leben und ihre Gesundheit auss Spiel gesetzt haben und denen die
der alle
ganze Nation Dank schulde.
Vor dem in einer ruhigen Seitenstraße gelegenen Paul-Gerhardt-Stift und in den benachbarten Straßen hatte sich während des mehr als einstündigen Verweilens des Führers an den Krankenbetten eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge etngefunben. die den Führer bei der Abfahrt begeistert begrüßte.
Bisher 68 Tote.
34 Werksangehörige werden immer noch vermißt.
Nach den letzten Ermittlungen beträgt die Zahl der bei der E rp l o si o n s ka t a str o p h e in Reinsdorf tödlich Verunglückten bzw. ihren Verletzungen E r- legenen 6 8. Außerdem liegen noch 83 Schwerverletzte im Paul-Gerhardt-Stift, in der Klinischen Anstalt Halle zehn Augenverletzte, in Dessau, Herzberg, sowie in einer Privatklinik in Trebitz sind je ein Schwerverletzter untergebracht. Die Zahl der Leichtverletzten belief sich auf insgesamt 628. Von ihnen wird ein Teil rur Zeit noch ambulant behandelt, andere sind sofort von den Rettungsstellen t-erbundeu worden, während der weitaus größte Teil bereits völlig wiederhergestellt ist. 3 4 Werksangehörige werden zur Zeit noch vermißt, mit deren Tod leider gerechnet werden muß.
Abschluß der deutsch-englischen
Flottenverhandlungen
Botschafter von Ribbentrop erstattete dem Führer Bericht.
Die Verhandlungen zwischen d e n Fl o t - lenabvrdnungcn Deutsch lands und Englands in London wurden am Sonnabend fortgesetzt und abends zum Abschluß gebracht. Die deutsche Abord- nung ist im Flugzeug nach Deutschland zuruckgekehrt.
In Hamburg erstattete Botschafter v. R b b e n- trop dem Führer in Anwesenheit des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Admiral Raed er Mitglieder der Delegation, Konteradmiral Schuster und Kapitän K i d e r l e n, Bericht.
Sie Schlußverlauibaruna über London.
, über sen Abschluß »er S»»du»-I Jlotte>ioetS«iib. lungen wurde folgende Bcrlautbarung ausgegeben.
Die Besprechungen zwischen den deutschen und den englischen Vertretern seit der Veröffentlichung des Notenwechsels vom 18 ^uni haben in demselben f r e u n d - > ch a f t l i ch e n G ei st e wie die früheren Besprechungen nur anderen Regierungen stattgefmrden. Ein umfass
Meinungsaustausch fand über Fragen, wie z u k f 19e qualitative Begrenzungen u^ zukünftige Bauprogramme statt, und eine Dar legung sowohl der Stellungnahme Deutschlands auch der Vorschläge der englischen Regierung bezüglich eines zukünftigen allgemeinen Abkommens über F l o t t e n b e a r e n z u ng wird vertraulich deu Legierungen der anderen interessierten Mächte in den zu- khuftigen Besprechungen deren Vertretern m tgeteilt. Der ^ttnungsaustausch zwischen der deutschen und dcr eng
zukünftigen internationalen Flottenkonferenz von btt Haltung anderer Mächte abhängen.
sprach als Vertreter des deutschen Botschafters Botschaftsrat Fürst Bismarck. Die deutschen Besucher, so erklärte er u. a„ seien tief gerührt über die Zeichen der wirklichen Freundschaft, die ihnen von ihren englischen Kameraden zuteil würden. Die Begrüßung in England habe alle Erwartungen übertroffen, und die deut-
kere deutsch-en
reundschaft ein. Die
englischen Gastgeber brachten dann ein dreifaches Hipp- Hipp-Hurra auf die Gäste aus und sangen zu ihren Ehren das Lied „Er ist ein fröhlicher, guter Kamerad".
Der Führer der deutschen Abordnung, Walter Kleinkorres, sagte in seiner Ansprache u. a., die deutschen Frontsoldaten hätten nach ihrer Rückkehr aus dem Weltkriege Auflösung und Zerrüttung vorgefunden. Adolf Hitler habe Deutschland vom Untergang errettet und die neue Volksgemeinschaft geschaffen.
Die anwesenden deutschen Frontkämpfer seien die Friedensboten des neuen Deutschland.
Unter großem Beifall der Anwesenden wurde Walter Kleinkorres zum Ehrenmitglied der British Legion, Abteilung Brighton, ernannt.
Zum Schluß der Versammlung wurden deutsche und englische Volkslieder gesungen.
Zehn Jahre Verschickung für zwei rußlanddeuische Geistliche.
Das Deutsche Nachrichtenbüro teilt mit: Wie in Moskau verlautet, sollen die rußlanddeutschen lutherischen Geistlichen Seib und Deutschmann, deren Verurteilung zum Tode kürzlich größte Erregung in der ganzen Kulturwelt hervorrief, zuzebnJahren Verschickung begnadigt fein.
Beide Geistlichen waren unerlaubter Verbindung mit dem Auslande angeklagt, die tatsächlich in nichts anderem bestand als in der Annahme von Hilfssendungen aus dem Auslande, um ihre eigenen Familien am Leben zu erhalten, und um die von der Sowjetregierung garantierte freie R e l i g i o n s üb u n g zu pflegen. Wenn auch die Nachricht, daß die Vollstreckung des Todesurteils unterbleiben soll, Genugtuung erwecken kann, so ist die zehnjährige Verschickung in die trostlosen Gebiete am Weißen Meer oder nach Sibirien aber immer noch eine überaus harte, alles Maß übersteigende Strafe. Die Erwartung, daß auch diese Strafe ausgesetzt oder gemildert wird, darf um der Menschlichkeit willen nicht aufgegeben werden.
Einberufung des Danziger Bolkstages zum 26. Juni.
DerDanzigerVolkstag ist für Mittwoch den 26. Jun:, zu einer Sitzung einbcrufen worden, auf deren Tagesordnung u. a. die Einsparungen int B e - amte nappa rat des Freistaates und die Frage der
(Fortsetzung auf Seite 2.)
Caracciola Sieger im Großen Preis von Frankreich
Mit 124,571 Stundenkilometer Erster — Zweiter 20 Meter zurück von Vrauchitsch.
Für eine härtere deuisch-engirsche Hreunhschüst.
Telegramm des englischen Thronfolgers an das Fron kämpsertresfen in Brrghto:. r,
Das deutsch - englische festlichen Höhe
ns fen in Brighto n errichte m . . auf einem vom englischen "^^tish Legion" veranstalteten Bankett. großem
m . 3u Beginn der Veranstaltung ü englischen
ein Glückwunschtelegramm des
^wttsolgers, des Prinzenv onW a l,. » M einem schweigenden Toast auf die Krlegsgem
Deutschland hat nach 21jährigcr Pause wieder einmal das wichtigste französische Autorennen, den 29. Großen Preis des Automobil-Clubs von Frankreich gewonnen. Deutsche Rennwagen haben ihre Überlegenheit erneut unter Bctveis gestellt. Sieger des Nennens wurde Caracciola aus Mercedes mit 124,571 Stundenkilometer vor v. Brauchitsch, ebenfalls aus Me'cedes, der »ur 20 Meter zurücklag. Es folgten durchs Ziel: Zehender aus Maserati zwei Runden zurück, Fagioli auf Mercedes drei Runden zurück, Roscmeyer/Varzi aus Auto-Union fünf Runden zurück, Sommer auf Maserati fünf Runden zurück.
Um die Mittagszeit hatten sich die Tribünen gefüllt, dicht lagerten die Zuschauer längs der 12,5 Kilometer langen Strecke. Dann nahmen die elf Konkurrenten für den Großen Autopreis Aufstellung. Es fehlte der französische S e f a c, der nach zwei Trainingsrunden am Sonnabend wieder verschwand. Die Deutschen hatten hervorragende Startplätze, die sie ihren ausgezeichneten Pflichtrunden verdanken. Noch wenige Minuten und die große Schlacht begann.
Stuck schoß beim Startzeichen davon und gewann einen kleinen Vorsprung. Am Wendepunkt bei Biscornes Hina Nuvolari am Hinterrad Stucks, den er auf der Gegenseite passierte. Als Erster erschien Nuvolari wieder hinter ihm rasten Stuck, Varzi, Caracciola, Fagioli, Chiron, Brauchitsch, Rosemeyer und die beiden Maserati sowie Benoist daher. Mit 134,5 Stundenkilometer wurde biefe erste Runde trotz stehendem Start zurückgelegt. Varzi hielt schon in der zweiten Runde, um die Kerzen zu wechseln. Am Schluß der fünften Runde liegt Caracciolas Mercedes in Front. In der siebenten Runde ließ der Deutsche deu Alfa wieder vor und jagte ihn. C Hiro n wurde langsamer. Fagioli, von Brauchitsch und Rosemeyer ließen ihn hinter sich. Diese Runde brachte den ersten Ausfall: Stuck fiel ihr zum Opfer.
Schon warex zehn Runden absolviert, ein Viertel des Rennens, das über 40 Runden über die Grand-Prir- Distanz von 500 Kilometer geht, war vorüber.
Das Feld begann sich zu lichten.
Chiron, der erst bauen mußte, streckte die Waffen. 134,270 Stundenkilometer lautete der Durchschnitt des
führenden Nuvolari. Mercedes lag geschlossen hinter ihm: Caracciola, Faaioki, von Brauchitsch. Rosemeyer, Zehender, Varzi, Benoist und Sommer lautete die
Zehender, Varzi, Benoist und Sommer lautete die Reihenfolge der übrigen. Auto-Union erlitt einen weiteren
Vertust, Rose m eher verzichtete in der elften Runde auf die Weiterfahrt. Nun begann der
Generalangriff der drei Mercedes auf den führenden Nuvolari.
Caracciola, Fagioli und von Brauchitsch hatten cs nach der 14. Runde geschafft: drei Mercedes an der Spitze! Nuvolari kam langsam hinter ihnen her — und scheidet aus. Italiens beste Waffe war zerbrochen.
Von der Hälfte des Nennens ab fuhren Caracciola, von Brauchitsch und Fagioli, die drei Vertreter von Mercedes-Benz, geradezu' für sich allein. In taktisch kluger Weise verzichteten sie auf Nekordruuden, und beschränkten sich darauf, den Vorsprung zu halten, der sich aber trotz vermindertem Tempo immer mehr vergrößerte. Caracciola durchfuhr in 4 :00 :54,6 Stunden mit einem Durchschnitt von 124,571 Stundenkilometer als Erster das Ziel, dicht hinter ihm folgte von Brauchitsch mit einer halben Sekunde Abstand. Zwei Runden zurück wurde Zehender auf Maserati Dritter. Fagioli, dessen Brennstoffzufuhr nicht mehr ganz in Ordnung war, wurde eine weitere Runde zurück Vierter. Rosemeyer belegte auf Varzis Wagen den fünften Rang, hinter ihm kam als letzter der elf Gestarteten Sommer ans Maserati ein.