Zul-aer /lnzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: Der . .. ^&^^ Ä Tageblatt für Rhön und Vogelsberg walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried- z ÄuÄ!L'' pi>^»K87LL Zulöa- und Haunetal ♦ Iulüaer Kreisblatt bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- v
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Nr. 149 — 12. Jahrgang
Fulda, Samstag, 29. Juni 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Edens Besuche in Paris und Rom
OMnÜltt ßl A â ✓ Frankreich stört weiter den Europaftieden. ♦4H^ll WW» / Italien in der Abeffiniensrage unnachgiebig.
®et britlsche Völkerbundsminister Eden hat nach Rückkehr von seinen Verhandlungen in Rom und Paris sofort dem Premierminister Baldwin Bericht erstattet. Eden scheint nicht sehr zufrieden zu sein mit dem Ergebnis seiner Reise, denn in Rom hat man scheinbar seme Vermittlungsversuche im A b e s s l n i e n k o n s l i k t kühl zurückgerviesen, und in Paris hat er die völlige Verständnislosigkeit für die britischen Methoden zur Befriedung Europas feststellen müssen.
Die Verhandlungen Edens mit dem französischen Außenminister Laval sollen nicht so befriedigend verlaufen sein, wie man vermutete. Die Instruktionen des englischen Kabinetts für Eden seien etwas „enttäuschend" gewesen. Danach scheint sich, wie „Times" schreiben, die englische Regierung auf den Standpunkt gestellt zu haben, daß auch künftighin „günstige Gelegenheiten" nicht versäumt werden dürften. Es sei
für England unmöglich, bindende Zusagen zu geben, daß es eine sich bietende Aussicht, mit Deutschland über den Luftpakt, und zwar ohne Beziehung zu den anderen Pakten, zu verhandeln, nicht versäumen würde Umgekehrt aber würde England mit Befriedigung dem Abschluß ?lnes deutsch-französischen Abkommens über die Landrüstungen entgegensehen, worin Frankreich die beste Probe für Englands guten Willen und Freundschaft sehen könnte.
Zum vorläufigen Abschluß eines Flottenabkommens mit Deutschland habe Eden jetzt Laval erklärt, England habe mit bewußter Absicht in den Methoden der allgemeinen Regelung eine Neuerung eingeführt, die nach seiner Ansicht vielleicht unschätzbare Vorteile zeitigen werde.
Die britische Regierung werde das Flottenabkommen mit Deutschland grundsätzlich nicht aufgeben, auch wenn sie vielleicht mit Rücksicht aus die Entrüstung ehemaliger Alliierter sich zu Beschränkungen in der Methode bereitfinden werde.
Es sei denkbar und sogar wahrscheinlich, daß diese Methode (die die britische Regierung mit Erfolg in der Flottenfrage angewandt habe) zu einem Verhand- lungs Wettbewerb fuhren könnte, der ebenso unwiderstehlich sei wie ein Rüstungswettbewerb, aber fruchtbar anstatt zerstörend. Bei einem solchen System würde, während Großbritannien seine Aufmerksamkeit hauptsächlich der L u f t f r a a e zuwenden würde. Frank
Russische Grubenarbeiter
seit Februar ohne Lohn.
Neue Schreckensmeldungen aus dem Sowjetparadies.
Der Hauptansschuß der Partei hat eine Verordnung über die Maßregelung von zahlreichen Parteiorgamsa- tionen in verschiedenen Gebieten der Sowjetunion erlassen. Es soll feftgefteat worden sein, daß überall zahlreiche Verstöße gegen die Parteianwelsungen und die Staatsgesetze begangen wurden. So sei ein
schwunghafter Handel mit Parteiausweisen
getrieben worden. Weiter sollen geheime Doku- m ente über die Arbeit der Partei verraten und zum Kampf innerhalb der Parteiorganisationen ausgenutzt worden sein. m ,___
Im Zusammenhang mit der V e r h a f t u n g von Angehörigen der K r e m l w a ch e wird bekannt, daß ms- gesamt 28 Mitglieder der Wache feftg-nommen worden sind. Sie werden vom Militärkollegtum des Obersten Gerichtshofes abgeurteilt werden, wobei die Verhandlung hinter geschlossenen Türen erfolgen wird. Den Verhafteten werden gegenrevolutionäre Betätigung, Bezlehilngen zu sowjetfeindlichen Elementen, Disziplinlosigkeit und Verstoß gegen die Dienstvorschriften der Wache voigc-
Me aus Simferopol auf der Krim gemeldet wird,
wurde in Karassubazar
der kommunistische Organisator Tschernomuchow ermordet
aufgefunden. Tschernomuchow hatte sich bei der Auf- lösung der Einzelbauernwirtschaften besonders öervo^ getan. Die Mörder wurden bisher nicht ermittelt, doch hat die GPU. bereits zahlreiche Verhaftungen vorge- HOmw' die drakonischen Maßnahmen können aber nicht über die katastrophale Not im Sowietparadies h'nweg- helfen, von der neueste Ereignisse tm D o n e z g e b i e ein erschreckendes Bild geben. Dort, im wichtigsten Stem- kohlenbezirk des Landes, bilden sich an den.trugen, die den Löhnungstagen vorangehen, schon am spaten .-ach mittag vor den Kassen der Bergwerke
lange Reihen von Menschen, die die ganze Nacht durch stehen müssen.
reich die Führung zur Erzielung einer Vereinbarung über die L a n d r ü st u n g e n übernehmen können, und Italien könnte seine besonderen Ziele in bezug auf eine Regelung in Südeuropa betreiben.
„Daily Telegraph" will wissen, daß Laval mit etwas ironischen Bemerkungen darauf geantwortet habe. „Daily Expreß" glaubt sogar berichten zu können, Laval habe erklärt, in der abessinischen Frage nicht ganz auf die Seite Englands treten zu können, da die öffentliche Meinung durch das Flottenabkommen auf die Seite Italiens gezogen worden sei. Auch „Morning Post" und andere Blätter betonen, daß es
für England unmöglich sei, sich in dem von Laval gewünschten Sinne zu binden,
aber die Berichte über ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen Paris und London entbehren der Grundlage.
Der Konflikt Italien—Abessinien scheint nach Edens Auffassung nicht mehr beizulegen zu sein. Die abessinische Gefahr überschattet nach Edens Meinung alle anderen Fragen. Zwei Tatsachen stehen, wie die Londoner Presse hervorhebt, im Vordergrund. Es hat sich herausgestellt, erstens, daß
Mussolini nicht geneigt ist, aus anderem als auf militärischem Wege zu einem Ergebnis zu kommen, zweitens, daß jeder Versuch, Genf einzuschalten, mit dem Austritt Italiens aus dem Völkerbund beantwortet würde.
„Daily Telegraph" will genauere Einzelheiten über die von Eden gemachten Vermittlungsvorschläge zu berichten wissen. Danach ist Großbritannien sogar so weit gegangen, die Landverbindung zwischen Eritrea und Somaliland züzugestehen und dem abessinischen Kaiser dafür als EnWädigung einen.Korridor und einen Hafenplatz in Britisch-Somaliland anzubieten. Der Negus habe sich damit einverstanden erklärt. Aber
für die Aufrechterhaltung seiner Unabhängigkeit würde Abessinien bis zum letzten Mann kämpfen.
Die Stimmung in der Londoner Öffentlichkeit ist zur Zeit sehr wenig zuversichtlich. Man stellt fest, daß das ganze kollektive Sicherheitssystem, von dem auch die italienisch-abessinische Streitfrage ein wichtiger Teilabschnitt sei, innerhalb weniger Monate bereits schwer erschüttert wurde.
um am nächsten Morgen — allzuoft nur — zu erfahren, daß kein Geld vorhanden ist. Oft ist es nicht rechtzeitig eingetroffen, oft reicht das vorhandene Geld nicht aus. Auf verschiedenen Gruben haben die Arbeiter seit Mai weder Vorschuß noch Lohn erhalten, ja es gibt Grubenarbeiter, die seit Februar ohne Lohn geblieben sind.
Vorübergehender Belagerungszustand in peiping.
Chinesische Soldaten versuchten Überfall aus die Stadt.
Die japanisch-chinesische Spannung hat eine wesentliche Verschärfung erfahren durch Unruhen in Peiping. Etwa 200 Soldaten hatten einen Handstreich auf das Peipinger Stadttor Yungting unternommen. Vorher hatten sie die Eisenbahnstation Fengtai der Linie Peiping—Tientsin besetzt. Die Japaner verhängten sofort über Peiping den B e l a g e r u n g s z u st a n d. Der Peipinger Ordnungspolizei und den Truppen des Generals Wanfulin gelang es in kurzer Zeit, die Meuterei zu unterdrücken. Der Handstreich ist damit völlig fehl- geschlagen.
Der Überfall war von meuternden Soldaten des Generals Tsao verübt lvorden. Dieser war verhaftet worden, weil er dem Befehl der Nankingregierung nicht gehorcht hatte und bis über den 25. Juni hinaus in dem zu räumenden nordchinesischen Gebiet geblieben war. Seine Leute, die in Fengtai lagen, machten daraufhin den Angriff auf Peiping. Sie waren in einem Panzer- zug bis vor die Tore der Stadt gefahren und hatten dann auf die Umgebung des Südtors ein heftiges Schrapnellfeuer eröffnet. 2000 Mann des Generals Wansuling warfen die Angreifer zurück. Durch das plötzliche Bornbar- dement war in Peiping eine furchtbare Panik entstanden.
Schlechter als vor zwei Zahren?
In Deutschland nicht — in Frankreich und den Vereinigten Staaten ja.
Auf dem achten Kongreß der Internationalen Handelskammer in Paris betonte der Präsident F. H. Fentener van Vlissingen: „Wenn wir die gegenwärtige Weltwirtschaftslage mit der vor zwei Jahren vergleichen, müssen wir feststellen, daß sie schlechter geworden ist. Am beunruhigendsten ist dabei die Tatsache, daß wir in der allgemeinen Lage auch heute noch kein zuverlässiges Zeichen für eine baldige Besserung sehen können." So sehr diese Feststellung des Präsidenten für große Teile der Welt, besonders für manche großen Wirtschaftsstaaten der Erde zutreffen mag, so wenig gilt sie für das heutige Deutschland.
Im Gegensatz zu den meisten übrigen Staaten der Welt hat sich die wirtschaftliche Entwicklung bei uns seit zwei Jahren ständig gebessert, und von einer schlechteren Lage als vor zwei Jahren kann in Deutschland nie und nimmer die Rede sein. Im Gegenteil, wir dürfen mit Stolz darauf Hinweisen, daß es uns in dieser kurzen Zeit gelungen ist, über vier Millionen Menschen, die arbeitslos waren, wieder in den Arbeitsprozeß einzureihen. Wir können feststellen, daß die industrielle Erzeugung 75 Prozent der Krisenverluste aufgeholt hat. Die geringste Erzeugung, der sogenannte „Krisentiefpunkt" unserer Erzeugung, lag im Jahre 1932. Seitdem hat die industrielle Erzeugung ständig zugenommen, und es werden heute im großen ganzen in den meisten Industrien bei uns annähernd ebensoviel Waren erzeugt wie um die Jahreswende 1929/30, in der die Wirtschaft mit Hochdruck arbeiten konnte. Im ganzen hält der Aufschwung der industriellen Erzeugung auch weiterhin a n. Nach den jüngsten Feststellungen des Statistischen Reichsamtes ist die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 63,3 Prozent im April auf 64,4 Prozent der möglichen Arbeitsplatzausnutzung gestiegen. Noch stärker hat sich die Zahl der geleisteten Stunden erhöht, nämlich von 58,3 Prozent auf 60,6 Prozent der Arbeiterstundenzahl. Damit hat die industrielle Tätigkeit den höchsten Stand des Vorjahres (November 1934) noch um 2,3 Prozent überschritten. Diese günstige Entwicklung spiegelt sich naturgemäß auch in den S t e u e r e i u n a h m e n wider. Das Aufkommen an Steuern, Zöllen und anderen Abgaben hat im Mai 1935 gegenüber dem Mai 1934 noch einmal 86,2 Millionen Mark mehr erbracht. Allein das Aufkommen an Lohnsteuern hat sich in den letzten Jahren wie folgt entwickelt: Im Mai 1933 waren es 61,5 Millionen, im Mai 1934 66,3 Millionen, im Mai 1935 107,8 Millionen. Daß diese Aufwärtsentwicklung in der deutschen Wirtschaft auch im Ausland weitestgehende Beachtung findet, geht schon daraus hervor, daß einmal bei dem Internationalen Handelskammerkongreß eine besonders große Anzahl deutscher Vorträge gehalten wurde und zum anderen vor allem einige amerikanische Vertreter beschlossen haben, gleich nach Beendigung des Kongresses eine Studienreise durch Deutschland zu machen, um die dortigen Wirtschaftsverhältnisse und Wirtschaftsprogramme, die im Ausland teilweise in ähnlicher Form Nachahmung finden, zu studieren.
Zu den Ländern, in denen es allerdings in den letzten zwei Jahren bedeutend schlechter geworden ist, gehören die bis dahin goldreichsten und erfolgreichsten Staaten, nämlich Frankreich und die Vereinig-' ten Staaten von Nordamerika. Zwar ist es Frankreich im Augenblick gelungen, seine Devisenschwierigkeiten zu beheben. Es konnte sogar seinen Diskontsatz wieder ermäßigen. Es kann sich auch heute noch rühmen, selbst einem nochmaligen Devisenmanöver und nochmaligen schweren Angriffen auf den Franken mit seinen goldenen Mächten trotzen zu können. Aber trotzdem kann es keineswegs rosig- in die Zukunft sehen. Für Laval heißt es jetzt, wie für seine Vorgänger feit 1930, den französischen Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Der ordentliche Haushalt weist im Augenblick einen Fehlbetrag von 6V2 Milliarden Franken aus. Dazu kommen die ungedeckten Ausgaben des außerordentlichen Haushaltes, der einen Fehlbetrag von 5,3 Milliarden ausweist. Nicht zu reden von den etwa 12 Milli- arben Verlusten bei der Eisenbahn, die ebenfalls zu Lasten des Staates gehen. Für Frankreich gilt es jetzt, einen Fehlbetrag von mindestens 15 Milliarden auf dem Anlerheweg zu beschaffen. Den Rest hofft man durch Einsparungen im Haushalt aufzubringen. Die Gelder für die Anleihe zu beschaffen, ist dieses Mal bei weitem nicht mehr so leicht wie in den vergangenen Jahren, in denen der französische Bürger unb der französische Sparer restloses Vertrauen in seine Landeswährung hatte. Wie verlautet, sollen bisher acht Milliarden im Anleiheweg aufgebracht worden sein. Über das Aufkommen der übrigen Milliarden herrscht völlige Unsicherheit. Von allen Seiten wird betont, daß nur radikale Maßnahmen in der Lage sein könnten, der französischen Staatsfinanznot ^bi/fe zu tun Aber vor den radikalen Maknabmen bni Laval Bedenken, da er zu genau weiß, daß derartige starke Eingriffe unbeliebt und unvolkstümlich machen. Er hat daher angeordnet, daß zunächst im Etat „nur" 3 Milliarden Ausgaben zu streichen sind. Wie weit er mit dieser vorsichtigen Politik kommen wird, ist zweifelhaft. Um so mehr, als Frankreichs W i r t s ch a f t sich im Augenblick in einer ernsten Krise befindet. Die Erträge aus der Ausfuhr sind von einem Monatsdurchschnitt von 4178 Millionen Franken 1929 auf 1280 Millio- nen Franken 1935 zurückaeaanaen. Die RoheUenproduk-