Zul-aer Anzeiger
Erscheint jeden Sßerlfag, Wochenbeilage: „Der Sonntag“. Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich E h r e n k l a u , Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- klau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. — Verantw. für den Inhalt: B e r n d H e i m . Fulda.
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Schristlettung und G-schâft-stâ- KünigMa 44 * $««|,«<b« N°. 2989 «J*-« ^LL “ÄÄSÄ
Nr. 150 — 12. Jahrgang
Fulda, Montag, 1. Juli 1935
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Zwei Goebbels-Reden auf dem Berliner Gautag.
Die Reichs Hauptstadt prangte im Fahnenschmuck anläßlich des Gauparteitages der Berliner NSDAP. Die erste große gemeinsame Feier des Sieges aller Gliederungen der Partei im Gau Groß-Berlin wurde im Berliner Sportpalast mit einer großen Kundgebung eröffnet.
An der alten traditionellen Stelle der Kämpfe der NSDAP., an der der Gauleiter Dr. Goebbels vielleicht hundertmal zu der Berliner Bevölkerung gesprochen und immer wieder dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler den Weg in die Neichshauptstadt frei gemacht hat, versammelten sich die Abordnungen aller Gliederungen der Partei, Abordnungen der alten Kämpfer, insgesamt über 14 000 Mann.
Staatsrat Görlitzer eröffnete die Kundgebung. Er gedachte der besonderen Bedeutung der Gautage, die dazu geschaffen seien, nm den Anhängern der Bewegung Rechenschaft über die geleistete Arbeit zu geben. Görlitzer verlas ein
Telegramm an den Führer, das folgenden Wortlaut hat: „Mein Führer! Die Berliner Nationalsozialisten, Ihre alten und treuen Parteigardisten, grüßen Sie bei ihrem großen Gautag 1935 in Liebe, Verehrung und Anhänglichkeit und entbieten Ihnen den Ausdruck unerschütterlicher Treue. Sie sind stolz darauf, Sie in Ihrer täglichen Arbeit am Aufbau des neuen Deutschlands und in der Durchführung des historischen Werks der Gestaltung einer wahrhaften deutschen Nation in den Mauern ihrer Stadt zu wissen. Sie werden wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft Ihre treuen und bedingungslos gehorsamen politischen Soldaten bleiben. Heil unserem Führer! Ihr Dr. Goebbels, Gauleiter von Berlin?
Hierauf brachte Staatsrat Görlitzer ein dreifaches Sieg Heil auf Adolf Hitler aus.
Dr. Ley spricht.
Als nächster Redner sprach der Reichsorganisations- leiter Dr. Ley.
Dr. Ley überbrachte die Grüße der Reichslertung der Partei. Der Sinn der Gautagung sei darin zu sehen, daß immer wieder allen Männern und allen Frauen in der Partei gesagt werden müsse, die Partei ist da, daß vor allen Dingen aber auch den Gegnern und den Faulen klargemacht werden müsse, daß
in jeder Stunde heute die Partei dem Führer zur Seite stehe,
und daß jeder Nationalsozialist in jeder Stunde in seiner Arbeit auf die Partei rechnen könne. Es habe Menschen gegeben, die sich eingebildet hätten, daß die Partei jetzt überflüssig geworden sei. Die Partei sei im Kampfe notwendig gewesen und werde in Zukunft noch viel
Dr. Goebbels: „Deutschlanb steht im Ausbau"!
Hieraus betrat Gauleiter Reichsminister Dr. G o e b - o e l s das Podium. Minutenlang dauerte es, bis die Heilrufe abklangen und Dr. Goebbels das Wort nehmen konnte. Der Berliner Gauleiter sprach zunächst von dem Gefühl tiefer Ergriffenheit, das jeden Nationalsozialisten überkommen müsse, wenn er der vergangenen Jahre des Kampfes gedenke und heute Berlin jn diesem großen Schmuck der Hakenkreuzfahnen sehe. So sei wirklich die Sehnsucht eines Horst Wessel Wahrheit geworden: Hitler-Fahnen über a l l e n S t r a ß e n ! Wenn eine Bewegung, so betonte der Gauleiter, die Kraft besitzt, die Eroberung eines Staates zu vollziehen, so wird sie auch die Kraft haben, den Schutz dieses Staates zu garanliereu, sofern sie nur mit denselben Tugenden erfüllt bleibt, mit denen sie den Staat erobert hat. Es ist mir in dieser Stunde ein Bedürfnis, gerade den Gardisten der Partei zu danken. Sich heute zum Staat zu bekennen, ist ja nicht schwer, unb wenn man nach der Tonstärke des Bekenntnisses gehen wollte, könnte man manchmal die Alten für die Jungen und die Jungen für die Alten halten. Es liegen aber ein paar Jahre davor, und gerade die Jahre, auf die es ankommt, jene Jahre, in denen die Grundlagen zu bem gelegt wurden, was heute ist.
Aus der Erinnerung an diese stolze Vergangenheit ziehen wir die Kraft zu einer ebenso stolzen Zukunft.
Der Gauleiter be chäftigte sich dann mit gewissen Einwänden, die von unbefugter Seite gegen die Partei erhoben würden. Wenn gesagt wird, so betonte er: Hitler ist schon gut, aber — diese kleinen Hitlers!, so ist das im Grunde genommen derselbe Einwand, den man früher vorbrachte, als man sagte: Ihr habt keine Köpfe. Da wir aber nicht nur die Partei, sondern nun auch den gesamten Staat an führender Stelle besetzen mußten, war es auch schon nötig, da und dort ein Kompromiß zn schließen, und wenn dabei wirklich der eine oder andere versagt hat, so ist er mir immer noch lieber als die bürgerlichen Besserwisser.
notwendiger sein. Denn die Partei sei Deutschland. Sie sei der Seelsorger des deutschen Volkes geworden.
Begeisterter Beifall der Massen dankte dem Reichsorganisationsleiter Dr. Leh. Nach ihm sprach
Hauptamtsleiter Hilgenfeldt
über Sinn und Bedeutung der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, in der nun im ganzen Reich fünf M i l- lionen Helfer tätig seien. Die NS.-Volkswohlfahrt habe es jedem einzelnen, dem geholfen wurde, gleichzeitig zu" Aufgabe gemacht, wieder zu helfen und seine ganze Persönlichkeit in den Dienst der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft zu stellen.
Der Leiter der NS.-Volkswohlfahrt sprach dann über die großen Erfolge des Winterhilfswerkes im ersten und zweiten Jahre und verkündete im Sinne der Rechenschaft, die auf dem Gautag Groß-Berlin gegeben werden soll, die Leistungen der NS.-Volkswohlfahrt nach Abschluß des Winterhilsswerks in den Monaten April, Mai und Juni.
Im Rahmen der Organisation „Mutter und Kind" sind 134 533 Kinder auf das Land geschickt worden mit 3 767 484 Berpflegungstagen.
In dem ergänzenden Hilfswerk des deutschen Volkes sind 53 295 Mitglieder der SA., SS., NSKK. und der PO. verschickt worden mit 1 491 552 Verpflegungstagen. Die Mütterverschickung umfaßt 25 574 Mütter mit 613 776 Tagen. Insgesamt sind dafür 11,2 Millionen Mark ausgegeben worden. Dazu kommen tloch 1 0 Millionen Mark Sonderleistungen in den Monaten Mai und Juni für NS.-Schwestern- stationen, für Zeltlager der Hitler-Jugend und des BDM., für die Organisation „Mutter und Kind" und für eine Reihe von einzelnen Hilfsmaßnahmen.
Dann nahm, mit großem Beifall empfangen,
Obergruppenführer v. Jagow
für die Berliner SA. das Wort. Er begann mit frem Satz des Führers: „Der Staat wäre nicht in die Hände des Nationalsozialismus gekommen, wenn nicht die SA. gewesen wäre. Obergruppenführer v. I a g o w erinnerte dann an die furchtbare Zeit der Hetze des Marxismus. Der SA.-Mann habe gerade in dieser Zeit jeden einzelnen Anhänger dem Führer zugeführt. Im Jahre 1933 sei die SA. von 300 000 auf 3,5 Millionen angeschwollen. Seitdem sei man bemüht, den großen Massen in der SA. nationalsozialistische Art beizubringen. Seit einem Jahre aber sei eine Arbeit im Gange, durch die aus der SA. wieder der nationalsozialistische Kämpfer gemacht werde. „Wir wollen", so erklärte Obergruppenführer v. Jagow, „wieder die Schule der Partei werden, die wir gewesen sind?
Wenn die Partei heute die Führerin des Volkes ist, so
hat sie sich das durch ihre eigene Leistung verdient.
Daß sie deshalb auch nicht wieder auseinanderlaufen darf, ist also selbstverständlich. Gewiß gibt es in Deutschland noch sehr vieles, mit dem sich die Partei beschäftigen muß. Es gibt heute noch Leute, die uns Verrat an unserem Programm vorwerfen und mit lautem Geschrei verkünden, daß es in Deutschland viel zu langsam ginge. Es kommt aber alles, wie es kommen muß und wie wir es zu vollziehen in der Lage sind. Unsere Ideen sind dabei unerschütterlich.
Deutschland, so schloß der Gauleiter Dr. Goebbels, steht im Aufbau! Sein Volk ist mit Sorgen belastet, aber es hat auch Lebensmut. Wir haben ihm diesen Optimismus zurückgegeben. Über unserem Reich harrt der Führer als die unerschütterliche Schildwache, und hinter ihm steht in der Tat die neue Nation!
Die große Rede des Gauleiters wurde immer wieder von Begeisterungsstürmen unterbrochen, die sich auch nach Schluß fortsetzten.
Der Aufmarsch der 110000»
Die große Kundgebung auf dem Tempelhofer Feld.
Nach der großen Kundgebung im Berliner Sportpalast bildete ein Massenaufmarsch von 1 1 0 000 Ai a n n auf dem Tempelhofer Feld den Höhepunkt des Tages. Während sich die Züge vom Sportpalast aus zum Tempelhofer Feld begaben, sammelten sich alle Formationen, die au diesem Gautag geschlossen teilnahmen, in der Nähe des Aufmarschfeldes. Die Tribüne war mit hellen, blanken Birkenstämmen geschmückt, begeistert empfangen zog eine Ehrenkompanie des Wachregiments Berlin ans. Während die Reichswehr links von der. Tribüne Aufstellung nahm, stand in der Mitte die Front der Flieger und rechts die Ehrenkompanie der Feldjäger.
Bald danach kündeten Heilrufe die Ankunft des Gan- leiters Dr. Goebbels an. In Begleitung des Stellvertretenden Gauleiters Görlitzer, des Obergruppenführers
Berlin-Brandenburg der SA., v. Jagow, des Polizeipräsidenten von Potsdam, Graf Velibors, und des Overregierungsrats Dürr betrat der Gauleiter das Feld. Dann schritt Dr. Goebbels die Front ab. Anschließend nahm, während immer wieder die Heilrufe aus den Reihen der Hunderttausend den Gauleiter grüßten, Staatsrat Görlitzer das Wort zu einer kurzen Begrüßungsansprache, bei der er das
Grußtelegramm des Führers verlas. In ihm heißt es: „Für die mir übermittelten Treuegrüße des Gaues Groß-Berlin danke ich Ihnen herzlichst. Ich freue mich über die machtvolle Kundgebung meiner Berliner Partei- g e n o s s e n, in der ich ein Zeichen der Kraft und Stärke der Beweanna lebe. Adolf Hitler?
Dr. Goebbels jpnK! zu be» Massen.
Hierauf nahm Minister Dr. Goebbels das Wort. In dieser Stunde, so führte er u. a. aus, sind die Herzen aller alten Parteigardisten von Berkin von stolzer Freude erfüllt. Denn wir halten nun Rückschau auf unsere Arbeit und können dabei einen Erfolg buchen, wie ihn die moderne Geschichte der politischen Massenbewegungen noch nicht gesehen hat. Keiner von uns har sich vor neun Jahren träumen lassen, daß die nationalsozialistische Bewegung in so relativ kurzer Frist die Hauptstadt des Reiches erobern würde.
Wir haben diesem Steinungeheuer einen neuen Atem eingeblasen und haben es wieder zum Leben erweckt. Wenn man heute durch die Straßen dieser Stadt fährt, so bekommt man einen Begriff davon, von welch einem ungeheuren Lebensrhythmus sie erfüllt ist. Grandiose Bauprojekte werden nicht nur geplant, sondern ansgeführt.
Tausende, Zehn- und Hunderttausend«: sind wieder an
die Produktionsstätten zurückgeführt worden.
Die Stadt hat wieder einen geordneten Haushalt und dem beschämenden Zustande, daß sie bei jeder Gehaltszahlung bei internationalen Judenbanken um Kredite betteln mußte, haben wir ein Ende gemacht.
Ich habe das vor allem den beiden Männern zu verdanken, die in meinem Auftrage und an meiner Statt schwere und sorgenvolle Aufgaben auf sich nahmen: meinem stellvertretenden Gauleiter Görlitzer und Staatskommissar Dr. Lippert. Sie haben mit nationalsozialistischer Energie die unlösbar scheinenden Probleme der Reichshauptstadt in Angriff genommen und, soweit das überhaupt menschenmöglich war, sie auch einer Lösung zugeführt.
Es gibt in neuerer Zeit in Berlin und im Reich auch Verbände, die glauben, daß ihre Existenz nationalsozialistische Verbände überflüssig mache. Ich bewundere diesen Glauben, zu sagen, die Bewegung sei doch eigentlich überflüssig, wir wären doch alle Nationalsozialisten. Ich sagte heute mittag schon, ich hoffe es — aber ick glaube es nicht. Und wenn schon,
wir haben ja nicht nur die Aufgabe, das deutsche
Volk nationalsozialistisch zu machen, sondern das deutsche Volk auch nationalsozialistisch zu erhalten.
Wir haben eine große Achtung vor dem deutschen Arbeiter, der Tag für Tag in seinem täglichen Leben unerhörte Opfer für die deutsche Volksgemeinschaft bringt. Wir lassen auch kein Mittel unversucht, um ihn allmählich in einen gehobenen Lebens st and hineinzubringen. Wir sind entschlossen, ganze Altwohnungsvierll niederzureißen und neue, moderne Häuser zu bauen.
Wir sind entschlossen, die großen sozialen Probleme, die gerade hier in Berlin so brennend sind, in Angriff zu nehmen und nicht vor ihnen die Augen zu verschließen.
Dazu aber bedürfen wir der Geschlossenheit des ganzen Volkes, und diese Geschlossenheit lassen wir durch nichts und niemanden stören, auch nicht, wenn er sich auf den lieben Gott beruft. (Großer Beifall.)
Dr. Goebbels gab dann einen Rückblick auf die außenpolitischen Erfolge des neuen Deutschland, wobei er vor allem an das deutsch-englische Flottenabkommen erinnerte.
Der Gauleiter schloß: Wir fühlen uns als die Soldaten der Politik unseres Führers. Ist es nicht ein Wunder, das Leben dieses Mannes? Und könnte man über dieses Leben nicht die lapidaren Worte schreiben: Ein Gefreiter erobert das Reich! Es gab eine Zeit, da hörten nur ein paar Hundert in Deutschland auf ihn. Dann kam eine Zeit, da hörte das Land aus ihn. Und jetzt ist die Zeit, da hört die Welt auf ihn. Denn er hat nicht nur immer recht gehabt, sondern — und das ist das Wunder — er h a t auch immer recht be- kommen! (Starker Beifall!) Das ist der eigentliche Sinn dieser Stunde, die uns alle so festlich hier versammelt, ihm als seine gehorsamen Soldaten der Reichs- Hauptstadt unsere Huldigung zu Füßen zu legen.
Nur langsam legte sich nach der Ansprache Dr. Goebbels' der Beifallssturm der Hunderttausend. Als dann das Sieg-Heil auf Führer und Bewegung und die Lieder der Nation verklungen waren, formierten sich die Partei- gliederungen zum Vorbeimarsch an ihrem Gauleiter, Zwei Stunden fast dauerte diese Heerschau.