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Zulöaer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der ' Sonntag". Bezugspreis, monatlich 1,70 NM.

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal *§ulöaer Kreisblatt

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Nr. 151 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 2. Juli 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Eden berichtet im englischen Unterhaus.

DamiVerlauf seiner diplomatischen Reisen

'«uu na^ Paris und Rom.

MZm.ster Eden gab am Montag im eng­lische n;- Unterhaus eine Erklärung über seine diplom+ isfsche Reise nach Paris und Rom ab. Eden-Mirte aus:Der Zweck meiner Reise nach Paris war doppelter Natur: die britische Negierung wollte an erster Stelle die früheste Gelegenheit benutzen, um der französischen Regierung eine volle und offene Erklärung über das deutsch-englische Flottenabkommen zu geben. Sie wünschte auch in Rücksprache mit der französischen Regierung die Mittel und Wege zu erwägen, so schnell wie möglich Fortschritte mit den Verhandlungen über alle Punkte des Londoner Protokolls vom 3. Februar zu erzielen. Ich gab dem französischen Ministerpräsidenten einen Bericht über den Inhalt des deutsch-englischen Flotten­abkommens und beschrieb ihm die Umstände, unter denen es abgeschlossen wurde, sowie die Gründe, die die eng­lische Regierung zu seinem Abschluß veranlaßten. Laval erklärte mit gleicher Offenheit

die Ansicht der französischen Regierung zu diesem Abkommen.

Im Laufe dieser Besprechung wurde anerkannt, daß für die Regelung dieser Fragen, wie z. B. der des Luft­paktes, des Östpaktes, des mitteleuropäischen Paktes und der Vereinbarung über Landrüstungen, eine neue Zu­sammenarbeit z w i s ch e n Frankreich und Großbritannien notwendig sei. Dies sind Fragen, die nicht allein Frankreich und Großbritannien interessieren. Wir suchen daher gegenwärtig zusammen mit der französischen Regierung

eine Form der Zusammenarbeit, die am besten geeignet ist, so schnell und vollständig wie möglich die Erfüllung des Programms des Londoner Proto­kolls vom 3." Februar durch alle Länder zu erzielen.

Am Ende der Befprechung über diese selben Probleme, die ich in der Folge mit M u s s o l i n i in Rom hatte, konn­ten wir erfreulicherweise eine Einigung über die Möglich­keit feststellen, weiterhin für die europäische Befriedung im Einklang mit der im Londoner Protokoll und in der Stresaer Entschließung niedergelegten Richtlinie zu ar­beiten. Es ist jetzt jedoch Grund zu der Hoffnung vorhan­den, daß die beste Verhandlungslinie in Kürze gefunden werden muß.

Eden wandte sich dann der italienisch-abes­sinischen Streitfrage zu und erklärte:Ich teilte Mussolini die ernste Besorgnis der englischen Regierung über die Wendung des Streites zwischen Italien und Abessinien mit und beschrieb Mussolini die Art des von England ins Auge gefaßten Beitrages, den ich ihm als provisorischen Vorschlag vorlegen durfte. Dieser Vorschlag ging allgemein gesprochen dahin:

Zugunsten einer endgültigen Regelung des italie­nisch-abessinischen Streites würde die britische

Französisch-italienischer Militärvertrag?

Die Heeresdemonstration des Duce in Südtirol.

Der Besuch des französischen Generalsiabschefs Gamelin in Italien scheint seine Früchte zu tragen, nur reifen sie nicht am Friedensbaum Europas. Viel­mehr gewinnt man Klarheit darüber, daß Frankreich und Italien gewillt sind, in Zukunft sich gegen­seitig militärische Hilfe zu gewähren und enge militärische Zusammenarbeit anzustreben. Italien bekommt damit Heereskräfte gegen Abessi­nien frei, da Frankreich in Europa dem Duce den Rücken deckt. Daran vermögen auch die von Rom aus geflissentlich ausgestreuten Gerüchte nichts zu ändern, daß Italien den militärischen Schutz seiner europäischen Grenzen nicht vernachlässigen werde.

Nach einer Meldung des römischen Korrespondenten der Londoner ZeitungDaily H e r a l d" sei Italien im Begriff, mit Frankreich einen Militär- vertrag abzuschlipßen, wonach Frankreich den _ Schutz der italienischen Grenzen übernehmen soll, solange Italien in Afrika beschäftigt sei. Demgemäß würden

an den demnächst beginnenden Manövern um Bozen herum hohe französische Offiziere teilnchmen.

Dieses Militärabkommen würde nach Meinung des DailyHerald" auchdiplomatischeFolgerungen nach sich ziehen.

Bei den demonstrativen italienischen Manövern von 7 bis 8 Divisionen in Südtirol, an denen Mussolini persönlich teilnehmen wird, handelt es sich demnach um eine Geste des italienischen Staatschefs, die ein beson­deres Schlaglicht auf die Politik des Duce wirft.

Serbetene Mnitloarliefenmgen nach Abessinien.

Der Kaiser von Abessinien erklärte einigen englischen ^Pressevertretern gegenüber. bah die Reaierun-

Regierung bereit sein, Abessinien einen Gebiets­streifen in Britisch-Somaliland anzubieten und da­mit Abessinien einen Zugang zum Meere zu geben.

Dieser Vorschlag sollte gebietsmäßige und wirtschaftliche Zugeständnisse Abessiniens an Italien erleichtern, wie sie möglicherweise im Rahmen einer Regelung zustande gekommen wären. Die britische Regierung würde als Gegenleistung für diese Abtretung kein Zugeständnis ver­langen mit Ausnahme der Weiderechte für ihre Stämme in denjenigen Gebieten, die an Italien ab­getreten würden. Dieser Vorschlag wurde nicht leichten Herzens gemacht, und nur der Ernst der Lage konnte die Abtretung britischen Gebiets ohne eine gleichwertige Gegenleistung rechtfertigen. Ich bedauere es sehr, daß Mussolini nicht in der Lage war, diesen Vorschlag als eine Grundlage für die Lösung der Streitfrage anzu- nehmen."

Nach der Unterhauserklärung Edens über seine Besuche in Paris und Rom fragte der Oppositionsführer Lansbury, welche weiteren Schritte die Regierung unter­nehmen wolle,um auf die italienische Negierung in der Angelegenheit des Streits mit Abessinien einen Druck auszuüben, wie ihn die öffentliche Meinung Europas ausüben könne". Der Außenminister Hoare er­widerte, daß er die außerordentliche Dringlichkeit dieser Fragen durchaus einsehe. Er könne jedoch nicht bestimmt sagen, wann die Negierung dem Unterhaus weitere Einzelheiten mitteilen könne. Sie wolle nämlich nichts tun, was geeignet sei, die von ihr gewünschte Entwick­lung der Dinge nachteilig zu beeinflussen.

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Italien lehnt britischen Vorschlag ad

Rom, 2. Juck. Die Erklärungen Edens im Unterhaus zur abessinischen Frage hat man in Rom mit einer ge­wissen Spannung erwartet. Sofort nach ihrem Bekannt-» werden wurde in zuständigen Kreisen Roms darauf hin­gewiesen, daß sich der italienische Regierungschef gegen­über Eden amtlich ebenso freimütig wie bestimmt gegen einen Zugang Abessiniens zum Meer über den Hafen von Zeila in Britisch-Somaliland ausgesprochen und eine Erörterung dieses Vorschlages abgelehnt hat. Ein Zu­gang Abessiniens zum Meer wäre nach Ansicht italieni­scher Kreise geeignet, nicht nur Italiens Belange und Wünsche zu stören, sondern müßte auch Frankreich we- gen der Entwertung des französischen Hafens Djibuck und der Djibuti-Bahn verstimmen. Darüber hinaus glaubt man in Rom berechtigte Zweifel an der späteren Ratifika­tion der von Eden erwähnten gebietlichen Zugeständnisse durch das Unterhaus haben zu müssen, da, wie man in Rom meint, erfahrungsgemäß auch kleinste territoriale Zugeständnisse im englischen Parlament immer auf groß-» ten Widerstand zu stoßen pflegen. Der für Italien ohne­hin unzulängliche Vorschlag Edens sei daher, wie man in römischen zuständigen Kreisen betont, diplomatisch wie parlamentarisch ungenügend vorbereitet worderu

gen der Tschechoslowakei, Dänemarks, Frankreichs und Belgiens den Verkauf von Munition nach Abessinien verboten hätten. In einigen Fällen seien sogar bezahlte Sendungen im Hafen festgehalten worden.

Italien sei ein großes Industrieland, das zur Zeit Tag und Nacht damit beschäftigt sei, seine Armee mit modernen Waffen und Maschinen auszurüsten.

Wir aber", so sagte der Kaiser,sind ein Volk von Hirten und Bauern ohne Industrie und sind gezwungen, uns unsere wenigen Gewehre und Kanonen, die wir brauchen, vom Ausland zu kaufen, damit unsere Solda­ten nicht gezwungen sind, nur mit Schwertern und Speeren bewaffnet in den Kampf zu gehen."

Der Kaiser fraate dann. ob einer der Korrespondenten ihm nachweisen könne, worin Abessinien seine Völkcrbundspflichtcn ver­letzt habe.

Auf welche Weise haben wir", so erklärte er,diesen bevorstehenden Krieg provoziert? Wenn wir im Recht sind und die zivilisierten Völker nicht in der Lage, den Kriegsausbruch zu verhindern, dann soll man uns doch wenigstens die Möglichkeit lassen, uns ^^Wie ba u^^ar t s gemeldet wird, erklärte der abessinische Kriegs mini st er dem Sonderbericht­erstatter desMatin", wenn Italien hoffe, ein Mandat über Abessinien zu erhalten, so täusche es sich.

Selbst wenn Abessinien eines Tages unter Mandat kommen sollte, so werde nicht Italien die Mandatar­macht sein.

Der Kriegsminister bezifferte die Stärke des unter den Fahnen st ehenden Heeres auf 350 000 Mann. Abessinien könne aber in zwei bis vier Wochen weitere 800 000 bis 900 000 Mann mobil machen.

Der Wald als Kulturträger und Rohstoffquelle.

Ein mahnender Beitrag zum Ausklärungsfeldzug: Verhütet Waldbrärrde!"

Mit dem 1. Juli begann im ganzen Reich ein ge­waltiger Auftlärunasfeldzug unter dem Leitwort: Verhütet W a l d b r ä n d e". Durch diese ge­schlossene Aktion sollen jung und alt auf die kultu­relle und wirtschaftliche Bedeutung des deutschen Waldes aufmerksam gemacht und dazu angehalten werden, dieses kostbare deutsche Volksgut pfleglich zu behandeln. Das heißt in erster Linie, es vor Feuer­schaden zu schützen.

Alljährlich, wem: die Sonne warm und sommerlich auf die Erde niederscheint, beginnt die große Gefahrenzeit für den deutschen Wald. Während naturfrohe Menschen das Lob des Waldes mit deutschen LiedernWer hat dich, du schöner Wald . . .",Wo die hohen Eichen rauschen ..." auf froher Wanderung besingen, ver-

Eröffnung der Autobahn MünchenHolzkirchen.

Bei Holzkirchen eröffnete der Führer die erste fertige Teil­strecke der Reichsautobahn MünchenLaudesgrenze. Mit erhobenem Arm grüßend, fährt Adolf Hitler aus der neueröffneten Strecke. (Scherlbild M.)

gessen sie, daß das Feuer der ä r g ffe F e i n d des Waldes ist. Viel gefährlicher als der tierische Schäd­ling, als Nonne und Forleule, die mit ihrer Gefräßigkeit oft kilometerweite Strecken Waldes zugrunde richten. Das Fünkchen eines leichtsinnig weggeworfenen Streichholzes, einer ausgeklopften Pfeife ist oft genug die Ursache kata­strophaler Waldbrände, die in wenigen Stunden die Arbeit von Jahrzehnten vernichten. Zwei Drittel aller Brände im Wald sind nach statistischen Er­hebungen durch fahrlässige und leichtfertige Wald- b e s u ch e r hervorgernfen. Ein Drittel geht auf bös­willige Brandstiftung, auf Blitzschlag und Funkenflug zu­rück. Den Naturgewalten, Blitz und Ungewitter, ist der Wald auf Gedeih und Verderben ausgeliefert, der Un­bedachtsamkeit der Menschen, die ihn durch Rauchen oder Abkochen gefährden, darf er es nicht länger sein. Darum haben sich die NSDAP. Neichsleitung, Hauptamt für Volkswohlfahrt, Abt.Schadenverhütung", das Reichs­forstamt und der Reichsnährstand zu dem großen Wald- braudbekämpfungsseldzug zusammengetan, durch den es ge­lingen muß, das deutsche Volk dahin zu erziehen, durch Verantwortungsbewußtsein an der Erhaltung des Wald- bestcyldes mitzuarbeiten.

Den Wald erhalten heißt ein kostbares deutsches Volksgut Kind und Kindeskindern sichern. 2 7 v. H. d e r Deutschen Landesflüche oder rund 12,65 Mil­lionen Hektar sind mit Wald bestanden. Der Wert dieser 12,65 Millionen Hektar mit dem darauf stehenden Holz beläuft sich auf etwa 19 Milliarden Mark/ Er stellt damit ein Achtel des deutschen Volksver­mögens dar. Von diesen 12,65 Millionen Hektar sind 5,5 Millionen Hektar oder 44 v. H. mit Kiefern, 3,1 Milttonen Hektar oder 25 v. H. mit Fichten, 1,7 Millionen Hektar oder etwa über 12 o. H. mit Buchen und 0,7 Millionen Hektar oder 7 v. H. mit Eichen bewachsen. Dieses prächtige alte Waldgut, in dem über 300 000 Menschen hauptberuflich beschäftigt sind, hat über seinen materiellen und seinen Erholungswert für den deutschen Menschen hinaus große volkskultu­relle Aufgaben zu erfüllen. Klima und Luft- beweg ung werden stark durch Den Wald beeinflußt. E r regelt vor allem den großen Wasserhaushalt der Natur.

Dieser Kraftquell des deutschen Volkes erfährt heute nach den Jahren der liberalistischen Mißwirtschaft, die den Wald nicht zuletzt durch die Bezüge ausländischer Hölzer zu^ Schleuderkonkurrenzpreisen entwertete, wieder staat­lichen Schutz uud staatliche Förderung. So wurden 1933 die Holzzölle erhöht, es wurde ein Aufforstungsgesetz, ein Gesetz zum Schutz vor Waldverwüstung erlassen, ein be­sonderer Kreditplan für die Aufforstung von Odländereien in Kraft gesetzt, ein besonderes Reichsforstgesetz herausge­bracht, wonach der gesamte deutsche Waldbesitz nach forst­lichen Grundsätzen angebaut, gehegt und gepflegt rvird, um auf diese Weise eine größere jährliche Holzernte zu garantieren und den Wald selbst wieder rentabel zu machen. Um dieses Ziel hundertprozentig zu erreichen, muß auch die Industrie mit den Waldbesitzern syste-