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Zulöaer Anzeiger

Erschein: jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenllau, Fulda, König,trotze 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. Verantw. für den Inhalt: B e r n d H e i m . Fuld«.

Tagebla« für Rhön un» Vogelsberg ESä^

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Nr. 153 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 4. Juli 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

polens Außenminister beim Führer.

Berlin, 4. 3uli. Der Führer und Reichskanzler gab Dienstag abend in seinem Hause zu Ehren des in Berlin weilenden polnischen Außenministers Beck und seiner Frau ein Abendessen, an dem auch der polnische Botschafter Lipski, der deutsche Botschafter in Warschau, von Moltke und die Herren der Begleitung des Außenministers Beck sowie mehrere Mitglieder der Reichsregierung und andere führende Persönlichkeiten des politischen Lebens mit ihren Damen teilnahmen. Im Anschluß an das Essen fand ein Konzert statt, bei dem die Damen Luise Willer, Maria Müller, und die Herren Wilhelm Rode, Max Lorenz, Iu­lius Patzak, Professor Wilhelm Kempff und Michael Raucheisen mit vollendeten Darbietungen die Gäste des Führers erfreuten.

Am Mittwoch veranstaltete der Reichsminister Freiherr von Neurath zu Ehren des polnischen Außenministers und seiner Frau ein Frühstück, bei dem der polnische Botschaf­ter in Berlin, Lipski, der Kabinettschef des polnischen Außenministers, Graf Lubienski, der Legationssekretär Friedrich sowie Botschaftsrat Prinz Lubomirski und der Militärattachee Oberst Szymanski mit ihren Frauen zu­gegen waren. Von deutscher Seite nahmen teil: der Staatssekretär von Bülow, der deutsche Botschafter in Warschau, v. Moltke, Ministerialdirektor Meyer mit Frau sowie der Protokollchef Gras Bassewitz und einige Herren des Auswärtigen Amtes.

*

Fortsetzung des Friedenswerkes.

Der Besuch des Außenministers Beck in Berlin steht in Polen im Vordergrund des politischen Interesses. Die Zeitungen veröffentlichen auf der ersten Seite das Berliner Programm und Auszüge aus Begrüßungs­artikeln der reichshauptstädtischen Presse. Der der Regie­rung nahestehendeK u r j e r P o r a n n y" nimmt selbst in einem Leitartikel zu der Reise Stellung und unter­streicht, daß

der Besuch mehr als nur ein Akt der Höflichkeit sei. Die Einladung und ihre Annahme haben ihren Grund in dem Willen, das Friedenswerk fortzusetzcn, und zwar sowohl in der Richtung der nachbarlichen Beziehungen als "auch in der Stärkung der Fundamente des europäischen Friedens. Es sei nicht be­absichtigt, neue diplomatische Dokumente anzufertigen, aber Außenminister Beck werde dem Reichskanzler ver­sichern können, daß

Polen entschlossen ist, die Politik seines großen Marschalls weiterzuführen, ohne von den Postulaten der Verständigung und der realen Ausgaben abzuweichen. Der europäische Frieden könne nicht als dauerhaft angesehen werden ohne eine

Anbahnung von Besprechungen steht nichts im Wege"

Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der französischen Kammer für sofortige Fühlungnahme mit Deutschland.

Mit der Frage der deutsch-französischen Beziehungen beschäftigt sich in der radikalsozialistischenRepublique" der Abgeordnete B a st i d , Vorsitzender des Auswärtigen Kammerausschusses. Er weist zunächst auf die in England und auch in Frankreich in letzter Zeit sich anbahnenden Bestrebungen einer deutsch-französischen Annäherung hin *ub schreibt dann unter anderem:

Die Atmosphäre scheint heute etwas besser zu sein. Unsere Öffentlichkeit steht vielleicht einer freien Aus­sprache mit Deutschland nicht mehr ganz so fern wie noch vor einiger Zeit. Ob die Bedingungen für diese Aus­sprache für uns günstiger sind, ist eine andere Frage. Ich habe nicht das Gefühl, daß ein heute verwirklichtes Ab­kommen genau denselben Wert haben könnte wie eine gestern erzielte Verständigung.

Wir haben wieder einmal Zeit verloren.

Die Ereignisse der letzten Woche«: bezeugten mit unwider­stehlicher Gewalt, daß jede Politik, die selbst den flüch­tigen und trügerischen Anschein einer diplomatischen Ein­kreisung Deutschlands besitzt, zum Mißerfolg verurteilt ist. Wir laufen dem Trugbild nach, Deutschland letzten Endes in eine Art europäische Gemeinschaft aufznnehmen, deren Plan ohne Deutschland ausgestellt werden soll. Aber weder wird Deutschland diesem System zustimmen, noch werden die übrigen Mächte sich für seinen endgültigen Abschluß hergeben. Inzwischen wächst das Ansehen Deutschlands. Das ist eine Tatsache.

Deutschlands Anziehungskraft dehnt sich aus» sogar bis in die Balkangegenden,

die bisher überlieferungsgemäß der französischen Sache zugetan waren. Ich stelle das mit größter Traurigkeit fest. Soll man aber warten, bis die Ereignisse sich voll­endet haben?

Heute braucht Deutschland uns noch; wird das aber immer der Fall sein? Vom Standpunkt unseres heiligen Egoismus' aus keine Formel trifft heute besser zu als

Verständigung auf der Linie LondonRomParis- BerlinWarschauMoskau. Leider sei die Kette zwischen Berlin und Paris im Augenblick unterbrochen, und diese Unterbrechung sei der Grund von Störungen der euro­päischen Ruhe. Glücklicherweise sei die Zeit vorbei, da Frankreich sich über die Verständigung zwischen Warschau und Berlin aufreate. Ebenso würde in Warschau niemals

, Becks Ankunft in Berlin.

Neichsaußenminister Freiherr von Neurath begleitete den Gast zum Auto. (Aufn. Weltbild.)

eine Verständigung zwischen Paris und Berlin als Störung empfitnden werden. Im Gegenteil, die sranzö- sisch-deutsche Verständigung sei nicht nur wünschenswert, sondern geradezu nötig. Mail sieht, schließ« der Artikel, es fehlt nicht an Themen für die Berliner Besprechungen und an Gelegenheit, die deutsch-polnische Verständigung weiter auszuwerten.

Der ähnlich eingestellteK u r j e r P o l s k t" betont, daß dieser erste Besuch eines polnischen Staatsmannes in Berlin bestimmt dazu beitragen werde,

die nachbarlichen Beziehungen zwischen beiden Län­dern weiter zu stabilisieren.

Das Blatt gibt einen sehr freundlichen Überblick über die Verständigung seit der ersten Besprechung Adolf Hitlers mit dem polnischen Gesandten, die ein Wendepunkt in der Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen darstellten. Die Atmosvhärè, in der Minister Beck seinen Besuch mache, sei einem Meinungsaustausch bestimmt günstig.

diese steht nichts der Anbahnung von Besprechungen im Wege.

Rote Massenaufmärsche am französischen Nationalfeiertag.

Die Regierung befürchtet Zusammenstöße und Unruhen.

Die innere Krise Frankreichs und das Vordringen der radikalen Elemente wird sich am Nationalfeiertag mit aller Schärfe offenbaren. Hatte der 14. Juli bisher den Charakter eines fröhlichen Volksfestes mit Tanz und lustigem Trubel auf der Straße, so wollen die Links­parteien dem Tag in diesem Jahr einen ausge­sprochen revolutionären Charakter geben, der in riesigen Massenaufmärschen und dem üblichen Drum und Dran sich ausdrücken soll.

Natürlich wird den Höhepunkt des Nationalfeiertags wieder die große Parade bilden, die der Präsident der Republik wie üblich abnimmt. Dabei werden außer den Truppen des Standorts Paris Abteilungen des afrikanischen Heeres (Spahis, Zuaven und schwarze Schützen) und etwa 100 Militärflugzeuge teilnehmen.

Die Negierung ist toegen der roten Aufmärsche sehr in Sorge, denn sie weiß, daß für die radikalen Verbände der Tag eine Kraftprobe sein soll. Man befürchtet Unruhen und Zusammenstöße.

42 Gisenbahnangestellie verhaftet.

Sie wucherten mit Eisenbahnfahrkartcn.

In O d e s s a (Sowjetrußland) wurde eine G r u p p e von Eisenbahnangestellten entdeckt, die mit Fahrkarten spekulierten. An den Fahrkartenschaltern des Bahnhofs waren fast keine Karte«: zu erhalten. Von den Spekulanten wurden dann diese Karten mit ent­sprechenden Aufschlägen vertrieben. Bisher ünd 4 2 Personen verhaftet worden.

Politische Randbemerkungen.

Der Besuch des Polnische«: Außcnrniniftcrs.

Der polnische Außenminister Oberst Beck, der sich zi:r Zeit in Berlin aufhält, macht seinen Gegenbesuch für die Besuche der deutsche«: Minister Göring und Goebbels. Wenn dieser Besuch Becks erst jetzt stattfindet, so muß die Nationaltrauer berücksichtigt werden, in der sich Polen durch den Tod seines Nationalheros befand. Es ist selbstverständlich, daß das deutsche Volk dem polnischen Außenminister einen aufrichtigen und herzlichen Empfang bereitet, da auch er als der politische Freund des ver­storbenen Marschalls Pilsudski zu seinem Teile an der Vertiefung des Verständnisses zwischen der: beider: Na- tioner: ausschlaggebend beigetragen hat. Ist doch die deutsch-polnische Politik das erste große außenpolitische Ereignis in der Nachkriegszeit gewesen, das einen neuen Geist und neue Methoden in den zwischenstaatlichen Ver­kehr verhetzter Völker hineintrug. Adolf Hitler und Josef Pilsudski sind die beiden großen Staatsmänner ge­wesen, die sich gemeinsam zu einer Revision der verhäng­nisvolle«: Politik bekannt und entschlossen haben. Dem Besuch Becks fommt um so größere Bedeutung zu, als der polnische Außennünister zum ersten Male in seiner erfolgreichen politischen Laufbahn Gelegenheit hat, den Führer persönlich fennensulerncH und sich mit ihm über die Frager: des deutsch-polnische«: Verhältnisses aus- sprechen zu können. Wir hoffen, das; der Freund und Mit­kämpfer des dahingeschiedenen polnischen Nationalhelden, der Gestalter seines außenpolitischen Werkes, voi: diesem Besuch eine besondere Bestätigung des neuen Friedens­geistes, der im Deutschland von heute lebt, mit nach Hause nehmen wird.

Österreich als Büttel Prags.

Mag Österreich tun, was es für richtig hält. Wir mische«: uns nicht in die inneren Verhältnisse Österreichs ein. Seitdem die Verantwortlichen in Wie«: glauben besser zu fahren, wen«: sie sich in Richtung Nom und Prag orientieren, mögen sie selbst sehen, wohin der Weg sie führt. Immerhin sehe«: inir es mit Bedauern und schweren Bedenken, wie das Brudervolk bon seiner Ne­gierung auf Irrwege geleitet wird, die zu bitteren Ent­täuschungen führe«: müssen. Nicht unwidersprochen aber samt es bleiben, wenn die Wiener Gewaltige«: in ihrem blinden Haß gegen das nationalsozialistische Deutschland ein Bündnis mit einer ausae -

Polens Außenminister bei Adolf Hitler.

Unser Bild zeigt Oberst Beck mit Obergruppenführer Brückner nach dem Empfang vor der Reichskanzlei.

(Scherl M.)

sprachen deutschtumsfeindlicher: Macht, wie die Tschechoslowakei ohne Zweifel bezeichnet werden muß, eingeht, um gegen Deutschstämmige vor­zugehen. So soll die tschechische Polizei alle österreichi­schen Staatsangehörigen, die die tschechische Grenze nach Deutschland überschreite«: wollen, ohne im Besitz eines deutscher: Einreisevisums zu sein, anhalten und an Österreich ausliefern, wogegen die Tschechen von Öster­reich die A u s l i ef e r u n g s u d e t e n d e u t s ch e r Militärflüchtlinge verlangen können. Österreich macht sich also zum Büttel Prags, nur um den inner­politischen Kampf gegen das Deutschtum zu verschärfen.