Zul-aer /Inniger
Erscheint jeben Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis. monatlich 1/0 NM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere we- walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau. Fulda, König,trage 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- kl a u Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. — Berantw für den Inhalt: Bernd Heim. Fulda.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 158 — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 10. Juli 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Addis Abeba meldet:
Italienische Truppen gegen
Abessinien im Vormarsch.
Massenaufkauf von Vieh und Getreide. — Ägypten sichert seine Grenze.
Nachdem nun auch, wie von vornherein nicht anders zu erwarten war, die italienisch-abessinische „Versöhnungskonferenz" in Scheveningen aufgeflogen ist, oder wie man es so schön formuliert „sich auf unbestimmte Zeit vertagt" hat, ist mit dem baldigen Ausbruch der Feindseligkeiten in Ostafrika zu rechnen.
Nach Meldungen des abessinischen Hauptquartiers befinden sich in Eritrea und Somaliland sehr starke italienische Streitkräfte gegen die abessinische Grenze im Vormarsch. Außerdem sollen längs der Grenze bereits starte Konzentrationen von Flugzeugen und Tanks festgestelll worden sein. Auch die abessinische Regierung hat nach Erklärungen von maßgebender Seite nunmehr auch im Interesse der Landesverteidigung Streitkräfte nach dem Grenzgebiet in Marsch gesetzt. Die Stimmung am abessinischen Kaiserhof und im Hauptquartier der abessinischen Armee ist zuversichtlich. Von abessinischen Heerführern wird erklärt, das abessinische Volk sei kampfbereit.
Die ägyptische Regierung hat an die sudanesischeritreische Grenze Truppenverstärkungen entsandt, do zahlreiche ägyptische Arbeiter trotz Verbots der Kairoci Regierung über die Grenze gehen und am Bau strategischer Straßen in Eritrea mithelfen. Die hohen Löhne die die italienischen Militärbehörden zahlen, locken an. In Eritrea sind 17 große Straßen im Bau, die eine Gesamtlänge von 814 Kilometer haben. Der Handel im Sud a n, der auch sehr unter der Weltkrise zu leiden hatte, blüht, seitdem italienische und abessinische Agenten umherreisen und massenweise Vieh und Getreide aufkaufen.
Einmarsch noch vor dem 25. August?
Der Generalsekretär des Völkerbundes, A v e n o l, führt noch in London mit dem englischen Außenminister Sir Samuel Hoare und dem Minister für Völkerbundsangelegenheiten, Eden, Besprechungen; aber auch von ihnen verspricht man sich nichts mehr.
Wie die englische Zeitung „Time s" mitteilt, ist die englische Regierung zur Zeit damit beschäftigt, die abessinische Frage nach allen Richtungen hin durchzuprüfen, wozu mehrere Kabinettsausschüsse für die einzelnen Fragenkomplexe eingesetzt worden sind. Dem- selben Blatt zufolge sind die französisch-englischen Verhandlungen bisher um keinen Schritt weiter gediehen.
Die italienischen Militärkreise haben angeblich den Wunsch, daß der Einmarsch in A be s s i n i e n noch vor dem 2 5. August beginnt.
Die italienischen Militärs möchten den Völkerbund schon vorher vor eine vollendete Tatsache stellen.
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" rechnet daher mit der Möglichkeit, daß die Einberufung einer Sondersitzung des Völkerbundsrats am 25. Juli oder unmittelbar danach unbedingt notwendig werde.
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Die Gründe für die Vertagung des SchliKtungsauswuffes.
Auf Grund von Mitteilungen von gut unterrichteter Seite über die Vorgänge im Scheveninger Schlichtungsausschuß bestätigt es sich, daß das Plaidoyer des Vertreters der abessinischen Regierung, Professor Iöze - Paris, deshalb abgebrochen werden mußte, weil die Italiener dagegen Verwahrung einlegten, daß Professor Jèze von der Voraussetzung ausging, daß U a l u a I abessinisches Gebiet sei. Die italienischen Regierungsvertreter setzten sich zur Klärung des Zwischenfalls mit ihrer Regierung in Verbindung und erhielten darauf die entschiedene Weisung, keinesfalls eine Aussprache über Grenzfragen, namentlich über Ualual, zuzulassen, da diese Fragen nach italienischer Auffassung nicht der Zustäudig- kelt der Ichlichtungskommission unterlägen. Angesichts dle,er Haltung der italienischen Regierung kam es innerhalb des Schlichtungsausschusses zu ernsten Meinungsverschiedenheiten, zumal die beiden von Abessinien ernannten Mitglieder die Auffassung vertraten, daß man aus diese Weise die Anwälte der Parteien in der Vertretung ihres Rechsstaudpunktes zu starken Beschränkungen aussetze. Zum mindesten müsse dem Anwalt Abessiniens Gelegenheit gegeben werden, die These seiner Regierung zu entwickeln.
* dorläustq kein militärisches Vorgehen Italiens in Adessinien.
^ie Gerüchte über eine bereits erfolgte oder in allernächster Zeit bevorstehende Eröffnung der mili -
i ch e u M a ß u a h m e n I t a l i e n s i n O sta fri k a werden von maßgebender italienischer Seite entschieden in Abrede aeftcILt, Die Behandlung des italienisch-abessi
nischen Streitfalls weist nach Ansicht verantwortlicher italienischer Stellen keine neuen Anzeichen auf, die plötzliche Entscheidungen solcher Art erwarten lassen, ganz abgesehen davon, daß die Regenzeit in den frag- lichen ost afrikanischen Gebieten nicht vor September zu Ende geht und Italien daran liegt, die in Gang befindlichen Vorbereitungen für ein etwa notwendig werdendes militärisches Vorgehen weiter auszubauen.
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Bier Seeltt zu» Nachdenken
Italienischer Appell an das englische Volk.
Rom. 10. Juli.
Im Hinblick auf den bevorstehenden englischen Minister- rat und die weiteren Unterhausdebatten unterbreitet das „Gioruale d'Italia" dem englischen Volk vier Punkte zum Nachdenken, die wesentlich für den Stand der Dinge zwischen England, Italien und Abessinien seien. Das Blatt stellt als ersten Punkt fest, daß sich die Angelegenheit des bedrohten Ansehens des Völkerbundes und der Notwendigkeit seines Eingreifens glücklich in Liquidation befinde. Keine europäische Regierung könne ernstlich anerkennen, daß im Interesse eines Abessinien, das die politischen und moralischen Grundsätze des Paktes verletze und Sklaverei treibe, die Interessen und das Leben des Völkerbundes aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Alle hätten begriffen, daß der Völkerbund in gar keinem direkten Zusammenhang mit dem Streitfall stehe, sondern nur die Verteidigung und Entwicklung ausschließlich englischer Interessen maskieren soll.
Als zweiten Punkt führt der Arftkel an. daß Italien in der Abessinienfrage nicht Völkerbundsgrundsätzen, sondern einem heftigen Ausbruch des englischen Imperialismus geLenüberstehe. Es wird daran erinnert, daß Ena-
Die Aufnahme des deutschen
Flottenbauprogramms in der Welt.
England kündigt neue Schiffsbauten und Ausbau der Mittelmeerflotte an.
Erhöhung der französischen Flotte auf 700 000 Tonnen ?
Das bekanntgegebene deutsche Flottenbauprogramm für 1935, das den Bau von zwei 26 000-Tounen-Pauzer- schiffen, von zwei l0 000-Tonnen-Kreuzern, 16 Zerstörern und 28 U Booten vorsieht, findet in der Weltöffentlichkeit größte Beachtung.
Englische Blätter weisen darauf hin, daß in diesem Programm, das im übrigen nur einen Teil der Deutschland im Flottenabkommen zugestandenen Stärken umfaßt, die Antwort auf die letzten Bauvorhaben der Franzosen zu sehen sei.
„N ews C h r o n i c l e" spricht von einer „Sensation" und findet, daß der geheime Bau von Kriegsschiffen dem Versailler Vertrag widerspreche. Dieser Punkt wird auch vom „Daily H e r a l d" hervor
Heinrich Hoffmann.
Der Führer und Reichskanzler wohnte kürzlich in Grafenwöhr der vom Kommandierenden General des 4 Armeekorps, Generalleutnant List, geleiteten KraftwageMransportübnng bei. Der Reichskriegsminister Generaloberst v. -8 l o m b e r q und der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr v. Fritsch, nahmen ebenfalls an ^bn Übung teil. — Links: Ein Flakzug auf der Landstraße. Aus der Böschung der Führer und Reichskanzler, der
Münster und der Oberbefehlshaber des Heeres. — Rechts: Generalleutnant List erläutert dem Führer das Gelände.
land bereits die halbe Welt besitze. Es müsse jetzt endlich anerkennen, daß auch Italien mit seiner arbeitsamen und zivilisierten Bevölkerung einen Platz an der Sonne brauche.
Als dritten Punkt kommt es dem Blatt darauf an, nachzuweisen, wie wichtig und notwendig gute en g lisch - italienische Beziehungen im afrikanischen Raum seien. Es wird besonders hervorgehoben, daß die Frage des Tsanasees keinen Zankapfel zwischen England und Italien zu bilden brauche, da Italien gar keinen Anspruch auf diese Gewässer erhebe und auch nicht im geringsten an ihre Ausnützung für Eritrea denke. In Afrika müsse die Zusammenarbeit der Großmächte gesucht und verwirklicht werden. Wenn in Europa eine Einheitsfront gesucht werde, so müsse sie auch für Afrika gebildet werden.
Als letzten Punkt bringt das Blatt einen Hinweis auf die europäischen Folgen, die durch eine englische Hartnäckigkeit in der abessinischen Frage entstehen könnten. England dürfe nicht die in Stresa erreichte Einmütigkeit zerstören und den Zusammenbruch der europäischen Solidarität herbeiführen. „Giornale d'Italia" sucht sogar die Erinnerung an die Kriegsgemcinschaft zwischen Italien und England wachzurufen und warnt die Engländer vor der Möglichkeit, sich durch die Verletzung der Lebensrechte anderer Völker Freundschaften zu verscherzen. Die Probleme Englands seien so groß, daß es zu ihrer Lösung die freundschaftliche Neutralität oder die Unterstützung anderer Länder stets notwendig haben könnte.
Keine vorzeitige Einberufung des Bötterbundrats
London, 10. Juli.
Wie Reuter aus Paris berichtet, setzt sich die französische Regierung zwar noch immer für eine friedliche Regelung des italienisch-abessinischen Streites ein und ist bereit, sich an jedem Vorgehen zu beteiligen, das geeignet erscheint, eine Versöhnung herbeizuführen. Es seien Anzeichen dafür vorhanden, daß als Ergebnis der Besprechungen zwischen Laval und dem britischen Botschafter in Paris eine Annäherung der Ansichten Frankreichs und Großbritanniens eingetreten seien. Es sei eine Entspannung eingetreten, wie dies auch eine hohe französische Persönlichkeit am Dienstagmorgen erklärt habe. Andererseits habe man in wohlunterrichteten Kreisen die Meldung, daß England eine Sondersitzung des Völkerbundsrates zum 25. Juli einberufen wolle, als unsinniges G e- schwätz erklärt. Es sei bereits festgelegt, daß für den Fall, daß sich der Versöhnungsausschuß bis zum 25. Juli nicht einigen könne, der Völkerbundsrat automatisch zusammentreten werde, um die Lage zu erwägen.
gehoben. Für den „D a i l h Telegraph" enthält.baS Programm
„viele Überraschungen".
Diese bestünden in den großen Zerstörern und der „beträchtlichen Anzahl" von U-Booten. Statt der zwölf deutschen U-Boote von je 250 Tonnen, deren Bau im April bekanntgegeben wurde, werde jetzt mitgeteilt, daß 20 Boote dieser Tonnage im Bau seien, und daß weitere acht Boote von 500 bis 700 Tonnen geplant seien. Der Marinemitarbeiter des „Daily Expreß" bemerkt, die britischen Behörden hätten schon feit langem geargwöhnt, daß die beiden dieses Jahr im Bau befindlichen Schlachtschiffe tatsächlich 26 00l)-Tonnen Fahrzeuge seien. Das