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Zul-aer MZeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,^0 M. Bei Lieferungsbehinderung durch »Höhere, Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fr i e d- rich Ehren kl au, Fulda Komgstraste 42. Rotationsdruck : Friedrich Ehrenklau. Lauter- bach/H. Hauptschristleiter Friedrich Ehren­klau Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989 - Verantw für den Inhalt: B e r n d H e i m , Fulda.

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Notations

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal - Zulüaer Kreisblatt

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Nr. 161 12. Jahrgang

Fulda, Samstag, 13. Juli 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Höherer Ernteertrag als im Vorjahre.

Das neue Getreidewirtschaftsjahr 1935/36.

20 Mark je Ssonne, während der bisherige Unterschied rund 30 v. H. darunter lag. Der Noggenschlußpreis des eben abgelaufenen Wirtschaftsjahres gilt kraft besonderer neuer Vorschriften bis zum 31. Juli 1935. Damit soll denen ge­holfen werden, die noch nennenswerte Bestände an alt- erntigem Roggen haben.

Die Haferpreise sind, abgesehen von dem er­weiterten Report, wie im Jahre 1934/35 bemessen wor­den. Bei den übrigen Getreidearten sind vor allem aus produktionspolitischen Gründen einige Verschiebungen notwendig gewesen.

Der Weizen-Anfang-Lprcis liegt in diesem Jahre etwa 4 Mark je Tonne niedriger als im vergangenen Jahre,

um damit einmal einer Ausdehnungder Weizen­anbaufläche über den Bedarf hinaus entgegen­zuarbeiten und um andererseits die Möglichkeit zu schaffen, die Brotpreise stabil zu halten. Der Roggen- Anfangsp reis ist um 1 Mark je Tonne erhöht worden. Hierdurch wird die Spanne zwischen dem Roggen- und Weizenpreis aus produktionspolitischen Gründen verringert. Der Ger st en preis wurde um 6 Mark je Tonne erhöht, um einen Anreiz für eine er­höhte Gerstenerzeugttng zu geben.

Die neue Getreidewirtschaftsordnung bringt ver­schiedene Veränderungen. Die bedeutsamste ist, daß zwar an dem Gedenken der geregelten Ablieferung von Brotgetreide als Ablieferungsrecht und Abliefe­rungspflicht (Ablieferungskontingentierung) festgehalten wird, die Ablieferung im einzelnen aber nicht mehr durch Regierungsverordnung, sondern durch Anordnungen der Hauptvereinigung und der Getreidewirtschaftsverbände geregelt wird.

Der Reichsminister für Ernährung und Landwirt­schaft setzt nur noch das Reichsablieferungskontin- gent fest.

Die Höhe des mit Kontingentsmarken versehenen Brotgetreidekontingents wird mit dem Bedarf der Be­völkerung an Brotgetreide in Übereinstimmung gebracht. Die Mühlen sind verpflichtet, nur mit Plomben ver­sehenes Getreide zu verarbeiten. Dadurch hat der Bauer die Gewähr, daß das ihm zugewiesene Ablieferungssoll auch fortlaufend Absatz findet.

Ein allgemeines Verfütterungsverbot für Roggen und Weizen besteht nicht mehr. Neuer­dings werden auch beim Hafer nur für Futterhaser Fest­preise angesetzt, während für Gerste und Hafer, die Jndustriezwecken dienen, zunächst keine Preise festgesetzt werden..

An dem Mühlenfe st preis (Einkaufspreis) wird grundsätzlich festgehalten, doch ist die Regelung elastischer gestaltet worden. Bei der Neuregelung sind die Er­fahrungen der letzten zwölf Monate in kluger Ab­wägung ausgewertet worden. Maßvoll wurde hierbei deswegen vorgegangen, damit sich die Getreide­wirtschaftsverbände und die Unterorgane in die Neu­ordnung schnell fest einfügen.

Zu Beginn des neuen Getreidewirt- schaftsjahres 1 935/36 sprach am Freitag Mini­sterialdirektor Dr. M o r i tz vom Reichs- und Preußischen Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft vor Ver- tretern der Presse in Berlin. Nach den bisher vorliegenden Berichten und Schätzungen der diesjährigen Getreideernte, so führte er aus, ist mit einem höheren Ertrageals im Vorjahre zu rechnen.

Dies ist nicht nur auf gute Wachstumsvor­aussetzungen zurückzuführen, sondern in erheblichem Umfange auch auf die Leistungen der Bauern im Rahmen der Erzeugungsschlacht. Aus Grund der Vor­schätzung des Statistischen Reichsamtes von Anfang Juli ist eine Getreideernte von insgesamt 21,9 Millionen Tonnen zu erwarten; das sind rund 1 Million Tonnen mehr als im vergangenen Jahre.

Es ist jedoch damit zu rechnen, daß die Ernte einen noch höheren Ertrag ergibt, so daß Deutschland unter Ein­beziehung der Übergangsbestände von 1934 im neuen Getreidewirtschaftsjahr voraussichtlich ohne Ein­fuhr auskommt. Mit Sicherheit gilt dies für Weizen und Roggen. Etwas ungünstiger ist die Sachlage beim Futtergetreide. Die G e r st e n e r n t e ist zwar gut, in bezug auf Hafer steht sie aber nicht wesentlich günstiger als im abgelaufenen Jahre. Dabei darf nicht übersehen werden, daß wir in der Futtergetreideversorgung in der zurückliegenden Zeit immer mehr oder weniger noch auf die Einfuhr aus dem Auslande angewiesen waren. Im neuen Wirtschaftsjahre wird Brotgetreide für Futter­zwecke jedoch aus der eigenen Ernte unbedenklich in erheb­lichem Umfange verbraucht werden können.

Ausgangspunkt bei den neuen Bestimmungen war, daß die Brotpreise auch weiterhin unver­ändert und stabil sein müssen. Dieses Ziel wird auch im neuen Getreidewirtschaftsjahr verwirklicht; nur in einigen wenigen Orten, jedoch nicht in Berlin, sollen

im Verlaufe des neuen Wirtschaftsjahres mäßige Brotpreiserhöhungen

zugelassen werden, weil hier die Brotpreise im Verhält­nis zu dem Jahresdurchschnitt der Brotgetreidefestpreise und zu den Erzeugungskosten der Müller und Bäcker auf Grund besonderer wirtschaftlicher Entwicklungen zu niedrig sind.

Zur Frage der Erzeugerpreise stellte Ministerial­direktor Dr. Moritz fest, daß an dem Festpreisgebäude des vergangenen Jahres grundsätzlich nichts geändert wird. Um aber angesichts der zu erwartenden befriedigen­den Getreideernte dem Bauern die Aufbewahrung feines verkaufsfähigen Getreides für einen längeren Zeitraum zu erleichtern und die Vorratsbildung in der zweiten Hand zu fördern, sind 3

die monatlichen Preiszuschläge (die sog. Reports) nicht unerheblich erweitert worden. Der Unterschied zwischen dem niedrigsten Preis eines Preisgebiets zu Beginn des Getreidejahres und dem höchsten Preis desselben Gebietes am Jahresschluß beträgt in diesem Jahre aleichmäßia bei allen Getreidearten

Neue Warnung Roosevelts.

Die Verantwortung für einen Krieg lastet allein auf Mussolinis Schultern".

Washington, 13. Juli.

Staatssekretär Hull nahm am Freitag in einer Presse­konferenz zum italienifch-abrssinifchen Streitfall Stellung. Er erklärte, ihm liege sehr daran, daß der italienisch^bes- finische Streitfall bald beigelegt werde. Seine Unterredun­gen mit dem französischen und dem britischen Botschafter am Donnerstag hätten sich auf die Bemühungen dieser beiden Mächte bezogen, Italien zum Einlenken zu bewegen. Die Vereinigten Staaten würden sich bis auf weiteres aus dem Streit heraushalten, da die Angelegen­heit in erster Linie die europäischen Mächte angehe. Prä­sident Roosevelt sei aber bestrebt, Italien nicht im Zweifel darüber zu lassen, daß er der britischen Friedensarbeit seine volle moralische Unterstützung gewähre und daß nach hiesiger Ansicht die Verantwortung für einen Krieg allein auf Mussolinis Schultern lasten würde.

Friedliche Lößnig" der AbeWiensrase?

Dearadieruna Abessiniens zu einem Mandatsgebiet? / London, 12 Juli.

Die Presse enthält bemerkenswerte Kommentare zu den Aeußerungen des englischen Außenministers zu der ita­lienisch-abessinischen Streitfrage. So erklärtEvening Standard", die Rede Hoares bedeute eine Aenderung der britischen Politik gegenüber Abessi­nien. Der neue Ausgangspunkt werde der Vertrag von 1906 als Grundlage einer gemeinsamen Verständigung

zwischen Frankreich, Italien und England sein. England und Frankreich würden in Addis Abeba gemeinsam diplo­matisch vorgehen und die Abessinierfreundlich über­reden", eine neue Definition ihres Status an­zunehmen, um den Frieden aufrecht zu erhalten. Man werde den Abessiniern raten, die Zugeständnisse an Italien so großzügig zu gestalten, daß Mussolini in der Lage wäre, seine Truppen mit Ehre und Gewinn zurückzurufen. -

AuchStar" glaubt, daß einefriedliche Lösung" die Degradierung Abessiniens von einem sou­veränen Staat zu einem Mandatsgebiet mit sich bringen würde. Bei den italienfreundlichen Konservativen werde der Plan begünstigt, den Italienern eine Art Kolonial- Mandat in einer oder in mehreren abessinischen Provin­zen, die den italienischen Besitzungen benachbart sind, zu geben.

Italienische Gefrierfleischbestellung in Süd-Afrika.

London, 13. Juli. (Funkmeldung.) Wie aus Durban (Süd-Afrika) gemeldet wird, hat die italienische Regierung einen Auftrag von 5000 Tonnen Gefrierfleisch an eine süd­afrikanische Firma erteilt. Die Lieferung soll in den Mona­ten August, September und Oktober ausgeführt werden, und zwar nach den ostafrikanischen Kolonien Italiens.

Blutige Straßenkämpe in Belfast.

Die Nordirische Hauptstadt Belfast war in der Nacht zum Sonnabend der Schauplatz schwerer parteipolitischer Unruhen und blutiger Straßenkämpfe, bei denen zwei Per­son getötet und über 40 verletzt wurden.

Wenn das Geld loser sitzt...

Sommermonate und Hundstage bringen, wenn sie wirklich schön sind, nicht nur viel Sonnenschein, Hitze und wogende Felder mit sich, sondern auch viel Geld ins Rollen. Baden und Reisen, Wandern nnd Paddeln, sich gegen Sonne und Hitze schützen, sich im Wasser tummeln oder mit dem Boot durch die heimischen Flüsse gleiten ist mit Geldausgaben und Anschaffungen verknüpft.

Zunächst einmal sind alle Reisen fast immer mit V o r - bereitungs - und Nebenausgaben verbunden. Wochen vor der Reise hört man überall sagen:Ich muß ur die Reise einkaufen." Mit dieser Erklärung beginnt wreits das Geld, das man im übrigen Jahre so gut zu- ammenhäll, lose in der Tasche zu sitzen. Da muß ein Kos­er oder Rucksack angeschafft, da müssen Schuhe repariert, Badeanzüge, Strümpfe, Badeschuhe oder Bademäntel, alle möglichen Bekleidungsstücke gekauft oder ergänzt werden, das Fahrrad muß noch einmal überholt, das Auto nach­gesehen, das Segel- oder Paddelboot in Ordnung gebracht werden. Schmieröl- oder Betriebsstoffkauf sind unerläß­lich. Der leidenschaftliche Amateurpholograph muß noch Zubehörteile für seinen Photoapparat und ein halbes Dutzend Ersatzfilme erstehen. Die Gebirgsbesucher brau­chen noch schnell einen Seppelhut oder ein Paar Lederne, nnd so sind ungezählte Mark schnell ansgegeben, längst bevor man die Reise antritt. Die Reise antreten heißt, die Fahrkarte lösen, heißt für die Reichsbahn die Hauptreisezeit erleben. Die Reichsbahn berechnet ihre Einnahmen aus dem R e i s e v e r k e h r iu den normalen Jahren schon auf 6 0 0 b i s 7 0 0 M i l l i o u e n Mark. Dabei muß billigerweise zugegeben werden, daß sie heute beim Reiseverkehr keiue besonders großen Ge­winne macht, sondern der Auffassung unserer Zeit ent­sprechend, aus dem Standpunkt steht, daß der Fahrpreis so billig wie möglich gehalten werden muß, damit allen Krei­sen des Volkes Gelegenheit gegeben wird, die engere und weitere Heimat, die Naturschönheiten und Kunstwerke, ihre wirtschaftlichen und kulturellen Eigenheiten kennen­zulernen. Ebenso wie die Reichsbahn ziehen Schiffahrts­und Kraftverkehrsunternehmungeu aus der sommerlichen Reisezeit Gewinn. Auch die Reichspost ist neuerdings durch den Kraftverkehr an den Einnahmen aus dem Reise­verkehr beteiligt. Sie veranschlagt ihn mit etwa hundert Millionen Mark. Nicht von den Millionen Groschen zu reden, die ihr in der Reisezeit durch den üblichen Ferien­gruß an Freunde und Bekannte in Form von mehr oder weniger schönen Postkarten zugehen. Die F a h r t aus- gaben sind aber immer nur ein Teil der in der Rege! ein Vielfaches davon betragenden Reisegesamtausgaben. Schließlich will man am Reiseziel nicht nur wohnen uni verpflegt fein, man will auch einmal etwas Besonderes tun Eis essen oder Kaffeetrinken und dazu ein wenig Musi! hören. All diese Dinge schaffen Arbeit und Brot für viel« Menschen. Die Musiker bekommen Beschäftigung. Gast­wirte und Hoteliers, Bäcker und Konditoren und die ge­samte Vergnügungsindustrie haben, wenn der Sommer gut ist, alle Hände voll zu tun. Und dann die Andenken­industrie! Man will ja schließlich dem Nächststehendev irgendein äußeres Zeichen des Gedenkens mrwringen, uni so wird auch hier manche Mark umgesetzt.

Die Schätzungen über den jährlichen Gesamt­umsatz im Fremdenverkehr überschreiten nach vorsichti­gen Schätzungen den Betrag von zwei Milliarden Mark. In den letzten Jahren ist der Fremdenverkehr, nicht zuletzt dank der Bemühungen und Veranstaltungen des großen SegenswerkesKraft durch Freude", noch ständig angestiegen, und er wird in den folgenden Jahren weiter steigen. Denn das Reisen soll nicht nur wie in vergangenen Zeiten das Vorrecht einiger weniger beson­ders begüterter Menschen sein, sondern allen arbeitender Deutschen eine freudige Unterbrechung in das Arbeits­jahr hineintragen.

Wenn heute das Reisen ins Ausland großen­teils unterbunden oder eingeengt ist, so bedeutet das keine unfreundliche Handlung von unserer Seite. Es nichts weiter als eine Notmaßnahme, denn die Devisen für Auslandsbesuche sind einfach nicht do und können mithin auch nicht den Reiselustigen, die unbedingt ins Ausland wollen, mitgegeben werden. Oder wenn sie da sind, werden sie oft genug für dringendere, lebensnot­wendigere Waren benötigt. Sache des Auslandes ist es, uns Deutschen die Möglichkeit zum Besuche ihrer Länder zu geben. Sie können das, indem sie deutsche Waren kaufen. Volkswirtschaftlich gesehen, bedeutet bei­spielsweise die Anschaffung einer deutschen Maschine im Werte von 500 Mark durch Italien den Gegenwert für den Aufenthalt eines Deutschen in gleicher Werthöhe in den sonnigen Süden. Die Länder, die besonders stark an der Pflege ihrer Fremdenindustrie intei' 1 essiert sind, haben sich daher bereit erklärt, ein entsprechen- des Mehr an deutschen Waren abzunehmen, damit den Deutschen genügend Devisen für ihre Besuche bei ihnen zur Verfügung gestellt werden können. Italien, Schweiz, Holland gehören heute zu den Ländern, mit denen auf Grund der gekennzeichneten Gegenseiüakeitsvcrträae ent­sprechende Reiseabmachungen getroffen worden und. Fm den Besuch dieser Länder können heute pro Person 50k Mark Devisen monatlich zur Verfügung gestellt werden Einen endgültigen Auftrieb kann der international, Reiseverkehr aber erst dann erleben, wenn die Währungs­fragen wieder endgültig bereinigt sind. Bis dahin sini die Goldländer beispielsweise für alle Besucher aus Ländern mit entwerteter Währung allzu teures Reiseland

Aus alledem erhellt, daß Ferien und Reisen nicht nm Blick, Herz und Seele weiten, sondern auch beachtlich« Wirtichaftsfaktoren sind. L. Hamel.