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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 NM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenklau, Fulda, Komgstraße 42. K Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter­bach,H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. - Verantw. für den Inhalt: B e r n d H e i m , ^ulda.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- unö Haunetal * Zulöaer Kreisblatt

Schristleitung unö Geschäftsstelle: Königstraße 42 Fernsprecher Nr. 2989

Nr. 166 12. Jahrgang Fulda, Freitag, 19. Juli 1935

Anzeigenpreis 1 mm Höhe in der 46 mn breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf in Textteil (90 mm breit) 12 Pf Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeher Anspruch auf Nachlaß. bb. 910. Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

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I Abessinien war zum Gebietsaustausch bereit.

Aber Mussolini sagt: Der Streit muß mit den Waffen beendet werden!

Neue Erklärungen des abessinischen Kaisers und Mussolinis sind nicht dazu an- 0 getan, den Konflikt zwischen den beiden Völkern zu mildern, sondern sie zeigen vielmehr, daß die Gegensätze 1 zwischen Italien und Abessinien unüberbrückbar H sind.

Kaiser Haile Selassie von Abessinien hat sich ^ erneut zu dem Konflikt mit Italien geäußert und u. a. n- den italienischen Vorwurf, daß Abessinien Sklaverei â treibe, damit beantwortet, daß die S k l a v e r e i auch q i in italienischen Afrika, so in Eritrea und G Tripolis, geduldet würde.

H über die Möglichkeit territorialer Zugeständnisse äußerte sich der Kaiser sehr entschieden. Es komme nur R ein Austausch von Gebieten in Frage.

Wenn das Angebot bezüglich des Hafens von Zeila noch fortbestehe, dann sei er zu einer Gegenleistung an Italien bereit.

( Der Umfang des Gebietes könne noch nicht bezeichnet werden, aber hinsichtlich seiner Lage bestehe kein Zweifel.

H Abessinien lehne es unbedingt ab, eine der nörd­lichen Provinzen abzutreten, und die Bezirke von Arufsi, i Galla, Bale, Liban und Voran kämen nicht in Frage. Es könne sich nur um einen Teil von Ogaden (an y der Grenze von Jtalienisch-Somaliland) handeln. Aber f Voraussetzung sei, daß das Angebot auf Abtretung von ß Zeila bestehen bleibe. Während seiner europäischen Reise habe er der britischen und französischen Regierung gegen- . . über daß

Abessinien einen Hafen an der Küste des Roten Meeres brauche.

ü Dies sei noch immer wichtiger als Darlehen oder sonstiger ® finanzieller Beistand.

'M. H a i l e S e l a s s i e hat sich weiter bereit erklärt, mit -a Italien die Gewährung einer Konzession für den Bau 8b einer Eritrea und Jtalienisch-Somaliland verbindenden " Eisenbahn zu erörtern, jedoch hinzugefügt, daß dieser M Plan int einzelnen nicht leicht geregelt werden könnte.

Für den anderen Fall, daß Italien den Krieg erkläre, It kündigte der Kaiser an, daß Abessinien kämpfen M linb gleichzeitig an den Völkerb rind a p p e l l i e r e n w e r d e.

In einem Artikel der Mailänder ZeitungP o p o l o $ d' Itali a" schreibt der italienische Staatschef Musso- ki! ! i n i über die italienisch-abessinische Krise: Der Streit, H der mit den Waffen begann, muß jetzt mit den Waffen 4 beendet werden. Die Abessinier haben angegriffen, des- x halb liegt die Verantwortung auf ihrer Seite.

Italien wird radikale Schritte ergreifen, um

I Abessinien zu entwaffnen,

- und so zwei Millionen Sklaven befreien, zehn Millionen Menschen zivilisieren, ihr Land meliorieren und ihre Märkte dem Handel öffnen. Italien wird tun, was Eng­land und Frankreich angesichts der gleichen Bedrohung tun würden.

Die italienische ZeitungG a z e t t a d e l P o p o l o" bringt übrigens die Behauptung, daß die englische R e g i e r u n g an den Grenzen der englischen Besitzungen Sudan, Kenya und British- So maliland zahlreiche mit den modernsten Waffen ausgerüstete Truppenabteilungen zusammenziehe, um für jedes Er­eignis vorbereitet zu sein.

Eine Aufforderung an die Ratsmüchte, sich für der, Zusammentritt des Völkerbundsrats in der Zeit zwischen dem 25. Juli und dem 2. August bereitzuhalten, ist von dem Generalsekretär des Völkerbundes, A v e n o l, den betreffenden Regierungen telegraphisch übermittelt worden. Avenol hat nach den Besprechungen mit eng- iiimcn und französischen Ministern die Überzeugung gewonnen, daß sich

Weiterbehandlung des italienisch abessinischen Konflikts vor dem Völkerbundsrat nicht umgehen M lasse,

Frankreich und Italien einer neuen Einmischung ' «»eins in bem drohenden kriegerischen Konflikt abhold noch ungewiß, ob der Völkerbundsrat auf

4 x^und seines Beschlusses vom 25. Juni oder auf Grund 1 Jnterventionsappells einberufen werden

*

i^Bis zum feinen Mann."

H Der Negus ruft das abessinische Volkzur Landesverteidigung auf.

Im abessinischen Parlament hielt der J staiser von Abessinien eine große Rede, die in nnem Aufruf an das gesamte Volk gipfelte, in den kom­menden schweren Tagen zusammcnzustcheu und das Vaterland zu verteidigen. Die dem Ernst der Ltunde angemessenen Ausführungen des Kaisers wurden von den gesamten im Parlament vertretenen abessinischen vtammesfürsten mit ungeheurem Beifall ausgenommen.

Es ist besser, die Äthiopier sterben als freie Menschen, als daß sie als Sklaven weilerleben", erklärte der Kaiser unter dem Jubel der Zuhörer.Das gesamte Volk, Krieger, Männer und Frauen, jung und alt, müssen zu­sammenstehen und das Vaterland verteidigen, wie es bereits unsere Vorfahren getan haben. Insbesondere unsere Frauen müssen den Kriegern ein vorbildliches Bei­spiel von Heldenmut geben. Sie müssen unsere Krieger immer wieder zur Hergabe des Letzten anspornen und sie in jeder Weise unterstützen.

Ich werde als euer Herrscher im Kampf mitten unter euch sein

und werde nicht zögern, auch mein Blut für die heilige Sache Abessiniens hinzugeben. Wenn sich nicht im letzten Augenblick eine friedliche Lösung des Konflikts finden läßt, wird Äthiopien im Vertrauen auf Gottes Hilfe und Bei­stand, wenn es sein muß, bis zum letzten Mann um seine Existenz kämpfen.

Vierzig Jahre hindurch ist es der Ehrgeiz Italiens gewesen, Äthiopien zu erobern. Während dieser Zeit ist Der brennende Wunsch Italiens nach unserem Vaterland wiederholt in verschiedenen Arten hervorgetreten. Im August vorigen Jahres hat Italien damit begonnen, seine Grenzen gegen uns zu befestigen. Auf unseren Protest hat Italien die allen Tatsachen ins Gesicht schlagende Be­hauptung ausgestellt, daß wir seine Besitzungen angreifen wollten. Unbekümmert um unseren Protest setzte es seine militärischen Vorbereitungen gegen uns fort und erklärte vor der Welt, diese seien rein defensiver Natur, während es sich in Wirklichkeit um die Vorbereitungen eines Angriffs auf uns handelte.

Mussolini hat erklärt, Italien habe eine Auf­gabe in Abessinien für die Zivilisation zu erfüllen, die eine friedliche Beilegung des Konfliktes ausschließe.

Der Duce will blutige Auseinandersetzungen wie seinerzeit in Adua. Die Kriegsgefahr wächst von

Stunde zu Stunde.

Wenn es tatsächlich zum Kriege kommen sollte, so ist das Gewissen unseres Volkes rein. Wir haben alle nur irgend möglichen Versuche unternommen, um den Frieden zu erhalten.

Krieger Abessiniens! Im Kampf werdet Ihr dem all­mächtigen Tode begegnen. Zagt und bangt nicht um eure gefallenen Kameraden! Denn jeder, der für die Sache seines Vaterlandes stirbt, ist glücklich zu preisen.

*

Der englische Botschafter in Rom, Sir Eric Drummond, hat den italienischen Ministerpräsidenten Mussolini zu einer weiteren Unterredung über den Abessinienkonslikt aufgesucht, über deren Ausgang in London nichts bekannt wird. Die englischen Behörden sind augenblicklich mit der Prüfung zweier Lizenzgesuche für dieAusfuhr von Waffen nachAbessinien beschäftigt. Es heißt, daß diese Gesuche ordnungsgemäß behandelt werden würden. Ein Waffenausfuhr­perbot bestehe im Hinblick auf Abessinien nicht.

Arabische Hilse für Abessinien?

Jerusalem, 19. Juli.

Emir Abdallah von Transjordanien erklärte rinem arabischen Pressevertreter gegenüber sein tiefstes Be­bauen! darüber, daß eine christliche Macht wie Italien »ine andere christliche Nation wie Abessinien zu unter­jochen suche. Als Araber drücke der Emir Abessinien seine volle Sympathie aus.

Arabischen Blättern zufolge haben sich Fellachen aus Rablus an den abessinischen Konsul in Jerusalem mit der Bitte um Aufnahme in das abessinische Heer gewandt. Auch sonst seien viele Fellachen bereit, im Falle eines Krieges im abessinischen Heer zu kämpfen.

Oie engüschsn Frontkämpfer wieder in Berlin.

Der Führer des Kyffhäuser-Bundes, Oberst a. D. st e i n h a r d , hatte am Donnerstag die Vertreter der eng- ischen Frontkämpferorganisation British Legion, die von Hamburg nach Berlin zurückgekehrt waren, zu einem Früh- tüd im Hotel Esplanade in Berlin eingeladen. Zahlreiche Vertreter der deutschen Frontkämpferverbände hatten der Einladung gleichfalls Folge geleistet. Oberst a. D. Rein­hard hob in seiner Begrüßungsansprache die kamerad- chaftliche Verbundenheit aller Frontkämpfer hervor. In -einer Antwort betonte Major Fetherstone-God- I e y, daß die ehemaligen Frontkämpfer durch ihre Zu­sammenarbeit untereinander ihren Ländern ebensogut Dienen wie dem Frieden im allgemeinen. Später waren bie englischen Frontkämpfer Gäste des Reichs Ver­bandes Deutscher Offiziere, per ihnen auf einem Ausflug nach Potsdam historische Stätten preu­ßischer Geschichte zeigte.

Politik und Kirche.

Der Erlaß des Preußischen Ministerpräsidenten Gö­ring gegen die Kanzelhetze weist die politisierende Kirche in ihre Schranken zurück. Der Erlaß ist notwendig ge­worden, nachdem die maßgebenden katholischen Stellen die Warnungen, die von verantwortlichen Staatsstellen an sie gerichtet wurden, geflissentlich überhört und scheinbar so gar zum Anlaß genommen hat, nun erst recht in verstärk­tem Maße die offene Hetze gegen Staat und Führer fort- zusetzen.

Das Zentrum, jenes unselige politische Gebilde des Zwischenreichs, besteht zwar nicht mehr, aber der politische Katholizismus hat auf anderem Wege versucht, sich zu organisieren Es wurden Verbände aufgemacht, Kund­gebungen wurden veranstaltet, die Kanzel wurde zum Verkündungsort politischer Ereignisse. Heute gehör, es zu den Tagesereignissen, daß katholische Pfarrer offen Front machen gegen Staat und Führer, daß sie unver- hüllte Hetze treiben und namentlich die Jugend auf­wiegeln.

Ein Staat, der stark und innerlich gefestigt ist, eine Regierung, die Aufbauarbeit leisten will für Jahrhun­derte, kann sich derartige Störungsversuchc nicht gefallen lassen. Traurig, daß der politische Katholizismus sich die Methoden der jüdischen Hetzer zu eigen macht. Trau­rig um so mehr, als man von ihm hätte erwarten müssen, daß er sich freudig der Aufbauarbeit zur Verfügung stellt, nachdem er hat erkennen müssen, daß der Nationalsozia­lismus uns vor demBolschewismus bewahrt hat und daß er den Kommunismus zerschlagen hat, der der ärgste Feind der Kirche ist. Aber scheinbar ist der blinde Haß des politischen Katholizismus schon so weit gediehen, daß die Vernunft darunter gelitten hat.

Einige Beispiele mögen genügen, um die Methode und die Gefährlichkeit des politischen Katho­lizismus zu kennzeichnen: Was soll man z. B. dazu sagen, wenn man erfährt, daß sich in R e i t i m Winkel, hart an der Grenze von Tirol, ein Vikar zu der geschichts- fälschenden Dreistigkeit verstieg, daß erst die Benediktiner den arbeitsentwöhnten Deutschen das Arbeiten wieder beigebracht hätten, während bis dahin die Deutschen nur Kriegsdienst geleistet und auf der Bärenhaut gelegen hätten? Wie stellt sich die katholische Kirche zu jenem Pfarrer, der im Rheinland Schnyhäftlinge zu be­treuen hat und der dieses Amt dazu mißbraucht. um in gehässigster Weise gegen den nationalsozialistischen Staat zu Hetzen? Soll der Staat mit ansehen, wenn dieser Pfarrer den Häftlingen erklärt, die heutige Regierung werde nicht mehr lange in Deutschland bestehen, Frank­reich wolle einmarschieren und werde nur noch von Eng- land daran gehindert. Die Häftlinge sollten sich gedulden, es kämen wieder andere Zeiten. Ist das nicht gemeinste Greuelpropaganda? Es kann nur im Interesse der katholischen Kirche selbst liegen, wenn dieser Pfarrer schleunigst hinter Schloß und Riegel gesetzt wurde. Wie stellt sich die katholische Kirche ferner zu jenem Pfarrer im E i ch s f e l d , der von der Kanzel herunter erklärt, wie in früheren Zeiten die Frauenehre verletzt worden sei, so werde heute die jungfräuliche Ehre nicht mehr geachtet, und der weiter seiner gläubigen Gemeinde erzählt,ein Hoher" habe geschrieben, daß jede Frau und Jungfrau ehrlos sei, wenn sie keine Kinder kriege, und das bedeute, daß man jetzt auch die Keuschheit nicht mehr achte? Wie soll man das anders als Aufruhr nennen, wenn ein Kaplan geflissentlich die Nachricht verbreiten läßt, er sei verhaftet worden, wenn die Kirchenglocken läuten, Trompeten und Fan­faren vom Kirchturm erschallen, um die Menschen auf die Straße zu holen und sie aufzuhetzen. Wie stellt sich jener Seelsorger imOIdenburgischen sein Amt vor, wenn er bei einer Veranstaltung der Hitler-Jugend lächelnd sitzenbleibt, während die Jungen das HJ.-Lied singen und dabei den Deutschen Gruß erweisen? Was hat er sich dabei gedacht, als er den Scharführer, der ihn darauf zur Rede stellte, ohrfeigte? Wie muß es im Innern jenes Mäd­chens aussehen, das seinen Bruder, als er zur HI. gehen wollte. beschimpfte und ihm Braunhemd und Hose in Fetzen riß?

Genug davon. Diese kleine Auslese gibt eine Vor­stellung von der Verhetzung, die der politische Katholizis­mus treibt, und von dem Grad, den diese Verhetzung bereits erreicht hat. Es wäre ein schwacher Staat, wenn er dabei weiter tatenlos zusehen wollte. Aber der Staat Adolf Hitlers ist ein starker und mächtiger Staat, und deswegen tötet er die Hetze im Keime und wird die Kreise nicht schonen, die diese Hetze betreiben oder sie gutheißen. Der Staat gab der Kirche, was der Kirche ist, so muß die Kirche dem Staate aeben. was des Staates ist

(JinMtliifjeSübrungoonmnJena^^

Berlin, 19. Juli.

Im Reichsgesetzblatt I, Nr. 80, vom 18. Juli wird fol­gender Erlaß veröffentlicht:

Auf den Reichsminister ohne Geschäftsbereich, Kerrl, gehen die bisher tm Reichs- und preußischen Ministerium des Innern sowie im Reichs- und preußischen Ministe­rium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung be- arbeiteten kirchlichen Angelegenheiten über Wegen der Ausführung dieses Erlasses treffen die beteilig­ten Reichs- und preußischen Minister nähere Bestimmung

Der Erlaß, der vom 16. Juli 1933 datiert ist, trägt du Unterschriften des Führers und Reichskanzlers, de: Reichsminister des Innern und für Wissenschaft, Erzlehunj und Bolksbildung und des Preußischen Ministerprach denten.