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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 167 12. Jahrgang

Fulda, Samstag, 20. Juli 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

: Der Briefwechsel von Münster.

Das Schreiben des Bischofs wegen der Rosenberg-Rede und die

> Zurückweisung durch

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M Die EssenerN a i i o u a l z e i l u n g" veröffentlicht H jetzt den Briefwechsel des Bischofs Clemens August von Münster und des Oberpräsidenten von Westfalen, von : Lüninck, wegen der Rede Alfred Rosenbergs in Münster im Wortlaut. Der Bischof von Münster schreibt unter dem 28. Mai 1935 an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen:

Nach Zeitungsmeldungen ist für Sonntag, den 7. Juli 1935, eine große Zusammenkunft der Amtswalter der NSDAP. des Gaues Westfalen-Nord nach Münster einberufen. Im Zuge der Veranstaltungen ist auch eine Versammlung auf dem Hindenburgplatz geplant, bei welcher der Reichsleiter für weltanschauliche Schulung, Alfred Rosenberg, eine Ansprache halten soll. Ich erlaube mir darauf aufmerksam zu machen, daß die Ankündigung dieses Planes in der christlichen und besonders in der katholischen Bevölkerung der Stadt Münster und des Münsterlandes bereits stärkstes Befremden erregt hat und daß die Ausführung desselben unfehlbar eine lebhafte M Beunruhigung hervorrufen müßte. Es ist bekannt, daß Alfred Rosenberg nach eigenem Zugeständnis in seinen it, Schriften Ansichten vertritt, welchesich unmöglich mit dem bisherigen offiziellen (christlichen) Bekenntnis ver­einigen lassen": daß er diese Ansichten mit einer für Andersdenkende aufreizenden Leidenschaft vertritt, daß er besonders die katholische Kirche, das Papsttum, die D christliche Vergangenheit unseres Volkes mit Schmähun- gen überhäuft, wie sie bisher nur in den Schriften libe­raler und sozialistischer sogenannterFreidenker" zu fin­den waren und welche nachweislich zum größten Teil auch

7. aus diesen trüben Quellen geschöpft sind. Durch die Empfehlung und Verbreitung dieser Schriften seitens interessierter Kreise ist Alfred Rosenberg vor der Öffent­lichkeit so gekennzeichnet, daß die Bevölkerung in ihm bei seinem Auftreten in Münster nicht denReichsleiter für weltanschauliche Schulung", sondern vielmehr den

fanatischen Bekämpfer des Christentums sehen wird.

Voraussichtlich wird eine Minorität verführter und verhetzter Anhänger der Neuheidentums sein Erscheinen begrüßen und zu christentumsfeindlichen Demonstrationen benutzen. Ganz sicher aber wird die überwiegend christ­liche Bevölkerung beider Konfessionen das Auftreten Rosenbergs in Münster als eine aufreizende Provokation und als eine Verhöhnung ihrer heiligsten und berech­tigtsten religiösen Überzeugung seitens der dafür verant­wortlichen Stellen empfinden, zumal da es am Vorabend der althergebrachten sogenanntenGroßen Prozession", des feierlichsten öffentlichen Bekenntnisses der katholischen Bevölkerung Münsters zum ererbten christlichen Glauben, gar nicht anders gedeutet werden kann. Nach den wachsen­den öffentlichen Anfeindungen des Christentums an den Abenden des 16. und 25. Mai in Münster und der da­durch hervorgernfenen Gegenwirkung und Spannung kann ich die Befürchtung nicht von der Hand weisen, daß ein öffentliches Auftreten Rosenbergs am 7. Juli zu tief­greifender Beunruhigung und vielleicht zu verhängnis­vollen Zusammenstößen in Münster führen wird. Ich fühle mich verpflichtet, schon jetzt darauf aufmerksam zu machen und um des Friedens willen den Antrag zu stellen, daß ein Auftreten Rosenbergs in Münster in ab­sehbarer Zeit von der zuständigen Regierungsstelle ver-

Der Völkerbund tagt...

Aber nur eine formale Sitzung, keine Aufrollung des Abessinien-Konflikts.

IN Völkerbundskreisen verlautet, daß der General- des Völkerbundes, Avenol, den Mitgliedern des Völkerbnndsrates ein Telegramm übermittelt hat, in oem er offiziell mitteilt, daß die S ch l i ch t u n g s v e r - yand l u ngen im italienisch-abessinischen Streitfall pescheltert seien und daß laut Ratsbeschluß vom Mai nunmehr der Völkerbundsrat zur Ernennung des fünften Schiedsrichters zusammentreten müsse. Das Tele- gramm «oll auch die Anregung enthalten, der Rat möge zu dieser Tagung am Montag, dem 2 9. Juli, zusammentreten.

«3 11 ^ dem Ergebnis der Antwort der verschiedenen Nrrtsmttglieber auf die Anregung Avenols soll dann als nächster Schritt die Einberufung des Völker­bund s r a t e s durch den amtierenden Ratspräsidenten ^nwlnow, der sich gegenwärtig in der Tschechoslowakei befindet, erfolgen.

3n Völkerbundskreisen besteht der Eindruck, daß, falls es wirklich zu einem Zusammentritt des Rates Ende £SUli kommen sollte, die Tagung nur kurz und der Rat sich darauf beschränken würde, den fünften Schiedsrichter zu ^E"^en, der wahrscheinlich eines der Mitglieder des Volkerbundsratcs werden soll. Eine sachliche Auf- r^o l l u n g des Konfliktes soll dabei nicht in Fr a g e kommen, da daran im Augenblick niemand Jnter- esse habe, während eine rein formelle Tagung, die nur der Ernennung des fünften Schiedsrichters dienen würde, dem auaemeinen Wunsch nach Hinausschiebung einer

den Oberpräfidenten.

hindert wird. Ich bitte ergebenst, mir bis spätestens Mitte Juni Mitteilung zu machen, ob diesem Antrag stattgegeben ist, da ich im Falle seiner Ablehnung dann ernstlich erwägen müßte, ob ich nicht meinerseits in einem Erlaß die katholische Bevölkerung zu ruhiger Hinnahme dieser Provokationen öffentlich ausfordern müßte. Ich bin freilich zweifelhaft, ob diese Maßnahme vollen Erfolg haben würde. gez. Clemens August."

Die unter dem 3. Juni erteilte Antwort des Oberpräsidenten lautete:

Ich habe von der Anregung in Ihrem Schreiben vom 28/ Mai 1935 Kenntnis genommen, ein Auftreten des Reichsleiters der NSDAP. Älfred Rosenberg in Münster anläßlich des Gauparteitages am 7. Juli 1935 und über Haupt in absehbarer Zeit zu verhindern, weil sonst eine Beunruhigung eines großen Teiles der evangelischen und katholischen Bevölkerung oder gar Zusammenstöße zu be­fürchten seien. Im Gegensatz zu Ihnen beurteile ich die Lage wesentlich anders. Eine Beunruhigung oder Zusammenstöße, die das Einschreiten der Polizei erforder­lich machen müßten, halte ich nur dann nicht für ausge­schlossen, wenn systematisch gegen das angekündigte Auf­treten Rosenbergs gehetzt wird. Ich darf aber wohl an­nehmen, daß die katholische Geistlichkeit und alle der katho­lischen Kirche nahestehenden Kreise allen etwa auftreten­den Versuchen, Unruhe zu schaffen und das Auftreten Ro­senbergs als Provokation zu bezeichnen, entgegentreten werden. Rosenberg hat wiederholt, zuletzt anläßlich des Gauparteitages in Erfurt am 1. Juni 1935, wie ick aus der Presse ersehen habe daraus hingewiesen, daß der Führer es ausdrücklich abgelehnt hat, auf dem Um­wege über eine politische Partei etwa eine religiöse Re- wriimtwn durchzuführen, und daß jeder politische Führer die religiöse Überzeugung des Volkes zu achten habe. Unter diesen Umständen halte ich auch die von Ihnen befürchteten christentums­feindlichen Demonstrationen anläßlich des Gauparteitages und der vorgesehenen weltanschaulichen Ansprache Rosen­bergs für ausgeschlossen, muß auch der Ansicht, das Auftreten Rosenbergs bedeute eine aufreizende Pro­vokation, entschieden entgegentreten und sehe keine Veranlassung, Ihrer Anregung zu entsprechen. Bei der vom Staat und der NSDAP, mit Recht geübten Anerkennung der r e l igiösen Gewissensfreiheit würde ich es übrigens nicht füi richtig halten, grundsätzlich jede geistige Auseinander­setzung zwischem dem Christentum bzw. den christlichen Konfessionen und anderen religiösen Strömungen von Staats wegen zu unterdrücken, gez. Freiherr von Lüninck."

Die S t a a t s p o l i z e i p r e s s e st e l l e des Regie­rungsbezirks Münster teilt mit:

Die DruckschriftUnser Kirchenblatt Katholische Wochenschrift für alle Gemeinden des Bistums »fünfter Nr. 28 vom 14. 7. 35" wurde wegen des ArtikelsGroße Prozession und Bischofsworte in Münster" verboten und polizeilich beschlagnahmt und eingezo- gen.. Der Artikel enthält Angriffe gegen führende Per­sönlichkeiten der NSDAP., u. a. gegen den Reichsleiter Rosenberg, ist weiter seinem Inhalt nach angetan, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden.

grundsätzlichen Auseinandersetzung bis zum Herbst ent­sprechen würde.

England befürchtet weitere Folgen eines Abesfinienkrieges.

Das englische Kabinett beriet wiederum über die italienisch-abessinische Frage und die Berichte der britischen Botschafter in Rom und Paris. Wie die Londoner Zeitungen melden, wird die L a g e als durch­aus unbefriedigend angesehen. Das Kabinett sei infolgedessen nicht in der Lage gewesen, sich über die künftigen Schritte schlüssig zu werden, zumal die letzten Dreimächtebesprechungen zwischen Mussolini und den französischen und englischen Botschaftern in Rom keine Ergebnisse gezeitigt haben.

Die Rede des abessinischen Kaisers hat in London die Ansicht verstärkt, daß Abessinien im Falle des Krieges mit Italien bis zum äußersten kämpfen werde. Diese Tat- fache hatte um so ernstere Besorgnis erweckt, als ver­schiedentlich Meldungen über eine

lebhafte Beunruhigung der Eingeborencnbevölkerung in verschiedenen Teilen Afrikas

vorliegen. So soll beispielsweise in Südafrika eine Neger­kundgebung stattgefunden haben, bei der das Bild Mussolinis öffentlich verbrannt wurde. Auch eine lebhafte Unterstützung der abessinischen Sache durch amerikanische Neaer wird in London mit Besorgnis

Umschichtung.

Vier Milliarden mehr Arbeitsstunden in einem Jahr. Jndustriearbcitereintommcn um 18 Prozent gestiegen. Der Erfolg derMengenkonjunktur". Handelspolitik auf neuen Wegen.

Die Weltwirtschaft, von der in großen Reden immer noch viel Aufhebens gemacht wird, hat im Grunde genommen seit Jahren ihre Rolle ausgespielt. Seitdem nämlich durch Währungsverfall und Kontingentspolitik die Wirtschaftsfäden von Land zu Land zerstört sind. Eine neue Wirtschaftsform ist im Entstehen begriffen: das S y st e m der st a r k e n N a t i o n a l w iri­sch a f t e n.

Unter den Ländern, die all ihre Kräfte daransetzen, eine gesunde Eigenwirtschaft aufzubauen und diese, so­weit es notwendig ist, durch Warenaustausch mit den anderen Ländern zu ergänzen, steht in erster Linie Deutschland. In den kurzen Jahren seit der Macht­ergreifung hat sich das Antlitz der Wirtschaft gründlich geändert. Zunächst von der Arbeitsseite her. Die Maschinen gehen wieder, und von den über sechs Mil­lionen Arbeitslosen, die 1933 gezählt wurden, sind weit über vier Millionen wieder in den Arbeitsprozeß ein­gereiht worden. Fast vier Milliarden Stunden sind allein im Jahre 1934 in der deutschen Industrie mehr gearbeitet worden als im Jahre 1932. Allein in der Industrie fanden zwei Millionen Arbeiter Beschäftigung. Die beiden großen Jndustriegruppcn, die Produktionsgüterindustrien und die Verbrauchsgüter­industrien, haben in dieser kurzen Spanne Zeit bereits über 80 Prozent ihres Standes von 1929 erreicht. Während zu Anfang die Wirtschaftsbelebung in fast allen Teilen des Landes ziemlich gleichmäßig vor sich ging, haben sich nach und nach Unterschiede im Ausmaß der Beschäftigung geltend gemacht. In den Jahren von 1932 bis 1934 war die A r b e i 1 s z u N a h m e am stärksten in Hessen und Berlin-Brandenburg. Es folgen Mittel­deutschland, Rheinland, Westfalen und Südwestdeutsch­land. Am geringsten war die Zunahme in Sachsen und Schlesien. Die Frauenarbeit ist von 30 Prozent Anfang 1933 auf 25,5 Prozent Ende 1934 zurückgegangeu, obwohl seit 1933 rund 300 000 Frauen neu eingestellt wurden. Während der Krise waren bedeutend mehr Arbeiter als Angestellte arbeitslos geworden. Auch hier wurde ausgleichend eingegriffen. Die Zahl der Zunahme von beschäftigten Angestellten stieg gegenüber 1932 um 23 Prozent, die der Arbeitergefolgschaften um 56 Prozent.

Hand in Hand mit den Mehreinstellungen von Arbeitskräften und der Mehrbeschäftigung überhaupt, nahm auch die Arbeitszeit zu. So ist im Jahre 1934 von jedem beschäftigten Arbeiter täglich eine halb? Stunde länger gearbeitet worden als 1932. In den ersten Monaten des Jahres 1933 stieg die Arbeitszeit am stärksten. Das beruhte z. T. auf der Vergebung sehr kurz­fristiger Aufträge, die die Wirtschaft in Gang bringen sollten und brachten. Nach diesem Übergangsstadium hat sich im ersten Halbjahr 1934 die Zunahme der Arbeitszeit verlangsamt, und ist seitdem mit 7% Stunden fast un­verändert geblieben. An Stelle verlängerter Arbeitszeit ist die Industrie dazu übergangen, Neueinstettungen vor­zunehmen.

Das gesamte industrielle A r b e i t e r e i n - kommen hat sich vom zweiten Halbjahr 1932 bis

betrachtet. Ein Krieg in Abessinien könnte sich auch zu einer Gefahr für das britische Weltreich answachsen.

Gleichzeitig weiß die englische Pr^'e über weitere Kriegsvorbereitungen Italiens zu berichten. So soll der Cunard-DampferOlympic" von der italienischen Regierung zum Zwecke von Truppen­transporten angekauft werden. Weiterberichterder Daily Herald" über große Käufe von Lebens­mitteln in B r i t i s ch - I n d i e n für die italienische Ostafrikaarmee. Von Neapel ist wieder ein Transport von 150 Offizieren, 2000 Soldaten und einer großen Zahl von Spezialarbeitern nach Ostafrika abgegangen.

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Der abessinische Kaiser versicherte erneut, daß im Falle eines Krieges Ausländer 'im Lande verbleiben könnten, da er für ihre Sicherheit garantiere und in dieser Richtung alle Vorsorge getroffen habe.

Der abessinische Außenminister erklärte, in der Par­lamentsrede des Kaisers sei nicht zum Ausdruck ge­kommen, daß außer der Ablehnung eines italienischen Mandats überhaupt jedes Mandat einer fremden Macht abgclchnt werde.

Der englische Gesandte hatte eine zweistün­dige Unterredung mit dem Außenminister über Steuer- fragen im Grenzgebiet von Britisch-Somaliland.

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AM die Jugend wird Herangezggen

Rom, 20. Juli.

In die militärischen Vorbereitungsmaßnahmen Italiens ist nunmehr auch die italienische Jugend einbezogen worden. Die Jahrgänge 1915, 1916 und 1917 sollen noch im Laufe dieses Jahres eine straffe militärische Ausbildung »rhalten, wofür 40 000 Ausbilder aufgeboten wurden. Man berechnet die Anzahl der zu erfassenden Jugendlichen auf 1/2 Million. Die Ausbildung erstreckt sich auch auf die Gebiete der Luftfahrt und Marine.