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Fuldaer Anzeiger

Be^Mferungsbehnrderung durchs ^Höhere G Tageblatt für Rhön und Vogelsberg" ^"^ Iulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt hach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren-

foUI^ e?^H?im^ Sch-lstleitung und Geschäftsstelle: Könlgstraße 42 4. Zernsprecher Nr. 298g

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Nr. 169 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 23. Juli 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Rund um Abessinien.

England gibt seine Bermiitlungs- bemühungen nicht auf.

Kabinettssitzung über die abessinische Frage.

Das britische Kabinett befaßte sich am Mon- tag mit der abessinischen Frage. über das Ergeb­nis der Besprechungen ist nichts mitgeteilt worden. Es verlautet jedoch, daß Großbritannien seine Bemühungen, auf diplomatischem Wege eine Lösung zu erzielen, fort- setzen werde, und zwar über die Botschaften in Rom Md Paris.

Man scheint sich entschlossen zu haben, zunächst ein­mal die beiden streitenden Parteien zu bewegen, ihren Standpunkt vor dem Völkerbund auseinander- Mtzen, um dann weiter zu sehen, was geschehen könne. Man hege, so wird betont, keinen Zweifel darüber, daß die I t a l i e n e r an der Sitzung des Völkerbundsrates teilnehmen würden.

Ministerpräsident und Außenminister Laval emp­fing am Montagabend in Paris den britischen Bot­schafter, der den Ministerpräsidenten über die im britischen Kabinettsrat gefällte Entscheidung betreffend die Be­fassung des Völkerbundsrates mit dem Abessinienstreit- sall unterrichtete.

In Pariser diplomatischen Kreisen hat man nach der Entscheidung Londons den Eindruck einer außer­ordentlichen Verschärfung der Lage.

Ler f r a n z ö s i s ch e Ministerrat wird am Dienstag 18 Uhr zusammentreten und sich vor allem mit der außen­politischen Lage beschäftigen. Es verlautet, daß der Gene­ralsekretär des Völkerbundes, A v e n o l, in Paris ein- freffen wird, um mit der französischen Regierung über die Einberufung des Völkerbundsrates Rücksprache zu nehmen. Sollte bis zum 25. Juli der fünfte Schieds­richter im Abessinienstreitfall nicht ernannt worden sein, toirb für den 26. Juli mit der Bekanntgabe des Ein­berufungsdatums des Völkerbundsrates gerechnet. Gut unterrichtete Kreise glauben, daß der Völkerbunds­rat am 3 0. Juli zusammentreten werde.

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Der Londoner KabinettsbeWutz

Paris, 23. Juli.

Ministerpräsident und Außenminister Laval empfin, Montag abend den britischen Botschafter, der den Mi> nisterpräsidenten über die im britischen Kabinettsrat ge sâllte Entscheidung betreffend die Befassung bei Völkerbundsrates mit dem abessinischen Streitfal unterrichtete. In Pariser diplomatischen Kreisen hat mai nach der Entscheidung Londons den Eindruck eine

Zuchthausstrafen im Berliner

Devisenschieberprozeh.

Ausserdem hohe Geldstrafen und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte.

Nach mehrstündiger Beratung verkündete am Montag der Vorsitzende des Berliner Schnellschöffengerichts das urteil gegen die beiden leitenden Geistlichen des Pedens derMissionare vom heiligsten Herzen Jesu". ?er 52jährige Prokurator Martin Utsch wurde des fortgesetzte Devisenverbrechens in fünf Fällen für schuldig Mrochen und zu vier Jahren Zuchthausund /.3 ooo Mark Geldstrafe verurteilt. Bei dem 47- Mrigen Provinzialoberen Rudolf Wilmsen erfolgte eine Verurteilung an drei Jahren Zuchthaus 20000 Mark Geldstrafe wegen Devisen­oerbrechens in vier Fällen. Beiden Angeklagten wurden außerdem die bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre ^gesprochen.

Die unter Umgehung der Devisenbestimmungen im uuslande angekauften 33 0 0 0 D o l l a r b o n d s wurden ^gezogen und ferner auf die Einziehung eines Wert- M^trages von 38 500 Mark unter M i t h a f t u n g der ''otilsslonsgesellschaft vom heiligsten Herzen Jesu" o«- soordnet.

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m Es handelt sich um das fünfte Verfahren aus der der Devisenstrafprozesse gegen Angehörige katholr- Mr Orden. Der Hauptpunkt der Anklage bezog sich auf "n Jahre 1932 über 200 000 französische Franken ab- ^'Mossene Darlehnsgeschäft mit der französischen Nach- u«rprovinz. 165 000 Franken von diesem Darlehen flossen ^mittelbar an die Missionsniederlassung der norddeut- ozL.^rdensprovinz in Rabaul (Südsee) und weitere

Franken an die Generalverwaltung in Rom; nur jJMt von 10 000 Franken kam der norddeutschen Or- för s bin3 zugute, die als Darlehnsnehmcrin jedoch haltc " ganzen Betrag von 200 000 Franken zu haften ~ ^or sah die Anklage einen Verstoß gegen die

außerordentlichen Verschärfung der Lage. Der französische Ministerrat wird am Dienstag zusammen­treten und sich vor allem mit der außenpolitischen Lage beschäftigen.

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Die Begeisterung in Abessinien wächst.

Abessinische Anleihe in London? Die abessinische Armee mit modernen Waffen ausgerüstet.

In Abessinien wächst mit jedem Tag die nationale Begeisterung. Am Sonntag hielt dieVereinigung der Jugend Äthiopiens" im ganzen Lande Kundgebungen ab, bei denen Reden zur Aufklärung über die politische Lage und die Landesverteidigung gehalten wurden. Es sprachen christliche und mohammedanische Priester, Staatsbeamte und Soldaten. In ihren Reden kam immer wieder zum Ausdruck, daß Abessinien 2000 Jahre lang unabhängig ge­wesen sei und daß koptische Christen und Mohammedaner das Land gemeinsam bis zum letzten Bluts­tropfen verteidigen würden.

Der Zustrom von Freiwilligen für das abessinische Heer nimmt ständig zu.

Es melden sich Angehörige aller in Abessinien lebenden Rassen und Religionsbekenntnisse.

Das amerikanische Rote Kreuz hat der abessinischen Regierung für den Kriegsfall seine Unter­stützung z u g e s a g t, nachdem Abessinien nunmehr Mitglied der Genfer Konvention geworden ist.

Der neue abessinische Gesandte in London erklärte einem Vertreter desDaily Erpreß", daß seine erste Auf­gabe sei, seinem Lande eine

Anleihe von zwei Millionen Pfund zu verschaffen. Abessinien brauche dringens Geld, um den drohenden Krieg durchhalten zu können. Auch müßten sehr ergiebige Erzlager ausgebeutet werden. Auch bei Pierpont Morgan wollte er mit einer Anleihe sein Glück versuchen.

Aus die Frage, ob Abessinien für einen baldigen Krieg vorbereitet sei, erwiderte der Gesandte, Abessinien habe bereits große Mengen von Munition in den Befestigun­gen von Addis Abeba, ferner Maschinengewehre, Lewis- Geschütze, Haubitzen und ein paar Feldgeschütze von großer Schußweite und Luftabwehrgeschütze.

Die Truppen des Kaisers seien mit modernen Ge­wehren ausgerüstet, aber auch die irreguläre Armee habe zuverlässige Feuerwaffen.

Die Abessinier legten mehr Wert auf ihre Gewehre als auf andere moderne Waffen. Tanks könnten in Abessinien wegen der Struktur des Landes nicht zur Anwendung gebracht werden. Die einzige Gefahr drohe aus der Luft. Aber dem Feind werde es an Zielen fehlen. Den Ge­brauch von Giftgas bezeichnete der Gesandte als niedrigste Form der Barbarei.

Devisenbestimmungen in dem verbringen ver Teilbeträge nach Rabaul und Rom. Es blieb aber nicht bei dieser Kapitalverschiebung, sondern Utsch erschlich sich nach der Anklage auch noch die Genehmigung zur Zinszahl un g in Höhe von 8 200 Franken, wobei er wohlweislich verschwieg, daß nur ein geringer Teil des zu verzinsenden Darlehens nach Deutschland geflossen war. Auch indiesem Verfahren spielte der bekannteWirtschafts­berater" der Orden, Dr. Hosius, eine peinliche Rolle.

Ltnifsrw verhob für ksnsefsioveLLe LugSnöVLrbavöe.

In der letzten Zeit hat in steigendem Maße beobachtet werden müssen, daß die konfessionellen Ver­bände, insbesondere die katholischen Jugendverbände, die Grenzen, die ihrer Betätigung durch die politische Ent­wicklung gezogen worden sind, überschreiten und auf Ge­bieten eine rege Tätigkeit entfalten, die h e u t e allein der H i t l e r - I u g e n d als der vom Staat anerkannten Jugendorganisation vorbehalten sind.

Die S t a a t s f ü h r u n g kann diesem Treiben, welches nachgeradcunne allgemeine Gefährdung der öffent­lichen Sicherheit und Ordnung herbeigeführt hat, nicht länger zusehen. Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat deshalb mit Erlaß vom 20. Juli die Landesregierungen angewiesen, den konfessionellen Jugendverbänden d a s T r a g e n von Uniformen oder uniform ähnlicher Kleidung sowie das geschlossene öffentliche Auftreten mitWimpeln und Fahnen, ferner das Tragen von Abzeichen und das Tragen einer einheitlichen Kluft als Ersatz der Uniformierung sowie jede geländesportliche Betätigung zu verbieten.

Die Aufgaben der Landjugend.

Von Oberbannführer Hans Bofinger, komm. Reichsabteilungsleiter ID (Landjugend) im Reichs- nährstand.

Es könnte jemand auf den Gedanken kommen, zu fragen: Gibt es neben der Hitler-Jugend noch eine besondere Landjugend? Nein, die gibt es nicht, sondern diese wurde im Gegenteil, soweit sie unter eigenen Fahnen marschierte, aufgelöst und in die Hitler-Jngend ein­gegliedert. Die Jugend des Landes, die Söhne und Töchter der Bauern und Landarbeiter, sollen nach dem ausdrücklichen Willen des Reichsbauernführers und des Reichsjugendführers der Hitler-Jugend bzw. den natio­nalsozialistischen Formationen des Landes angehören. Es ist unser größter Ehrgeiz und die erste Voraussetzung für das Gelingen aller weiteren Arbeit in der Landjugend, daß dies in vollem Umfange geschieht.

Unter dieser Generalvoraussetzung hat die Arbeit der Landjugend im Reichsnährstand besonders verant­wortungsvolle Aufgaben zu erfüllen. Im wesentlichen kann man sie unter zwei große Gesichtspunkte stellen:

1. Die Arbeit gilt der F e st i g n n g d e s B a u e r n- tums ans der Jugend heraus, und zwar zuerst aus der bäuerlichen Jugend selbst. Wir wollen eine selbstbewußte, aufgeweckte, körperlich und geistig gesunde Landjugend schaffen, deren höchstes Ideal es ist, in ständiger Bereitschaft für das ganze Volk zu leben. Diese Jugend soll ihre Leistungsprobe auf allen Gebieten der Nation an erster Stelle bestehen. Wir erreichen dadurch eine Revolution unserer völkischen Entwicklung schlecht­hin: nämlich die Überwindung der Landflucht von innen heraus, vom bäuerlichen Menschen her. Das heißt, es entsteht eine feste Verbindung der kommenden Generationen mit dem Boden, die auch für diejenigen Menschen wirksam bleibt, die zukünftig noch gezwungen sind, in städtische Berufe abzuwandern. Außerdem aber berührt diese Arbeit auch die städtische Jugend. Wir erstreben damit, daß die städtische Jugend sich in ihrem Lebensrhythmus nach dem Vorbild des bäuerlichen Lebens richtet. So wie sie heute schon praktisch im Arbeitsdienst, in der Hitler-Jngend, im Landjahr und in vielen anderen Formen dem Bauern und dem Boden dient, so soll sie auch der arteigenen und damit bäuer­lichen Kultur und Denkweise verfallen. Landjugend­arbeit ist also völkische Erziehungsarbeit und staatspolitisch notwendiger Bestandteil der ganzen Jugendarbeit.

2. Die Landjugendarbeit stellt ferner den Kanal dar, durch den aus den Reihen der Jugend dem Reichsnähr­stand und dem ganzen Organismus des deutschen Bauerntums neues, und zwar das beste Blut zugeführt wird. Die Jugend des Landes ist hierfür vorzubereiten, sei es durch ihre Berufsförderung, durch bäuerliche Schulung, körperliche oder weltanschauliche Zucht. Wir wollen mit einem Wort die Landjugend in ihrem Können, in ihrem Denken und Handeln für die späteren Auf­gaben als Ernährer der Nation feuerfest machen.

Alle Kleinarbeit haben wir diesen beiden Zielen untergeordnet. Dies ist der Sinn der Arbeits­anweisung, die gemeinsam von Hitler-Jugend und Reichsnährstand dieser Tage herausgegeben wurde. Wir haben darin die Aufgaben der nächsten Zeit teilweise bis in die Einzelheiten aufgezeigt, um bis ins letzte Dorf absolute Klarheit zu schaffen. Insbesondere aber lag uns daran, ein glückliches und kameradschaftliches Z u s a m m e n s p i e l der Bauernschaften mit der Führerschaft der Hitler-Jugend und des BDM. herbeizuführen. Denn wir glauben, daß es für das Bauerntum keinen wichtigeren Bundesgenossen gibt, als die deutsche Jugend. Und die Jugend ihrerseits hat sich durch ihre Leistung erst den Anspruch zu ver­dienen, eines Tages die Pflichten und den Apparat des Bauerntums aus den Händen ihrer Schöpfer zu über­nehmen.

Die Erziehung hierzu ist der Kern unserer eigent­lichen ständischen Landjugendarbeit, wie sie jetzt auf breiter Grundlage im ganzen Reich in Angriff genommen wird. Dabei gehen wir von einer grundsätzlichen politi­schen Erkenntnis aus. Wir wollen es dahin bringen, daß aus den Reihen unserer Landjugendwarte im Reichs­nährstand der Führernachwuchs für das Bauerntum hervorgeht. Wenn wir diese Aufgabe auch nur annähernd lösen, haben wir unsere Pflicht voll erfüllt, die darin besteht, dem Reichsbauernfübrer und der

Italien hebt die Liragolddeckung vorübergehend auf.

Rom, 23. Juli. (Funkm.) Giornale Officiale veröffent­licht einen Erlaß, durch den die Bestimmungen des Artikels 4, Absatz 1, des Währungsgesetzes von 1927 vorübergehend außer Kraft gesetzt werden. Der angeführte Absatz setzte die Golddeckung der Lira auf 40 Prozent fest. Begründet wird diese Maßnahme mit der Notwendigkeit und Dringlichkeit, für Zahlungenaußergewöhnlichen Charakters", nach dem Ausland Mittel bereit zu stellen.

Wieder Aschenregen in Argentinien. Die argen­tinische Provinzhauptstadt C a t a m a r c a wird zur Zeit von einem unablässigen Aschenregen heimgesucht. Ver­ursacht ist diese unappetitliche Naturerscheinung durch den Vulkan Decapitado, der erst vor wenigen Jahren große Teile Argentiniens mit einem Aschenregen überschüttete.