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Zulöaer /lnZeiger

5-flcbeint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Wag". Bezugspreis, monatlich 1,70 RM. Sh Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­malt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Frred- ^ich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Nolationsoruck: s

: Friedrich Ehrenklau, Lauter- Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- klau Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. igerantw für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal > Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 170 12. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 24. Juli 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Sieg der englischen Regierung.

Flotten- und Luftfahrtvorlage angenommen. Rechtfertigung des Flottonabkommens.

Das englische Unterhaus schloß die lange, teilweise recht erregte Aussprache über den Flottenvorhaushalt und den Zusatzhaushalt des Luftfahrtministeriums.

Der Antrag der Arbeiterpartei aus Herabsetzung des «lütte n v o r h a u s h a l t s wurde mit 247 gegen 44 Wmmen abgelehnt. Dèr Antrag der Arbeiterpartei niif Herabsetzung der Mannschaftsverstärkung für die Lustmacht um 1000 Mann wurde mit 224 gegen 44 Stimmen abgelehnt. Der Znsatzhaushalt des Lustfa h r t m i n i st e r i u m s in Höhe von 5 335 000 Pfund Sterling wurde mit 195 gegen 42 Stimmen a n - gcnom m e n.

Ter Erste Lord der Admiralität, Sir Bolton Eyres Monsell, verteidigte in einer ausführlichen Rede deutsch-englische Flottenabkommen. Er erinnerte das Haus daran, wovon man bei der Behand­lung der Flottenfrage ausgehen müsse. Im Dezember 1936 gingen alle Flottenabkommen zu Ende. Falls ks nicht gelinge, etwas an die Stelle der Abkommen zu setzen, würden alle Flotten der Zukunft unbegrenzt sein. England müsse versuchen, eine Regelung und B e s ch r ä n- lungder Seerüstungen zu schaffen, vorausgesetzt, daß jedem Land ausreichende Verteidigungsmöglichkeiten klassen werden. Wenn jedes Land eine angemessene Flottenstärke erhalte, sei es unwahrscheinlich, daß ein Land ein anderes mit Erfolg angreife. Wenn das ge­linge, werde etwas für die allgemeine Befriedung der Welt getan sein.

Der Marine m i n i st e r erklärte, die Flottenfrage sei ein sehr schwieriges Problem, das wie ein Zusammen- setzspiel aus einzelnen Stücken zusammengefügt werden müsse.Aus diesem Grunde begrüßte die Admiralität den Umschlag eines großen Staates wie Deutschland, seine Motte für immer auf ein Verhältnis zur englischen Flotte festzulegen. Ich bin erstaunt, daß die internatio- mlen Mitglieder des Unterhauses, wenn ich sie so nennen darf, einen Schlaganfall erleiden, weil nach Mo­naten und Jahren des Schwätzens etwas getan wird.

Wir haben etwas getan. Daß wir es schnell getan haben, scheint diese Leute noch mehr in Schrecken zu versetzen.

Ich möchte die Kritiker und besonders Lloyd George Nen: Was würden Sie getan haben? Wie würde Lloyd George Deutschland daran verhindert haben, Kreuzer zu bauen, was würde er getan haben, wenn Deutschland Kreuzer verlangt hätte? Deutschland hätte 100 v. H. "nfetcr Flotte verlangen können.

Monsell fuhr fort:Denjenigen, die so geredet haben, als ob der Abschluß des Flottenabkommens eine Sünde Ne, wenn man nicht alles gleichzeitig tut, möchte ich Wn: Wenn wir darauf gewartet hätten, ^ire nichts getan worden. (Lauter Beifall auf Ministerbank.) Lloyd George nannte der Minister ^nMeister der Konfusion". Er wiederholte, daß die «Nuptung Lloyd Georges, Deutschland habe bei den âtenverhandlungen die völlige Abschaffung der U- ^oole angeboten und England habe diesen Vorschlag ab* ^bnt, völlig unbegründet und unrichtig sei.

Es begann dann ein Wortgefecht zwischen dem Nuneminifter und Lloyd George, das der Minister änlich mit den Worten abschloß:

'^ haben eine bessere Chance, weil wir Deutschland mit uns haben."

n ft o n Churchill behauptete, daß das ,, ^N Angebot einer Mitarbeit bei der Abschaffung der keinen großen Wert habe, denn wie jedermann besiehe nicht die geringste Aussicht, daß andere JN der Abschaffung zustimmen. Churchill ging dann as deutsche Flottenprogramm ein und daß Deutschland schon vor dem Abschluß des senabkommens Schiffe auf Kiel gelegt habe, die über Grenze des Versailler Vertrages hinausgingen. Man l N Unterhaus mitteilen, bis zu welchem Jahre - Mchland die im Flottenpakt niedergelegte Gesamt- erreichen werde.

t,en N Besprechung des Flottenhaushalts wurde durch ^er der Arbeiteropposition, Lansbury, ab- der in einer sehr pessimistischen Rede erklärte, d ' °" ganze Abrüstungspolitik und damit die Politik >yj.?"8llschen Regierung völlig gescheitert sei. Lansbury dieseinen Vorschlag der Arbeiteropposition, daß Regierung eine neue internationale Man n 9 3 t o n f e r e n 3 einberufen solle, auf der "i'er einRüstungsstillhalteabkommen" einigen Beendigung der Flottenaussprache im Unter* 6 nt fachte der englische L u f t f a h r t m i n i st e r Sir der s ^ ° 2 i st e r einen Antragfür die Verstärkung Mit Ä^ Luftstreitkräfte um 12 000 Mann" ein, wo- lich°n E Unterhaus in eine Aussprache über den zusätz- iiüMn Haushalt für die Luftflotte von über fünf Mil- euJ Wnb Sterling für die Aufrüstung der Luftflotte I des ^j-t^r Luftfahrtminister gab einige Einzelheiten glichen Programms bekannt:

b^.^rundlage, auf der das Luftfahrtprogramm N, -t^ die Erklärung der deutschen Regierung, r 'hre Absicht, eine Luftstreitkrast zu haben, die der französischen gleichkommt.

Der Minister teilte mit, daß die Rekrutierung für das erhöhte Personal bisher erfolgreich verlaufen sei. Die Zahl der Fliegerschulen werde von fünf auf zehn erhöht werden. Insgesamt müßten 5 0 neue Flug- zeugstützpunkte, darunter 41 neue Flugplätze, er­richtet werden.

Abschließend erklärte der Luftfahrtminister:Dieses Programm ist unsere feste Pflicht im Interesse Englands. Ich glaube nicht, daß irgendeine Regierung in unserer heutigen Lage bei dem gegenwärtigen Zustand der Welt ein anderes Programm vorlegen würde. Wir werden fort­fahren in dem Bemühen, einen Luftpakt zu erzielen und eine Begrenzung der Luftrüstungen herbeizuführen. Wir werden auch fortfahren in dem Bemühen was unver­gleichlich schwieriger ist, die Begrenzung des Charakters des Luftkrieges zu erzielen."

Der Vertreter der Arbeiterpartei, Maclean, bean­tragte eine Herabsetzung der voraeschlaaenen Mannsckafts-

England gibt Waffenausfuhr

nach Abessinien frei.

Zurückziehung der britischen Untertanen.

Im Zuge der englischen Maßnaymen lm Konflikt zwischen Italien und Abessinien werden auf Grund eines Beschlusses des englischen Kabinetts alle britischen Untertanen, vor allem die britischen Missionare, aus Abessinien abberusen werden. In der eng­lischen Öffentlichkeit haben darüber hinaus die zwei Nach­richten Aufsehen erregt, daß die englische Regie- rung den Waffenhandel nach Abessinien freigeben wolle und daß Italien zum Ankauf von Rohstoffen für die Durchführung des Feldzuges gegen Abessinien vorübergehend von der Lira-Gold­deckung abgehen müsse.

Wie mehrere englische Blätter berichten, ist das bri­tische Kabinett zu der Ansicht gekommen, daß durch die Verhinderung der Waffenausfuhr Abessinien einseitig be­nachteiligt werde. Ein Datum für die Sitzung des Völker­bundsrats ist, wieTime s" berichten, noch nicht fest­gesetzt. Der Minister für Völkerbundsangelegenheiten, Eden, wird sich Ende dieser Woche bereits nach Genf be­geben. Die britischen Minister hätten vorläufig die Hoff­nung, daß

Frankreich aus der Ratstagung sich den englischen Be­mühungen anschlietzen werde, um in letzter Minute eine friedliche Lösung herbeizuführen.

Man gehe dabei von der Hoffnung aus, daß Laval selbst wieder mehr Zeit habe, sich mit der abessinischen Frage zu beschäftigen und dabei zu der Überzeugung kommen werde, daß durch einen Ausbruch der Feindseligkeiten in Abessinien auch der Weltfriede aufs schwerste in Mitleiden-

Die englischen Religionskämpfe.

Katholikenverfolgung

in Schottland ...

Die blutigen Unruhen in Belfast noch immer nicht beigelegt.

Die schweren und blutigen Zusammenstöße zwischen Katholiken und Protestanten in B e l f a st haben das allergrößte Aufsehen in Schottland hervorgerufen. Die Behörden befürchten, daß sich die Unruhen auch auf Edinburgh ausdehnen werden, das in letzter Zeit ebenfalls der Schauplatz ernster Zusam­men st ö ß e zwischen Katholiken und Protestanten war.

Der Erzbischof von Edinburgh, MacDonald, hat einen langen Ausruf erlassen, in dem er die Behörden auf« fordert, gegen die Unruhen einzuschreiten.

Gleichzeitig hat der Führer der Anttkatyo- l i k e n Edinburghs, Stadtrat Cormack, einen Brief an den Erzbischof gerichtet, in dem

weitere energische Maßnahmen gegen die Katholiken

in Aussicht gestellt

werden. Schottland sei ein protestantisches Land, und er werde sich weiterhin dafür einsetzen, daß die katholischen Angestellten entlassen werden. Der Feldzug gegen die Ka­tholiken habe erst angefangen, werde aber bald in vollem Schwung sein.

Die katholische ZeitungUniverse" berichtet in großer Aufmachung über das B l u t v e r g i e ß e n i n B e l f a st. Zwischenfalle von beinahe unglaublicher Grau­samkeit ereigneten sich. In der Akademicstraße setzte eine Menge von Orangisten katholische Häuser in Brand und schüttete Petroleum über ein Bett, in dem eine Frau mit einem Tag alten Säugling las."

erhöhung um 1000 Mann. Fliegerkommandant James (Konservativ) erklärte, daß Deutschland schon 1933 seine Bereitschaft zu einer Abschaffung des Bombenabwurfes erklärt habe, wenn andere Länder dasselbe täten. In einer seiner Reden habe Hitler mehrfach erwähnt, daß er bereit fei, eine völlige Abschaffung der Luftwaffen zu erstreben.

Die Aussprache wurde von Unterstaatssekretär Sir Philipp Sassoon abgeschlossen. Er erklärte u. a.. das erste Ziel der englischen Regierung sei zur Zeit die Luftausrüstung,

weshalb sie der Verkehrsluftfahrt nicht ihr volles Augen­merk zuwenden könne. Sassoon wiederholte dann, daß die englische Regierung bestrebt sei, den Wcstluftpakt zum baldmöglichsten Zeitpunkt herbeizuführen, während der Gedanke einer internationalen Polizeimacht augen­blicklich völlig in der Luft schwebe.

Wenn es uns nur gelingen würde, den Westluftpakt zu erzielen, dann würde er für den Augenblick die

internationale Polizeimacht Europas sein."

Im übrigen wandte sich Sassoon erneut gegen die Be­hauptung, daß die englische Einschränkung hinsichtlich des Bombenabwurfes in überfeegebieten die Luftabrüstung zunichte gemacht habe.

Kann der Völkerbund den Krieg verhindern?

schaft gezogen werde. Viel Beachtung findet in diesem Zu­sammenhang eine Veröffentlichung derMorningpost"über den Briefwechsel zwischen zwei abessinischen Offizieren, der in Ualual gefunden wurde und aus dem deutlich hervor­geht, daß die

Schuld an dem Zwischenfall auf der Seite der Italiener lag. Ualual ist die einzige Wasserstation in dem in Betracht kommenden Gebiet, so daß die abessinischen Abteilungen gezwungen waren, diese Oase aufzusuchen. Die Italie­ner andererseits hatten den Wunsch, int Hinblick auf die Wasserversorgung die Grenze bis Ualual zu verlegen und suchten daher der englisch-abessinffchen Grenzfestlegungs­kommission unter Führung des Oberst Clifford den Durchmarsch bis Ualual nicht zu gestatten, weil die Be­fürchtung bestehen mußte, daß der Ort durch die Clisford- kommission als abessinisch erklärt werden würde.

Das Londoner BlattDaily M i r r o r" veröffent­licht einen

Aufruf der Kaiserin von Abessinien an die englische Frauenwelt,

für das schwere Schicksal des abessinischen Volkes Ver­ständnis zu zeigen.

Italienische Preise verdächtigt England.

In der italienischen Presse, die über die Haltung Englands aufgebracht ist, sucht man daher die englische Politik zu verdächtigen. Nack einer Melduna

(Fortsetzung auf Seite 2.)

Inzwischen dauern dieVergeltungsmaß­nahmen" im irischen Freistaat für dieTerrorisierung der katholischen Minderheit durch die Protestanten in Belfast" an. Ein ernster Fall ereignete sich in Kil - m a l l o ck i in der Grafschaft Limerick, wo eine prote­stantische Gemeindekirche niedergebrannt wurde.

*

... und Ausschreitungen gegen Protestanten in Irland.

Dublin, 24. Juli.

Die politisch-religiösen Unruhen in Belfast haben auch auf den irischen Freistaat übergegriffen. In Clones und Lemerick stürmten die Katholiken mehrere Hauser von Protestanten und richtet«: große Zerstörungen an. In Lemerick ging die erregte Menge gegen zwei Frei­maurerlogen vor und zertrümmerte die Scheiben einer protestantischen Andachtshalle. Besonders gespannt ist die Lage in Kilmallock in der Grafschaft Lemerick, .wo eine protestantische Kirche in Brand gesteckt wurde und bis auf die Grundmauern niederbrannte. Auch drei Häuser von Protestanten wurden schwer beschädigt. In Clones ging eine Freimaurerloge in Flammen auf und brannte vollkommen nieder. In Trim in der Grafschaft Meath ging die Menge ebenfalls gegen eine protestantische Kirche vor und zertrümmerte mehrere wertvolle alte Kir­chenfenster. In Lemerick werden die Straßen seit Montag von Truppen mit aufgepflanzten Seitengewehren bewacht.