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Zuloaer MnZeiger

a-ilckeint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Lieferungsbehrnderung durchHöhere Ee- malt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried- Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42.

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: Friedrich Ehrenklau, Lauter- Hauptschriftleiter Friedrich Chren- klau Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. Rerontw. für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

Schristleitung und Geschäftsstelle: Königftraße 42 Zernfprecher Nr. 2989

Anzeigenpreis. 1 mm Höhe in der 46 mn breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., in Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." V. 35. 910. Zur Zeir ist Preis­liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Sir. 171 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 25. Juli 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

In den Fällen schweigt die Welt

Die Religiovskämpfe in Irland

Die g esp a n n te Lage in Ulster und in eini­gen Teilen des irischen Freistaates dauert an. In Gal­way rissen irische Hafenarbeiter die englische Flagge von einem aus Belfast kommenden Schiff herunter und be- prahien die Besatzung mit Tätttchkeiten, falls sie an Land gehen würde. In Limerick haben die Hafenarbeiter ebenfalls die Ausladung nordirischer Güter verweigert. Wie aus Belfast gemeldet wird, sind dort die katho­lischen Hafenarbeiter nicht mehr an die Arbeit zurück­gekehrt, da sie sich vor den Drohungen der protestantischen Gegner fürchteten. Neuerdings ist es in Belfast auch zu schweren Reibungen mit italienischenFa- miiien gekommen. Mehrere italienische Familien sind schwer bedroht worden und drei von ihnen wurden mit Gewalt aus ihren Wohnungen entfernt. Von italieni­scher Seite sind Repressalien ergriffen worden, indem italienische Aufträge an Belfaster Firmen in Höhe von ;; Million Mark zurückgezogen worden sind.

Aevolutmnskâmpse in Myko.

So wird z. B. aus Mexiko gemeldet, daß die mexikanische Bundesregierung über das ganze Land die Zensur verhängt hat. Im Norden der Republik sind schwere Unruhen ausgebrochen. Die mlionalrevolutionäre Bauernpartei des Bundespräsi­denten General Cardenas hat sich gegen die Gouverneure von Tabasco, Tamaulipas und Nuevo Leon, die An­hänger des außer Landes gegangenen früheren Bundes­präsidenten General Calles sein sollen, erhoben. In Victoria, der Hauptstadt des Staates Tamaulipas, wird der bisherige Gouverneur Reel von den Regie- rungsanhängern in seinem Palast belagert. In vierzig Sitten und Ortschaften seines Machtbereiches ist seine Herrschaft schon gebrochen. In dem Petroleum - öasen T a m p i c o wurde das Regierungsgebäude erst nach langem Straßenkampf übergeben.

Seit der freiwilligen Flucht des früheren Präsidenten Mas nach Kalifornien wurden von einer Reihe von mexikanischen Staatsgouverneuren die Anordnungen der Zentralregierung, die das neue Wiederaufbauprogramm im Lande durchführen wollten, bewußt sabotiert.

Kundgebungen von Anhängern der Zentralregierung in verschiedenen Städten wurden seit Wochen durch Rothemden" unterdrückt,

ivobei bisher insgesamt 20 Todesopfer zu verzeichnen sind. Die Regierung entschloß sich daher zur Verwerfung der Opposition. Präsident Cardenas seine Anhänger in zehn mexikanischen Bundesstaaten, von Veracruz bis hinauf zur Grenze der Vereinigten Konten, zu einem gewaltsamen Vorgehen aufgerufen. Mniausende von Bauern besetzten ganz überraschend die Hauptstädte der regierungsfeindlichen Gouverneure. Nach den bisherigen Meldungen hat die von Präsident Car­denas eingeleitete ungewöhnliche Bewegung zur Festi- t SN seiner Macht auf der ganzen Linie Erfolge gehabt.

noch unter dem Einfluß des früheren Präsidenten

Um die Waffenausfuhr nach Abessinien

.^oit, 25. Juli. Auf eine Anfrage im Unterhaus er* te Handelsminister Runciman:In den letzten vier sind keine Lizenzen irgendwelcher Art für die W von Waffen nach Italien oder Abessinien aus- lvorden." Mehrere Abgeordnete verlangten in der . "eren Aussprache, daß in der Frage der Waffenausfuhr unterschiedliche Behandlung zwischen Abessinien und :cn stattfinden solle.

.... Auch das englische Kabinett

sich am Mittwoch erneut mit der Frage der Waf- fa$r nach Abessinien. Die allgemeine Ansicht geht daß unter den gegenwärtigen Umständen die Waf- rMuhr in gleicher Weise nach Abessinien und Italien "vt sein dürfte, die Erfordernisse strikter Neutralität diese Haltung notwendig. Allerdings sei die so-

Bekanntgabe einer formalen Entscheidung der Re- sz,. "'8 unwahrscheinlich, da hierdurch nur die ohnehin in s tchtvierige Atmosphäre, in der der Völkerbundsrat LJ* Nächsten Woche zur Erörterung der abessinischen äusammentreten werde, noch verschlechtert werden , lallen darin einwillige, daß Genf alle Ge- ^"^utte des Konfliktes prüfe, sei in London noch un- siiièn ^^denfalls habe Italien seine Klagen gegen Abes- fW Vilich noch nicht mitgeteilt, ebenfalls nicht seine fcteu 11 '^ Ansprüche. Es werde in der nächsten Woche sür^ aufg^-ordert werden. Die britische Abordnung startesich aus Anthony Eden und seinen üblichen crn Zusammensetzen mit zwei oder drei Sachver- des Foreign Office.

IfoSM hat sich in der letzten Sitzung des englischen âder aine sehr große Mehrheit der Regierungsmit- sfiis^.^unsten einer Behandlung der italienisch-abes- Äu tA Streitfrage durch den Völkerbund ausgesprochen. "Ldeni,'" Linie wird die britische Abordnung nach dem ^tèibt ^ Standard" vermutlich auch Vorgehen. Das Blatt übrigen: Die Hoffnung auf eine enge franzö- "lche Zusammenarbeit muß im Lickte der französi-

Callas stehende Gewalthaber wurden durch denleaalen Putsch" beseitigt.

Zwei Abgeordnete im argentinischen Senat niedergeschoffen.

Im argentinischen Senat kam es zu stürmi­schen Auftritten, als während der Aussprache der Senator de la Torre den Finanzminister D r. P i n e d o ahs Feigling bezeichnete. Als der Minister darauf auf seinen Beleidiger zueilte und diesem der Senator Bordabehere zu Hilfe kommen wollte, fielen von der Zuhörertribüne plötzlich Schüsse. Bordabehere sank schwer verwundet zusammen, während der im Senat an­wesende Abgeordnete M a n z i n i ebenfalls durch einen Schuß niedergestreckt wurde. Bordabehere ist auf dem Wege zum Krankenhaus gestorben. Der Landwirt­schaftsminister Du Hau wurde bei der Schießerei durch einen Streifschuß an der Hand verletzt. Als Ur­heber der Schießerei wurde der 42jährige ehemalige Polizeikommissar Ramon Valdez Cora ermittelt. Die argentinische Presse schreibt: Der Vorfall zeige, wie weit parteipolitische Verhetzung einen Menschen treiben kann.

Das Morden wird grausig werden

Abessiniens Gesandter in

Der abessinische Gesandte in London, Dr. Martin, er­klärte einem franzö- fischenPressevertreter gegenüber, eine Eini­gung im italienisch­abessinischen Streit sei kaum noch denk­bar. Dazu sei es zu spät. Italien habevieleMil- Honen ausgc - geben und 200 000 Mann nach Afrika geschickt. Wie sollte es jetzt auf seinen Plan verzichten. Abessinien werde aber nicht auf seine Unabhängigkeit ver­zichten. Seine Be­wohner würden bis zum letzten Mann kämpfen und sterben. Das Morden

Gesandter Dr. Martin.

(Scherls Bilderdienst)

werde grausig werden.

Abessinien werde, wenn nötin, zugrunde gehen, aber cs

scheu Haltung beurteilt werden. Frankreich wird versuchen, ein Gleichgewicht zwischen seinen Völkerbundsinteressen und seiner Freundschaft mit Italien herzustellen. Nur wenige können bezweifeln, in welcher Richtung das Pendel schließlich ausschlagen wird. Noch kann von der Kleinen Entente eine stark italienfeindliche Haltung erwartet wer­den, für die Oesterreich viel wichtiger ist als Abessinien. Man kann mit Sicherheit voraussagen, daß jedes Vor­gehen des Völkerbundes stark nur in Worten, nicht aber in Taten sein wird.

Ausfälle gegen England

Am Vorabend des für die Festsetzung der Ratstagung so viel erörterten 25. Juli ist man in Rom gegenüber allen Völkerbundslösungen und diplomatischen Bespre­chungen womöglich noch feindlicher denn je. Man ist kaum noch geneigt, den gegenwärtigen englisch-französischen Be­mühungen irgendwelches Interesse zu schenken, sondern geht mit gar nicht mehr zu überbietender Schärfe zu massiven Angriffen gegen England über.

Die Aushebung des Waffenausfuhrverbotes steht für die italienische Oeffentlichkeit außer allem Zweifel, wenn sie auch noch nicht von amtlicher englischer Seite ausgegeben werde.

Im Spiegel dieser Polemik ist dieser Artikel desLavoro Fascista" bezeichnend. So schreibt das Blatt u. a.:Die englische Zivilisation ist im Verfall begriffen und durch ihren eigenen Egoismus unheilbar verurteilt. Wenn eine Nation, wie das gerade jetzt England tut, so weit herunter­kommt, Waffenchandei mit dem barbarischen Abessinien zu treiben, um die Begierden der Schwerindustrie zu befriedi­gen und dadurch gleichzeitig den Weg einer jungen Nation wie Italien zu versperren, muß offen ausgesprochen wer­den, daß die Zivilisation Englands zum Tode verur­teilt ist."

Heue Haussuchungen im Mmelgebiet.

Vor kurzem hat die litauische politische Po­lizei bei den Mitgliedern des jetzigen und früheren Vorstandes des Verbandes der memelländi­schen Jugendherbergen Haussuchungen bot» genommen. Die politische Polizei durchsuchte die Woh­nungen der Lehrer Cziechy, Nöske, Wilhelm Rohde und der Lehrerin Kuhtz. Es wurden sämtliche Akten und alle Führer- und Bleibenausweise auch die leeren Formu­lare sowie die Schreibmaschine beschlagnahmt.

*

Im Ausland wird die Greuelhetze unver­antwortlicher Drahtzieher gegen das natio­nalsozialistische Deutschland fortgesetzt. Diese verleumde­rische Propaganda kann sich nicht auf wirkliches Ge- fchehen stützen, sondern ist von A bis Z erlogen. Die dunklen Ziele dieser Propaganda, die die friedliche Entwicklung in Europa unterminieren möchte, liegen jedoch so klar zutage, daß ihre Widerlegung gegenüber ehrlichen und anständigen Ausländern nicht schwierig ist. Das Ausland hat zudem wenig Veranlassung zu dieser Hetze, wenn man sich vor Augen führt, daß im Aus­land sogar blutige Auseinandersetzungen sich ereignen, von denen das nationalsozialistische Deutsch­land dank der befestigten Macht und Ordnung des vatio- nalsozialistischen Staates jetzt und für immer verschont bleiben wird.

London warnt Mussolini. gebe einen Gott, und der Tag der Vergeltung werde kommen. Der Kamps werde aus jeden Fall sehr hart und langwierig sein.

. Die des Klimas ungewohnten italienischen Truppen hätten schonjetztgewaltigzuleidcn. Die, modernen Kriegsmittel würden sich gegen Abessinien schwer anwenden lassen. Der Gesandte ist über­zeugt, daß der Streit den Rahmen eines ört­lichen Krieges überschreiten werde. Er werde das Signal für den Zusammenschluß aller farbigen Rassen gegen die Weißen werden.

Gesandter Dr. Martin wurde im Jahre 1868 auf dem Schlachtfeld von Magdala als kleines Kind von einem englischen Offizier aufgesammelt, von diesem mit nach Indien genommen und vollständig als Engländer er­zogen. Später wurde er englischer Militärarzt und kehrte erst dreißig Jahre später in seine abessinische Heimat zurück, wo er zunächst Leibarzt des Negus wurde, bis dieser ihn mit seinem heutigen Posten betraute.

Der türkische Geschäftsträger in Tokio suchte den Stellvertreter des japanischen Außen­ministers auf und legte ihm den türkischen Stand­punkt im Abessinienkonflikt dar.

Das italienische Vorgehen gegen Abessinien, so erklärte er, hätte auch in Ankara große Mißstimmung hervorgerufen.

Der amerikanische Präsident Roosevelt hat dem Kaiser von Abessinien zu seinem 42. Geburtstage ein Glückwunschtelegramm geschickt.

Kirchenführer appellieren an das Gewissen des Völkerbnndsrates.

Der Erzbischof von Canterbury und der Erzbischof von Upsala (Schweden) sandten an den Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, ein gemeinsames Telegramm, in dem sie den Völker­bundsrat bitten, alles nur Menschenmögliche zu versuchen, um den Ostafrikakonflikt friedlich zu lösen.

Aus Paris wird berichtet, es sei sicher, daß Frankreich in Rom dringende Schritte unternehmen wird, um Italien auf alle Fälle nach Genf zu bringen. Entgegen den Meldungen aus London wird in Paris allgemein der 31. Juli als Tag des Zusammentritts des Völkerbundsrats genannt.

Klarer Austrag für Eden aus der VölkerbuudSraMgung.

Während die Tatsachen in Nordostafrika immer mehr dem Ausbruch des Krieges zwischen Italien und Abes­sinien entgegeneilen, glaubt ein Teil der englischen Öffentlichkeit an die Möglichkeit einer Beilegung des Konflikts durch den Völkerbund. Die Londoner Zeitungen verzeichnen die Nachricht, daß die letzte Besprechung zwi­schen dem britischen Botschafter in Paris und dem französischen Außenminister Laval zu einer vollen Übereinstimmung in der abessi­nischen Frage geführt habe, in größter Aufmachung und mit lebhafter Befriedigung. Es wird angenommen, daß

der Völkerbundsrat am Montag oder Dienstag zu­sammentritt und daß auch Italien an der Sitzung teilnehmen wird.

Es erscheint aber als wenig zweifelhaft, daß Italien den voraussichtlichen Vorschlägen des Völkerbundes betreffend Anwendung des Artikels 15 der Satzungen über die fried­liche Beilegung von Streitfällen nicht zustimmen wird. Man rechnet daher mit einer nur kurzen Tagung. Der englische Minister für Völkerbundsanaeleaenbeiten, Eden,