Ndaer Anzeiger
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5 NMtionsdruck: Frièdrâ Ehrenklau, Dauter- Zulöa- und Haunetal- ZulSaer Kreisblatt
? & Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- y V
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Nr. 172 — 12. Jahrgang
Fulda, Freitag, 26. Juli 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Für 50000 Mark in den Himmel.
Preiswertes Angebot einer katholischen Ordensschwester.
Berlin, 25. Juli. Der Angriff" veröffentlicht in seiner 7-merstag-Ausgabe in Photokopie ein Schreiben der WoiWen Ordensschwester Alfonfa aus dem Hause der MMktinerinnen in Kempen im Rheinland an einen Herrn Ollig Wessels in Idafehn in Ostfries land.
ISchreiben hat folgenden Wortlaut:
Kempen/Rheinland, 27. 3. 1935.
Sehr verehrter Herr Wessels!
De werden sich erinnern, wie ich etwa Mitte November I tot Anen einen Besuch machte und wir uns bei einer ■ Tafle Tee unterhalten haben. Ich freue mich sehr, daß Anen was daran liegt, in den Himmel zu kommen. Nun M Sie meinen Rat: „Ich will alles aufbieten bei Tag t^M Nacht, mich ganz hinopfern, damit Sie sicher hinein- ■ Immen und hoch hineinkommen, aber unter der einen Be- j Agung, daß Sie gleich 50 000 Mark (Fünfzigtausend Mark) sWen, für den Kirchen- und Klosterbau in Hannoer. Sie tun Hamit ein wahrhaft apostolisches Werk, denn dort ist m 1300 Katholiken noch in einem Tanzsaal Gottesdienst, rab das Kloster soll ein Anbetungskloster werden für die ganze norddeutsche Diaspora." In Hannover müssen wir ein Anbetungskloster haben, hat Bischof Bares sei. gesagt. Ter Herr Propst von Hannover, der die Sache in der Hand hat, besteht darauf, daß ich 50000 Mark schaffe. (!!! Die Wftleitung).
Und nun, mein Freund, feien Sie kluger Handelsmann, ein Held, Sie haben ja bei Ihrem Autounglück, von dem Sie mit erzählten, schonmal die Woge der Ewigkeit gespürt, seien Sie ein heiliger Franziskus, der alles Irdische wie Kot verachtet im Vergleich mit dem Himmel! Inden Himel muß ich kommen, für den Himmel ist mir nichts izuviel und zu schwer! Sie haben ein langes Weltleben hinter sich und können selbst nicht mehr viel für den Him- I mei tun, hier haben Sie Gelegenheit, durch eine einmalige t Stiftung von 50 000 Mark, leicht in den Himmel zu kommen Wmd durch die Gründung auch noch vielen anderen den Weg kM Himmel zu bahnen. Sehen Sie, wenn Gott der Herr MAnen einen Schlaganfall schickt und Sie plötzlich vor Keinem Richterstuhl stehen, was nützt Ihnen all Ihr Geld
Abessinienkonflikt vor dem Völkerbund
Da die Frist des 25. Juli verstrichen ist, ohne daß im -bkssinisch-italienischen Konflikt ein fünfter Schiedsrichter »stimmt ist, setzte sich der Generalsekretär des Völker- lindes, A v e n o l, mit dem Vorsitzenden des Völker- Wdsrats, Litwinow, der in Paris eingetrossen ist, 'n Verbindung. Avenol kehrte nach der Unterredung nach ms zurück, um dort die Einladungen zu der Völker- "Mstagung ergehen zu lassen. Der französische Minister- Went Lavâl wird sich persönlich zu der Ratssitzung 3 Genf begeben, um sich aktiv an der Aussprache zu "Milizen.
. Nach einer Meldung aus London sind die Msinien-Vesprechungen zwischen Mussolini und Botschaftern Englands und Frank- auf unbestimmte Zeit verschoben worden, w E heißt „aus technischen Gründen".
englische Kabinett beriet über die weitere u , lung her abessinischen Frage im Hinblick auf die """Mende Völkerbundsratssitznng. Die
^""'hhungen um eine Dreimächteaussprache in Rom
JrN der Londoner Zeitung „T i m e s" zufolge, fort- doch sei ein Erfolg dieser Besprechungen nur auf der Grundlage, daß Italien auf Gewalt- .Endungen verzichtet und daß 'die Zugeständnisse, die ? Abessinien verlangt, sich auf das wirtschaftliche LC* beschränken und dem Negus keinerlei Verzicht auf J'^anität oder Land anmuten. Die Regierung hofft, " 'Italien an der Völkerbundsratssitzung teilnehmen ^'"e umfassende Darstellung seiner Beschwerden w Abessinien abgeben werde. Demgegenüber berichtet englische Blatt „Daily Tele g r a p b", daß der "höfische Botschafter dem Foreign Office, <W™ Auswärtigen Amt, als Ergebnis der "alienisch-französischen Verhandlungen den Vor- -i^h unterbreitet habe, auf die Genfer Tagung zu ver- an ihre Stelle die Verhandlungen der „.^ch-abessinischen Schlichtungskommission wieder
Londoner politischen Kreisen sieht man darin nur
I) einen Versuch, Zeit zu gewinnen,
Aussicht auf Erfolg haben dürfte.
lis'-ach Meldungen aus Newcastle wird der eng- riqJ/ Bergbau von den italienischen Valutaschwie- den»„ !'. betroffen. Verschiedene Kohlenausfuhrfirmen, schuld,. Italiener seit mehreren Monaten Geldbeträge ei» "'haben ihre Lieferungen nach Italien "gestellt.
Hat abessinische Gesandte in London, Martin, ^""Handlungen über eine 2-Millionen-Pfund-Anleihe ausaen« Abessiniens
nischf,., '"fuen. Er hat den englischen und den amerika- ieffiL., ^manzleuten Gold-, Kupfer- und Erdölkon- angeboten.
dann? Schenken Sie es ihm aber zu Lebzeiten, so machen Sie sich Ihren Richter zum Schuldner und der Heiland ist dankbar. Er läßt keinen Trunk kalten Wassers, aus Liebe gereicht, unbelohnt. Und ich verspreche Ihnen auch meine innigste Dankbarkeit im Leben und nach Ihrem Tode. — Ja, ich bin bereit, Sie in den Himmel zu lassen und selbst draußen zu bleiben, wenn es sein müßte, oder wenn ich schon vor Ihnen darin wäre, wieder herauszukommen und Sie zuerst hineinlassen.
draußen zu bleiben, wenn es
Nun also — ein größeres Anerbieten kann Ihnen nicht gemacht werden — seien Sie klug!!!
Schicken Sie darum das Geld bitte gleich nach Hannover, ich lege Ihnen ein fertiggeschriebenes Postscheckkonto bei und schreiben Sie mir bitte auch gleich, damit ich Ihnen danken kann. Nun wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen alles Gute, Gottes Segen, langes Leben, Gesundheit, Frieden des Herzens und Haufes.
Mit liebem freundlichen Gruß!
Ihre in Gottesliebe dankbare S. r. Alfonfa O.S.V.
Der „Angriff" betont, daß dieser Brief der katholischen Kirche einen schlechten Dienst geleistet hat. Das Blatt fährt fort: „Was uns aus den übelsten Zeiten des Ablaßhandels von ekelhaftem Geschacher um das Seelenheil der Gläubigen überliefert wird, ist hier übertroffen worden. eDr Lehre von der Wirkung der guten Werke ist ein schallender Schlag versetzt worden mit der Forderung, „ein guter Handelsmann" zu sein und durch die „einmalige Gelegenheit" einer Stiftung von 50 000 Mark sich den göttlichen Richter zum Schuldner zu machen. Für 50 000 Mark opfert sich die barmherzige Schwester, die in so menschlicher Weise ihren Glaubensbruder Wessels an sein nahes Ende und den möglichen Schlaganfall erinnert, gerne ganz hin! Dafür bietet sie alles bei Tag und Nacht auf, dafür bleibt sie selber draußen vor dem Himmel oder kommt wieder heraus und läßt ihn hinein, wenn sie etwa schon vor ihm darin wäre! Bedurfte es da überhaupt nochides Appells: „Seien Sie klug!!!"? Ein Griff nach der ausgefllllten Zahlkarte hätte genügt, um die Pforten des Himmels weit aufspringen zu lassen. Was kann man mehr für 50 000 Mark verlangen?
Wie die englische Zeitung „Daily M i r r o r" berichtet, finden zur Zeit in E n g I a n d Vorbereitungen zur Bildung einer „privaten" Fremdenlegion für Abessinien statt. Aus privaten Mitteln sind die nötigen Gelder aufgebracht worden, um
eine schlagkräftige abessinische Luftflotte zu schaffen.
Der nach Rom entsandte diplomatische Berichterstatter des „News Chronicle" berichtet, es stehe fest, daß vor genau einem Jahr hohe italienische Offiziere mit Bestürzung erfahren Hätten, daß Mussolini einen Feldzug in Abessinien plane. Sie hätten sich gegen diesen Plan ausgesprochen, ebenso ein an Ort und Stelle befindlicher Ausschuß.
Ställen zur Wiederaufnahme des Schiedsverfahrens geneigt.
Die italienische Regierung hat an den Generalsekretär des Völkerbundes in letzter Stunde folgendes Telegramm gerichtet: „Da die vom Völkerbundsrat in feiner Entschließung vom 25. Mai 1935 festgesetzte Frist zum Abschluß der Arbeiten der vier Schiedsrichter über den Zwischenfall von U a l - U a l und die folgenden Zwischenfälle heute abläuft, beehrt sich die italienische Regierung, folgendes mitzuteilen:
Die italienische Regierung ist stets von dem Wunsche beseelt gewesen, das S ch licht u n g s - und Schiedsverfahren zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Dieses Verfahren ist nur dadurch unterbrochen worden, daß der Vertreter der abessinischen Regierung in Scheveningen den Anspruch erhoben hat, vor der Kommission Fragen zu erörtern, die von dem Schiedsverfahren ausgeschlossen sind. Demgemäß hat die italienische Regierung bereits am 14. Juli der abessinischen Regierung erklärt, daß sie noch immer zur Wiederaufnahme der Kommissionsarbeiten bereit sei, allerdings unter der Bedingung, daß diese Arbeiten sich in den Grenzen des Schiedskompromisses halten.
Die italienische Regierung hat am 23. Juli der königlichen Gesandtschaft in Addis Abeba neuerdings telegraphisch die Weisung zugehen lassen, diese Absicht zu bestätigen und die abessinische Regierung in aller Form zu befragen, ob sie sich an die in dem Schiedskompromiß übernommenen Verpflichtungen halten wolle oder nicht und bejahendenfalls, ob sic ihren Vertreter dahin instruieren wolle, daß er durch Verzicht auf den vorgebrachten Anspruch der Kommission die Fortsetzung ihrer Arbeiten ermögliche."
Das Telegramm ist von U n t e/r staatssekretär Suvich unterzeichnet. In unterrichteten Genfer Kreisen ist man der Ausfassung, daß das Telegramm der italienischen Regierung keine Änderung der Lage bedeutet.
Im Völkerbundssekretariat ist auch eine Note der abessinischen Regierung ein-
Kurze Randbemerkungen.
Die Abordnung der b r i t i s ch e n F r o n t k ä m p f c r ist nach ihrem Besuch in Deutschland wieder daheim. Sie hatte reichlich Gelegenheit, sich ein klares Bild von den Zuständen bei uns zu verschaffen. Mit führenden Nationalsozialisten hat sie einen regen Gedankenaustausch pflegen können. Daß die Engländer einen tiefen Eindruck mit nach Hause genommen haben, weiß die englische Presse zu berichten. Danach hätten sich die britischen Frontkämpfer sowohl davon überzeugt, „daß in Deutschland ein wirklicher Wunsch nach Frieden bestehe und ... die Erziehung der Jugend nicht in einem Geist der Angriffslust durch- gefÄhrt wird, sondern daß die Erziehung die moralische und körperliche Entwicklung bezweckt." Diese Erkenntnis mag all den Kräften entgegengehalten werden, die die Welt noch immer vor dem kriegerischen Geist Deutschlands warnen zu müssen glauben. — Das deutsche Volk begrüßt objektive Urteile und verbindet damit den Wunsch, daß solche Erfahrungen auch der breiteren Weltöffentlichkeit bekannt werden mögen. Die englischen Frontkämpfer werden sich im Interesse des Verhältnisses des englischen zum deutschen Volk im Interesse des Friedens ein Verdienst erwerben, wenn sie ihre Beobachtungen und Feststellungen nicht in der Tiefe ihres Herzens verbergen, sondern allen Widersachern des neuen Deutschland die Wahrheit entgegenhalten und zu ihrem Teil dazu beitragen, daß zwei große Kulturnationen Westeuropas Schrittmacher in eine bessere europäische Zukunft werden.
Nun sind wir ja neugierig, ob die Weltpresse — es ist übrigens immer dieselbe, die von der Greuelhetze gegen Deutschland lebt — sich in derselben grausigen Ausführlichkeit mit den Religionskämpfen in Irland, den blutigen Unruhen in M e x i k o , den wüsten Auseinandersetzungen im argentinischen Senat befaßt, wie sie es tat, als in Berlin am Kurfürstendamm unverschämte Judensprößlinge eine kleine Lektion bekamen. Wer die Berichterstattung der internationalen Greuelpresse über die Vorgänge gegenüberstellt, dem wird wieder klar werden, mit welcher unverbrämten Frechheit hier gegen Deutschland gehetzt wird, gegen das Deutschland, in dem Ruhe und Ordnung herrscht. Nur ganz niedrige Gehässigkeit und Mtd sind die Triebfedern zu der Hetze gegen uns. Dabei müßte doch der Weltpresse, die von Zeit zu Zeit Judenpogrome in Deutschland erfinde: und von schweren Religionskriegen faselt, das Lügengeschäft langweilig werden. Wo schießen sich in Deutschland Menschen gegenseitig tot, wo muß Polizei und Militär die rasende Volksmenge in Schach halten? Bei uns oder in Irland und Schottland? Wo fließt Blut, wo tobt sich der Haß aus in Schießereien und politischen Morden? Bei uns oder in Irland? — Warum stürzt sich die Greuelpresse nicht mal auf Rußland, wo fast täglich Bürger an die Wand gestellt werden, wo die brutalen Unterdrückungsmaßnahmen der Sowjetdiktatoren täglich Ströme von Blut kosten? — Wir haben die Heuchler und Schwindler der jüdischen Hetzpresse des Auslandes längst entlarvt. Es wird Zeit, daß möglichst viele Menschen in der Welt erkennen, wo die ewigen Unruhestifter und Friedensstörer sitzen.
Italien hat sich in den Abessinienkonflikt scheinbar schon derart verrannt, daß es keine Lehren mehr annimmt. Alle Versuche zur Beilegung des Streites lehnt das kriegslustige Italien schroff ab. Selbst Schwierigkeiten im Innern des Landes können die Entwicklung nicht hemmen. Von außen wird die Lira angegriffen, im Innern hemmte die „Goldkette" ihre Bewegungsfreiheit. Man hat die Kette gesprengt und die 40prozentige Golddeckungsvorschrift für die Währung außer Kraft gesetzt. Italien kann jetzt also seine durch den Abessinienkonflikr außerordentlich gestiegene Einfuhr mit Gold oder Devisen (und nach Amerika auch mit Silber) bezahlen. Denn der neue Erlaß gibt die Möglichkeit frei, den Zahlungsmittelumlauf nach Belieben zu vergrößern: die Goldkette bindert ja nicht mehr. — Die Tatsache, daß Italien die Deckungsvorschrift außer Kraft gesetzt hat, bedeutet an sich noch nichts. Italien muß jetzt aber beweisen, daß es eine straffe Führung besitzt und daß seine Bevölkerung unbedingtes Vertrauen zu seiner Führung hat. Eine Devisengesetzgebung, die wirklich lückenlos ist, die auch die Lira möglichst nicht aus den Landesgrenzen gehen läßt, kann es verhindern, daß die Spekulation gefährlich wird. Wo nichts ist und wo auch nichts zu erwarten ist, findet die Spekulation kein Wirkungsfeld vor. Und wenn man dem Italiener den Glauben an seine Regierung und an den Erfolg erhält, dann kommt es wahrhaftig nidu für die Stabilität der Währung darauf an, wie hoch der DeÄnngsprozentsatz ist. Aber es machen sich bedenkliche Anzeichen bemerkbar, die nicht gerade Vertrauensbeweise sind.' Noch ist Italien aus dem Störungsfeuer der internationalen Spekulation nicht heraus. Es muß verdammt auf dem Posten sein, wenn es sich nicht plötzlich Überraschungen gegenübersehen will.
gegangen, öle vte sofortige Einverusung ves ^otrer* bundsrates im Wege des Dringlichkeitsverfahrens beantragt.
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Die Meldung eines amerikanischen Nachrichtenunternehmens, Italien habe seinen Austritt aus dem Völkerbund beschlossen und werde diesen Beschluß durch Staatssekretär S u v i ch den Botschaftern in Rom mitteilen, wurde von autorisierter italienischer Seite nach Form und Inhalt aufs bestimmteste dementiert.