Zulöaer Anzeiger
Bei^"^L^eferungsbehindèulng durch ^Höhere I Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg" breiten Anzeigenspalte oder deân^Raum 4 Pf., in
KöÄtraße'^L ^OlAfis tltld k"^ gewährt, be? 2
>»âtionsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- ^M41W MIIV ^fMmI|1Ä'4W» ÄMIVUwl- 4>1*»VVImU kurs erlischt jeher Anspruch auf Nachlaß. — bach/H Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- „D.A." V. 35. 910. — Zur Zen ist Preis-
tuu, Fulda Königstr 42^ Fernsprecher 2989 - Schristleitung UN- Sefchästsstelle: Könkgstraße 42 ❖ Fernsprecher Nr. 2489 Nummer 3 gültig. - Verantwortlich für den
Perantw für den Inhalt. Bernd Herm, ^ulda. , Anzergenterl Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
.174 — 12. Jahrgang
Fulda, Montag, 29. Juli 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Der Kommunismus eine Wettgefahr!
Ein Aufruf des Gesamlverbandes Deutscher antikommunistischer Vereinigungen. — In Moskau wird die Weltrevolution geschmiedet. — Kommunisten überfallen die „Bremen".
Anläßlich des 7. Weltkongresses der Komintern in Moskau hat der Gesamtverband deutscher antik o m m u n i st i s ch e r Vereinigungen „Anti- tomintern" einen Ausruf erlassen, in dèm es heißt: Die aus dem Weltkongreß der Komintern gehaltenen Reden beweisen eindeutig, daß trotz aller Friedensbeteuerungen Litwinows das Ziel der bolschewistischen Weltrevolution das gleiche geblieben ist.
Seit der Gründung der Kommunistischen Internationale ist der Marxismus nicht mehr eine Ideologie unter vielen anderen oder eine Kathederwissenschaft, sondern eine organisierte Weltmacht, die ihr Ziel, die Weltherrschaft und die Diktatur des Proletariats auf dem ganzen Erdball sowohl durch ihre Sektionen in den verschiedenen Ländern zu erreichen sucht, als auch dadurch, daß sie auf dem bereits eroberten Siebentel der Erdoberfläche, der sogenannten Sowjetunion, und in deren Roter Armee eine gewaltige Waffe des militanten Bolschewismus geschaffen hat.
Man hätte erwarten füllen, daß die Völker mit Schrecken die furchtbare Drohung bemerkt hätten, die sich gegen ihren Bestand gerichtet hat.
Aber es ist erschütternd, zu sehen, wie die Pläne der Komintern nur deshalb immer wieder Erfolge erringen konnten, weil die Welt diese Gefahr nicht erkannte, ja, zum Teil sich zum Schrittmacher Moskaus machte.
Die Hoffnung der gesamten Kulturwelt ist allein aus Deutschland gerichtet.
Unzählige Zeugnisse der Bolschewisten selbst liegen vor, die besagen, daß sie Deutschland als den Schlüsselpunkt der Beltrevolution betrachten und daß die Eroberung
„Die Diktatur des Proletariats
die ideale Lösung".
Kettrevolutionäre Propaganda auf dem kommunistischen Weltkongreß.
* Auf dem siebenten Weltkongreß der Kommunistischen Wernationale in Moskau wurden zwei Sitzungen ab- Mlten, die fast völlig im Zeichen des Rechenschafts- Lichts des deutschen Kommunisten Wilhelm Pieck die Tätigkeit des Vollzugsausschusses der Komintern ™en. Pieck sprach von der
Zunahme der Streikbewegung in aller Welt
M dem Abschluß des sechsten Kongresses vor sieben
Die „gegenkapitalistische" (inzwischen längst zu- Mmengebrochene) Agrarrevolution in China diente Pieck .Öderer Beweis für den Erfolg der Tätigkeit der .Obwohl Pieck unter Hinweis auf Streikbewegungen u'^ebenen Ländern, auf die spanische Revolution, di s bei der englischen Kriegsflotte, den Aufstand holländischen Flotte usw., von einem
Anwachsen der weltrevolutionären Bewegung mu.öto er dennoch mit Bedauern feststellen, daß m diese Tatsachen „sich noch nicht zu einem politi- tottcv geaen den Kapitalismus ausgewachsen â letzten Teil seines Berichts besprach Pieck, wie ..^ amtliche Kongreßbericht einsilbig hervorhebt, „die Aus- Mn d^ weltpolitischen Entwicklung und der Welt- oiutlon". Was der „deutsche" Kommunist über dieses
A !Ve Thema zu sagen hatte, darüber schweigt sich rcünl^ ^.e ^6**^ aus, der an dieser Stelle die welt- 111 n tonäre Propaganda dieser ganzen Veranstaltung llni®u n st e n der außenpolitischen Rücksichten der Sowjet- kder Genfer Tätigkeit des Außen- ^lssars Litwinow zurückgestellt hat.
Monsprogramm der Wellrevoluiion.
iou besonderer Zweckbestimmung veröffentlichte die Telegraphenagentur am Sonntag den „ Bericht des „deutschen" Kommunistenführers Ou«^ H^r die Tätigkeit des kommunistischen Vollzugs- ti V ë auf dem Kominternkongreß am Freitag. ,Hinweis darauf, daß das Verhalten der in Marx", der Sozialdemokraten, an den Miß- gLr™. der Streiks und Aufstandsversuche in Amerika, Holland. Südamerika und anderen Ländern sei, ging Pieck dann auf
ein . Niederlage des deutschen Kommunismus
sprach er in eigener Sache. W i e er die An- behandelte, ist bezeichnend für diese die irr ' . pon der sicheren Moskauer Perspektive aus auch „Leiteten und verführten deutschen Arbeiter jetzt Mn rüffeln, weil sie sich haben „von dem Nationalismus übertölpeln lassen". Und
Deutschlands mit dem Sieg des Weltbolschewismus identisch sei. Im zähen Kampf desdeutschen Volkes mildemJudomarxis- mu s ist unter furchtbaren Opfern dieser Angriff der Kommunistischen Internationale abgewiesen worden. Der Sieg Adolf Hitlers und seiner Bewegung bedeutet das Ende der Versuche, Deutschland und damit Zentraleuropa zu bolschewisieren.
Die Welt beginnt zu erkennen, daß der tödliche Angriff des Bvlschewismus gegen das nationalsozialistische Deutschland, das das stärkste Bollwerk darstellt, sich auch gegen alle anderen Völker und Nationen richtet.
Als die „Antikomintern" die Umsturzpläne der deutschen Sektion der Kommunistischen Internationale in dem Buch „Bewaffneter Aufstand" der Welt zur Kenntnis brachte, wies sie bereits darauf hin, daß die verantwortungsbewußten Kräfte und Bewegungen aller Völker sich zusammenschließen müßten, um eine
gemeinsame Abwchrfront gegen die kommunistische Internationale
zu bilden. Der neueWeltkongreß beweist mit größerer Eindringlichkeit denn je die Notwendigkeit, diese Forderung zu verwirklichen. Was auch die Männer und Kräfte in allen Ländern zu trennen und zu entzweien vermag, eines ist ein sittliches Gebot und zugleich eine Forderung des Selbsterhaltungstriebes für die Nationen und Religionen: der Zusammenschluß zur Abwehr des gemeinsamen Weltfeindes, der Kommunistischen Internationale. Gemeinsamer Kampf dem gemeinsamen Feind, das ist das Gebot der Stunde!
heute gibt Pieck auch das Rezept, wie die — nach seinen eigenen Worten — eingetretene Vernichtung der deutschen Kommunisten hätte verhindert werden können:
Notfront hätte sich m i t dem Reichsbanner vereinigen sollen. Denn „die Kommunisten allein sind leider zu schwach gewesen, um die Katastrophe zu verhindern".
Von 67 kommunistischen Parteien in der Welt seien heute nur 22 legal oder halblegal, während man in den anderen Ländern also die staatszerstörende Tätigkeit der Kommunisten rechtzeitig erkannt bat.
Jedoch — und hier kommt in dem Rechenschaftsbericht Piecks die „tröstliche" Note, die der Leitstern seiner ganzen Rede ist —
„die Sowjetunion, wo inzwischen die Erfüllung des Fünfjahresplanes fortschreitet, ist die Grundlage und das Bollwerk der Weltrevolution. Sie stärkt die Proletarier in der ganzen Welt in ihrem Kampf für
die Bildung von Räteregierungen",
so daß Pieck überall die „Tendenz des schnellen Heranreisens der revolutionären Krise" feststellen zu können glaubt. Der beste Beweis hierfür ist für Pieck Frankreich. Die Praxis der französischen Kommunisten habe aller Welt gezeigt, wie der Bolschewismus kämpfen und siegen könne, und
die Einhüttssront in Frankreich sei einer der größten Erfolge der weltrevolutionären Idee.
Es klingt als offene Drohung an die Regierung Laval (mit der Sowjetrußland einen Frenndschaftsvertrag abgeschlossen hat), wenn Pieck sagt: „Die Lage in Frankreich hat sich so z u g e s p i tz t, daß von der weiteren Aknpität der Massen jetzt das Schicksal der Dritten Republik abhängt."
Im letzten Teil seiner Rede ging Pieck auf die Schlußfolgerungen ein, die sich für die Komintern aus der gegenwärtigen Weltlage ergeben.
Die Diktatur des Proletariats nach dem Muster der Sowjetunion müsse überall als die ideale Lösung hingcstellt werden.
Die Klassengegensätze müßten „erklärt", d. h. geschürt werden. Das beste wäre schon, so meinte der Redner, ipenn die Bildung einer einigen kommunistischen Partei sich ermöglichen ließe. An die Verwirklichung dieses Wunsches glaubt er aber selbst nicht; deshalb schlägt er in seinem Schlußwort vor, daß der „wachsenden Revolutionierung der Werktätigen durch die ständigen Hinweise auf die Macht der Sowjetunion nachgeholfen" werden solle. Denn ein auf diese Weise errungener Sieg werde die Arbeiter dem Kommunismus zuführen.
Dieses Aktionsprogramm der Weltrevolution wurde vom Kongreß eifrig beklatscht.
*
Moskau reißt die Maske ab.
Ein Wort zu dem Kriegsgeheul auf dem 7. Kongreß der Kommunistischen Internationale in Moskau.
Der Bolschewismus hat sich auf dem 7. Kongreß der Kommunistischen Internationale in Moskau in seiner ganzen Brutalität und Zielklarheit, in einer Weise gezeigt, daß die Regierungen aller Staaten aufmerksam werden mußten und innehalten sollten in einer Politik, die das Sowjetparadies zum Verbündeten für eine allgemeine Friedenspolitik machen möchte.
Deutschland mischt sich nicht in die innerpolitischcn Angelegenheiten eines fremden Landes. Wenn aber vom Kreml die Parolen für die Durchführung des Bürgerkrieges in anderen Staaten ausgegeben werden, dann machen sich die roten Gewalthaber Moskaus einer unerhörten Einmischung in die Angelegenheiten fremder Staaten schuldig. Wenn die Führer des Weltkommunismus die von ihnen einst blutig bekämpfte Bourgeoisie schützend in den Kampf um die Erringung ihrer revolutionären Ziele einsetzen wollen, wenn weiter diese terroristischen Gewalthaber den politischen Katholizismus sich für ihre Zwecke d i e n st b a r machen wollen, wenn die roten Diktatoren auf der Scheide zwischen Asien und Europa Männer zu Ehrenvorsitzenden bestellen, die in andern Staaten wegen umstürzlerischer Verbrechen hinter Schloß und Riegel gehalten werden (s. Thälmann), dann sind das politische Bestrebungen, die die Welt als eine Warnung beachten muß.
Die Vertreter der Komintern, die sich aus zahlreichen Staaten gegenwärtig in Moskau ein Stelldichein geben, bezeichnen ihre Zusammenkunft stolz als den „Generalstab der Weltrevolution". Rücksichtslos geben sie damit zu verstehen, daß ihnen Friedens- oder Völkerbundspolitik nichts bedeutet, sondern vielmehr vo ihnen mißbraucht wird, um die eigenen anarchistischen Pläne zur Durchführung bringen zu können. Bitterster und blutigster Hohn auf die Bemühungen aller Staatsmänner der Welt ist die Antwort, die der Moskauer Kongreß unzweideutig gibt.
Sowjetrußland ist mit allen Ehren in die Gemeinschaft des Völkerbundes ausgenommen worden. Man hat Freundschaftsreden gehalten, die sich in Liebenswürdigkeiten überstürzten. Man hat Bankette gegeben und Trinksprüche ausgebracht. Man hat mit den Vertretern einer zersetzenden und zerstörenden Weltanschauung Militär- und Kulturbündnisse geschlossen. Grinsend überreicht jetzt der Kommunismus seine Quittung dafür. Nach dieser Kampfansage an die Welt wird der Außenkommissar der Sowjetunion nach Genf fahren, dort die Präsidentschaft der Tagung übernehmen und als ein formvollendeter Staatsmann im bürgerlichen Gewand Friedensreden halten.
Der siebente Kongreß der Komintern sollte den Politikern in Genf endlich die Augen geöffnet und zum Bewußtsein gebracht haben, was für einen hervorragenden Mitarbeiter sie sich durch die Hereinnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund herangezüchtet haben. Heute werden weltrevolutionäre Reden in Moskau gescbwun- gen, und morgen spielen die galanten Vertreter dieses Staates in noch formvollendeterer Weise die Friedensrichter in Genf.
Man hat in den europäischen Regierungsstädten soviel von Einmischungspolitik, von Unabhängigkeit, von kollektiver Sicherheit, von Unteilbarkeit des Friedens, von der Einigkeit von Verträgen und Abmachungen uni dergleichen mehr gesprochen. Man beruft sich sogar im. wieder auf alle möglichen Papiere und Dokumente und
Wie der Kommunismus den sowjetruffich- französischen Vertrag auffaßt.
Am dritten Tag der kommunistischen Kongreßtagung wurde die Aussprache über den Rechenschaftsbericht Piecks eröffnet. In zwei Sitzungen sprachen u. a. Vertreter der holländischen, englischen, polnischen, amerikanischen und französischen kommunistischen Parteien. Ein holländischer Kommunistenführer erklärte, die revolutionäre Bewegung sei in Holland in den letzten Jahren ständig gewachsen. Ein Vertreter der Kommunisten in Amerika rühmte besonders das Anwachsen der Streikbewegungen. Besonderes Interesse verdient das Auftreten des französischen Kommunistenführers C a ch i n. Er ging auf die Vorgeschichte der in Frankreich gebildeten Einheitsfront der Liukkn ein und erklärte, der französisch-sowjctrussische Vertrag sei auch von den Kommunisten Frankreichs begrüßt worden. Er übe auf die Proletarier eine große Anziehungskraft aus.
„Wir haben", so sagte Cachin, „zu unseren Versammlungen noch niemals s o großen Z u l a u f gehabt wie nach bem Abschluß dieses Vertrages und nachdem wir den Massen seine Bedeutung klargemacht haben." Die französischen Arbeiter richteten heute ihre Blicke nach Moskau und dankten Stalin, daß er diesen Vertrag abgeschlossen habe.