Einzelbild herunterladen
 

«rtAeint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis, monatlich 1,70 RM. «ei Liefcrungsbehinderung durchHöhere ®e= wâlt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried, rich Ehrenklau, Fulda, Königsiraße 42. Aotationsoruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bachtz. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren« klau Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. Herontw für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.

Anzeigenpreis 1 mm Höhe in der 46 mn breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., in Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlatz nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlatz. D.A." V. 35. 910. Zur Zeir ist Preis­liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Tageblatt für Rhön und Vogelsbergs Zulöa- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

Schristleitung und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Fernsprecher Nr. 2989

. 177 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 1. Augnst 1935

âl

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Spannung in Genf.

Völkerbundsrat zur Schlichtung des Abessinienkonflikts zusammengetreten.

Seit Mittwoch vormittag herrscht in d^x Völler- bndsstadt Grus wieder reges Leben. Der Völkerbunds- tdt hat seine mit so viel Spannung und Hoffnung er- Wltcte Tagung ausgenommen, die den drohenden Krieg zwischen Italien und Abessinien in elfter Stunde ver­hindern soll. Das Thema ist sehr heikel für den Völker­bund, denn er hat wieder einmal Gelegenheit, zu be­weisen, ob er Macht hat oder ob er nur èin Scheinleben führt.

Wie immer gehen den Hauptverhandlungen diplomatische Vorgefechte

sotauS. Der italienische Delegierte Baron Aloisi hatte eine längere Unterredung mit dem französischen Minister- pWmten Laval, der darauf mit dem englischen Minister Eden zusammentraf. Eden sprach dann mit dein abessinischen Vertreter Hawariate und dem Generalsekretär des Völkerbundes. Schließlich fand eine Zusammenkunft zwischen Eden und Aloisi statt.

In der englischen Presse wird zu der Völker­bundsratstagung zum Ausdruck gebracht, daß bei den Be­sprechungen zwischen Eden und Laval zwischen dem eng­lischen und dem französischen Standpunkt eine weitgehende Übereinstimmung erzielt worden sei und daß sich jetzt viel­leicht doch eine Möglichkeit biete, aus derschwierigsten Lage seit 1914" einen friedlichen Ausweg zu finden. Die englischen Zeitungen setzen dabei ihre Hoffnung auf die persönlichen Aussprachen" in Genf und vermuten, daß sich Italien und Abessinien zu einer Lösung bereit erklären mürben, bei der

Abessinien unter gemeinsames Mandat des Völker­bundes gestellt

werde, etwa entsprechend dem Freistaat Danzig. Abessinien würde dabei seine volle Souveränität be­halten und militärische und finanzielle Unterstützung zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung seines Landes genießen, während Italien neben gebietlichen Zu­geständnissen die Gewähr für eine friedliche Nachbarschaft ohne weitere Grenzzwischenfälle erhielte und außerdem seine Handelsbeziehungen nach Abessinien entsprechend seinen Wünschen ausbauen könnte. Man nimmt an, daß Abessinien mit dieser Lösung einverstanden sein foerbe, während Italiens Haltung noch nicht klar sei.

Daily Telegraph" zufolge hat Italien in London Erkundigungen einziehen lassen, die sich aus Gewährung Mer Handelskredite beziehen. Man glaube aber nicht, daß die Anfragen Erfolg haben würden. Die Londoner Manzhäuser erblickten gegenwärtig nichts Anziehendes w der Gewährung solcher Kredite, zumal sie möglicher- Mlse direkt oder indirekt für Kriegszwecke Verwendung Mden könnten.

*

Schon die erste Vertagung.

Lesfentlichr Ratssitzung am Donnerstag?

Genf, 1. August.

Völkerbundsrat hat in seiner nichtöffentlichen beschlossen, am Donnerstag nachmittag 17 Uhr zusammenzutreten. In der Zwischenzeit sollen di« "Mittelbar interessierten Mächte, das heißt die Größ­te, zusammen mit Abessinien eine Formel über die Dingungen der Fortsetzung des Schiedsge- Mt«; und des Schlichtungsverfahrens finden.

JM^r Mittwoch-Sitzung sprachen der Vertreter Abes- ^vs, Prof. I è z e, Mid sodann der Vertreter Italiens J Englands, die sich alle hauptsächlich mit dem Schlich­es- und Schiedsverfahren beschäftigten. Die Vertagung Q auf Antrag des französischen Ministerpräsidenten ^al, nachdem der Ratspräsident Litwinoff festgestelli L daß die Verhandlungen des Völkerbundsrates le- Ä durch den Pakt beschränkt seien.

iw diesen Bemühungen um eine formelle Lösung "Rahmen des Völkerbundes geht die Suche nach einer f^^llen Verständigungsgrundlage einher, wobei wie- W^ an das Dreimächteabkommen von 1906 gedacht

6i kWW-tranzöMer GntlMieBungsentwutl Genf, 1. August

^ englisch-französischen Besprechungen, die sich Atzung des Völkerbundsrates anschlossen, ist, wie ^auiet, eine Einigung der beiden Mächte über ge- fJ Grundlinien eines E n t s ch li e ß u n g se n t w u r - worden, der die Regelung des italienisch-abessi- ^^tsailes in die Wege leiten soll. Die Haupt- eRh, .dieses in Aussicht genommenen Entschließungs- sind folgende:

E^li^^ung der Möglichkeit einer neuen Tagung des 2 ^"Ngs- und Schiedsausschuf s es;

abch^-^linahme auf die allgemeine Frage der italienisch- reij, ", Beziehungen, wobei sich England, Frank- ^itbhn â^en verpflichten sollen, unverzüglich Ver­den, über den Kern der Frage aufzunehmen, mit ^ zum 25. August eine Einigung herbeizu- ir«j^dstichtung Italiens zum Verzicht auf Ge- °ir>vendung.

Der letztgenannte Punkt soll allerdings zwischen Eng­land und Frankreich noch nicht völlig geklärt sein, ganz abgesehen davon, daß Italien Einwendungen gegen eine unbefristete Verpflichtung erhebt.

Abeffmien unnachgiebig

Addis Abeba, 1. August.

.Die Abessinische Völkerbundsabordnung in Genf erhielt die Anweisung, von den ihr gegebenen Instruktionen nicht a b z u w e i ch e n. Diese Anweisungen böten bei etwas gutem Willen Italiens noch die Möglichkeit zu einer friedlichen Lösung. Falls Italien die Konferenz verlassen sollte, wird die abessinische Abordnung in Genf bleiben und dann neue Anweisungen erhalten.

Kaiser von Abessinien ruft Freiwillige aus.

Während in Genf die Großmächte auf der Abessinientagung des Völkerbundsrates bemüht find, den Konflikt Italiens mit Abessinien in ein friedliches Fahr­wasser zu leiten, besagen die M e l d u n g e u a u s R o m, daß neue italienische Truppen- und Ärbeitertransporte sortlaufend nach Afrika unterwegs sind. Aus Addis Abeba wird berichtet, daß der Kaiser von Abessinien, zugleich oberster Heerführer seines Volkes, mit seinen militärischen Beratern zu der Ansicht ge­kommen sei, daß Italien, das jetzt sechs Divisionen an den Grenzen Abessiniens zusammengezogen habe, mit seinem Angriff nur noch einige Wochen warten werde. Daher hätten in ganz Abessinien die Kriegsvor­bereitungen begonnen.

Man rechnet damit, daß der Negus eine Armee von über eine Million Mann ins Feld führen könne, sobald es zum Kriege komme. Europäer aus Süd­afrika, alte Kolon-alkämpser würden als Offiziere für die abessinische Armee angeworben. Wenn man sich über die Haltung der Großmächte auch nicht im klaren sei, so halte man es doch für eine Tatsache, daß Italien infolge seiner Vorbereitungen nicht mehr zurück könne.

Der Kaiser von Abessinien hat seinen Kapstadter Ver­treter beauftragt, alle Europäer, die sich freiwillig zum Dienst in den abessinischen Streitkräften gemeldet haben, so schnell wie möglich nach Addis Abeba auf den Weg zu bringen. Die Europäer werden auf Kosten der abessinischen Regierung ausgerüstet und auf dem Luftwege nach Addis Abeba befördert. Die Kosten für jeden einzelnen dieser Europäer belaufen sich auf etwa 200 Pfund.

Gedenken an den Sieger von Tannenberg.

Im Tannenberg Nationaldenkmal sind alle Vor­bereitungen getroffen, um den Todestag des verewigten Siegers von Tannenberg am 2. August würdig zu be­gehen. Eine Ehrenwache des Kyffhäuser­bundes hat bereits am Sarge ihres unvergeßlichen Schirmherr» Posten bezogen. An den beiden Fahnen­masten vor dem Eingang des Denkmals werden die Fahnen des Reiches auf Halbmast wehen, und die Gruft im Hindcuburgturm wird reich mit Blumen, Tannen- und Eichengrün ausgeschmückt. Zahlreiche Vereine und Organisationen, Vertreter von Partei und Staat werden in der Gruft Kränze niederlegen, und Tausende von Be­suchern werden in stiller Andacht des großen Toten am Grabe gedenken.

In der R e i ch s h a u p l st a d t wird die Hindenburg- Gedächtnisausstellung im Zeughaus am Todestag des alten Recken den Besuchern zugänglich gemacht. Sie wird noch einmal die Erinnerung an den gewaltigen Sieg bei Tannenberg wachrufen. Der Reichsverband Deut­scher Offiziere wird an der von ihm gestifteten Hindenbnrgbüste im Andenkenraum des Zeughauses einen Kranz niederlegen, und die Kameraden vom 3. Garderegime nl, dem Regiment Hindenburgs, werden ebenfalls durch Kranzniederlegungen das An­denken des großen Toten ehren.

Halbmast am Todestage.

Der Reichs- und preußische Mini st er des Innern gibt folgendes bekannt: Auf Anordnung des Führers und Reichskanzlers setzen aus Anlaß des Todes­tages des Reichspräsidenten Generalfeldmarschalls von Hindenburg am Freitag, dem 2. August d. I., alle st a a t 1 i ch e n und kommunalen Verwaltun­gen, Anstalten und Betriebe, die sonstigen Körper­schaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts sowie die öffentlichen Schulen die Flaggen auf H a l b m a st.

Hindenburg-Gedenken beim Reichsheer.

Appelle in allen Standorten.

Aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages des ver­ewigten Reichspräsidenten und Generalseldmarschaüs von Hindenburg werden a m 2. A u g u st in allen Standorten Appelle und Gedenkfeiern nach näherer Anordnung aller örtlichen Befehlsstellen stattfinden Außerdem wird der

Kleine Randbemerkungen.

50 000 dänische Bauern marschierten in Kopenhagen auf dem Schloßplatz auf, um durch diese Massenkundgebung der Forderung auf Beseitigung der Notlage des Bauerntums energisch Nachdruck zu ver­schaffen. Das Deutschland vor 1933 hat ähnliche Demonstrationen erlebt, als die schwarze Bauernfahne vorangelragen wurde und Menschen in ihrer wirtschaft­lichen Verzweiflung keinen anderen Ausweg mehr wuß­ten, als sich mit Mitteln der Gewalt der Not entgegenzu­stemmen. Ein System, das deutsches Bauerntum dem Untergang entgegentrieb, das rücksichtslos aus dem deut­schen Bauern Steuern herauspreßte, ohne für seine Existenz etwas zu tun, war schuld an diesen Verzweif­lungstaten von Menschen, die ihrer Natur nach schwer­blütig sind. Schleswig-Holstein, das deutsche Land, in dem die schwarze Bauernfahne zuerst umging, in dem es zu den schärfsten Zusammenstößen zwischen den Bauern und dem Novembersystem gekommen war, grenzt an Dänemark. Die Lage des Bauerntums ist dort in vieler Hinsicht nicht unähnlich. Demonstrativer kann die Hetzarbeit der Gegner des neuen Deutschlands nicht zurückgewiesen werden, wenn in Kopenhagen 50 000 durch die Not erregte Bauern aufmarschierer^ in Schleswig- Holstein aber, wie in ganz Deutschland, in kürzester Frist durch die Aufbauarbeit Adolf Hitlers eine gesunde Grundlage für den Nährstand der deutschen Nation ge­schaffen wurde. Der dänische Ministerpräsident Stan- ning hat die Forderungen der Bauern abgelehnt. Er ist ein alter Marxist, und als solcher opfert er die Bauern unerbittlich, genau so also, wie es einst unsere System­bonzen taten.

*

DieFeldherren der W e l 1 r e v o l u t i o n", Ivie sich die Leiter der ausländischen Sektionen der Komintern gern nennen lassen, sitzen immer noch in Mos­kau zusammen, um den Vormarsch des Kommunismus zu organisieren und sich über den Stand des Weltkommu­nismus ein Bild zu machen. Im Mittelpunkt der Aus­sprache steht die LosungEinheitsfront der kämpfenden Proletarier". Wenn man die Heeresberichte" der Vertreter aus allen Ecken und Enden der Welt hört, bekommt man eine Vorstelluug von dem Fortschreiten der roten Seuche. Das Interessanteste da­bei ist aber, daß man als Vorbild für die erstrebte Einheitsfront" Frankreich hinstellt, jenes Frankreich, dessen Staatsmänner ganz närrisch danach waren, sich Sowjetrußland als Bundesgenossen zu sichern. Nun, wir müssen es den Verantwortlichen an der Seine selbst überlassen, welche Früchte sie aus dieser Saat ernten. Der 14. Juli hat wohl manchem in Paris die Augen dar­über geöffnet, was dieser unnatürliche Bund bereits nach wenigen Monaten eingebrachi hat. Der Kommunismus betrachtet die Schlacht in Frankreich bereits als ge­wonnen. Die Einheitsfront der Roten hat um die fran­zösische Hauvtstadt eine feste Schlinae aeleat. die sie je

Kommarrdierende General des I. Armeekorps und Be­fehlshaber im Wehrkreis I a m Sarkophag im Tannenbergdenkmal unter Beteiligung einer Ehrenwache je einen Kranz des Führers und Reichskanzlers und der Wehrmacht niederlegten.

Der R e i ch s k r i e g s m i n i st e r hat hierzu folgenden Erlaß herausgegeben:

Am 2. August 1935 sind in allen Standorten Appelle abzuhalten. Die Ansgestaltung der Feiern bleibt den örtlichen Befehlshabern überlassen.

Der Kommandierende General des 1. Armeekorps und Befehlshaber im Wehrkreis I legt am Sarkophag im T a n n e n b e r gd enkm a l je einen Kranz des Führers und Reichskanzlers und der Wehrmacht nieder.

Am Tannenbergdenkmal ist von 8 bis 20 Uhr eine Ehrenwache in Stärke eines Zuges unter Führung eines Offiziers zu stellen, Doppelposten am Sarkophag vor dem Marschallturm und vor dem Haupteingang.

Kennwort am 2. August 1935 für die gesamte Wehrmacht:H i n d e n b u r g"

Die Dienstgebäude flaggen h a l b m a st. Schiffe der Kriegsmarine legen einfache «Flaggentrauer an.

Weriogene Bmchterßattung

Berlin, 1. August.

Ein Teil der ausländischen Presse, der systematisch un­wahre Nachrichten über Deutschland verbreitet in der Absicht, von den Ereignissen im eigenen Lande ab» zulenken, hat sich durch eine Lügennachricht desWiener Telegraph" besonders böse hereinlegen lassen. Nach dieser Meldung soll am Mittwoch der Reichsstatthalter Kaufs­mann in Hamburg erschossen worden sein. Die Nachricht hat. wie üblich, ohne jede Nachprüfung ihren Weg in das übrige Ausland genommen. Dabei hat sich in Ham­burg nicht der geringste Vorfall ereignet, der als Aus- gangspuukt zu einem derartigen Gerücht hätte dienen können. Es liegt hier ein neuer Beweis vor für die ver­logene Berichter st attung eines Teiles der Aus­landspresse, die aus durchsichtigen Gründen jedes noch so unsinnige Gerücht aufgreift, von dem man atznehmen könnte, daß es Deutschland schadet