Zulöaer Anzeiger
,rM,Éint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Annina" Bezugspreis, monatlich 1,70 RM. Lreferungsbehinderung durch „Höhere Ee- t" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedlich Ehren kl au, Fulda, Königstraße 42. ,Va,ationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- ^nch-H Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- klau Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. — ^erantiD. sur den Inhalt: Bernd Heim Fulda.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Zulüa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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9ir. 181 — 12. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 6. August 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
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Basaltwand begräbt 39 Arbeiter.
Furchtbares Unglück in einem schlesischen Werk.
Das Basaltschotter und Edelsplitwcrk Taschenhos vci G o l d b e r g in Schlesien ist von einem schweren Uh Mâ betroffen worden. In dem Basaltbruch an» Kahlen Berg kam aus bisher noch ungeklärter Ursache cjnc Gesteinswand ins Rutschen und stürzte aus die g„ dieser Stelle beschäftigten Arbeiter. Sämtliche 39 Arbeiter wurden von den Gesteinsmassen verschüttet. Sanitätsmannschasten und Feuerwehren der Umgegend begannen unverzüglich mit den Rettungsarbeiten. Die zahl der Schwerverletzten beträgt 29. Vier Arbeiter wurden tot geborgen. Weitere sechs konnten bis zum Montagnachmittag aus den Steintrümmern noch nicht geborgen werden.
Das Werk Taschenhof hat eine Belegschaft von mehr als 200 Mann. Montag vormittag waren 39 Arbeiter mit dem Herausbrechen von größeren Basalttafeln beschäftigt. Der größte Teil der Arbeiter stand unten an der Sohle des Bruchs, während einige weiter oben das Gestein locker machten. Plötzlich klaffte ein gewaltiger Riß, und eine viele hundert Zentner schwere Gesteinswand löste sich ab, kam ins Rutschen rmd stürzte vornüber. Die an der Sohle stehenden Arbeiter wurden durch einen Hagel von Gesteinsbrocken zugedeckt und verschüttet.
Sic Unglücksstätte bot einen trostlosen Anblick. Durch den Krach der niederstürzenden Gesteinswand aufmerksam gemacht, kamen andere Arbeiter ihren verschütteten Kameraden zu Hilfe, und es gelang ihnen, einige nur teilweise von den Gesteinsmassen bedeckten Verwundeten zu bergen. Bei den übrigen waren aber
Truppen-Aufmärsche inDstafrika
gehen weiter
Wie sich Rom den abessinischen Krieg denkt. Japanische Waffenlieferungen für Abessinien
Während die e n g l i s ch e und französische Presse über den Ausgang der Genfer Verhandlungen des Völkerbundsrats nicht sehr erbaut ist, geht die italienische Presse kaum auf die „Entscheidung" des Völkerbundsrats im Abessinienkonflikt ein. Die Zeitung „Popolo di Roma" schreibt: Die allgemeine Frage der abessinisch-italienischen Beziehungen fei nach dem Willen Italiens von jeder Erörterung durch den Völkerbund ausgeschlossen. Italien behalte völlig freie Hand bei >eder etwaigen kommenden Verhandlung vor dem Völkerbund.
Eine französische Zeitung will aus Rom erfahren haben, daß der
italienische Kriegsplan gegen Abessinien solgendermaßen sei: Fünf italienische Abtei- lu n g e n würden von Italienisch-Somali in die Provinz s-gaden vordringen und dabei dem Lails von fünf Flüssen solgen. Sie hätten etwa 500 Kilometer nach Addis Abeba Mückzulegen, wo sie auf e t w g 2 0 0 0 O.A bessinier Ater dem Oberbefehl von Nassibu stoßen würden. Drei ^alienische Abteilungen würden von Assab 111 Eritrea aus den fünf anderen entgegenmarschieren lmd dabei die Wüste von Dankali zu durchqueren haben, - wo das Thermometer bis aufetwa45bis50Grad olsius steigt. Der abessinischeThronfolger werde sich ihnen an der Spitze von 40 QOO Mann auf den hohen von Wolla entgegenstellen. Die wirklichen Militär» Mn Open Honen würden sich i m Norden von c f f t n i e n abspielen, wo eine starke ita- uenische Armee die weiten Flächen von Wolquit Mchqueren werde, um gegen Gondar vorzustoßen. Hier wurde sich eine abessinische S t r e i t m a ch t von etwa 7 0 000 M aNN unter dem Oberbefehl des Kasa entgegenstellen. — Neue italienische ^Antransporte nach den ostafrikanischen Kolonien sind
denen ^ ^0111 Archen Meldungen verbreitet, nach
bei Harrar im Innern Abessiniens gelegene franzö- Igche Missionsstation Dubbo von bewaffneten Abessi Niern geplündert und in Brand gesteckt
spiest sei. Zwei weitere französische Missionsstationen N.?benfalls heftigen abessinischen Angriffen ausgesetzt
. Diese Nachrichten sollen große Aufregung und p ' ^uhigung in Rom hervorgerufen haben.
Scopel sind wieder italienische Dampf.-r mit re v Mauken Arbeitern und Soldaten » Ea und Solnaliland eingetroffen. Die Stille der Kram, .^ benutzt, um die sehr elend ausseheuden in die Hospitäler von Neapel und Umgegend zu inD^'An 3000 Tropenkranke sind allein " Aoche nach Italien zurückgekehrt.
>s R o m wird ferner berichtet, daß ein
im ist ^^er Ausbau der italienischen Flotte großen^JeL Die italienische Flotte sei zum Heu m diesem Jahr völlig neuorgani- So durch Neue Schiffseinheiten ergänzt worden. st»b«u Kreuzer von je 10000 Tonnen
mit den vorhandenen geringen tpuismnieui j c u v Mühevergeblich. Nach und nach wurden insgesamt 33 Verschüttete freigelegt und weggeschafft, bei vieren von ihnen kam jede Hilfe zu spät; sie waren ihren schweren Verletzungen bereits erlegen.
Am Montagabend ist ein weiterer Schwerverletzter seinen Verletzungen erlegen. Von einem Verschütteten hörte man bis in die späten Nachmiltagsstunden noch Lebenszeichen. Die Rettungsarbeiten werden unter Beteiligung des Arbeitsdienstes fortgesetzt.
Schwere Expiosisn
in einer Verbandsstoff-Faörik.
In der Kaiserslauterer Verbandsstoff-Fabrik Emil Bender ereignete sich in? Zubereitungsraum eine Explosion. Der Raum, in dem etwa 10 Mädchen mit der Herstellung von Kautschuk-Pflaster beschäftigt waren, bildete alsbald ein einziges Flammenmeer. Acht Mädchen wurden schwer verletzt. Drei von ihnen erlagen ihren Verletzungen. Ein Mädchen hat bei dem Sturz aus dem Fenster des brennenden Arbeitsraumes einen Wirbelsäulenbruch davongetragen. Drei weitere Mädchen sind mit einem «Nervenschock davongekommen.
Im Laufe des Vormittags traf Gauleiter B u e r ck e l in Kaiserslautern ein, um den Verletzten im Krankenhaus einen Besuch abzustatten.
sertiggestellt worden, ferner eine A n zabl neue r Kreuzer von 5000 bis 8000 Tonnen, die bald auf zwölf Stück ergänzt werden sollen. 16 moderne Zer - st ö r e r, ein starkes Kontingent von U-Booten und zahlreiche Torpedoboote seien eingestellt worden. Ferner sind zweiGroßkampfschiffe von je 35 000 Tonnen, „Vittorio" und „Benito", in Bau, die uach ihrer Fertigstellung in etwa zwei Jahren zu den mächtigsten Kampsschiffen der Welt gehören werden. Zwei bisher in Dienst befindliche Großkampfschifse, „Cavour" und „Iulius Cäsar", werden nach völliger Erneuerung im nächsten Jahre wieder gebrauchsfertig sein. Außerdem kommen noch die zehn U-Boote hinzu, die entsprechend dem letzten Mobilmachungskommunique auf Stapel gelegt wurden.
Abessinien hosft auf den Völkerbund.
Wie aus' Addis Abeba verlautet, werde die abessinische Regierung voraussichtlich die Vorschläge des Völkerbundsrates im italienisch-abessinischen Streit annehmen. Abessinien sehe es dabei jedoch als selbstverständlich an, daß der V ö l k e r b u n d s r a t_ a m 4. September nicht nur die Beziehungen zwischen Italien und Abessinien einer allgemeinen Prüfung unterzieht, sondern eine endgültige Entscheidung in dem Streitfall fällt.
Die Truppenbewegungen der Avesstmer naa) vor Nordgrenze dauern an.
In den letzten drei Tagen zogen etwa 6000 Mann durch Addis Abeba. Nach einem Bericht der Londoner Zeitung „Times", aus Addis Abeba sei dort der Bericht des abessinischen Vertreters in Genf, Professor I e z e, ein- getroffen. Er habe wesentlich zu einer ruhigeren Auffassung der Lage beigetragen. Der Kaiser habe einen Sendboten an die in der Umgebung von Addis Abeba lagernden 60 000 Wallamo und Kontakrieger geschickt und ihnen sagen lassen, sie sollten nicht in die Hauptstadt cin- marschieren, da der Kaiser mit Rücksicht auf den Völkerbund keine kriegerischen Kundgebunge.n wünsche.
Der abessinische Gesandte in P a r i s erklärte, daß Abessinien den Vertrag von 1906 nicht anerkannt habe und sich deshalb jeder Maßnahme fernhalte, die sich auf diesen Vertrag aufbaue. Abessinien, das sich mit der Mitgliedschaft beim Völkerbund begnüge, ignoriere den Vertrag von 1 906.
Einer M eldung aus Addis A b c b a zufolge soll die abessinische Regierung einen Vertrag mit Japan unterzeichnet haben, nach dem Japan „eine sehr große Menge Waffen und Munition" zur Beschleunigung der Modernisierung der abessinischen Armee liefern soll. Auch feien Vorbereitungen für die Entscndu n g einer japanischen Militär- u u d H andel s- miißiou nach Abei innen nabezu abaekchlollen.
Im Außenmlntstertum von A d o i s Abeba treffen täglich hunderte von Angeboten Freiwilliger aus allen Ländern und von allen Rassen ein. Insbesondere sind es Offiziere. Bis Montag lagen fünftausend Anträge vor, ungerechnet diejenigen bei den einzelnen Konsulaten im Ausland.
Was ist Volksverrat?
15 Leitsätze des Staatssekretärs Freisler.
Das bisherige Strafrecht kannte nur Verbrechen gegen den Staat, nicht aber gegen das Volk als solches. Deshalb waren im Strafgesetzbuch die Verbrechen des Hoch- und Landesverrates unter Strafe gestellt, während es einen Tatbestand des Volksverrats überhaupt nicht gab. Da für den Nationalsozialismus der Staat nur als Lebensform des Volkes gilt, das Volk selbst also den höchsten Wert bedeutet, müssen im kommenden Strafgesetzbuch die Tatbestände des Hoch- und Landesverrats eine innere Wandlung erfahren, indem sie in den umfassenderen Tatbestand des Volksverrats eingehen.
Mit den hier entstehenden Problemen setzt sich Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Roland Freisler im neuesten Heft der Deutschen Juristen- Zeitung auseinander und gibt damit zugleich einen Einblick in die Arbeiten der Strafrechtskommission, deren Vorsitz Staatssekretär Dr. Freisler innehat.
Für den Aufbau und die Ausgestaltung des Volksverrats im kommenden Strafrecht stelll Staatssekretär Freisler u. a. folgende Forderungen auf:
„Nur wer untreu handelt, also nur derjenige, den eine Treu Pflicht mit dem deutschenVolk verbindet, kann das Verbrechen des Volksverrats begehen. Täter kann also in jedem Falle nur der Deutsche sein. Dabei ergibt sich die Notwendigkeit, trotz der durch die nationalsozialistische Betrachtung weltanschaulich gegebenen Selbstverständlichkeit, den Deutschen nach seiner Blutszusammengehörigkeit zu bestimmen, den Begriff des Deutschen hier noch formal zu umreißen, aus Erwägungen, die außerhalb der strafrechtlichen Betrachtung liegen. Deutscher im Sinne dieser Bestimmungen kann nur und muß jeder sein, der zur Zeit der Tat Reichs- angehöriger ist. Auch die Ausländertat muß unter schwere Strafdrohung gestellt, sie kann aber nicht als Volksverrat gestempelt werden, da der Ausländer nicht durch die Treue, sondern durch das G a st recht mit dem deutschen Volke verbunden ist."
Die Charakterisierung des Verbrechens als durch Verrat begangenen Treubruch am Volk bedinge die stärkstmögliche Abwertung des Täters durch das Gesetz und schließe die Anerkennung einer Gesinnungstäterschaft aus. Sie würde der Wertung des Täters als zwar gegnerischen, aber doch anständigen Kämpfers entsprechen. Im einzelnen begründet Staatssekretär Freisler diese Auffassung folgendermaßen:
„Solange das deutsche Volk ein Staatsleben führte, das seiner Wesensart auf der von ihm erklommenen Entwicklungsstufe nicht entsprach, brauchte ein Angriff auf den Staat — soweit er nicht die äußeren Beziehungen berührte — noch nicht zugleich ein Angriff auf das Volk zu sein. Der Angriff konnte ja gerade in der Richtung geben, dem Volk tien seiner Art entsprechenden Staat zu erkämpfen. Hat aber einmal das Volk sich den seiner Art entsprechenden Staat geschaffen, so kann es ihn nicht wieder wie ein Kleid wechseln, obne au seiner Lebens kraft Einbuße zu erleiden. Das nationalsozialistische deutsche Volk ist fest davon überzeugt, im national sozialistischen Fübrerstaat die germanische Demokratie im Sinne des Führers („Mein Kampf", S. 99), den ihm arteigenen Volksstaat geschaffen zu habe». Eiu Angriff auf diesen Staat ist also auch in den sog. Hochverrats- sällen ein Angriff auf das Volk selbst, ist eiu Verrat am Volke."
Am Schluß seiner Ausführungen faßt Staatssekretär Freisler die Ergebnisse seiner Betrachtung in folgenden 1 5 Leitsätzen zusammen:
1. Gegeit das Volk gerichtete, aus Treulosigkeit entstandene Verratshandlungen Deutscher sind als Bolksverrat das schwerste Verbrechen.
2. Der Volksverräter schließt sich aus der Volksgemeinschaft aus. Schwerster Verrat wird daher mit der die Todesstrafe umschließenden Ächtung bestraft.
3. Volksverrat kann nieals a u s e h r b a r e r Gest n u il n g entstanden angesehen werden. Immer muß die Strafe ihrer Art uach der Ehrlosigkeit des Täters entsprechen.
4. Der Untreue-und Verratsgehalt ist juni bestimmenden Merkmal des Volksverrats zu machen.
5. Der Volksverrat ist selbständig, als echter S t r a f t a t b e st a n d , an der Spitze des Ersten Abschnittes des Besonderen Teiles des neuen Strafgesetzbuches aufzubauen.
6. In dem Volksverratstatbestand sind Landes-, F ü h r e r- und Hochverrat als Beispiele — ohne den Anspruch, damit vollständig die Fälle des Volksverrats aufzuzählen — anzuführen.
7. Daß die nationalsozialistische B e w e - g u n g, entsprechend dem Staat, als ein Grundpfeiler des deutschen Volkslebens durch die Polksverratsbcstimmuugen des Strafrechts mitgeschützt h*tb, muß klargestcllt werden.
8. Auch die normative B e st i m mtheit des Volksverratsbestandes soll kundtun, daß der Gesetzgeber Analogieschlüsse nicht ausschließen tviö.
9. Dem Grundtatbestand des Volksvcrrats sollen, in Gruppen geordnet, S o n d e r t a t b e st ä n d e folgen, etwa die Sondertatbestände des militärischen, die des diplomatischen Volksverrats und die schweren, Verratsnatur aufweisenden Sonderangriffe gegen die völkische Grundordnung.
10. Das Verhältnis des Grundtatbestandes zu den -Sondertatbeständen ist durch Messung des der richterlichen Beurteilung vorliegenden Einzelfalles an dem bestimmenden normativen Element des Grundtätbestandes des Volksverrats feftzustellen.