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^r. 182 — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 7. August 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Die Welt in Unruhe!
Kommunistische Ausschreitungen in fast allen Erdteilen.
Die Welt in Unruhe! Täglich laufen in Deutschland Meldungen ein, wie die b o l s ch e w i st i s ch e Propaganda im Ausland erfolgreiche Aersetzungs
leisten imstande ist, weil die Regierungen dort noch nicht die kommunistische Geführ in ihrem «allen Ausmaße erkannt haben. Uns Deutsche kann an Nm das, was im Auslande passiert, gleichgültig sein. B e i uns im Lande herrscht Ruhe und Ordnung. Aber chaotische Zustande in anderen Ländern gefährden unter Umständen den Frieden der Nachbarnationen. Wenn man, wie der K o m i n t e r n k o n g r e ß in Moskau gezeigt hat, weist daß die gesamte Welt durch den Kom - m u n i s in u s u n t e r w ü h l 1 werden soll, damit der §gwjctimperialismus einmal freie Bahn hat, dann kann es nur eine Parole für alle Kul - turneti o n e n der Welt geben: Vernichtung des Kommunismus und damit Rettung der christlichen Kulturgüter und des wirtschaftlichen Fortschritts auf der Erde.
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Schwere kommunistische Ausschreitungen in Frankreich.
In vielen Orten Frankreichs ist es zu schweren kommunistischen Ausschreitungen gekommen, die in Toulon zu einer offenen Meuterei der Arbeil er des Marinearse- na 1 s ausarteten und auch in Brest und Marseille sehr ernste Formen annahmen.
Im M a r i n e a r s e n a l von Brest verließen die Arbeiter die Werkstätten, begaben sich vor die drei im Bau befindlichen Schlachtschiffe „Dünkirchen", „Loraine" und „Jeanne d'Arc" und überredeten dort die Arbeiter, die Schiffe zu verlassen und gemeinsam mit ihnen einen Demonstrationszug zu halten. Arbeiter anderer Werk- WM schlossen sich ihnen an, und
mit der roten Fahne an der Spitze zogen die Arbeiter an den Quai,
um gegen Herabsetzung der Löhne zu demonstrieren. Sie sangen revolutionäre Lieder, konnten aber von der Polizei und vom Militär in Schach gehalten werden.
Auf der S t a a t s w e r f t von Brest kam es erneut zu Zwischenfällen. Die am Bau des Panzerkreuzers „Dünkirchen" beschäftigten Arbeiter weigerten sich, auch nur einen Handschlag zu tun, solange das militärische Wachkommando nicht entfernt sei. Als ihrer Forderung sticht nachgekommen wurde, alarmierten sie die Belegschaft sämtlicher' Abteilungen des Marinearsenals.
Bald herrschte in der Werft Aufruhrstimmung. Gendarmerie und Mobile Garde, Kolonialtruppen und Marineinfanterie wurden eingesetzt, um die , Werft zu räumen. Die tobende Belegschaft leistete erbitterten Widerstand und ging mit allerlei Wurfgeschossen, Steinen, Brechstangen, Flaschen usw. gegen die -nippen vor. Die Werft wurde schließlich mit Gewalt geräumt und geschlossen.
Die Ausschreitungen der Arbeiter des Marine- arsenals in Brest nahmen im Laufe des Dienstag- aachmittag einen sehr ernsten Charakter an. Ein Autobus tvurde von den Demonstranten angehaltcn und vollkommen zerstört. Als der Schnellzug Brest—Paris den Balm- verlassen wollte, kletterten mehrere tausend Arbeiter Mr die Einfassungsmauer der Gleisanlagen und stellten Hch auf die Schienen, so daß der Lokomotivführer den äug an halten mußte. Die Streikenden koppelten daraufhin die Lokomotive ab und brachten sie ins Depot.
andere Gruppe von Streikenden begab sich in= livischen vor die Präfektur, wo
die Trikolore abgerissen und durch einen roten Lappen ersetzt
wurde. Der Unterpräfekt entfernte ihn jedoch sofort wieder unter dem Geschrei der Streikenden. Aus Rache
? ^e Streikenden fast sämtliche Fensterscheiben der viafertur ein. Bei den Zusammenstößen wurden nach vorliegenden Meldungen vier Personen schwer ver- X Es handelt sich um zwei Angehörige der Polizei und zwei Arbeiter des Arsenals.
ohs' Die Unruhen in Brest flackerten am Dienstag- Drnf0Vtneut ans. Die Aufrührer versuchten, die Marine-
• ä u stürmen und in die Kaserne des 2. Kolo- darmo^^butes einzudringen. Marinesoldaten und Cen- gelang es, die Angreifer auseinander zu treiben, leithi^^ Zählte man im Marinekrankenhaus 20 Ver- âe halbamtlich verlautet, waren die Behörden erst vor Mitternacht Herr der Straße.
tP i etnem 'Saal in dem Pariser Slavlvier - u r o n n e, das stark kommunistisch durchsetzt ist, Lektion der patriotischen Jugend eine Versamm- Eine Anzahl Kommunisten versuchte plötz- Versammlungslokal einzudringen. Die Ein- Wâ« überfielen die vor dem Saal aufgestellten aus ?"d drangen in den Saal ein, wo sie aber eneraii» ^^samnilungsteilnehmcr selbst stießen, die sich bergisch 3m. Wehr setzten. Es entstand
tn . eine allgemeine Schlägerei, diese-«"'lauf auch zahlreiche Schüsse fielen. Durch b e r ^"iuhe wurden zwei Straßenpassanten verletzt. 15 krußen mischen Gegner mußten zum Teil mit Verletzungen ins Krankenhaus einaeliefert wer
den. Die Polizei hatte alle Mühe, die Ordnung wiederherzustellen und nahm etwa 30 Verhaftungen vor.
Sehr heftige Zusammenstöße gab es auch in der Räche von Marseille zwischen der „Action Frantzaise" und der Volksfront.
Kommunistische Mutation in Syrien verschärft.
Die Londoner Zeitung „Time s" meldet aus Beirut, daß trotz der Bemühungen der Polizei und schwerer Strafandrohungen die kommunistische Agitation in allen Teilen von Syrien andauere. Am Freitag seien kommunistische Zeichen mit roter Farbe an die Mauern des britischen Konsulats gemalt worden mit dem Begleittext: „Nieder mit der britischen Kolonialpolitik! Hoch die Hungerstreikenden Gefangenen von Palästina!" Die Polizei habe mehrere Verhaftungen vor- genommen.
Kuli-Ausschreilungen in her französischen Niederlassung von Schanghai.
In der f r a n z ö s i s ch e n N i e d e r l a s s u n g v o n Sch a n g h a i ist es zu schweren Unruhen gekommen. Rikschakulis hatten sich geweigert, ihre Fahrzeuge registrieren zu lassen, was die französische Verwaltung mit Lizenzentziehuna beantwortete. Daraufhin bemächtigte
Sie WsWisiei «Wei in Äkiischlmd »Wei.
Komintern beschlieht kommunistische Propaganda in Deutschland — Das nationalsozialistische Deutschland wird sich zu schützen wissen.
Recht aufschlußreich ist eine Meldung der englischen
Zeitung „Daily Telegraph" aus Moskau, wonach die Komintern beschlossen habe, die gesamte Kraft der kommunistischen Propaganda jetzt aus Deutschland zu vereinigen. „Das Hauptziel muß jetzt sein, eine Vereinigung aller Oppositiouskräste gegen das Naziregime zustande zu bringen!" Diese Parole habe der deutsche Kommunist Florin unter größtem Beifall auf dem Kominternkongreß ausgegeben und hinzugefügt, die deutschen Kommunisten seien jetzt im Begriff, eine Einheitsfront aller Gegner des Naziregimes einschließlich der katholischen Arbeiter zu bilden. Die Hauptleitung der Propaganda für Deutschland liege in den Händen von D i m i t r o f f und Pieck.
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Die Meldung des Moskauer Korrespondenten des „Daily Telegraph" mutz, wie die „Berliner Nachtausgabe" schreibt, einen Teil der englischen Zeitungsleser überraschen, denn diese Meldung widerspricht mit jedem Satz dem, was man in London einem Teil der Zeitungs- leser wochenlang über die Zustände in Deutschland vorgelogen hat, und entspricht dem, was der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels in seiner Rede in Essen dargelegt und an selbstverständlichen Forderungen für den Schutz des nationalsozialistischen Deutschland aufgestellt hat.
Die Verhandlungen des Kvminternkongrefses in Moskau sind in Deutschland sehr genau verfolgt worden.
Wir kennen jede dort ausgegebene Parole, aber man hat bisher in England und in Frankreich nicht die richtigen Folgerungen aus den Verhandlungen gezogen, vor allem auch nicht gegenüber Deutschland. Für die eigene Sicherheit der englischen und französischen Bevölkerung vor den jetzt schon an allen Ecken aufflammcnden kommunistischen Umsturzversuchen zu sorgen, ist Sacke der Regierungen dieser Länder. Als Deutschland selbstverständliche Abwehrmatznahmen gegen diese kommunistische Agitation, mit der die ganze Welt zerrüttet werden soll, im Laufe des Monats Juli traf, hatte man in London und in Paris durch Greuellügen den Einruck zu erwecken versucht, als ob in Deutschland eine Hetze gegen die katholische Religion ausgebrochen sei, als ob die nationalsozialistische Staatsführung irgendwie gefährdet sei und grotze Unruhen in Deutschland bevorständen.
Das nationalsozialistische Deutschland ist ohne weiteres in der Lage, sich gegen die in Moskau von Dimitross, Pieck und Florin propagierte neue Welle der Agitation zu wehren.
Wo die Abwehr einsetzen muß, wird im übrigen gleich in solchem Umfang Ordnung geschaffen, datz die Möglichkeit zu jeglicher Agitation verschwindet. Dank der Entschlossenheit des Führers und seiner Mitarbeiter sind im nationalsozialistischen Deutschland a l l e polizeilichen und alle gesetzlichen Möglichkeiten für die rücksichtslose Unterdrückung jeder kommunistischen Agitation vorhanden. Es wäre deshalb unsinnig, wenwjemand in der Welt annehmen wollte, daß man in Deutschland innerhalb von Kreisen „katholischer Arbeiter" oder sonstiger früherer Organisationen mit Erfolg kommunistische Propaganda betreiben könnte.
sich der Kulis große Erregung. Es kam zu A u s s ch r e i - tungen, in deren Verlauf mehrere Straßenbahnwagen zertrümmert wurden. Eine Gruppe von Rikschakulis hatte mehrere französische Polizisten in chinesisches Gebiet verschleppt und dort schwer mißhandelt. Erst nach heftigem Kampf gelang es einer Abteilung der französischen Polizei, die Verschleppten zu befreien.
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In Dhaka (Indien) kam es zwischen Hindus und Mohammedanern während einer Hinduprozession zu schweren Zusammenstößen, bei denen die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen mußte. Es gab fünf Tote und sieben Verletzte.
Marxistische Kundgebungen In Aew Nott
Im New-Yorker Negerviertel veranstalteten unter Beteiligung von Abordnungen der Kirchengemeinden, der Gewerkschaften, von Kommunisten und Marxisten etwa 2 0 00 0 Weiße und Weger, Männer, Frauen und Kinder, eine Protestkundgebung gegen den Krieg im allgemeinen und gegen Italiens Vorgehen in Äthiopien. Zwei Umzüge mit zahlreichen Plakaten durchzogen die Straßen. Die Teilnehmer riefen „N jeder mit Mussolini! Tod dem Faschismus! Wir sind gegen den Krieg!" Ein Plakat besagte: 16 Millionen Erwerbslose verlangen Brot, nicht Kugeln!", ein weiteres „Befreit Thälmann!" Ein anderer Umzug erfolgte durch das Jtalienerviertel Harlems. Nach etwa zweistündigen Umzügen fand eine Massenversammlung auf einem öffentlichen Platz statt. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der sie gegen das Vorgehen Mussolinis und Hitlers protestierte.
Dimittoffs welirevoluiionäre plane.
Unter der formellen Kennzeichnung als „Aussprache über den Bericht des Genossen Di mi troff" wurden auf dem Kominternkongreß die Losungen durchberaten, die der ehemalige Angeklagte im Reichstagsbrandstifterprozeß seinen Gesinnungsgenossen zur schnelleren Herbeiführung der Weltrevolution ausgegeben hat. D im i troff hatte als vordringliche Aufgabe für die ausländischen Sektionen der Komintern den
„Übergang von der Verteidigung zum Angriff" bezeichnet. Dies sollte auf politischem Gebiet durch die Gewinnung 'der Werktätigen und ihrer ständigen Bereitschaft zu „entscheidenden Handlungen", auf gewerkschaftlichem Gebiet aber durch die Organisierung politischer und wirtschaftlicher Streiks erreicht werden. Eben zu diesem Zweck — so schlägt dieser Theoretiker des Aufruhrs vor — sollten mit allen, die sich dazu gewinnen ließen, Pakte über die „Einheit des Handelns" abgeschlossen werden, und zwar sowohl im nationalen wie im internationalen Maßstab.
Diese Thesen Dimitroffs — der gegenwärtig das Vertrauen Stalins in besonderem Maße genießt — wurden auf dem Kominternkongreß vom Standpunkt der einzelnen Sektionsvertreter behandelt.
Die grtenntnis Wächst
„Journal de Geneve" zum Kominternkongreß.
Genf, 7. August.
Das „Journal de Geneve" weist in einer Besprechung des Kominternkongresses auf die Bedeutung der Entschließung dieser Organisation hin, die damit beschâftigi sei, das Programm der Dritten Internationale und die Politik festzulegen, die die kommunistischen Parteien in allen Ländern verfolgen sollen, um die Errichtung der Diktatur des Proletariats zu erreichen. Dabei handele es sich um Richtlinien, die bis zu Terrorakten gehen können. Die Komintern bildeten das Bindemitgiâed zwischen dem Kreml und den verschiedenen kommunistischen Parteien und ihr zugegebener Endzweck sei die Welt- revâtion. Sie müssen daher als das Organ des Moskauer Imperialismus neuen Stils angesehen werden.
Das „Journal de Geneve" drückt dann sein Erstaunen darüber aus, daß die Komintern ihren Kongreß gleichzeitig mit der durch Litwinow präsidierten Tagung des Pöl- kerbundsrates abgehalten haben; es bestehe doch ein schreiender Widerspruch zwischen den Zielen der Dritten Internationale und denen des Völkerbundes, Während die erste die Diktatur mit Gewalt erreichen wolle, versuche der letztere, den Frieden zu erhalten. Es fei schwer zu verstehen, wie Litwinow diesen beiden Zwecken gleichzeitig dienen könne.
Das „Journal de Geneve" geht schließlich auf den Gegensatz ein, der zwischen der inneren und äußeren Politik Stalins bestehe. Im I n n e r n des Landes wirke Sta- lin auf eine immer weitere Rückkehr zum Staatskapitalismus im Interesse einer verschwindend kleinen Klasse von Privilegierten, die sich als das „Proletariat" aufspielen, hin, während für die kommunistische Aktion im Auslande die radikalsten Lehren Lenins empfohlen werden.