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Zul-aer Anzeiger

«Mrhpint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Waa" Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. «-.Lieferungsbehinderung durchHöhere Ee- bestehen keine Ansprüche. Verlag Frred- Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42.

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Nau Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 291 Kraniw. für den Inhalt: Bernd Heim Fulda.

lauter« ren- 189.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 183 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 8. August 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

(Regierung Laval in ernster Sorge

Die französische Öffentlichkeit fordert scharfe Maßnahmen gegen Unruhestifter.

Die Unruhen, die sich allerorts in Frank­reich meistens unter kommunistischer Führung, gegen die »cnn. Notverordnungen der Regierung Laval richten, und insbesondere der Auf st and in Brest werden von der französischen Regierung sehr ernst genommen. Für Freitag hat Ministerpräsident Laval sämtliche Präfekten Frankreichs nach Paris zusammen- ^We man erfährt, wird er ihnen Befehle geben, in denen er sich für Sanktionen gegen Einzelne aussprechen wird. Er wird jedoch die Präfekten ermahnen, für den

daß die neuen Notverordnungen, die eine Herab- sehung der Lebenshaltungskosten bezwecken, nicht zur Be­ruhigung der Bevölkerung beitragen, selber die Verant­wortung zu übernehmen und mit allergrößter Strenge einerseits gegen die Kaufleute und Haus­besitzer vorzugehen, die sich der von der Regierung ein- geleiteten Preissenkungsbewegung nicht anschließen, an­dererseits aber auch gegen die Unruhestifter.

Die blutigen Unruhen in Frankreich stehen im Mittel­punkt des Interesses der Pariser Presse. Die Rechtsblätter sehen in den Unruhen die

Folgen der kommunistischen Propaganda und ein systematisches Vorgehen der roten Einheitsfront. Die m a r x i st i s ch e n Zeitungen versuchen hingegen, die Schuld für die Zwischenfälle auf die Regierung Laval und deren Notverordnungen abzuschieben. In fast allen Blättern wird auf die Häufung von Alarmnach­richten aus allen Teilen Frankreichs hingewiesen.

In der Tat hat es seit Sonntag nicht weniger als vier ernste Ereignisse dieser Art gegeben. In Salon wurde eine Gruppe Royalisten von Kommunisten über- fân, in P a r i s gab es einen überfall von Kommunisten auf Mitglieder der nationalen Jugend, und dann folgten Schlag auf Schlag die sehr viel folgenschwereren Zu­sammenstöße in Toulon und Brest.

Während dès ganzen Dienstags, so schreibt der Matin", lag über Brest die

Atmosphäre eines Bürgerkrieges.

Wird man die patentierten Moskauer Agitatoren noch lange weiterwirken lassen?, fragt das Blatt, das aus feiner ablehnenden Haltung gegenüber einer französisch-sowjet- russischen Zusammenarbeit nie ein Hehl gemacht hat. Auch das ,,E ch o de Pari s" fordert die Regierung zum Ein­schreiten auf und weist besonders darauf hin, daß die Unruhen gerade in Brest und Toulon, also in den zwei großen Kriegshäfen, ausgebrochen seien. Man könne vielleicht bei dem gleichzeitigen Ausbruch der Unruhen in beiden Städten an eine einheitliche Parole denken; viel­leicht handele es sich um eine Übung, einen Versuch.

Das Blatt erinnert daran, daß die bolschewistische Revolution gleichfalls in den Häfen begonnen habe.

Brest habe am Dienstag einen Tag regelrechter Meuterei erlebt. Das radikalsozialistischeO e u v r e" warnt vor derartigen Kundgebungen wie die in Brest. Man dürfe '»echt vergessen, daß der italienische Faschismus sich vor Jahren dieser Art bedient habe, um die anti­demokratische Krise heraufzubeschwören und sich an die âcht zu bringen. DasI o u r n a l" fragt, ob man in M Unruhen von Brest die ersten Anzeichen derneuen Wung" sehen müsse, die die Leiter der Volksfront an- sekundigt hätten.

Wieder einmal habe die kommunistische Propaganda zu Gewalttaten geführt.

Angesichts der 150 Verwundeten und des Todesopfers onne man nur von einem Verbrechen sprechen. Die "sisnrunistischeH u m a n i t é" versucht natürlich, die Verantwortung auf Laval abzuschieben, derwieder fließen lassen wolle".

Leit dem 6. Februar befinden wir uns in einer Revolutionsperiode",

schreibtLe Jo u r" zu den Brester Unruhen. Die r°ch." nistisch e An a r chi e glaube, daß ihre Stunde geschlagen habe. Um ihre wohlberechnete Propaganda Muhren zu können, hänge sie sich den Mantel des Ewüsmus um. Moskau leite das Spiel. Das Blatt im ' ^e Regierung tun werde, um die Verantwort- die Meutereien in den beiden größten franzö- .Hiegshäfen ausfindig zu machen und zu bestrafen. Ntreich durchlebe gegenwärtig entscheidende Tage.

3n Vrest wurde erbittert gekämpft.

dio B "s den Berichten von Augenzeugen über in i Jorgnnge in Brest geht hervor, daß die Arbeiter k ä mn $ besonderer Erbitterung ge - haben. Wenn die Truppen angriffen, wichen sie vor M-Anblick zurück, drangen aber dann sofort wieder be/fc 1 dem Kampf um die Marinepräfektur, die zuletzt >mn??riegsplatz mürbe, vn^"I"^n sie sogar einmal die Soldaten der .... Ersten Reihen und zerbrachen deren Gewehre, gelang Lieder mußte das Militär angreifen, und doch zu cr^ "ach mehrfachem AnreUen der Mobilgarde das Gebäude zu befreien. Auch von der aba-/?"sektur wurde einmal die Trikolore her - Weber iUen "nd mit den Füßen getreten. Immer vltdeten sich in den Nebenstraßen Gruppen,.die

die Internationale und andere revolutio­näre Lieder sangen und Schmährufe gegen die Regie­rung ausstießen. Die Aufständischen unternahmen einen

Sturm auf die Kaserne der Kolonialinfanterie, der jedoch abgeschlagen wurde. Dabei wurden jedoch die Laternen vor dem Gebäude zerstört. Es bestätigt sich, daß sich die Zahl der Verletzten, unter denen sich auch harmlose Passanten befinden, auf 15 0 beläuft. Auch der Adjutant des M a r i n e p r ä f e k t e n ist verletzt worden.

Die Hauptstraßen, wo Pflastersteine losgerissen, Fensterscheiben zerbrochen und Barrikaden gebaut wurden, bieten einen trostlosen Anblick. Überall sieht man Gruppen von Polizisten und Mobilgarde, die besonders die Präfektur und die Marinepräfektur bewachen

Als am Mittwoch der O z e a n d a m p f e rCham­plain" der Compagnie Generale Transatlantique mit 830 Passagieren an Bord nach New Aork auslaufen sollte, trat die gesamte Besatzung, etwa 400 Mann, in Streik, um gegen die Herabsetzung ihrer Löhne zu protestieren. Der Dampfer konnte infolgedessen nicht aus­laufen. Der Besatzung desChamplain" schlossen sich die der übrigen Dampfer der Gesellschaft, nämlich der Normandie",Lafayette",Colombie" undCuba" an, insgesamt 1500 Mann. Sie bildeten einen Zug und begaben sich zum Seemannsamt, um dort ihren Protest zu wiederholen.

Auf Anweisung der Gewerkschaftsführer ist im Marinearsenal von B r e st von sämtlichen Arbeitern die Arbeit plötzlich eingestellt worden. Die Beleg­schaften verließen sofort die Arbeitsstätten. Der Kriegs- bafen von Brest ist geschlossen. Sämtliche Geschäfte haben

400 italienische Bombenflugzeuge

in Ostafrika

Ein grotzangelegter Luftangriff soll die Feind­seligkeiten gegen Abessinien eröffnen.

Wie in italienischen M i l i t ä r k r e i s e n nacy einer Meldung aus Rom verlautet, befinden sich i n Eritrea und Somaliland über 4 0 0 ita­lienische Flugzeuge, zumeist Bombenflugzeuge. Diese werden den Feldzug gegen den Kaiser von Abessinien mit einem großangelegten Luftan­griff eröffnen. Zuerst werden nur Tränengasbomben abgeworfen werden. Wenn es diese nicht vermocht haben sollten, den Kaiser und seine Umgebung von einem Widerstand gegen den italienischen Vormarsch abzuhalten, würde der Abwurf von Gistbomben erfolgen.

Italienische Agenten haben sich, wie man aus Athen berichtet, die Streikstimmung in den griechi­schen Häfen zunutze gemacht, um griechische Dock­arbeiter für O st a f r i k a anzuheuern. Sie bieten einen Monatslohn von 300 Lire und völlig freien Unterhalt.

Englische Freiwillige für Abessinien.

Wie die englische ZeitungDaily Telegraph" mitteilt, soll die a b e ss i n i s ch e Gesandtschaft in London nunmehr im ganzen über 1000 An­gebote von F r e-i w i l l i g e n für die abes­sinische Armee erhalten haben. Darunter befindet sich auch der bekannte englische Flieger-Filmoperateur Roy T u ck e t, der jetzt gemeinsam mit einigen Kame­raden den Auftrag erhalten hat, seine Papiere einzu­reichen und seine Forderung anzugeben. Es wird an- nommen, daß die Fliegergruppe Roy Tuckets einige in England gekaufte Flugzeuge nach Abessinien fliegen wird, die dort den Grundstock einer m o d e r n i s i e r t e nL u f t m a ch t" bilden soll.

Englischer Protest in ORom.

Wie erst jetzt bekannt wird, hat die c n g l i s ch e Re­gierung bereits am 26. Juli bei dem italienischen Bot­schafter in London, Grandi, Vorstellungen wegen der hef­tigen in der faschistischen Presse gegen England gerichte­ten Angriffe erheben lassen. Eine Antwort hierauf ist in London bisher nicht eingetroffen.

Auf den englischen Protest gegen die englandfeindliche Polemik der italienischen 'Presse sind die e n gland - f e i n d l i ch e n S t i m m e n i n den italienischen Zeitungen, offenbar auf höheren Wink, mit einem Schlage verstummt.Giornale d'Jtalia" und andere Blätter weisen auf Einstellungsgesuche für den Krieg gegen Abessinien hin, die von feiten englischer Staats­angehöriger bei der italienischen Botschaft in London ein­gelaufen seien. Angeblich wird sogar schon die Frage der Bildung einer ausländischen Freiwilligcn-Legion erwogen, da nicht nur aus Englaud, sondern auch aus Ungarn und anderen Ländern Meldungen für den Dienst in Ostafrika vorlägen.

geschlossen. Die Kaffeehäuser und Ausschankstätten dürfen nur bis 22 Uhr geöffnet sein.

Die französischen Bauern drohen.

Der Vorstand der bäuerlichen Jnteressenvereinigung, bte 499 Bauernverbände aus Nordfrank­reich umfaßt, hat folgende die Gärung unter der Bauernschaft kennzeichnende Entschließung angenommen: Die ernsthaftesten Ratschläge und Warnungen an das Parlament, die verschiedenen Regierungen und selbst an die Öffentlichkeit sind vergeblich geblieben. Wenn die Landwirte gezwungen sind, ihre Ernte zu Hunger- und Elendpreisen abzusetzen, um ihren Verpflichtungen nach­kommen zu können, müssen sie sich darüber klar werden, daß sie völlig zugrunde gerichtet sind. Sie sind fest entschlossen, nicht mehr den Weg der zwecklosen Ver­handlungen und Kompromißlösungen zu beschreiten. Wenn die passive Verteidigung keine Früchte mehr trägt, sind sie entschlossen, alle die Maßnahmen zu treffen, die ihnen ihre verzweifelte Lage vorschreibt. Sie haben nichts mehr zu verlieren und können deshalb alles wage n".

Muttergottesbild von französischen Kommunisten zerschlagen.

In M a r y - l e - R o i, unweit von Paris, ist, ver­mutlich von kommunistischen Freidenkern, ein hötzernes Mutte rgottesbild von künstlerischem Wert zerschlagen worden. Das Bild stand in der Nähe einer Mauer und war auf Grund seiner alten Überlieferung Ziel einer jährlich wiederkehrenden Wallfahrt. In diesem Jahr hatte der Bürgermeister die Wallfahrt verboten, weil or Zwischenfälle befürchtete. Das Standbild verschwand vor einigen Tagen und wurde später zufällig von einem Kind auf dem Dach eines Elektrizitätswerkes gefunden. Der Kopf der Mutter Gottes und das Jesuskind waren abgebrochen.

Den e n g l a n d f e i n d l i ch e n Äußerungen der italienischen Zeitungen wird in der Londoner Presse große Beachtung geschenkt. Der politische Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt: Heftige Angriffe auf Großbritannien in der inspirierten italienischen Presse bildeten kürzlich den Gegenstand von Vorstellungen des Foreign Office, des englischen Aus­wärtigen Amtes, bei dem italienischen Bot­schafter Grandi. In Italien steht die Presse unter dem Einfluß und der Aufsicht der Regierung. Diese Tat­sache rechtfertigte die Handlungsweise des Foreign Office. Der Botschafter wurde, wie verlautet, daran er­innert, daß die britische Presse in ihren Äußerungen zur italienischen Politik hervorragende Zurückhaltung gezeigt und daß Rom in dieser Beziehung keinen Anlaß zur Beschwerde hat.

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Der Exekutivrat des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes hat seinen Verbands­präsidenten William Green angewiesen, an den ameri­kanischen Präsidenten Roosevelt das dringende Er­suchen zu richten, daß er seinen ganzen Einfluß auf die Regierung geltend machen solle zur Verhütung des italienisch-abessinischen Krieges. Der Exekutivrat erklärte ferner, daß cs auf Grund der vorliegenden Tatsachen ganz den Anschein habe, als ob Italien einen An­griffskrieg und eine Invasion in Abessinien beab­sichtige. Italiens Vorgehen erscheine als durchaus unge­rechtfertigt.

General Kundt in Abessinien?

Berlin, 8. August.

Rach der Meldung eines römischen Blattes soll bei aus dem Chaco-Krieg her bekannte General Kundt in Addis Abeba eingetroffen sein, um in Abessinien militärische Dienste zu leisten.

Dazu kann festgestellt werden, daß General Kundt nicht die reichsdeutsche Staatsangehörig­keit besitzt. Er selbst hat, als er vor mehreren Jahren in die bolivianische Armee eintrat, die ausdrückliche. Erklä­rung abgegeben, daß er nicht reichsdeutschrr, sondern Danziger Staatsangehöriger sei, und er hat, der Be­dingung der bolivianischen Regierung nachkommend, du bolivianische Staatsangehörigkeit angenom­men.

London. Als Nachfolger Lord Williugdons, bessert Amtszeit im kommenden April abläuft, ist Lord Linlith­gow zum Vizekönig und Generalgouver- neur von Indien ernannt worden. Der König hat die Ernennung bestätigt.