Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer ^n^ciget

^^üuuv:Der monatlich 1,70 NM.

Geeint jeden Werktag. Wochenbellage: rnnntaa". Bezugsprecs: monatlich 1,70 Epi Lreferungsbehinderung durchHöhere Ge- ^ t« b stehen keine Ansprüche. Verlag Fried, Ehren kl au, Fulda, Königstratze 42. »Vâtionsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. - ^ntm. für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg" Zulöa- und Haunetal >Zul-aer Kreisblatt

Schristleitung un- Geschäftsstelle: Königstraße 42 Fernsprecher Nr. 2989

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlatz nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlatz. D.A." VII. 35. 910. Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 184 12. Jahrgang

Fulda, Freitag, 9. August 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Der Staat greift durch!

Kolping-Familie im Kreise Lüdinghausen ausgelöst Schluh mit dem staats- gesährlichen Buchhandel in den Gotteshäusern

Münster, 9. August.

Die Staatspolizerstelle für den Regierumsbezirk Mün­ster teilt mit: Auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 ist die Kolping-Familie im Bereich des Kreises Lüdinghausen (Regierungsbezirk Münster) aus Grund der bekannten Vorfälle in Werne an der Lippe mit schräger Wirkung aufgelöst worden:

*

hierzu bemerkt dieNationalzeitung" u. a.: Wenn sich' die Staatspolizeisteele noch nicht dazu eutschlos- sen hat, die Kolping-Familien im gesamten Regierungs­bezirk aufzulösen, dann wohl aus der Erwägung heraus, Den übrigen Kolping-Brüdern Gelegenheit zu geben, zu beweisen, wie sie sich nach der Lehre von Werne bzw. dem Kreise Lüdinghausen dem Staat gegenüber einzustel- len gedenken.

DieNationalzeitung" verweist dann aus die gewerbs- mWge Hetze der Jesuiten und schreibt:Man gehe mir hin und sehe sich den in fast jedem Gotteshaus einge­richteten Kolportage-Buchhandel mit Hetzschriften (!!) an, in denen sich Jesuiten zum großen Tei! unter Be­rufung auf den Emigranten Muckermann über Kirche und Staat",Kirche und Wirtschaft", überChri­stus als Arbeitersührer" und andere Themen in einer Mise auslassen, die aXem ins Gesicht schlägt, was wir im neuen Staat als für unser Volk notwendig und rich­tunggebend erachten und verfechten.

Wir sind der Aufsa sung, und müssen diese Auffassung zu einer Forderung an die zuständigen Stellen er­hebe», daß mit diesem staatsgefährlicheu Handel in den G o t t e s h ä u s e r n (H) Schluß gemacht werden muß.

Es wird natürlich auch jetzt wieder Kreise geben, die da glauben, in dem Vorgehen der Staatspolizeistelle gegen die Kolping-Familie im Kreise Lüdinghausen eineSchi­kane" erblicken zu können, geboren aus dem Bestreben, das konfessionelle Vereinsleben zu unterdrücken. Wie man jedoch selbst an den für die Kolping-Familien maßge­benden Stellen über die Werner Vorfälle denkt, zeigt folgendes, der Staatspolizeistelle Münster vom Diözesan­präsidium der Kolping-Gesellenvereine in Münster zur Kenntnisnahme zugesandtes Schreiben:

Auflösungsurkunde.

Auf Grund des § 5 des Generalstatuts schließe ich hier­mit durch sofortige Wirkung die Kolping-Familie Werne an der Lippe aus der Deutschen Kolping-Familie aus. Die Kolping-Familie in Werne ist aufgelöst. Die Mit­gliedsbücher unb Stammkarten der bisherigen Mitglieder werden durch meine Beauftragten sofort eingezogen. Das Eigentum der Kolping-Familie Werne wird dem Pfarr- oechanten Tenhagen in Werne zu treuen Händen über- geben. Ausschluß und Aufhebung haben ihre Begründung

Streiks auf französischen Ozeandampfern

Eine ernste Machtprobe.

Die Ausschreitungen in den Kriegshäfen Toulon und Äest und die für die ganze französische Überseefahrt '"tastrophale Streikbewegung in Le Havre, Allerdings auch in Cherbourg, stellen eine ernste M a ch t- ^FFe zwischen Regie tung und Bolsche- "lsmus dar, die die Notverordnungspolitik Lavals Ms stärkste gefährdet. In L e H a v r e beginnt man be- leits vor den Forderungen der Streikenden zurück- zuweichen.

Um die Ausreise des OzeundempfersChamplain" der Compagnie Trausatlantiguc wenigstens zu sichern, F pum französischen Handelsmärineministerium der Gesellschaft die Ermächtigung gegeben worden, die Forderung der streikenden Mannschaften nach Rück- ö"ugigmachung der zehnprozentigen Lohnkürzung wenigstens teilweise zu erfüllen.

, Der Proteststreik begann auf dem Ozeandampfer mplain'. Die Besatzungen der übrigen Dampfer der ^Mchafl, nämlich derN o r m a n d i e", des zur Zeit « Passagierschiffes, derLafayette",Colombie" schlossen sich an. Die Fahrgäste derCham- sind - "finden sich in einer sehr peinlichen Lage. Sie

"^ Havre festgenagelt, wenn sie sich nicht ent- ® nach Paris zurückzukehren, beim alle deutschen, fahr»» r u"d amerikanischen Schiffe, die nach New York

Und zur Zeit voll besetzt.

Diasckwir? e H a » re ist die Lage unverändert. Die (jähen Ingenieure, Hilfsingenieure und Stewards wieder ^u Schlichtungsvorschlag angenommen und sich das derChamplain" begeben. Hingegen hat ""gspersonal der Kabinen jeden Kompromiß d-v XXx ^?d zwei Vertreter nach Paris entsandt, um mit -entölten Stellen zu verhandeln. Von dem ^Aus-

in einem schweren Verstoß gegen Artikel 4 Absatz 2 des Grundgesetzes der Deutschen Kolping-Familie.

gez.: Th. Rürth, Reichspräses der Deutschen Kolping-Familie und Generalpräses des Kolping-Werkes Köln."

Franziskanerpaier mißbraucht Schwachsinnige zu politischer Hetze.

Wie die Landes stelle Koblenz-Trier des Propagandaministeriums mitteilt, wurde der bekannte Pater Isidor mit dem bürgerlichen Namen Peter Hart aus dem Franziskanerkloster Wald­breitbach verhaftet. Pater Isidor war seinerzeit durch einen Devisenschieberprozeß unrühmlich bekannt ge­worden. Der Pater hatte jetzt als Leiter einer Irren­anstalt an Schwachsinnige den Auftrag erteilt, in der Dunkelheit die Plakate der Gauleitung gegen den politi­schen Katholizismus abzureißen. Des weiteren hatte der Pater diesen Schwachsinnigen einen Eimer Schuster­schwärze mitgegeben, um gegebenenfalls die Plakate zu überstreichen und unkenntlich zu machen.

Katholischer Geistücher als plakataöreißer.

Nachts waren in G l a d b e ck die vom Gau West­falen-Nord der NSDAP. zum Aushang gebrachten Pla­kate mit dem bekannten Aufruf gegen das verbrecherische Treiben des politischen Katholizismus an verschiedenen Stellen gewaltsam abgerissen worden. Als Täter er­mittelte die Geheime Staatspolizei den Pfarrer Reck­mann und den Kaplan Holtkamp von der St. Josephspfarre, die sich nunmehr vor dem Schnellgericht in Gladbeck zu verantworten hatten. Das Schnellgericht verurteilte den Pfarrer Reckmann zu vier Monaten Gefängnis und den Kaplan Holtkamp zu zwei Monaten Gefängnis. Eine mitangeklagte Ordens­schwester des katholischen Krankenhauses in Gladbeck wurde freigesprochen, da bei ihr lediglich der Versuch des Plakatabreißens vorlag.

Wegen Verbreitung von Greuelnachrichten festgenommen

Von zuständigerStelle wird, wie das Deutsche Nachrichtenbüro aus Stuttgart berichtet, mitgeteilt: Der Kaufmann Richard Haeberle aus Stuttgart wurde durch das Landespolizeiamt wegen Verbrei­tung von Greuelnachrichten in Schutzhaft genommen. Er hat seit längerer Zeit zusammen mit einem Ausländer planmäßig im In- und Auslande die ungeheuerlichsten Lügennachrichten über Zustände in Deutschland und insbesondere über angebliche Mißhand­lung von Gefangenen verbreitet. Seinem Treiben wurde nun durch die Festnahme ein Ende bereitet.

gang dieser Verhandlungen wird cs avyangen, oo orc Champlain" nun endlich auslaufen kann oder nicht.

Allmähliche Entspannung der Lage ?

Donnerstag fand die Beisetzung des bei den Un­ruhen in B r e st gestorbenen Arsenalarbeiters statt. Etwa 10 000 Personen, meist Arbeiter des Arsenals und der um­liegenden Ortschaften nahmen an dem Trauerzug teil. Die Beisetzung erfolgte ohne Zwischenfall. In der Stadt wur­den sväter unter der Arbeiterschaft Flugblätter verteilt, durch die die sozialistischen und kommunistischen Gewerk- schaftsverbände alle Arbeiter auffordern, die Arbeit im Arsenal von Brest wie üblich wieder aufzunehmen. Man hat den Eindruck einer Entspannung der Lage.

Der Streik in den Marine Werkstätten von Toulon hat Donnerstag nur eine Viertelstunde ge­dauert. Die Arbeit ist, nachdem sie von der Belegschaft zum Zeichen der Anteilnahme für ihren in Brest zur Ruhe getragenen Arbeitskollegen eingestellt worden war, wieder ausgenommen worden.

Neue Kundgebungen in Toulon

Paris, 9. August.

In T o u l o u ist es Donnerstag abend zu neue n 21 n - ruhen gekommen. Nach Feierabend zogen die Belegschaf­ten der Kriegsmarinewerkstätten auf die Straße und san­gen die Internationale. UeberaX griff der starke polizeiliche Ordnungsdienst energisch durch. Angehörige des kommuni­stischen SugenoberbanbeS, die die in Bereitschaft stehende mobile Garde zu provozieren suchten, wurden an zwei Siesten der Stadt sofort auseinandergetrieben. Wie­derholt mußte die Polizei gegen die Teilnehmer an den .Kundgebungen vorgehen. Mehrere Personen wurden ver­haftet. Die Marinepräfektur und die Unterpräfektnr wprdeu von mobiler Garde bewacht, ebenso die Marine- merfftätten.

DerGeneralfiab der Wettrevolution".

Die Weltkongresse der Komintern.

Wohl noch kein Weltkongreß der Kommunistischen Internationale hat so große Beachtung gefunden wie der soeben stattfindende siebente, obwohl sie alle es gleicher­maßen verdient hätten. Denn was jetzt an offenherzigen Erklärungen, Feststellungen und Beschlüssen aus Moskau die Welt überrascht, wäre ihr so unerwartet nicht gekommen, hätten sich ihre Politiker rechtzeitig die Mühe gemacht, zu studieren, was schon auf den sechs anderen Weltkongressen der Komintern besprochen und beschlossen worden ist. Die Staatsmänner und Politiker der ganzen Welt würden dann seit Jahr und Tag genau gewußt haben, wie leidenschaftlich ernst es den Komintern mit der Unterwerfung der gesamten Welt ist, daß sie ganz selbstverständlich in diesen Kampf die Sowjetunion als Machtmittel ein­spannen und daß kein Widerstand sie an dem Versuch hindern wird, ihr Ziel zu erreichen.

Der Weltkongreß der Komintern, so ist einmal gesagt worden, stellt denobersten Gerichtshof" derWeltpartei" dar; den jetzt stattfindenden siebenten hat ein spanischer Kommunist als denGeneral­stab der Weltrevolution" bezeichnet. Und in der Tat behandeln die Reden und Beschlüsse aller Kongresse immer wieder die grundsätzlichen Fragen, nach denen die Komintern ihren Kampf in der ganzen Welt ausrichtet. Nur steht einmal dieser, das andere Mal jener Gesichts­punkt mehr im Vordergrund der Verhandlungen, je nach­dem wie die internationale Lage es erfordert, mit Rücksicht auf die ja auch der siebente Weltkongreß um fast ein Jahr verzögert worden ist.

Schon auf dem e r st e n Weltkongreß ist mit aller Deutlichkeit ausgesprochen worden, daß das Prole­tariatdirekte Zusammenstöße mit der bürgerlichen Staatsmaschine in offenem Kampf" herbeiführen müßte, daß Streiks und Aufständedie einzigen Methoden des entscheidenden Kampfes zwischen Arbeit und Kapital" seien. Der Schwerpunkt dieses Kampfes liege außerhalb der Parlamente, und deshalb müßten auch immune Ab­geordnete illegale Arbeit leisten.

Auf dem zweiten Weltkongreß, dem Lenius programmatische Formulierungen vorlagen, ist dieser Faden weitergesponnen worden.Die Welt", so wurde beschlossen,muß in revolutionäres Kochen. gebracht werden, um jeden Preis, auf beliebige Art und Weise." Auch auf dem dritten Weltkongreß ist dieser Grundsatz unterstrichen worden, mit der ausdrücklichen Hinzufügung, daß es für eine kommunistische Partei gar keine Zeit gebe,in der die Parteiorganisation nicht politisch aktiv sein könnte". Der vierte Welt­kongreß bezeichnete den politischen Massenstreik als

Einigung Danzig-Polen.

Danzig, 9. August.

Am Donnerstag nachmittag ist zwischen der Danziger und der polnischen Regierung ein Abkommen para­phiert worden. Danach macht die polnische Regierung die Zollverordnung vom 17. Juli rückgängig. Danzig heb! seinerseits die als Folge der polnischen Verordnung ge­troffene Maßnahme der zollfreien Einfuhr bestimmter Waren auf.

Sm übrigen werden die Verhandlungen über die Re­gelung t r zwischen Danzig und Polen umstrittenen Ein- zelsragen fortgesetzt.

Aussprache zwischen Senatspräsident Greiser und Außenminister Beck.

Die Pressestelle des D a n z i g c r S c n a t s teilt mit: Anläßlich eines Besuches, der dem Hafen von Gdingen «bgeftättet wurde, traf der Präsident des Senats, Greifer, mit dem polnischen A u tz e n m i n r ft c r Beck knrz vor dessen Abreise nach Hclsingfors in Ringen zusammen und hatte Gelegenheit zu einer längeren Rua- sprachc. Dabei wurden zwischen den beiden Herren tue interessierenden Fragen erörtert und in der Linie der btë= herigen guten persönlichen und staatlichen Beziehungen völlige Übereinstimmung erzielt."

eines der wichtigsten Kettenglieder im kommunistischen Kampf. Der fünfte Kongreß formulierte die einzu- schlagende Taktik mit den Worten:Wo möglich legal, wo nicht illegal." Er forderte dieZerstörung des bürgerlichen Monopols auf Waffen und ihre Konzentrie­rung in bei» Händen des Proletariats", ferner die Zer­setzung in den Armeen.

Damit wurde ein Thema angeschnitten, das auf dem sechsten Weltkongreß in aller Breite wieder auf- gegriffen wurde, auf jenem Weltkongreß, dessen Proto­kolle zugleich das gesamte Programm der Kommunistischen Internationale enthalten. Auf diesem Kongreß, bey Dom Juli bis zum September 1928 dauerte, sind fast alle Programmpunkte des internationalen Marxismus be­sprochen worden. Kein Weltkongreß spiegelt so umfassend die verheerenden Ziele der Komintern wider wie er. Da wird rundheraus gesagt:Die Eroberung derFMacht des