Zul-aer Anzeiger
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Nr. 188 — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 14. August 1935
Einzelverkausspreis 10 Pfg.
Flug Elly Beinhorns in die Türkei
In 6^4 Stunden von Gleiwitz nach Kleinasien.
Die deutsche Sportfliegerin Elly Beinhorn war nm Dienstagfrüh 3.40 Uhr inGleiwihzu einem Flug nach Istanbul aufgestiegen und ist um 10.25 Uhr MEZ. auf dem Flughafen Jesilköe bei Istanbul glatt gelandet.
Nach Überfließuna der Karpathen, Siebenbürgens nnd der Transsilvanischen Alpen erreichte die Fliegerin um 10.20 Uhr MEZ. den asiatischen Kontinent bei
110 Beinhorn fliegt die aus dem Europarund- sluq 1931 bekanntgewordene Messerschmitt Me 108 Typ Taifun der Bayerischen Flugzeugwerke Augsburg. Das Flüjlfeiig ist ein T i e f e n d e ck e r mit Kabine und ein« ; [ ed barem Fahrgestell, wobei die Reisegeschwindigkeit erheblich gesteigert wird. Der Aktionsradius der Maschine, die eine Höchstgeschwindigkeit von 290 Stundenkilometer entwickeln kann und eine Durchschnitts- aeschwindigkeit von etwa 250 Stundenkilometer hat, beträgt etwa 2000 Kilometer. Ausgerüstet ist das Flugzeug mit dem Hirthmotor Hm 8, der 245 PS leistet.
Die Begrüßung auf dem Flughafen von Istanbul.
Auf dem Flugfeld von Istanbul hatten sich zahlreiche Angehörige der deutschen Kolonie eingefunden. Ferner waren zahlreiche Vertreter der türkischen, deutschen und ausländischen Presse und die Vertreter des türkischen Flug- und Sportwesens anwesend. Frisch und munter stieg die Fliegerin, die mit Blumensträußen überhäuft wurde, aus ihrer schnittigen Messerschmittmaschène heraus, deren einziehbares Fahrgestell besonderen Eindruck machte. Nachdem Ellv Beinhorn die zahlreichen Glückwünsche zu dem schneidigen Flng von einem zum anderen Kontinent und die Begeisterung her Volksgenossen über die mitgebrachten Grüße aus der Heimat entgegengenommen hatte, wurde die Maschine einer Prüfung unterzogen, während die üblichen Formalitäten erledigt wurden. Wie die Fliegerin erzählte, war das Flugwetter im ganzen gut gewesen, nur der Flug über die Karpathen bot wegen Nebel und schlechten Windes einige Hindernisse.
Mckflug nach Vertin in 8P Stunden.
Um 10.47 Uhr, nach einem Aufenthalt von nur siebenundzwanzig Minuten, verließ die deutsche Fliegerin Elly Beinhorn in ihrem Sportflugzeug wieder Istanbul, um sich auf den R ü ck f l u g nach D e u t s ch l a n d zu begeben. Sie überflog kleinasiatischen Boden bei H e i d a r P a s ch a und wurde durch einen türkischen Major beobachtet, der die Meldung von der Überfliegung urkundlich aufnabm
Revision des afrikanischen Kolonialbesitzes?
Gerüchte um die bevorstehenden Dreimächteverhandlungen in Paris — Doch noch gütliche Beilegung des Abessinienstreitfalles?
Allmählich versammeln sich in Paris die TcU- »hmer an der D r e i m ä ch t c k o n f e r c n z, die am yreitag Zusammentritt und sich mit der Abessinienfrage beschäftigen wird. Die englische Abordnung unter Führung des englischen Ministers für Völkerbundsangelegen- Herten, Eden, und des Chefs der Foreign Office, des englischen Auswärtigen Amtes, Sir Robert Van - lj t a r t, ist bereits in Paris eingetrofsen. Daraus ist »sichtlich, daß England den Pariser Besprechungen große Bedeutung beimißt. Der Führer der italienischen Abordnung, Baron Aloisi, wird erst am Donners- >ag in der französischen Hauptstadt erwartet.
, Die englische P r esse beschäftigt sich sehr ein- geyend mit den vermutlichen englischen Vorschlägen. Mehrere Blätter weisen daraus hin, daß England einen l o r gsältig ausgearbeiteten Plan sowohl Vnpchtlich wirtschaftlicher Zugeständnisse an Italien wie hinsichtlich anderer kolonialer Entschädigungen hat.
"> lY Telegraph" glaubt zu wissen, daß Mussolini unter Umständen bereit sei, sich mit einem . „unblutigen" Sieg zu begnügen.
^em Zweck aber müßte Italien seine wirklichen Ziele Absichten barlegen und es müßte weiter geprüft ob sie erstens vernünftig und zweitens für Rinnen annehmbar seien. „M o rnin g P o st" weist . »M'l hm, daß die Absicht bestehe, Italiens A u s - y II n n g s b e d ü rfuis z u befriedigen durch B»k weitgehende Revision des kolonialen « i vsta ndes. In diesem Sinne wird von der Ab- mnitup eines abessinischen Gebietsstreifens in Ogaden ^omalilandgrenze und Eritrea mit Einschluß wofür
d,L'>nen entsprechend dem frühere» Angebot Edens den brttifdjcn Somalilandhafen Scifo ent
.. . schädigt werden soll.
rückN'^"? .Zusammenhänge wird in London auf die Ge- stiesisff, orwlesen. wonach die Absicht bestehen soll, die portu- Jta/i^ Kolonien Angola und Mozambique zwsichen
' 1 und Deutschland zu verteilen, um somit den An-
uns nacy Muycytanv wettergav. Der Nuckstug verlief ebenfalls glatt. Bereits um 16.17 überflog Elly Beinhorn die deutsche Grenze bei Gleiwitz.
Sic landete nach einer Gesamtflugzeit von 15% Stunden für die Strecke Gleiwitz—Istanbul—Berlin um 18.10 Uhr aus dem Flughafen Berlin-Tempelhof. Damit hat zum erstenmal ein deutsches Flugzeug, und zwar ein Sportslugzeug, an einem Tage den Hin- und Rückflug Deutschland—Kleinasien bewältigt.
Die eintägige Luftverbindung zwischen Deutschland und Kleinasien ist damit eindeutig unter Beweis gestellt worden.
Die erfolgreiche Fliegerin.
(Scherl Bildarchiv — M.)
In Berlin-Tempelhof hatte sich eine kleine Anzahl offizieller Persönlichkeiten, besonders des Luftsports, eingefunden, die Elly Beinhorn zu dieser neuen fliegerischen Großtat beglückwünschten. Nicht zuletzt hat daran auch die ausgezeichnete viersitzige Sportmaschine, die die kühne Fliegerin benutzte, Anteil. Die deutsche Fliegerei kann auf diese Leistung stolz sein und wird das Damm dieses Fluges unter den besten Leistungen vermerken.
Der Reichsluftsportführer Oberst Loerzer hat Elly Beinhorn zu ihrem hervorragenden Flug telegraphisch mit folgenden Worten seine Glückwünsche übermittelt: „Zu Ihrer ausgezeichneten heutigen Fluglciftung die besten Glückwünsche. Loerzer, Reichsluftsportführer."
Ipruchen beider Mächte aus koloniale Erweiteruna zu genügen.
Aufsehen hat die Rede des stellvertretenden Ministerpräsidenten von Südafrika, Smuts, erregt, in der er vor einem Krieg zwischen der schwarzen und weißen
Rasse warnt.
der die Zivilisation in ihren Grundsätzen zerstören würde. In Verbindung mit der unfreundlichen Aufnahme, die das abessinische Angebot auf die Abtretung eines Gebietsstreifens in Ogaden in Italien gefunden hat, sieht jedoch die Londoner Öffentlichkeit dem Beginn der Dreimächteverhandlungen mit nicht sehr großem Optimismus entgegen. In diesem Zusammenhang gewinnt auch eine Entschließung der britischen Union für den Völkerbund eine besondere Beachtung in der Presse, in der die britische Regierung auf- qeforbert wird, die abessinische Frage entsprechend den Satzungen vor dem Völkerbund verhandeln zu lassen und selbst „drastische Maßnahmen" zur Sicherung des Friedens beizusteuern.
KsÄmrembefürchtunzen in Paris.
Am Vorabend der Dreimächtebesprechungeu und nach der Rede des Kaisers von Abessinien beschäftigt sich die f r a n z ö s i s ch e P r e s s e ausgiebig mit dem italienisch- abessinischen Streitfall und untersucht die Möglichkeiten einer friedlichen Bereinigung. Ganz allgemein wird hierbei hervorgchoben, daß die Zugeständnisse, zu denen sich der abessinische Kaiser in seinen Ausführungen unter gewissen Bedingungen bereiterklärt habe, keine Verhandlungsgrundlage bilden könnten. Das „E ch o d e P a r i s" weist u. a. darauf hin, daß der Hafen von Z e i l a, um den es sich ausschließlich handeln könne, nur wenige Kilometer bon der französischen Eisenbahn Addis Abeba—Dschibuti entfernt sei. Diese Eisenbahn sei aber im Vertrage von 1906 gegen wde englische und italienische Konkurrenz geschützt. Das Blatt denkt an die Möglichkeit, Abessinien in drei v e r s ch i e d e n c E i n f l u ß - zonen, nämlich eine italienische, eine englische und eine französische, auszuteilen.
Verstärkung des ägyptischen Grenzschutzes.
Wie aus Alexandrien gemeldet wird, wird der ägyptische Kriegsmini st er in den nächsten Tagen die Straßenarbeiten und die neuen Befestigungsanlagen an der Westgrenze besichtigen. Zur Sicherung der Westgrenze werden außerdem motorisierte Abteilungen unter dem Kommando eines englischen Offiziers gebildet. In Haifa sind zwei englische Regimenter aus Indien zur Verstärkung der britischen Truppen in Palästina eingetroffen.
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Valdwin bleibt in Atz-leS-VainS.
Die Besprechungen in Paris dürften fünf bis zehn Tage dauern. Während der nächsten kritischen Wochen wird der englische Ministerpräsident Baldwin in Aix-les-Bains bleiben. Es ist kein bloßer Zufall, daß der englische Schatzkanzler Neville Ehamberlain, der allgemein als „zweite Nummer" im Kabinett anerkannt ist, beschlossen hat, dieses Jahr seine Ferien in der Schweiz und nicht wie sonst in der Regel in Schottland zu verbringen. Sollten die Dreimächte- besprechungen fehlschlagen, dann wird er sicher seinen Chef in Aix-les-Bains besuchen. Staatssekretär des Äußeren Hoare wäre telephonisch in London zu erreichen, und Eden könnte im Notfall persönlich von Paris nach Air kommen.
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Die SchNèiz verbietet Abessmieu- kmdgeblmgen.
Der Schweizer Bundesrat hat im Hinblick auf den internationalen Kongreß gegen den italienischabessinischen Krieg, dessen Abhaltung in Basel auf den 15. bis 17. August beabsichtigt war, einen Beschluß gefaßt, in dem es u. a. heißt:
In Erwägung, daß ein internationalerKon - greß gegen den italienisch-abessinischen K r i e g die völkerrechtlichen Beziehungen der Eidgenossenschaft, ihre Sicherheit, Ruhe und Ordnung gefährden könnte, beschließt der Bundesrat: Die Abbaltung eines internationalen Kongresses gegen den italienisch-abessinischen Krieg wird auf dem ganzen Gebiet der Eidgenossenschaft verboten. Tön Ausländern ist die Einreise in die Schweiz zum Zweck der Teilnahme an einem solchen Kongreß verboten. Ausländer im Inland, die an einem derartigen Kongreß teilnehmen, können nach Artikel 70 der Bundesverfassung ausgewiesen werden.
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Und die italienischen Truppentranèprrte gehen weiter.
Wie aus Alexandria berichtet wird, nehmen die italienischen Truppentransporte durch den Suezkanal nach Eritrea ihren Fortgang. Tag für Tag passieren die Dampfer Port Said. Eine große Ladung Bier an Bord eines dänischen Dampfers, der nach Massaua bestimmt war, wird mit der Tatsache erklärt, daß Wein sich als zu erhitzend für die Soldaten herausgestellt hat. Auf griechischen Schiffen kommen weiter fortgesetzt Maultiere, Fordautos und Schleppboote durch. Die meisten Fahrten erfolgen bei Nacht. Die Schiffe gehen weit entfernt vor der Stadt vor Anker, besonders die Fahrzeuge, die mit Kranken nach Italien zurückfahren. Die heimkehrenden Hospitalschiffe haben schätzungsweise 5000 Mann an Bord gehabt, die an Malaria, Dysenterie und in einigen Fällen an Typhus erkrankt waren. Auch eingeborene Truppen aus Somaliland und Eritrea sind nach Tripolis und tripolitairische Truppen nach Eritrea befördert worden.
Aus Addis Abeba wird gemeldet: Ein britischer Staatsangehöriger, Oberst Sandford, hat einen Posten in der abessinischen Verwaltung erhalten. Er ist zum Berater der Provinz Majji ernannt worden. Die Provinz liegt nördlich des Rndolfsees an der Stelle, wo Kenya und der englisch-ägyptische Sudan aneinandergrenzen.
Oer Mord an der Erbhosbäuerin.
Der Täter stellt sich selbst der Polizei.
In Linde, Kreis Greifenhagen (Pommern), wurde am Montagnachmittag die E r b h o f b ä u c r i n H a b k e auf ihrem Besitztum vor dem Backofen e r w ü r g t a u f - gefunden. Die Wohnung war nach Geld durchsucht und da« Fahrrad des Bauern verschwunden. Der Verdacht richtete sich sofort gegen den 21jährigen Matthias Spengler, der seit dem 10. August d. I. auf dem Ho, beschäftigt war. Am Dienstagnachmittag stellte sich Spengler selbst in Berlin auf einem Polizeirevier.
Bei seiner Vernehmung gab er als Grund des Mordes an, er habe keine Lust mehr zum Arbeiten gehabt und gehofft, in der Wohnung Geld zu finden. Die Frau sei ihm bei der Ausführung des Diebstahls im Wege gewesen, und er habe sie daher gewürgt, bis sie umgefallen sei. Da er keine Aussicht auf Entkommen gehabt habe, habe er sich, nachdem er mit dem Rad nach Berlin gefahren sei, der Polizei gestellt.