Zulöaer Anzeiger
Kridieint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Kei Lieserungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehren klau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. — Berantw. für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.
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Nr. 190 — 12. Jahrgang
Fulda, Freitag, 16. August 1935
Einzelverkaufspreis 10 Psg.
Die geistige Brücke
von Deutschland zur Welt.
Dr. Goebbels eröffnet die 12. Deutsche Rundfunkausstellung — Neue Millionenauslage des Volksempfängers — DAF 1011 für den Gemeinschaftsempfang.
Rcichsminister Dr. Goebbels führte bei der Eröffnung der 12. Großen Deutschen Rundfunkaus - stellung in Berlin u. a. folgendes aus: „Als der Führer am 30. Januar 1933 um die Mittagsstunden an die Verantwortung gerufen wurde, teilte der Rundfunk zuerst dem deutschen Volke diese historische Nachricht mit. Offenbar aber glaubten die damals in den Funkhäusern noch regierenden Systemstatthalter, damit ihrer öffentlichen Pflicht Genüge geleistet zu haben. Ein geschichtliches Ereignis war eingetreten. Eine Revolution hatte ihren Anfang genommen. Wenige Stunden später wälzten sich durch die Straßen der Reichshauptstadt die revolutionären Massen des erwachten Berlin und zogen durch die Wilhelmstraße am Reichspräsidenten und am Führer vorbei. Ganz Deutschland befand sich im Taumel.
Nur das Funkhaus in der Masurenallee lag still, weitab vom Lärm des Zentrums. Die Führung hatte sich nach Dienstschluß nach Hause begeben in der gewohnheitsmäßigen Annahme, daß nun ihre Pflicht getan sei. Was das Volk anfing, und was das Volk deshalb auch hören wollte, das ging sie nichts an. Damals sind
revolutionäre Nationalsozialisten ohne Amt und Auftrag in das Funkhaus hineingegangen, haben Mikrophone und Apparaturen aus Autotaxen geladen, sind in die Reichskanzlei gefahren und haben von der Reichskanzlei aus über die Ätherwellen das ganze deutsche Volk am nationalen Aufbruch der Reichshauptstadt teilnehmen lassen.
Da ist der Rundfunk zum e r st e n m a l politisch geworden. Seine damaligen Außenseiter — das sind dieselben Männer, die ihm heute Gesicht und Haltung geben — haben ihn unmittelbar an das Volk herangeführt und damit auch das Volk für den Rundfunk erobert.
Der triumphale Siegeslauf des Rund- sunks zeigt sich am besten im ungeahnten Aufschwung der Rundfunkhörerzahlen. Während wir Ende des Jahres 1932 nur 4 300 000 Rundfunk- Hörer verzeichneten mit ständig zunehmender Abnahme, stiegen diese Ende des Jahres 1933 auf 5 Millionen, im Jahre 1934 auf 6 100 000 und weisen am 1. Mai 1935 einen Bestand von 6 700 000 auf. Das bedeutet eine
Zunahme von 2 400 000 Hörern und eine Vermehrung der Hörerzahlen, die wir übernahmen, um mehr als die Hälfte.
Die nationalsozialistische Führung des Rundfunks blieb demgegenüber nicht untätig, sondern suchte den natürlichen Zuwachs der Hörerzahlen durch besondere, in die Augen fallende Leistungen weiterhin auszuweiten. Im Mai 1933 wurde nach langem Für und Wider zum ersten Male die Auflegung von 1 0 0 0 0 0 Volksempfängern zum Preise von 76 Mark beschlossen; denn es hatte sich gezeigt, daß gerade wegen der hohen Preise für deutsche Apparate die breiten Massen der Bevölkerung, vor allen Dingen die Ärmsten unseres Volkes, vom Rundfunk ausgeschlossen blieben. Der Gedanke des Volksempfängers fetzte sich erfolgreich durch, ohne daß dadurch die Produktion ter anderen Geräte geschmälert wurde. 1932 wurden ohne Volksempfänger 971 000 Rundfunk- apparate produziert, 1933 1 105 000 Rundfunkapparate und 376 000 Volksempfänger, 1934 1 070 000 Rundfunkapparate unb 817 000 Volksempfänger. Der Volksempfänger ist also eineArbeitsbesch affungzusätzlicherArt gewesen.
Die Rundfunkindustrie hat nunmehr die Neuauflage von einer Million Volksempfänger VE 301 beschlossen.
Nach dem Vorbild des Volksempfängers hat die Industrie auf Vorschlag der Arbeitsfront einen Staudard- . empfanget für die Betriebe geschaffen:
den Arbeitsfrontempfänger DAF 1011.
Der Arbeitsfrontempfänger soll zunächst kein Gerät für den einzelnen sein; er ist für die Belegschaften l n den Betrieben bestimmt und soll dem R u n d - l" " k g e m e i n s ch a f t s e m p s a n g dienen. Er mußte ™ bezug auf äußere Aufmachung, innere Kon- und Leistung den höchsten Ansprüchen genügen. st8 dieses modernen und leistungsfähigen Gerätes wird ohne Lautsprecher 295 Mark betragen."
âr Minister kennzeichnete dann die kulturelle v d e u t u n g des deutschen Rundfunks und führte v „Der Rundfunk entdeckte in ungeahntem Maße schöpferischen Kräfte der jungen Schaffenden und ihr großzügiger Protektor. Es ist kein Zufall, daß me beiden Träger des großen Nationalpreises in den °"dangenen zwei Jahren im Rundfunk ihre ersten llr> ^o’^mgen erleben durften, Euringer, der Autor ^„Deutschen Passion", und Wolfgang Eberhard «L®1 er, der mit vielen Hörspielen ein erfolgreicher Mitarbeiter des deutschen Rundfunks wurde. Viele Auf- suyrungen des Rundfunks haben den Weg zur Bühne Kompositionen durch ihre Uraufführung im AMunk den Weg zum Musikverleger und damit zur uen Masse des mustkausübenden Volkes gefunden.
Der Rundfunk ist, wie keine andere Institution, dazu berufen und befähigt,
die geistige Brücke von Deutschland zur Welt zu schlagen.
Er gibt anderen Ländern und Völkern ein plastisches Bild deutschen Lebens, Denkens und Gestaltens. Der großartige Ausbau des Kurzwellensenders, der jetzt mit seinen Richtstrahlen alle Erdteile erreicht, hat hier wahre Wunder der Verständigung geschaffen.
Der deutsche Rundfunk hat in besonderem Maße seine weitreichenden Kräfte in den Dienst des so erfolgreich geendeten Saarkampfes gestellt und die Grundlage zu dem großen Abstimmungssieg am 13. Januar gelegt. Der
SWerWeite» sei den Pariser WrWM
Sieben englische Punkte — Die Verantwortung liegt jetzt bei Frankreich.
Die Schwierigkeiten, die sich bei den Dreierbesprechungen in Paris von Anfang an geltend machen, werden von der französischen Presse besonders hervorgehoben. Es sei sehr schwer, den Engländern beizukommen, meint der „Paris Midi", da sie sich ja aus den rechtlichen Boden per Verträge stellten und a u s d e n Völkerbund stützten, und wie könne Frankreich da ihnen entgegeutreten und Zugeständnisse von ihnen verlangen. Der englische Minister Eden weise mit Recht daraus hin, daß das Beispiel Italiens, wenn es das Gebiet eines anderen Völkerbundsmitaliedes einfach
Der englische Minister Eden und der französische ‘ Ministerpräsident Laval, die in Paris Vorbesprechungen für die Dreimächtelonferenz über den Abessinienkonflrkt führten, im Kreise von Zeitungsleuten, denen sie ihre Ansichten kundgaben. (Scherl — M.)
annektiere und eine Reihe von Verträgen verletze, schwere Folgen sürEuropa haben würde.
Große Bedeutung wird in politischen Kreisen Englands und in einem Teil der englischen Presse der „geheimen" Besprechung, die Eden mit L a v a l gehabt hat, zugemessen. Wie die diplomatischen Korrespondenten des „Daily Telegraph" und des „Daily Expreß" übereinstimmend melden, soll Eden erklärt haben, daß die ganze Schwere der Verantwortung für die weitere Entwicklung Frankreich zufallen werde, wenn es sich jetzt nicht vorbehaltlos an die Seite Englands in der Abessinienfrage stelle. Vor allem soll Eden bei seinen Darlegungen unmißverständlich erklärt haben, daß
England sich in eine Politik der „Isolation" zurückziehen und die europäische Frage künftig nur noch als uninteressierter Beobachter betrachten werde, falls man bei den jetzigen Dreimächtebcsprcchungen nicht zu einer befriedigenden gemeinsamen Lösung käme.
Besonderen Nachdruck scheinen die englische n Vertreter bei den Besprechungen mit Laval auf folgende Punkte gelegt zu haben:
1. Das bedai! ernswerte Beispicl, das gegeben würde, wenn der Völkerbund einem Milgtiedstaat erlaubte, das Gebiet eines anderen Mitgliedstaates gewaltsam in Besitz zu nehmen. /
geradezu vorbildliche Ausbau des Zeitfunks läßt den Rundfunk hineindringen in die Geschehnisse der Volksgemeinschaft.
Diese in die Augen stechenden Leistungen des deutschen Rundfunks sind nur möglich gewesen, weil seine ganze Arbeit von nationalsozialistischem Gestaltungswillcn und revolutionärer Initiative erfüllt war.
Was das Problem des Fernsehens anlangt, so befinden wir uns hier in einem erfreulichen Fortschritt. Der Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer eröffnete in den Wohnvierteln des schaffenden Volkes von Berlin bereits Volksfernsehstuben. Wir sehen auf diesem Gebiet weiteren grundlegenden Erfindungen entgegen und sind überzeugt, daß das deutsche Fernsehen in kurzer Zeit einem märchenhaften Aufschwung entgegengeht.
Der Rundfunk hat nicht die Aufgabe, in diesen schweren Zeiten dem Volke das Herz noch schwerer zu machen. Er soll die Gemüter erleichtern, die Sinne ermuntern, die Herzen stärken. Klar, aufrichtig und kompromißlos: mit einem Wort, nationalsozialistisch muß der deutsche Rundfunk sein und bleiben! Nur wenn er selbst das Voll liebt, wird das Volk ihn lieben lernen. Möge zu dieser Liebe zwischen Volk und Rundfunk auch die Große Deutsche Rundfunkausstellung 1935 ein Wegbereiter sein, die ich hiermit für eröffnet erkläre."
2. Die Erschütterung des Vertrauens zu Verträgen, wenn zugelassen würde, daß eine ganze Anzabl von Verträgen offenkundig und unangefochten verletzt würde.
3. Die Zerstörung jeder Hoffnung auf Beendigung des Werkes der Befriedung in Mittel- und Osteuropa.
4. Die ernsten wirtschaftlichen Folgen für Italien selbst, das bei einem langwierigen Feldzug in Gefahr kommen könnte, innerlich zusammenzubrechen.
5. Italiens Schulden an die britische Industrie, die ihm keine weiteren Kredite gewähren könne.
6. Die Tatsache, daß England seine Außenpolitik künftig nicht metjr auf den Völkerbund gründen könnte, wenn Frankreich nicht gleichfalls die Grundsätze des Völkerbundes unterstütze.
7. Die schwere Erschütterung der britischen öffentlichen Meinung, wenn England infolge des Ausbleibens französischer Unterstützung gezwungen werden würde, sich von den europäischen Angelegenheiten zurückzuziehen und Schutz für sich selbst durch zweiseitige Verträge zu sichern.
In London erwartet man nun, daß Frankreich daraufhin England vorbehaltlos unterstützen werde, vor
allem in der Abessinien
werden soll.
Durchführung des neuen Planes, nach dem zu einem „wirtschaftlichen Völkerbunds- mandat" umgewandelt
Darin ist der von Italien verlangte Eifen
bahnbau zwischen den beiden italienischen Kolonien vorgesehen, ferner Gebietsabtretungen und größere Konzessionen zur Ausbeutung der Mineralbodenschätze. Außerdem würde Abessinien größere Ländereien für italienische Siedler zur Verfügung stellen. Zur Entschädigung dafür würde es einen Zugang zur See mit einem Handelshafen erhalten.
Im Falle der N i ch t a n n a h m e d i e s e s P l a n e s durch Mussolini soll Eden die A n w e n d u n g schärfster moralischer u n b wirtschaftlicher Druckmittel von feiten Frankreichs und Englands gegen Italien gefordert haben.
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Verstärkter englischer Widerstand
London, 16. August. Der „Star" bringt die sensationelle Behauptung, Eden sei ermächtigt worden, dem italienischen Vertreter Baron Aloisi gegenüber zum Ausdruck zu bringen, daß die italienischen Truppen im Falle eines Einmarsches in Abessinien vor den Grenzen der britischen Konzessionen am Tanasee Hatt machen müßten. Diese Konzessionen habe Italien im vorarrs vertraglich anerkannt, und kürzlich habe sich die abessinische Regierung zum Abschluß eines Abkommens bereit erklärt, das lediglich noch der formalen Unterzeichnung bedürfe. Eden sei weiter zur Abgabe der Erklärung ermächtigt worden. daß England nicht gewillt sei, den wirtschaftlichen Aufstieg des Sudan und Aegyptens durch eine italienische Kontrolle über die Luellgewässer des Blauen Nils gefährden 311 lassen.
In London wird allgemein erwartet, daß die Pariser Konferenz am Freitag mit dem formalen Beginn der Verhandlungen ihren entscheidenden Höhepunkt erreichen werde. Außenminister Sir Samuel Hoare ist in seinem Landhaus in laufender telefonischer Verbindung mit London und Paris.
In englischen Kreisen ist die in Pariser Meldungen zum Ausdruck gekommene Uebereinstimmung der Ansichten zwischen der britischen und der französischen Abordnung hinsichtlich der gemeinsamen Verantwortlichkeiten Englands und Frankreichs als Mitglieder des Völkerbundes mit Genugtuung verzeichnet worden. Gleichzeitig damit betont man jedoch, daß gewisse Gerüchte, in denen von Drohungen gegenüber Dritten gesprochen worden sei ober