Zulöaer Anzeiger
SÄS 5 Taseblatt für Rhön und VsgelsberE- KV^ÄI^-S^L Zulöa- und Haunetal Fuldaer Kreisblaü
SMptschriftl.eiter Friedrich Ehren- Z V
ll a u ■ 8Ä^3Ä :^Ä e?n^H?im^^ Echristleitung und SeschästssteUe: Königstraße 42 ❖ Fernsprecher Nr. 2989
Nr. 193 — 12. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 20. August 1935
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Feuer in der Funk-Ausstellung.
Halle IV vernichtet. — Aus höchster Gefahr gerettet. — Dr. Goebbels und Dr. Frick an der Brandstätte.
Berlin, 20. August.
3n den Ausstellungshallen am Kaiser- tz a«.m, die augenblicklich die 12. Große Deutsche Funkausstellung beherbergen, brach am Montagabend gegen 20.30 Uhr infolge von Kurzschluß Feuer aus, das hald nach dem Entstehen sehr große Ausmaße annahm. Das Feuer schlug annähernd 50 Meter hoch zum Nacht- himmel empor und setzte auch das Restaurant auf dem Rittern in Brand.
Die Berliner Feuerwehren wurden in Alarmzustand versetzt und, soweit möglich, nach dem Messe- qelânde am Kaiserdamm beordert. Aus unzähligen Schlauchleitungen gab man fieberhaft Wasser, um ein liebergreifen des Feuers auf die noch verschonten Hallen zu vermeiden. Auf Anordnung der Brandbekämpfungsleitung wurden sofort auch Sonderkommandos der Schutzpolizei, des Arbeitsdienstes, der SA, der SS und des Reichsheeres zur Hilfeleistung herangezogen. Es galt besonders die Menschen, die sich zu Hunderttausenden um das Gelände herum eingefunden hatten, von der Straße fernzuhalten, um eine wirksame Bekämpfung des Brandes zu ermöglichen.
Bald nach Ausbruch des Brandes traf Reichsminister Dr. Goebbels in Begleitung des stellvertretenden Gauleiters, Staatsrat G ö r l i tz e r, an der Brandstätte ein und ließ sich über die getroffenen Maßnahmen Bericht erstatten.
Durch das mutige Verhalten zweier Feuerwehrleute gelang es, eine Schlauchleitung vom Erdboden bis zu dem in etwa 50 Meter Höhe befindlichen Funkturmrestau- raut zu leiten, in das sich etwa zehn Personen geflüchtet hatten und das, wie gemeldet, durch die hoch- lodernden Flammen ebenfalls in Brand geraten war. Die Feuerwehrleute kletterten an den eisernen Masten des Funkturms hoch und brachten auf diese Weise die Schlauchleitung bis unmittelbar an die in Brand geratenen Teile des Restaurants heran. Es gelang auf diese Weise die Funkturmbesucher, die nach Ausbruch des Lrandes im Sprechchor mehrfach Heruntergcrufen hatten »eiettet uns!" außer Gefahr und in Sicherheit zu
An Krieg Italien—Abessinien unvermeidbar?
starke englische Verbitterung über Mussolini — Gemeinsamer Schritt der Weltmächte?
Der Zusammenbruch der Dreimächte v er -
l un g e n i n P a r i s hat in allen europäische» Awptstiidten, obgleich die Schwierigkeiten besonders zwi
der englischen und italienischen Auffassung über den Mssinienstreit bekannt waren, größtes Aussehen erregt, achdem der französische Ministerpräsident Laval am nachmittag mit Eden und Aloisi noch Be- Mechungen gehabt hat, sind die Vertreter Englands und ö meng nach London und nach Rom zurück- rehrt. Die englische Regierung wird nach M Oehlschlägel, der Pariser Dreimâchtekouferenz i n zusammen treten, um neue Beschlüsse zu y ll wird in London erwartet, daß das britische ^ - u.st überbot für Kriegsmaterial nach fr<’1 inie» ausgehoben werden wird. In L»^ usischen politischen Kreisen ist man der daß England und Frankreich nimmst den Vor- ;l u*n der Tag» n g d esVölkerbnndsrats mim" September ihre ganze Aufmerksamkeit schenken m" A der englischen Presse ist man allgemein der A t r f -^ der K rieg zwischen Italien und 11 l n , e n jetzt unvermeidbar sei.
Italiens ist man in Paris äußerst laK "5 .âst hält die Zugeständnisse, die Eng- für »na?? damit Abessinien zu machen gewillt waren, st H $ ausreichend. Nach allgemeiner Auffassung ui sie etwa dasselbe dar, was Italien durch einen Dix s Krieg erreichen könnte. sollte' Zeitung „O euvr e" berichtet, Italien Handel wen an teil am abessinischen strebte die Abtretung von Gebieten, die es er- trea und ^nmAr^ Wn Eisenbahnbau zwischen Eri- Schuh h>inA,m«1, ferner alle Vorbedingungen für den ^"twassn Kolonisten in Abessinien und sogar eine land und ^rn?^ 9 der Grenzzonen erhalten; Eng- Siellcr n l? waren auch zu weitgehender f i n a n- Mullgen in 9shDrf r • " st » " ü der italienischen Unterneh- °n Italien •ntcn und zur Gewährung von Anleihen MwÄ Mussolini stillte sich te»o» für «He £ 0 f H di e n â ^stlMch und lehnte sie ab. In der fran- der Krieu ^t man unumwunden fest, daß . alsoun n  n ! -^c n Italien und Abessinien meid bar fei.
bringen. Soweit zu übersehen ist, hat keiner von ihnen ernsten Schaden genommen. Die Fenerwehrmannschaften schritten dann hier zur restlosen Löschung des Brandes.
Das Feuer ist in der Halle IV ausgebrochen. Durch mustergültiges Verhalten verschiedener Ausstellungsbesu- cher und Hilfsmannschaften konnte wertvolles Ausstellungsmaterial in aller Eile auf die Straße geschafft und gerettet werden. Vor allem gelang es, die kostbaren Fernsehapparate sicherzustellen.
Dank der aufopferungsvollen Bemühungen der Feuerwehr war der Brand gegen 22 Ahr eingekreist. Die Feuerbekämpfung setzte systematisch bei dem ursprünglichen Brandherd in der Halle IV ein, die allerdings als vollkommen vernichtet angesehen werden muß. Auch der größte Teil der in dieser Halle ausgestellten Gegenstände dürfte völlig zerstört sein. Ein Teil der Hallen III und V hat durch das Feuer etwas gelitten. Zum Glück gelang es aber, die Hallen I und II, die durch eine breite Straße von den übrigen Hallen getrennt liegen, sowie die Hallen VI, VII und VIII zu erhalten.
Der amtliche ZerW
2w der Ausstellungshalle IV am Berliner Funkturm brach am Montagabend kurz vor 20.30 Uhr ein Groß- brand aus, durch den auch das Funkturmrestaurant zeitweilig in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es gelang den vereinten Kräften von Feuerwehr, SA, SS und politischen Leitern, Reichswehr, Arbeitsdienst und Landespolizei. das Feuer auf die Ausstellungshalle IV zu beschränken, die wie alle anderen Hallen zu dieser Zeit schon vom Publikum geräumt, war. Die Hallen des Volkssenders und die Fernsehhalls wurden ebenso wie die übrigen Hallen nicht in Mitleidenschaft gezogen. Soweit bis jetzt bekannt geworden ist, sind Menschenleben nicht zu beklagen. Zur Zeit des Brandes im Funkturmrestaurant befanden sich noch acht Personen auf dem Funkturm. Dem mutigen Eingreifen eines Feuerwehrtrupps, der von Baurat Dr. Schäfer geführt wurde, gelang es, alle auf dem Funkturm befindlichen Personen mit nur geringfügigen Verletzungen in Sicherheit zu bringen. Reichsminister Dr. Goebbels, der um 20.45 Ahr auf der Brandstätte erschien, ordnete sofort eine weitgehende Absperrung an. Gegen 22 Uhr traf Reichsminister Dr. Frick am Brandort ein.
Mussolini scheine sich den Italienern gegenüber schon zu sehr sestgelegt zu haben.
Mussolini liege daran, daß sein Sieg über Abessinien klar zutage trete. Man hält es in Paris nicht für wahrscheinlich, daß „auf diplomatischem Wege", auf dem die Verhandlungen nach den amtlichen Pariser Mitteilungen fortgesetzt werden sollen, Mussolini eher zu Zugeständnissen bereit sei.
,,Wèn die Götter »erderden wollen, den Wagen sie mit Blindheit."
In der englischen Öffentlichkeit wird die Lage als außerordentlich ernst bezeichnet. Mussolini habe gezeigt, daß er auf die vernünftigsten
Lösungsvorschläge nicht eingehen wolle. Er habe nicht einmal Gegenvorschläge gemacht. In allen englischen Blättern kommt eine starke Erbitterung gegen Mussolini zum Ausdruck. Die „Time s" schreibt wörtlich: „Ein französischer Premierminister, der seine Aufmerksamkeit von der Innenpolitik in einem kritischen Moment ablenken muß, und ein britischer Minister, der eigens zur Schlichtung der Angelegenheit nach Paris gesandt wird, müssen die Hacken zusammenschlagen und warten, bis Aloisi ihnen gnädigst Italiens Ansichten über die ganze Sache übermitteln darf." Die meisten englischen Blätter geben der Erwartung Ausdruck, daß
Italien einmal die Zeche für sein jetziges Verhalten bezahlen müsse,
zumal seine Beziehungen zu Frankreich nunmehr abgekühlt seien. „Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit", schreibt „News C h r o n i c l e". Man nimmt in London an, daß jetzt ein Schritt der Weltmächte erfolgen werde. Verhandlungen zwischen London und Washington seien bereits erfolgreich gewesen, um den Frieden in Afrika zu sichern. Man nimmt ferner an, daß auch Verhandlungen mit Japan erfolgen werden, um eine gemeinsame Waffensperre gegen Italien herzustellen.
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I Baron Atolsi bedauert
„Von einem englisch-italienischen Streit keine Rede".
Paris, 20. August.
Baron Aloisi empfing am Arontagabend vor seiner Abreise die Vertreter der Presse und stellte dabei mit Bedauern fest, daß die Dreierbesprechungen zu keinem Ergebnis geführt hätten. Der Weg der diplomatischen Fühlungnahme bleibe offen. Er sehe allerdings noch keine Grundlage für neue Verhandlungen. Baron Aloisi wies den Vorwurf zurück, daß Italien es ablehne, seine Forderungen offen darzulegen. Mufsolini habe Eden in Rom genau gesagt, welche Ziele sich Italien gesteckt habe. Von einem englisch-italienischen Streit könne trotzdem keine Rede sein. Die Besprechungen in Paris hätten sich in voller Herzlichkeit abgespielt. Da die Meinungsverschiedenheiten über die abessinische Frage aber groß waren, habe es keinen Zweck gehabt, in Paris weiter zu verhandeln.
Den Einwurf, daß eine militärisches Unternehmen in Abessinien gefährlich und kostspielig sein könne, beantwortete Baron Aloisi mit der Feststellung, daß die italie- nische Regierung genau wisse, was sie vorhabe und die Folgen nicht scheue. Die Politik der sogenanntenS tr esa - Front werde bis zum Ende durchgeführt werden. Daran ändere der Ausgang der Pariser Verhandlungen nichts. Rom sei sich mit Paris und London darüber einig, daß jbie italienische Oesterreich-Politik in keiner Weise geändert werde. Es bestehe vielmehr die .Absicht, die Zusammenarbeit mit Paris und London in dieser Hinsicht demnächst zu vertiefen. Aloisi deutete in diesem Zusammenhang an, daß die Einberufung einer Donau- Konferenz angestrebt werden würde. Ueber Ort und Zeitpunkt liege noch keine Entscheidung vor.
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Sondertagung Des Londoner Kabinett;
Verschärfung des englisch-italienischen Gegensatzes?
London. 20. August.
Der zur Zeit noch in Aix-Ies-Bains weilende Ministerpräsident Baldwin hat die Mitglieder des britischen -Kabinetts am Montag aufgefordert, sich für eine Sondersitzung bereitzuhalten, auf der die durch den Zusammenbruch der Pariser Abessinien-Konferenz heraufbeschworene Lage beraten werden soll. Die Sitzung dürfte wahrscheinlich schon am Freitag stattfinden, weil angesichts der Kürze der noch bis zum 4. September zur
Ausländsdeutsche
Jugend beim
Führer.
In Nürnberg wurde eine auf der Durchfahrt befindliche Gruppe auslandsdeutscher Jungen vom Führer zum Abendessen cingelgden. Die Jungen verabschieden sich vom Führer. (Heinrich Hoffmann —