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Kulöaer Anzeiger

jeden Werktag. Wochenbeilage:Der ^»' Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. «ei L^ierungsbehinderung durch Höhere, Ee- st" bestehen keine An pruche. Verlag Fried- »° Stens lau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck : Friedrich Ehrenklau, Lauter- Hauptschrijtlerter Frredrrch Ehren- ?u Fulda, Konigstr. 42, Fernsprecher 2989. - Sefonh? für den Inhalt: B e r n d H e l m , Fulda.

Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg" Zulöa- unö Haunetal >Zulöaer Kreisblatt

Schristleitung und Geschäftsstelle: Konigstraße 42 Fernsprecher Nr. 2989

Nr. 197 12. Jahrgang

Fulda, Samstag, 24. August 1935

Anzeigenpreis: 1mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." VII. 35. 910. Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Die Leipziger Herbstmesse im Zeichen der Ausfuhrförderung

Das Programm der Messeveranstaltungen.

Die Leipziger Herbstmesse 1935, aus der anläßlich »!nes Empfanges der in- und ausländische« Presse der Reicvsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk das Wort zu grundsätzlichen Ausführungen nehmen wird, be- a m 25. August und dauert bis zum 29. A u - Außer der Gruppe Textilien, die erweitert unter dem AmenTertil- und Bekleidungsmesse" ausstellt und bereits am 28. August beendet sein wird, schließen alle Wiqe der Mustermesse am 29. August. Auf dem Aus- Mngsgelände wird außerdem die Messe für Bau-, Hous- und Beiriebsbedars durchgefühn.

Die Herbstmesse steht im Zeichen der Export- 'ördcrung. Die Ausfuhrvermittlungsstelle des lMseatischen' Exporthandels erscheint in der bewährten Änn Sie wird durch eine am Montag, dem 26. Gingest, stattfindende Kundgebung des Ausfuhrhandels und der Industrie, einer Erporthandelsbörse. auf Der Reichsstatt- halter Kaufmann, Hamburg über Aussuhrfragen spricht, ergänzt. Außerdem hat die Ausfuhrfördcrungs- stelle des deutschen Handwerks in Leipzig die Beteiligung eitler Reihe erportorientierter Handwerkzweige vermittelt.

In 17 Sammelständen werden ausfuhrfähige hand­werkliche Erzeugnisse gezeigt. Holland,be­teiligt sich erstmalig mit einer Kollektivausstellung seiner Industrieprodukte und den Erzeugnissen der niederlän­dischen Kolonien.

Der Besuch der Messe aus dem Inland verspricht außerordentlich stark zu werden.

Die Voranmeldungen aus dem Ausland lassen einen be­sonders starken Zustrom aus Westeuropa und

Letzte Chance für den Völkerbund.

England will Italien nicht reizen.

Der mit so viel Spannung verfolgte Kabinettsrat in London, der über die englische Haltung im Abessinien- ionslikt entscheiden sollte, hat keine Änderung des bis­herigen Kurses gebracht. Die Lage ist völlig unverändert: Das Verbot der Ausfuhr von Kriegsmaterial aus Eng­land nach Abessinien bzw. Italien bleibt bestehen, und ;lvar, wie in konservativen Londoner Blättern betont ^ird, mit Rücksicht auf die italienische Reizbarkeit. Eng- Mdwird nach wie vor eine Völkerbundspolitik W^en, und eine Erklärung über die Frage von Sank- wird bis auf weiteres nicht abgegeben werden.

l k er b u n d s r a t, der am 4. September in Mf nochmals, angeblich zum letztenmal, sich mit dem Ichsinienkonflikt befassen wird, ist also jetzt die Entschei­dung zugeschoben worden. Es wird eine Schicksals­fügung des Völkerbundes werden.

Die englische Presse äußerst übereinstimmend ihre S Befriedigung über den Beschluß des Kabinetts, vor- fuuslg keine Sondermaßnahmen gegen Italien zu unter- "Men und sich nur an einem Gesamtvorgehen der Völ- , wundsmächte zu beteiligen. In allen Blättern wird dar- >s hmgewiesen, daß die Beibehaltung des Waffenausfuhr- öaJu dienen soll, Frankreich die Möglichkeit zu Steren Verhandlungen mit Italien zu geben, um am ./ September in der Völkerbundssitzung in Genf doch °w zu einer friedlichen Lösung des Abessinienkonflikts L Es wird von den meisten Zeitungen als ibezeichnet, daß Italien an der Tagung teilnehmen '" lerne Klagen gegen Abessinien vorbringen werde.

die englische Politik gelte es jetzt, bis zum Zu- wmmentrttt des Völkerbundsrats alle Maßnahmen vermeiden, durch die Italien gereizt werden könne. p-Lstellt weiter fest, daß England bereit sei, seine Ver- erf Völkerbundsmacht in jeder Hinsicht zu Halt.?», ^ daß die jetzt zum Ausdruck gelangte feste Wit Regierung ihren Eindruck in Rom

* is hat das Ergebnis der Londoner Kabi- Haltun» s ^ "icht überrascht, da man eine gemäßigte der Aom-» s Kabinetts voraussah und die Vertagung von Sanktionen gegen Italien und die Meir ^ Verbots der Waffenausfuhr als von bem^rL betrachtet. Man stellt fest, die 8enowni^^"älachen Kabinett wenigstens vorläufig an- Mentritt nicht alle Brücken vor dem Zusam- schehen was Volkerbundsrats abbreche. Nichts sei ge- zu erscheint ^1""en dazu bringen könne, in Genf nicht noch ~ . lei

Ctllc "rist und Raum für eine versöhnliche Lösung Allgemein ^ x geblieben.

lischen MinS pan in Paris die Beschlüsse des eng- lfchkeit nich?^ ^ als den Wunsch, die italienische Empfind- ^"iösiscben verletzen. Wenn, so erklärt u. a. der bem Wien L Außenministerium nahestehendePetit lwnen in'Lnn?^"^bieller Entschluß in bezug auf Sank- ndon getroffen wäre. so hätte es im Wider­

Ubersee, aber auch aus Skandinavien und verschiedenen wichtigen Balkanstaaten erwarten. Die Anmeldungen aus Holland, England und Frankreich sind um ein Drittel höher als im Vorjahr, wobei sich hinsichtlich auf Holland offen­sichtlich eine Einkäufer werbende Wirkung der hollän­dischen Kollektivausstellung bemerkbar macht.

Wie üblich, wird auch diesmal die Messe durch zahl­reiche Tagungen und Vorträge belebt. Im Anschluß an eine Arbeitstagung, die die Kommission für Wirtschaftspolitik der Reichsleitung der NSDAP, während der Messe veranstaltet, findet am 27. August, 20 Uhr, in der Alberthalle eine große öffentliche Kund­gebungNeue Weltwirtschaft" statt. Auf ihr werden über verschiedene außenhandelspolitische Themen sprechen: Sir George Holden, ein bekannter englischer Tertilfach- mann, der Direktor der Golddiskontbank. Brinkman. und der Leiter der Kommission, Bernhard Köhler.

Die Organisation der deutschen Sportartikel-Jndu- strie feiert im Rahmen der Sportartikelmesse ihr 25jähriges Bestehen. Reichssportführer von Tscham- mer und Osten wird hier das Wort nehmen.

Von größtem Interesse wird auch die erste ver­kehrswirtschaftliche Tagung am 28. August sein, die das Seminar für Verkehrswesen der Univer­sität Halle gemeinsam mit dem Leipziger Messeamt durch­führt. Hier werden sprechen: Prof. Dr. Wolff, Halle, Ge­sandter Werner Daitz, Berlin, vom Außenpolitischen Amt der NSDAP, und Prof. Most-Duisburg.

spruch mit der allgemeinen Politik des Kabinetts gestanden, diesen öffentlich zu verkünden; denn die Politik des Kabinetts bestände für den Augenblick darin, unter den bestmöglichen Bedingungen und im engen Einverständnis mit Frankreich die im Gange befindlichen diplomatischen Bemühungen fortzusetzen, um dre Krise durch eine friedliche Lösung zu entwirren.

Nach der Beurteilung in R o m sieht man

die Gefahr einer Anwendung von Sanktionen im Ernstfälle, trotz der gemäßigten Haltung des englischen

Kabinetts, noch nicht beseitigt, sondern eher vergrößert. Die Besprechungen mit den Parteiführern werden, so meint man in Rom, die eng­lische Regierung offenbar zu der Überzeugung gebracht haben, daß gerade die Mehrzahl der befragten Partei­führer sich für derartige Maßnahmen einsetzen will. So wollten, wie man wissen will, besonders die Konservativen glauben machen, daß eine Besetzung Abessiniens durch Italien das englische Weltreich bedrohe und daher eng­lische Gegenmaßnahmen unvermeidlich mache.

Die Entscheidung des britischen Kabinetts, unver­ändert an den Grundsätzen des Völkerbundes fcstzuhalten, veranlaßt die amerikanische Presse u. a. zu der Äußerung, daß das Kabinett damit dem Völkerbund eine letzte Chance gegeben habe.

*

Die Londoner Kadinettslitznng

London, 24. August.

Ueber den Inhalt der «Beratungen des britischen ^abi* netts sind inzwischen einige weitere Einzelheiten durch- gesickert. Der im allgemeinen gut unterrichteteStar" schreibt, das Kabinett habe sich einmütig auf den Stand­punkt gestellt, daß der Tana-See und die Quellen des Blauen Nils unter keinen Umständen unter die Kon­trolle einer fremden Macht fallen dürften. Ferner sei beschlossen worden, gewisse lebenswichtige strategische Punkte auf der Verbindungslinie des Weltreiches zwischen dem Mutterlande und dem Roten Meer zu ver­stärke it.

Am Freitag fand in Dvwningstreet 10 unter dem Vorsitz des amtierenden Ministerpräsidenten MacDonald eine zweistündige Besprechung über den italienisch-abessini­schen Streitfall statt, an der die noch in London verbliebe­nen Minister und die Abteilungsleiter des Foreign Office und andere Regierungsstellen teilnahmen.

Paris in Erwartung der englischen Beschlüsse.

Paris, 24. August.

In gutunterrichteten französischen Kreisen bestätigt man, oaß der Quai d'Orsay eine Mitteilung der enLlischen Regierung über ihre Beschlüsse in der italienisch-abessini­schen Streitfrage erwartet. Die Ueberreichung einer Rate ober- ein entsprechender diplomatischer - Schritt dürfte je­doch erst im Laüfe des Sonnabeüd erfolgen.

Welt-Baumwollnöte.

England will 25 Prozent seiner Baumwollspinnereien verschrotten Elsässische Baumwollindustrie droht mit Abwanderung nach Ägypten Amerikas verfehlte

Baumwollpolitik.

Der gewaltige Prozeß der Umwertung aller Werte, der in der Nachkriegszeit begann, ist noch keineswegs abgeschlossen. Im Gegenteil. In der Politik wird nach neuen Formen und Inhalten, in der Wirt­schaft nach neuen Grundlagen und Grundsätzen gesucht, und alles ist in Fluß. Wenn Dr. Schacht auf der Königsberger Ostmesse in seiner großen Er­öffnungsrede hervorhob, daß die deutsche Handels­politik sich großenteils verschoben habe, so wies er damit bereits auf den Umstellungsprozeß hin, der sich heute in der ganzen zivilisierten Welt vollzieht. Gleichgültig ob es sich um Rohstoffländer handelt oder um Industriestaaten.

Wohl den stärksten Wandel mußten sich in den letzten Jahren zweifellos die großen Baumwolländer der Welt ge­fallen lassen. Das Schlagwort von denWelt-Baum­woll n ö t e n" ist allgemein bekannt. Und doch ist diese Not keineswegs allerjüngsten Datums, wenn sie auch heute erst in aller Mundè ist. Tatsache ist, daß durch den Krieg allgemein, vor allem auch bei den jüngeren Völkern die Erkenntnis von der Gefährlichkeit der starken Ab­hängigkeit von den großen Industrie­staaten erwachte. Um diese Abhängigkeit, wo nicht völlig abzuschütteln, so doch zu mildern, entschlossen sie sich noch zum Aufbau eigener Industrien. Natur­gemäß wandte man sich bei dem Aufbau eigener Indu­strien zunächst denen zu, die am leichtesten aufzubauen waren, während die typische Schwerindustrie nur sehr langsam folgte. Zu den leicht anzulegenden Industrie­zweigen gehörte in erster Linie die T e x t i l i n d u st r i e. Was Wunder, daß diese heute fast allenthalben in allen größeren Nationalwirtschaften auf- und ausgebaut wird. Die notwendige Folge davon ist, daß die Textil­industrie, namentlich die Baumwollindustrie der alten Industriestaaten an der allgemeinen wirt- fchaflichen Belebung keinen Anteil, sondern im Gegenteil mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Auch in der deutschen Baumwollindustrie, die früher große Ausfuhraufträge hatte, ist diese Um­stellung zu spüren. Allerdings wurden hier die Rück­schläge großenteils durch die ausgezeichnete Binnenkonjunktur ausgeglichen.

Geradezu katastrophal haben sich aber die Zustande im Ausland gestaltet. Das Mißverhältnis zwischen der L e i st u n g s f ä h i g k e i t der industriellen Anlagen und den Absatzmöglichkeiten ist derartig groß gewor­den, daß man heute in der Verschrottung von Baumwollspindeln einen wichtigen Ausweg sieht. In England wird zur Zeit an einem Gesetz gearbeitet, demzufolge zehn Millionen Spindeln, d. h. etwa 25 Pro­zent der vorhandenen Spindelzahl verschrottet werden sollen. Dieselbe Forderung wird nun auch im Elsaß erhoben. Nach Behauptung der elsässischen Textil­industrie werden die dortigen Anlagen infolge des Äus- fuhrmangels nur noch zu 40 Prozent ausgenutzt. Die Preise für Baumwollerzeugnisse decken heute nur noch 60 Prozent der Selbstkosten. Da Vereinbarungen über die Beschränkung der Arbeitszeit an dem Gegensatz zwischen der elsässischen und der altfranzösischen Industrie scheiterten, werden neuerdings auch im Elsaß immer mehr Stimmen laut, die nach dem englischen Beispiel der Ver­schrottung der Spindeln das Wort reden. Andere Baum­wollindustrielle erklären ganz offen, ihre Betriebe i n s Ausland, namentlich nach Ägypten zu verlegen, falls die Regierung nicht für einen besseren Schutz der elsässischen Textilindustrie, die vor dem Kriege Weltruf besaß, Sorge trägt. Damit würden sie dem Beispiel ihrer Facharbeiter folgen, die verlockt durch günstige Lohn­bedingungen, sich für Neuanlagen in Ägypten anwerben ließen. Was eine derartige Abwanderung für das Ursprungsland bedeutet, liegt auf der Hand: in wenigen Jahren schärfster Wettbewerb der neuen Industrie des jungen Staates gegenüber der altbewährten Industrie des Heimatlandes.

Die größten Baumwollschwierigkeiten hat aber wohl Amerika, das in den letzten Jahren einmal seine Aus­fuhr stetig geringer werden sah und zum andern auch im Inland den Verbrauch trotz aller Anstrengungen nicht steigern konnte. Die Ausfuhrfrage wurde dadurch so schwierig für Amerika, als es sich nicht bereit sand, wie die übrigen Baumwolländer, Baumwolle im Tauschwege zu liefern. An dieser hartnäckigen Ablehnung des Kom­pensationsverkehrs zerschlug sich das Warengeschäft nach Deutschland fast vollständig. Die amerikanische Baumwallausfuhr nach Deutschland sank von 1,43 Mil­lionen Ballen auf 443 000 Ballen. Aber auch in allen andern europäischen Ländern ist der Absatz in ameri­kanischer Baumwolle erheblich zurückgegangen. Doppelte Beunruhigung herrscht zur Zeit in allen amerikanischen baumwoll'interessierten Kreisen, weil die erste neue amtliche Schätzung der Baumwollernte der USA. ergeben hat, daß vre vlesjayrige Ernte einen noch größeren Ertrag als dre vorjährige erbringt. Unb das, obgleich die Baumwoll- aubaufläche nicht unwesentlich im letzten Jahre verringert worden ist. Allerdings blieben nur die besten Boden in Bearbeitung, und nur die schlechten blieben unbestellt. Amerikas Hauptproblem in der Baumwollfrage ist die Schaffung "des Ausgleichs zwischen den Baumwoll­erzeugern der Südstaaten und der Baumwollindustrie. Und während die Regierung bisher vergeblich nach einem befriedigenden Ausweg suchte, droht die amcrrkanrsche Baulnwollindustrie,' ähnlich den Elsässern, mit Ab-