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Nr. 200 12. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 28. August 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Deutscher Schritt in Wien.

Borsprache des deutschen Gesandten bei der österreichischen Bundesregierung.

Berlin, 28. August. Namens der deutschen Reichs-» regierung hat der deutsche Gesandte in Wien von Papen bei der österreichischen Bundesregierung schärfsten Ein- jpruch gegen Untoahrheiten und Verleumdungen sowie ten- ^nziöse Darstellungen der innerdeutschen Lage erhoben, -je in Teilen der österreichischen Presse in letzter Zeit gegen das Reich und seine führenden Persönlichkeiten ept- balten waren.

Die sich daran anschließende Aussprache, in der auch vom österreichischen Minister des Aeußern die analogen Beschwerden vorgebracht wurden, ergab Uebereinstimmung darin, daß es ernstlich zu mißbilligen sei, wenn die Presse des einen oder anderen Landes sich Ausschreitungen ober Verleumdungen bei der Behandlung des anderen Landes, semè^Einrichtunaen und Staatsmänner sui&ulbenjom?

Bevölkerungspolitische Bilanz.

Ein Beitrag zu den Beratungen des Internationalen Kongresses für Vevölkerungspolitik.

In Berlin ist der Internationale Kongreß für Bevölkerunqspolilik zusammengetreten, der die aus diesem Gebiet führenden Wissenschaftler aus allen Staaten der Welt vereint. Es werden Be­richte über die Lebensbilanz, den Altersaufbau, die Ge­burtenhäufigkeit und die Sterblichkeit in den einzelnen Ländern erstattet und die Fragen der Erbbiologie und und Rassenhygiene erörtert. Der Kongreß soll uns ein Anlaß sein, in Deutschland einmal Bilanz in der Vevölkerungspolitik zu ziehen. Dazu dienen die folgen­den Ausführungen

Mit Befriedigung betrachten wir Deutsche das Er­gebnis des Geburtenjahres 1934. Die Lebendgeburten­zahl ist von 956 974 im Jahre 1933, dem bisher überhaupt schlechtesten Geburtenjahre, auf 1 181 179 im Jahre 1934 gestiegen. Der Geburtenüberschuß wuchs von 227 473 im Jahre 1933 auf das Doppelte, und mit Recht sehen alle Berichterstatter die Ursache für diesen erfreu­lichen Umschwung in der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus, die dem Geburtenschwund ein ver­dientes Ende bereitet habe.

Indessen, so groß und begrüßungswert der erzielte Erfolg ist, die genauere Betrachtung wird zeigen, daß es noch vieler und ausdauernder, zielbewußter Arbeit be= bis Deutschland ein wirklich wachsendes, nicht nur era eben noch nicht zurückgehendes Volk sein wird. Die Totgeburten sind 1934 gegen 1933 der Zahl nach Mar um rund 3700 gestiegen, verhältnismäßig sind sie 1934 aber auf 2,62 v. H. der abgelaufenen Schwanger­schaften gegen 2,85 v. H. im Jahre 1933 zurückgegangen, w Säuglingssterblichkeit war 1934 um fast 4100 Fälle größer als 1933. Verhältnismäßig betrug sie aber nur 6,38 v. H., während es 1933 noch 7,44 v. H. JWn. Auf je 100 Lebendgeburten umgerechnet, sind das stv lm Jahre 1933 gegen nur 6,6 im Jahre 1934. Dieser Adrige Satz dürfte der überhaupt erreichbaren unteren Grenze der durchschnittlichen Säuglingssterblichkeit schon ultch nahekommen. Von den Nichtsäuglingen starben rund 16 700 Personen weniger als im Jahre vorher.

Tas will besagen, daß fast genau 3,75 v. H. des Zu- ganges an Geburtenüberschuß für 1934 gegen 1933 auf «mderabgang durch geringere Sterblichkeit zurück- Rubren ist. Umgekehrt aus ged rückt, ist also der erhöhte ^^rmenüberschuß zu 96,25 v. H. durch die Erhöhung 'ih aburtenzahl bedingt. Das ist ein zweifelloser 8- Und weil 1933 das Jahr des überhaupt gering- ein .emmenüberschusses war, so bedeutet dieser Aufstieg hoffentlich dauernde Umkehr und damit das e^des bisherigen haltlosen Abgleitens.

neh^0Jd)ari und schroff auch die durch die Machtüber- am Nationalsozialismus herbeigeführte Wendung bnkf> ^bieten sein mochte und sein konnte, in der Be- d e n ging und mußte sie gehen über d i e schar. rau und ihre Einstellung zur Mutter- anftoi« Jahre 1934 verläuft die Geburtenlinie nur die &Mnö' "UH iu den Großstädten allein. Am stärksten ist Dori, l0 vom ersten zum zweiten Kalendervierteljahr. sich » vermutlich zweierlei zusammen. Einmal setzte der» Regierung sofort für eine tatkräftige För- Erfolo^k,^'r Eheschließungen ein mit dem EheWm°L. 'Hon im zweiten Kalendervierteljahr 1933 die Zeitwert-, v^^hlen über die bishin beobachteten Jahres- und hi« M^m Des weiteren machte sich der Umschwung D e n k e " ^ ^ & r z u gesunde m völkische n ben W i i f ltl bemerkbar, daß diese jungen Eheleute auch

P- V1 m Kinde hatten. Das Ansteigen der 1933 £6^ent in der zweiten Hälfte des Jahres schließunoâu Höherliegen des jahreszeitlichen Ehe- 1934 spiegeln sich mit fast fahrplan- shrecheim^ 'ch ^il in den Geburtenzahlen für die ent- Es dovk r Vierteljahre 1934 wider. den. bat über diesen Erfolg nicht vergessen wer- " urichland damit noch keineswegs über seine

men läßt und daß vielmehr dahin zu wirken sei, die Presse beider Länder der Herstellung normaler Beziehungen mehr als bisher nutzbar zu machen.

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Ausweisung eines rumänischen SiaaSStmgshArißen.

Der rumänische Staatsangehörige JancuChitzes ist a n s d e m R e i ch s g e b i e t a u s g e w iesen worden.

Die Ausweisung stellt wohl eine Gegenmaß - n ahme gegen die Ausweisung des Vertreters desVöl­kischen Beobachter" in Rumänien, Friedrich Weber, durch die rumänischen Behörden dar. Weber mußte Ru­mänien verlassen, ohne daß ihm gestattet wurde, das not­wendige Reisegepäck mitzunehmen. Wie ein Berliner Abendblatt meldete, soll die deutscheGesandtschaft in Bukarest wegen der Ausweisung Webers bei der rumänischen Regierung vorstellig geworden sein.

Nachwuchsschwierigkeiten hinaus ist. Der Erfolg von 1934 beruht im wesentlichen auf Erstkindern. Deutschland aber braucht Zweit-, Dritt- und Viertkinder. Die Erstkinder allein, das Einkindersystem, sichern den notwendigen Volksbestand noch nicht. D i e s e S i ch e r u n g b e g i n n t erst mit den vierten Kindern. Denn der Ge­burtenrückgang der letzten Jahrzehnte hat die Zahl der gebärfähigen Frauen höchst bedrohlich abnehmen lassen. Dementsprechend trostlos sieht darum auch die Fruchtbar- keitsstaUstik aus. Die Zahl der gebärfähigen Frauen, der Frauen von 15 bis unter 45 Jahren, ist seit 1930 in be­ständigem Abnehmen begriffen. Der Nachwuchs fehlt eben. Mit diesem Rückgang geht außerdem ein Rück­gang der Geburtsleistungen einher. Es muß nunmehr, wenn 1934 mehr als ein Augenblickserfolg sein soll, eine ernsthafte und lebhafte Werbung für die Um­stimmung der verheirateten Frauen und ihre dauernde Bekehrung zum Mehrkindersystem durchgeführt werden.

Diese Werbung darf sich indessen nicht allein auf die Gewinnung der Frauen selbst erstrecken. Sie wird beinahe noch mehr diejenigen in Betracht ziehen müssen, die aus Unverstand, aus Gedankenlosigkeit und aus Mangel an Feingefühl alle noch so gut gemeinten und eindringlichen Belehrungen zunichte machen, wenn sie etwa achselzuckend und mißbilligend sich äußern:Wie kann der X. bei seiner Wirtschaftslage noch Kinder in die Welt setzen! Die kann er ja gar nicht durchbringen!" Solche Bemerkungen klin­gen zwar sehr vernünftig und wohlerwogen,, sind aber tatsächlich völlig unüberlegt und geradezu staatsfeindlich. Dieser Vater X. weiß vermutlich ganz allein, welche wirt­schaftlichen und sonstigen Schwierigkeiten ihm und seine Ehegefährtin aus ihrer Elternschaft erwachsen. Das soge­nannteUrteil der Welt" ist im Leben des einzelnen und namentlich im Leben der Frau oft von übermäßig großem Einfluß, und Miesmachern wird dabei viel leichter und viel nachhaltiger geglaubt als aufrichtigen und ehrlichen Kritikern. Es muß also auch in der Werbung für bessere Nachwuchsverhältnisse Deutschlands der Kampf gegen vorlaute und unverantwortliche Mies­macher einsetzen. Dann wird auch die Werbung bei den Frauen, die ihre Scheu vor dem Kinde nicht los werden können, zu durchschlagendem Erfolg führen.

Gegen den Kanzeiparagraphen verstoßen

Gefängnisstrafe für einen Vikar.

Vor dem Sondergericht in Dortmund hatte sich der Vikar von den Hövel aus Belecke wegen heim­tückischer Angriffe aus Partei und Staat sowie Vergehens gegen den Kanzelparagraphen zu verant­worten. Unter anderem hatte der Angeklagte in unzu­lässiger Weise gegen das Sterilisationsgesetz opponiert. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von zwölf Monaten; das Gericht erkannte auf zehn Monate Gefängnis

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Wie der Kreisleiter Horn aus Wiedenbrück in Westfalen milteilt, hat unter dem Einfluß reaktionärer Ge­stalten der S ch ü tz e n v e r e i n Clarholz-Heerde örtliche Führer des Staates und der Bewegung in der unglaublichsten Art und Weise provoziert. In der Mitteilung heißt es:Dieser famose Klub glaubt nach dem Vorbild von Münster mein ihm unangenehmes Reden über die Saboteure am deutschen Aufbau willen verhindern zu müssen. Von einem an sich verdienten Ver­bot des Schützenfestes ist aus bestimmten Gründen Ab­stand genommen worden. Ich verbiete jedoch allen Partei­genossen und Mitgliedern der Parteigliederungen des Kreises den Besuch des Festes. Nichtbefolgung dieses Be­fehls hat sofortigen Ausschluß zur Folge."

Aeue Zuständigkeit für Versorgung-, berechtigte der Wehrmacht.

Im Einvernehmen mit dem Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht und dem Reichsminister der Finanzen gehen mitWirkungvoml. Oktober 1935 ab die Versorgungsangelegenheiten der Angehörigen der Wehrmacht (Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe) und ihrer Hinterbliebenen von den Versor­gungsbehörden auf die hierfür bestimmten Dienst - stellenderWehrmacht (Wehrbezirkskommandos Versorgungsabteilung) und die Zivilverwal­tungsbehörden Versorgungsabteilung in der entmilitarisierten Zone über.

Diese Messe lohnt sich!"

Weiter verstärkter Besuch der Leipziger Messe.

Die Stärke des Besuches der Leipziger Messe hat am dritten Messetag noch zugenommen. Im wesentlichen handelt es sich bei diesen Besuchern auch um Käufer. Das Ausland hat überall ernstlich ge­kauft. Man hört von guten Abschlüssen bei Porzellan und Steingutwaren und auch für Glaswaren. Die Aufträge sind insbesondere von alten Messekunden aus Spanien, Holland, Schweden, England und vom Balkan erteilt worden. Die Ausländer haben auf der Messe für Schmuck unb, Edelmetall ganz beachtliche Aufträge gegeben. Die Tatsache, daß Neuheiten gesucht und gern gekauft werden, ist ein besonderer Erfolg der deutschen Wirtschaft.

Von vielen Stellen hört man das Urteil: Diese Messe lohnt sich! Man verhandelte nicht nur mit deutschen Interessenten, sondern auch viel mit Ausländern, darunter hauptsächlich Franzosen, Engländern, Polen, Spaniern und Einkäufern aus Jugoslawien und den südamerikanischen Staaten.

Wilde lommunWfthe Streiks in Holland.

Eine wegen einer Lohnkürzung bei der Textil­arbeiterschaft in Tilburg (Holland) entstandene Unzufriedenheit wurde von den Kommunisten zur Inszenierung eines wilden Streiks ausgenutzt, an dem 1100 Arbeiter teilnahmen. Vom Streik werden neun Wollstoff-Fabriken betroffen, während in 32 an­deren noch gearbeitet wird. Die Streikenden erhalten weder von der Gemeinde noch von ihren Fachorgani- sativnen Unterstützungen. Zu Ruhestörungen ist es bisher nicht gekommen.

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Im Jordanvtertel von Amsterdam kam es wieder zu blutigen Ausschreitungen. Zwischen Be­suchern einiger Gaststätten an der Tuinstraat entwickelte sich nach einem Wortwechsel eine schwereSchlägerei, die sich auf der Straße fortsetzte. An dem Handgemenge beteiligten sich schließlich mehrere hundert Per­sonen. Als die Polizei gegen den Mob vorging, wurde sie von beiden streitenden Parteien, die sich plötzlich in Solidarität zusammenfanden, mit Steinen und Blumentöpfen beworfen. Schließlich war die Polizei gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Hierbei wurden drei Personen schwer verletzt.

Ein amerikanisches Flakgeschütz wird geladen.

Ein Bild von den großen Manövern der im Staate New- york stationierten ' 62. Küstenartilleriebatterie. (Scherl Bilderdienst M.)