M-aer Anzeiger
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Nr. 201 — 12. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 29. August 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Mnisterrat über Abessinienkonflikt in Paris und Bozen.
Französische Schwenkung nach Rom.—Italienische Beschwichtigung für England
Über den Abefsimcnkonfsikt fanden Sitzungen des französischen u n b des italienischen P j n i st e r r a t s statt, deren Ergebnisse mit Spannung in ver Welt erwartet wurden. Mussolini hatte an- «rdnet, daß alte Mitglieder des italienischen Kabinetts M den Beratungen in Bozen in militärischer Uniform erscheinen sollten.
übet den französischen Ministerrat wurde nur eine kurze nichtssagende Verlautbarung herausgegeben, in der es u. a. heißt: Ministerpräsident und Außenminister Laval bat über die auswärtige Lage berichtet und besonders über die sranzösisch-englisch-italienische Konferenz von Pgris. Der Ministerpräsident teilte dem Nat ferner die Zusammensetzung der für Genf bestimmten Abordnung mit, der der Rat zustimmte. Außerdem beschäftigte sich der Ministerrat noch mit innerpolitischen und wirtschaftlichen fragen
..Die französische Politik bleibt Feind aller Sanktionen gegenüber Italien",
so glaubt die Pariser Mittagszeitung „Parrs Midi" die Grundlinien des Berichtes umreißen zu können, den Ministerpräsident und Außenminister Laval im Ministerrat über die außenpolitische Lage und über die von Frankreich in Genf einzunehmende Haltung gegeben hat. Damit tritt die in den letzten Tagen bereits erkennbar werdende Schwenkung Frankreichs nach Rom hin deutlich in die Erscheinung, verbunden mit teils heftigen, teils ironischen Vorwürfen an die Londoner Adresse, weil England angeblich im Falle der deutschen Aufrüstung nicht ähnliche Maßnahmen gefordert habe wie jetzt gegen Italien (I).
Dem französischen Ministerrat waren
Unterredungen Lavals mit den Botschaftern Italiens und Englands vorausgegangen.
Nach der französischen Zeitung „Oeuvre" habe der italienische Botschafter den französischen Ministerpräsidenten wissen lassen, daß Baron Aloisi am September einen genauen Bericht über die Beschnldi- gungen erstatten werde, die Italien gegen Abessinien vor- zubringen habe. Er werde sich anschließend auf den Ärükel 22 des Völkerbundspaktes und insbeso dere auf s 2 des Artikels 16 stützen, um den
Ausschluß Abessiniens aus dem Völkerbund ^Zuschlägen, mit dem Hinweis, daß es seinen Verpflich- wngen gegenüber dem Pakt nicht nachgekommen sei. Der ttaucnifche Vertreter werde außerdem den Beweis dafür crvrmgen, daß Abessinien die verschiedenen Abkommen «m Italien nicht geachtet habe. Der Botschafter habe in mesem Zusammenhang gleichzeitig auf die Verantwort- Wetten hingewiesen, die der Völkerbundsrat übernehmen ^urve, wenn er irgendwelche Beschlüsse hinsichtlich des ^ucmsch-abessinischen Streitfalles fassen sollte.
„, eng lische Botschafter habe Laval ledig- Niitt^tgeteilt, daß seine Regierung sich streng an den rbundshäkt halten werde. Nachdem ihm die italieni- Forderungen mitgetcitt worden waren, habe der Botschafter im Namen seiner Negierung die gestellt, daß Italien sich genau an die Be- ' halte, die der Völkerbunösrat gegebenenfalls lassen könnte.
Wf-^crcm®mtöerbev^ der Londoner „Daily ilmi ' Price, meldet aus Boren, daß Mussolini Erklärung abgegeben habe, daß die italienische Gerung völlig bereit sei,
alle Aechtx des brij sichen Reiches zu achten. daß â^.^müht sei, jede Mutmaßung zu zerstören, Pläne habe, die britischen Jnter- b sein würden. — Die Zeitung „Giornale Erlüg-',iu Ergänzung der vom Duce gemachten Taann^^bu,daß Italien nicht über die fommcnbe Genfer mit versiert sei. Es werde trotzdem eine Abordnung Locarn^b^em amtlichen Material entsenden. Von Friedenäc-Nitt ^resa habe Italien klare Beweise seines nicht vvr^-s "s abgelegt. Gerade die Engländer sollten und Kr-i^W ^ Italien immer eine Verständigungs- ^uâbi'iirft^ mit England befürwortet habe. Ander^°m das Blatt, daß deshalb keine "8 m dieser Haltung Italiens möglich sei.
Der Minifterrat in Kojen
gm ~ Rom, 29. August,
mit allerorts ^ Bozen hielt der im In- und Auslande Vorsiu hpa • t r Spannung erwartete Ministerrat unter Wesenheit Ministerpräsidenten unb in An- eine andor^l,-^ Ministern und 13 Staatssekretären ^inifterw ®abige Sitzung ab. Es war der erste stattfand. 1 faschistischen Italien, der außerhalb Roms bisher nod?«^ Verlautbarung über den Verlauf liegt Kreisen dak h ^?r, doch verlautet in gut unterrichteten ^ternahoJL Q Duce ein ausführliches Expose über die lOerfoIaenhA o-a9.c gegeben und die weiter von Italien L ^ure ausgezeichnet hat. Seine Darlegungen
sollen sich im wesentlichen aus der Linie bewegt haben, wie sie bereits in dem der „Daily Mail" gewährten Interview gekennzeichnet wurden. Mussolini hat besonders den italienischen Standpunkt zur Möglichkeit der Anwendung von Sanktionen umrissen und die Vorlage der umfangreichen Denkschrift für Genf erläutert. Breiten Raum hat ferner die Erörterung der Frage eingenommen, welchen Standpunkt Italien zum Völkerbund einnehmen werde und wie man sich verhalten wird, falls die Genfer Institution irgendwelche gegen Italien gerichteten Beschlüsse faßt.
Die itaiiraiiche» Manöver beendet
Bozen, 29. August. Das italienische Außenmanöver ist Mittwoch beendet worden. Am Freitag werden Scharfschießübungen der Artillerie und Infanterie stattsinden, und am Sonnabend wird die große Parade sämtlicher bei den Manövern beteiligten Einheiten abgehalten werden.
Der das Manöver leitende General Ago erklärte in der Manöverkritik, an der Mussolini, die Chefs der ausländischen Militärmissionen, Minister, Senatoren und Abgeordnete teilnahmen, die taktischen Hebungen hätten bewiesen, daß die „schnellen Divisionen" und die „motorisierte Division Trento" in schwierigem Alpengelände operieren könnten. General Ago zollte den Entscheidungen des Roten und des Blauen Stabes volle Anerkennung.
Mussolini, der mit zweistündiger Verspätung zur Kritik gekommen war, fuhr sofort nach der abschließenden Ma- nöderkrsiik nach Bozen, wo mit zweistündiger Verspätung . die Kabinettssitzung begann.
Am Vormittag hatten sich der König und Mussolini im Manövergelände getroffen. Zahlreiche hohe italienische Offiziere, ausländische Offiziere und Journalisten verfolgten von Beobachtungsposten des Königs und des Duce aus die letzten Bewegungen der Roten und der Blauen Partei. Mussolini begab sich sodann nach Fondo, wo die deutschen, amerikanischen, belgischen, jugoslawischen und österreichischen Offiziere und die deutschen und amerikanischen Journalisten seine Frühstücksgäste waren.
17 jährige unter Gewehren
Militärische Ausbildung der Avanguardisten in Italien.
Rom, 29. Aug. (Funkmeldung.) Der Präsident der Balilla hat im Ernvernehmen mit den zuständrgen Stellen eine Anweisung über die militärische Versendung und Ausbildung der bisher noch nicht zur MNitärpfsichi herangezogenen Jugendlichen im Alter von 17—20 Jahre» herausgegeben. In letzter Zeit hatten sich die Meldungen Freiwilliger nach Ostafrika gemehrt, ohne daß man wußte, wte man diese Jugendlichen eingliedern sollte. Von 100 000 17jährigen Avanguardisten werden nunmehr 25 000 mit Gewehren ausgerüstet und in Europa eingehend militärisch ausgebildet, so daß sie in der Heimat verwendet und ' je nach Bedarf auch zum Drenst in Ostafrika herangezogen werden können. Diese Maßnahme bedeutet praktisch, daß für einen beträchtlichen Teil der italienischen Jugend die eigentlich mit 20 Jahren beginnende obligatorische Mlsitär- dienstpflicht um 3 Jahre vorverlegt wird. Die dem Avanguardisten zugedachte milltärische Verwendung und Ausbildung entspricht den Aufgaben, die bisher den 2»jährigen während ihrer 18 monatigen Militärdienstzeit übertragen wurden.
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Frankreich gegen Sühnemah-
nahmen gegen Italien.
„Jour" über den französischen Ministerrat.
Paris, 29. August. (Funkmeldung.) „Jour" schildert ziemlich ausführlich den Verlauf des französischen Minister- rates unter Hesonderer Berücksichtigung der Erklärungen Lavals.
Der französische Ministerpräsident, so schreibt das Blatt, habe eindeutig erklärt, daß Frankreich sich unter keinen Umständen irgend welchen Sühnemaßnahmen gegen Italien anschließen werde.
Da man aber nicht vor die Wahl zwischen London und Rom gestellt werden wolle, werde man alles versuchen, um eine Annäherung zwischen Italien und England zustande zu bringen.
In Genf werde Laval den Engländern klar zu machen versuchen, daß der Völkerbund gegründet worden sei, um den Krieg zu verhindern. Wenn man aber den Pakt ganz streng anwende und Sühnemaßnahmen gegen Italien fordere, so werde man einen gefährlichen Streit heraufbeschwören, der möglicherweise ein Vorläufer des Krieges werden sönne. Man handele damit also dem Geist des Dölkürörrnds-
Marconi geht als Freiwilliger nach Abessinien.
Er hat angeblich die Erfindung gemacht, Flugzeuge durch Strahlen zur Landung zu bringen.
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Der berühmte italienische Erfinder der drahtlosen Telegraphie, Marconi, hat sich, wie zuverlässig verlautet, als Freiwilliger nach Ostafrika g meldet, um seine hervorragenden Kenntnisse aus d Gebiete des Telephon- und Telegraphenwesens Stelle verwerten zu können. Es wird bami
an Ort und
Stelle verwerten zu können. Es wird damit gerechnet, daß Marconi entsprechend seinen Fähigkeiten und Verdiensten eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe in Ostafrika zugewiesen bekommt.
~ Marconi soll es kürzlich u. a. gelungen sein, durch Strahlensinwirkungen große Motoren zum Stillstand bringen zu können. Auf Grund dieser seiner gelungenen Versuche wird vielfach davon gesprochen, daß durch diese Erfindung auch die zwangsweise Landung von Flugzeugen möglich sei.
Die Beschlüsse von Bozen.
Ueber den Ministerrat in Bozen am Mittwoch nachmittag ist eine umfangreiche amtliche Verlautbarung herausgegeben worden, die bis kurz nach Mitternacht noch nicht vollständig vorlag.
Im Ministerrat sind eine Reihe äußerst wichtiger Maßnahmen beschlossen worden, die u. a. folgende Punkte umfassen:
1) Italien wird unter allen Umständen seine Lebensinteressen bis zum letzten verteidigen.
2) Es wlrd vor dem Völkerbund den Beweis liefern, daß Abessinien gegen seine internationalen Verpflichtungen verstoßen hat, und daß insbesondere in diesem Lande die Sklaverei in großem Umfange herrscht.
3) England wird durch das italienische Vorgehen in Abessinien nichts zu befürchten haben.
4) Die italienische Regierung ist der Ueberzeugung, daß es sich bei der abessinischen Frage um eine Kolonialangelegenheit handelt, die keinerlei Rückwirkungen auf Europa hat.
5) Es wird die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Anwendung von Sanktionen zu großen Schwierigkeiten führen könnte. Die italienische Regierung hat jedoch von vornherein Gegenmaßnahmen ins Auge gefaßt.
Des weiteren sind eine Reihe von höchst wichtigen Wirt- schastsmaßnahmen beschlossen worden, die am 1. September in Kraft treten sollen.
paktes zuwider. Deshalb dürfe man einen Weg, der so gefährlich ist, nicht beschreiten.
Besser sei, nicht einzugreifen, sondern Italien seine Klagen gegen Abessinien vorbringen zu lassen. Dieser Standpunkt sei von Laval im Ministerrat vertreten worden und habe einstimmige Billigung gefunden.
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Englands Haltung
Weitere Vorbesprechungen in Paris notwendig.
Paris, 29. August. Der Londoner Vertreter der französischen Nachrichtenagentur „Havas" ist der Ansicht, daß man in englischer politischen Kreisen die Besprechungen, die Ministerpräsident Laval am Dienstag mit dem englischen Botschafter in Paris gehabt hatte, nicht für ausreichend halte, und daß man für Donnerstag oder Freitag neue Besprechungen in Aussicht genommen habe, die die beiderseitige Stellungnahme vor der Genfer Ratssitzung am 4. September noch einmal klären sollen. In englischen politischen Kreisen betonte man am Mittwochabend, daß, falls Italien in Genf die Ausschließung Abessiniens Vorschlägen sollte, man englischerseits energischen Widerstand dagegen setzen werde.
Man habe die Absicht, Italien in Genf noch einmal die gleichen Vorschläge zu machen, die es bereits während der Pariser Dreierbeiprechnngen abgelehnt habe, und die eine zonenweise Einteilung Abessiniens in wirtschaftlicher Am- sicht zum Gegenstand haben.
Die belgische Königin tödlich verunglückt.
Autounglück des Königspaares. — Der König verletzt.
Luzern, 29. August. (Funkmeldung.) Der König von Belgien ist in der Nähe von Kutznacht am Vierwaldstätter-See am Donnerstagvormittag mit seinem selbst- gesteuerten Auto verunglückt. An einer Kurve geriet der Wagen plötzlich über die Böschung des Seeusers. Die Königin wurde dabei gegen einen Baum geschleudert. Sie erlitt einen Schädelbruch, der den Tod herbeiführte. Der König wurde mehrfach am Kopfe verletzt. Die Wulldcs sollen nicht gefährlich sein.