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Fuldaer Anzeiger

® $ Tageblatt für Rhön und Vogelsberg-

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Änzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." Vil. 35. 910. Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 204 12. Jahrgang

Fulda, Montag, 2. September 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Um die abessinischen Konzessionen

Abwartendes Verhalten der Regierungen.

Vertretern. Er dankte den ausländischen Journalisten für die objektiven und ruhigen Berichte, die sie ihren Zeitun­gen zugesandt hätten und die er genau verfolgt habe. Er erklärte, er hoffe, die ausländischen Pressevertreter würden in dauernder Erinnerung behalten, daß das gesamte italienische Volk ohne Ausnahme umdieFeldzeiche» des Faschismus geschart sei.

Wie wir Samstag berichteten, brachten zwei englische Rätter in großer Aufmachung die Nachricht, Abessinien tobe umfangreiche Bergbaukonzessionen vergeben, und war an eine englisch-amerikanische Gesellschaft.

War diese Nachricht zutreffend, so mutzte man sie als einen Schachzug Abessiniens bezeichnen, der die ganze Lage sehr kompliziert, und dem Land sicher gewisse Vorteile ge- hätte. Für Italien wäre es kaum noch lohnend ge- weien zu kämpfen, da ihm der Siegespreis gleichsam schon Mher aus der Hand genommen wäre. Andererseits wären die angelsächsischen Länder nunmehr viel stärker als bis jetzt an der abessinischen Streitfrage interessiert gewesen, da sie nunmehr direkte wirtschaftliche Interessen zu wahren gehabt hätten.

Zm Augenblick läßt sich indes kaum sagen, wieviel von bei ganzen Meldung noch zutreffend ist. Denn schon Sams­tag mittag kam aus London die Nachricht, daß die englische Regierung von der ganzen Konzessionsangelegenheit ab- raückte Die heute eingelaufenen Meldungen verstärken diesen Eindruck, und lassen allseits ein abwartendes Ver­halten der Regierungen erkennen.

Rittest ohne englischen Auftrag?

Die englische NachrichtenagenturPreß Association" meldete, daß in britischen amtlichen Kreisen von der Vergebung von Konzessionen an britische und amerikanische Interessenten nichts bekannt sei. So länge eine amtliche Bestätigung in London nicht eingetroffen sei, sei man nicht geneigt, der Angelegenheit eine unan­gemessene Bedeutung beizulegen. Die Regierung habe nicht einmal davon Kenntnis gehabt, daß Verhandlungen ge­führt wurden. Ferner werde erklärt, daß der Unterhändler wickelt weder amtliche noch nichtamtliche Unterstützung von der britischen Regierung erhielt.

In einer Erklärung des Foreign Office, des englischen Auswärtigen Amtes, wurde erklärt, daß der britische Gesandte in Addis Abeba ermächtigt worden ist, für den Fall, daß der Bericht über die Erteilung der Ol- konzessionen richtig ist, dem abessinischen Kaiser mitzuteilen, baß die britische Regierung ihm rate, die Konzession vorläufig nicht zu erteilen.

Wartende Haltung der USA.-Regierung.

Im amerikanischen Staatsdepartement lehnt man nach Meldungen aus Washington jede Äußerung zu der von Abessinien an englisch-amerikanische Interessen erteilten Ll- und Erzkonzessionen bis zum Eintreffen einer Bestätigung aus Addis Abeba ab. In internationalen ocobgchterkreisen befürchtet man, daß der Vertragsabschluß ?u d i p l o m a t i s ch e n S ch w i e r i g k e i 1 e n führen könne, glaubt jedoch nicht, daß Amerika dadurch in die augenblickliche Abessinienkrise hineingezogen werden wurde. Der Senator Borah, dessen Stimme in außen- polNischen Fragen stark beachtet wird, drückte die Ansicht aus, daß der Erwerb einer derartigen Konzession durch Dänische Staatsbürger die Politik der Neutralität Vereinigten Staaten nicht ändern würde.

Staatssekretär des Äußern, H u l l, teilte in einer in ^.""ferenz mit, daß die amerikanische Gesandtschaft

Abeba den Abschluß eines riesigen Pacht- und n ^ungsvertrages für englisch-amerikanische Jnter^ . " .^ag.raphisch bestätigt habe. Auf die Frage, ob bL iimrs Negierung nicht vorher zu Rate gezogen

« -'ei' antwortete der Staatssekretär, das sei unter k-inp^d^rung Roosevelt nicht üblich. Er fürchte daher St^k Hkneinziehung der amerikanischen Regierung in Men "ge"' ^ aus diesem Vertrage etwa ergeben

. Größtes Aussehen in Paris.

j6rti^c Meldung, .daß der Negus einem englischen Kon-

J "ud der amerikanischen Standard Ötgesellschaft Rei^o? 3iir Ausbeutung eines großen Teiles seines gröl! ^ habe, rief in der Pariser Öffentlichkeit tradL; âufietzen hervor. In unterrichteten Kreisen be- bewahrd?i!ü. VT1 abessinischen Schachzug, wenn er sich weit? m*cn !E^ als ein Ereignis von größter $rag3 einen , bemerkt in Paris, daß auf diese Weise ja Malier s JA ? e r wirkliche Siegespreis, den schon von » stnem Feldzug zu erringen hoffe, ihm so sei. £ Öderer Seite aus der Hand gerissen schwierig» jedenfalls, daß sich die an sich schon so ichwieria^""^H"^w"ale Lage durch dieses Ereignis noch gestalten könnte.

Aalien ist entrüstet.

sch l u ß p11; bie englische Presse bekanntgewordene A b - ^n einer cuhwm? ° » z e s s i o n s v e r t r a g e s, durch gastliche >i,^,^"sch°amerlkanischen Gesellschaft die Wirt- e r 11 n I j Utting Abessiniens gesichert wird, hat i n ft u n a h\ ^e n & f f e n 11 i cf, t e i t ft a r f e @ n t - "chen in entnj V rgerufe n. Die Blätter veröffent- Ncht des ^n^chender Aufmachung ausführlich den Telegraph".

Der Abschluß des Vertrages bedeute, so erklärt die Tribun a", einen Schlag gegen die italienischen Jmer- essen und habe gerade in der besonderen Lage des Augen­blicks vollends den Charakter eines Faüstschlages in den Rücken Italiens sowohl von feiten des Negus wie von fetten Englands. Der abgeschlossene Ver­trag decke ein Wespennest politischer und juristischer Fragen auf. Vielleicht wäre es angebracht, von einem gordischen Knoten zu reden, der nur mit einem Schwert durchhauen werden könnte.

In R o m wird im übrigen erklärt, daß der Vertrag zwischen dem Negus und der anglo-amerikanischen Ge­sellschaft die von Italien eingeschlagene Linie nicht ändern oder die italienische Regierung irgendwie von ihren Beschlüssen bei der Durchführung des ostafrikanischen Unternehmens abbrinaen könne.

Muffolim pocht aus Italiens Wehrkraft.

Im September Einziehung von weiteren 200 000 Mann.

Höchste Effektivstärke für die italienische Streitmacht.

Bei dem italienischen Alpenmanöver sprach der Duce im Namen des Königs den Offizieren und den Soldaten seine Anerkennung für die während der Manöver gezeigte Widerstandskraft, Haltung «nd Diszi­plin aus und fügte als Minister der bewaffneten Macht seine Anerkennung hinzu. Mussolini erklärte weiter­hin, in anderen Zeiten seien die einberufenen Reservisten nach den Manövern entlastn worden, doch das geschehe in diesem Jahre nicht. Im September würden noch 20 0 00 0 Mann eingezogen, so daß die italienische Wehrmacht die vorgesehene Zahl von einer Million Mann unter den Waffen haben werde. Die Well solle wissen, daß, wenn weiterhin in törichter und provokatorischer Weise von Sanktionen ge­sprochen werde, Italien auf keinen Soldaten, keinen Matrosen und keinen Flieger ver­zichte, sondern seine Streitmacht auf die höchste Effektivstärke bringen werde.

Mussolini verabschiedete sich dann von den aus­ländischen Offizieren und den ausländischen Presse-

Sie BerMMbeiten in

MeMffen.

Daluege meldete dem Führer die Bergung des letzten Toten. Goebbels dankte den Helfern.

Der Befehlshaber der deutschen Polizei, Generalleut­nant Daluege, meldete dem Führer telegraphisch die Bergung ds ldtzten Toten auf der Unglücksstelle der Nord- Süd-S-Bahn in der Reichshauptstadt und den Abschluß der Rettungsarbeiten. Nach größten Schwierigkeiten konnte das letzte Opfer des Einsturzunglucks gebor­gen werden. Dr. Goebbels und Generalleutnant Daluege wohnten dem ergreifenden feierlichen Akt bei. Die Hände erhoben sich wieder zum Gruß, als die Bahre mit den sterblichen Überresten des Schachtmeisters Dimke aus dem schon vom Grundwasser überfluteten besonderen Seitenschacht hinaufgebracht wurde. Nach der Bergung richtete Dr. Goebbels an die Hilfsmannschaften eine An­sprache, in der er u. a. erklärte:

Wir können vor unserem Volk bekennen: Was über- Haupt getan werden konnte, das ist von uns getan worden.

Die Bergung der neunzehn Opfer, die wir nun der Erde abqerungen haben und die wir wieder in die Erde bergen mußten oder müssen, ist das lebendige Zeugnis einer Volksgemeinschaft, die weit über die Phrase der Ver­sammlungssäle hinweg wirkliche Tat geworden ist, einer Volksgemeinschaft, in der Arbeiter und Soldaten zusammenge standen sind. Dann dankte Dr. Goeb­bels allen Helfern für das Werk des Sozialismus, das sie hier in Eintracht und Kameradschaft vollbracht hätten. Wir wissen, so betonte dann der Minister, daß das Leben Opfer kostet, und weil wir alle bereit sind, diese Opfer wenn nötig bis zum Letzten zu bringen, deshalb können wir auch Opfer vom Leben fordern. In diesem Sinne bin ich der Überzeugung, daß diese Station am Ende doch segensreich in dem großen Werk des deutschen Aufbaues werden wird, und daß die Toten, die wir in den Gräbern bergen, am Ende

die leuchtendsten Blutzeugen eines Aufbaues

sein werden, den wir unter dem Führer nicht nur begon­nen haben, sondern den wir unter dem Führer auch ein­mal beendigen werden. , _

Der Befehlshaber der deutschen Polrzer, General­leutnant Daluege, der die Arbeiten an der Einsturz­stelle leitete, hat nach Bergung des letzten Opfers einen abschließenden Bericht gegeben, in dem er die Schwierigkeiten der Bergungsmaßnahmen besonders her­vorhob. Das Einsturzunglück am Brandenburger Tor war einer der schwer st e n T i e f b a u u n f ä l l e der letzten Jahrzehnte.

Wie ungeheuer groß die geleistete Arbeit war, geht daraus hervor, daß an der Unglücksstelle 8000

Mussolini:Die Welt wird zu entscheiden haben!

London, 2. September.Sundah Cbronicle" enthält eine Unterredung mit Miffsotini, in der dieser erklärt hat:

Ich bin für den Frieden, aber was ich begonnen habe, werde ich beenden. Wenn die Entscheidung gegen Italien fällt, werde ich den Völkerbund verlassen. Damit wird der Völkerbund erledigt sein.

Ich werde die italienische Frage gegen Abessinien Vor­bringen. Dann werden die Nationen der Welt zu ent­scheiden haben. Ich kann nicht verstehen, wieso unsere berechtigten Ansprüche von irgend jemand in der Welt mißverstanden werden. Immer wieder haben die Abessi­nier italienische Rechte verletzt und die Treue gebrochen. Wie lange müssen wir uns derartige rechtswidrige Hand­lungen von selten einer barbarischen Nation gefallen lassen? Ich glaube, ich bin sehr geduldig gewesen. Abes­sinien ist kein Staat und keine Nation. Ich habe keinen Zweifel darüber, daß sich die Ansicht der öffentlichen Meinung in Großbritannien ändern wird. Meine Be­weise über die Schrecken des Sklavenhandels, der seit Jahrhunderten ein Schandfleck für die Zivilisation ge­wesen ist, werden eine Sensation sein, die einen Abscheu über Abessinien in der ganzen Welt verbreiten werden."

*

Mordanschlag auf den Diener

des italienischen Konsuls Falconi.

Aus den eingeborenen Diener Kebbada des italieni­schen Konsuls in Godjam lSüdabefsinien), M u z z i Fal­coni, der seinen Herrn aus seiner Reise am 22. August begleitete und Augenzeuge seiner Verwundung auf der Jagd war, wurde nachts ein Mordversuch verübt. Un­bekannte Täter lauerten dem Diener aus und verletzten ihn durch zwei Spccrwürfe, so daß er in ein Krankenhans cingelicfcrt werden mußte. Die Regie­rung hat eine Untersuchung eingeleitet.

Kubikmeter Erdmassen, 178 600 Kilogramm Eisenkon- struktionen, 350 Kubikmeter Holzkonstruktionen, ferner ein schwerer Greifer im Gewicht von 45 000 Kilogramm und 60 000 Kilogramm lagernden Rundeisens ein ge­brochen waren. Es mußten weiterhin 60 000 Kilo­gramm Kabel umgelegt und alle diese ungeheuren Material massen nach und nach mühselig weg­geräumt werden. Jeder Schritt, jeder Handgriff der Ber- gungsmannschasten war von Gefahr umlauert.

Italienischer Einspruch

[gegen den Konzessionsvertrag.

AddisAbeba,2. Sept. (Funkmeldung.) Der Kon­zessionsvertrag beherrscht augenblicklich das politische Leben der abessinischen Hauptstadt. Am Montagvormittag wird der italienische Gesandte Graf Vinci im Auftrage seiner Regierung beim Kaiser von Abessinien Einspruch gegenden Vertrag erheben, durch den alte italienische Rechte verletzt würden. Auf abessinischer Seite ist man da­gegen der Ansicht, daß dieser Einspruch auf Grund der Ver­träge nicht gerechtfertigt sei. Der englische Gesandte er­hielt aus London Anweisung, den Kaiser zu veranlassen, den Vertrag aufzuheben. Wie hier weiter bekannt wird, wird der Konzessionsvertrag sowohl im amerikanischen wie im abessinischen Handelsregister eingetragen werden. Das Gesellschaftskapital wird als rein amerika­nisch ausgewiesen. Der Unterzeichner des Vertrages Rickett wird an der Genfer Völkerbunds­sitzung über die abessinische Frage teil­nehm e n, die, wie man hier erfährt, voraussichtlich auf den 7. September verschoben werden wird.

Der Kolonialsekretär der italienischen Gesandtschaft Bazzani erklärte dem Vertreter des Deutschen Nachrichlen- büros, daß demnächst auch der letzte männliche italienische Angestellte sowie das gesamte Gesandtschastspersonal Abe,- sinien verlassen würden. Ferner teilt er mit, daß, bevor ein Luftangriff auf Addis Abeba erfolge, 48 Stunden vor­her eine Warnung an die Bevölkerung sowie an die Aus­länder ergehen werde. -