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Zulöaer Anzeiger

, . , Werktag. Wochenbeilage:Der Erscheint feg ; monatH^ ]j70 RM. 6°""n^runasbâ durchHöhere ®e»

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Königstr. 42, Fernsprecher 2989 - & antw für den Inhalt: Bernd Herm.^ulda.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 205 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 3. September 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Italienischer Einmarsch in Abessinien?

Eine Meldung des englischen Nachrichtenbüros Reuter.

Das englische halbamtliche Nachrichtenbüro «enter meldete am Montag aus Diredawa:Ein mibestätigter Bericht besagt, daß eine Vorhut von italienischen Truppen und 150« Mann eingeborenen Truppen bk abessinisch, ânze westlich von Assab überschritte« hat und in die Provinz Danakil einmarschiert. Dem Bericht zufolge erlaßen die Abessinier fluchtartig ihre Dörfer."

Keine englische Teilnahme.

Aus London wird amtlich mitgcteilt, daß die britische Regierung eine strenge Untersuchung veranstaltet, am festzustellen, ob mittelbar oder unmittelbar irgendwelches englisches Kapital an der Konzession zur Ausbeutung der Olfelder Abessiniens be­teiligt ist, die Mr. Rickett im Namen derAfrican Deve­lopment and Exploration Corporation" von der abessini­schen Regierung erhalten bat. Inzwischen hat der britische Gesandte in Addis Abeba, Sir Svdney Barton, in einem Telegramm mitgeteilt, daß der Vertrag ausschließlich zwischen der abessinischen Regierung und der amerikani­schen Gesellschaft abgeschlossen und daß von einer englischen oder anderen Beteiligung nicht die Rede ist.

Das amerikanische Staatsdepartement hat eine Erklärung zu dem Konzessionsvertrag abgegeben, in der es u. a. heißt, daß

der Abschluß des Vertrages in der amerikanischen Politik gegenüber dem italienisch-abessinischen Streit keinen Unterschied ausmache.

$ie in amtlichen Washingtoner Kreisen weiter mitgeteilt wird, fallen Rohstoffe, die als Kriegszubehör gelten tonnen, nicht unter das Neutralitätsgesetz, das vom Nongreß angenommen und von Roosevelt unterzeichnet worden ist. Andererseits werde die amerikanische Regie­rung jedoch nichts tun, was sie in Gegensatz zu Italien dringen könnte. Sie werde auf keinen Fall einen Schutz Ker Konzessionäre übernehmen.

In französischen politischen Kreisen ist ^nan jetzt zu der Auffassung gelangt, daß

die Konzessionserteilung durch den Negus wahr­scheinlich Italien in Gens das Spiel erleichtern werde,

M es jetzt für England trotz der offiziellen Erklärung Muer Uninteressiertheit am Konzessionsvertrag sehr Wvierig sein werde, sich auf ideelle und moralische Grunde zu stützen. Die französische Presse weist vielfach darauf hin, daß es doch unwahrscheinlich sei, daß der Rutsche Gesandte in Addis Abeba über die Tätigkeit eines cngnichen Staatsangehörigen ununterrichtet gewesen sei.

Womatischer ZVlschensa« in Addis Abeba.

, . Der italienische Gesandte Graf Vinci hat im ^aiserpalast von Addis Abeba vorgesprochen und namens Mer Regierung schärfsten Protest gegen die rletzung der Immunität der Kurier- der italienischen Gesandtschaft erhoben. Die italie- Gesandtschaft will festgestellt haben, daß versucht worden ist, Einblick in die in" Addis Abeba eingetroffene diplomatische Postsendung zu gewinnen.

vor dem Hause des italienischen Ingenieurs C i r i o, dttm Bau der neuen Funkstation beschäftigt ist, ver- 'Witete eine große Menschenmenge eine italien- n dliche Kundgebung. Aus der Menge

.laute Verwünschungen gegen alle Italiener laut. ^'^I,Emen Hagel von Steinen wurden sämtliche nach r Straße liegenden Fensterscheiben des Hauses zer- nuiamert. Kurz nach diesen Vorfällen traf abessinische cnt' die die Menge mit großer Mühe zerstreute d r e R u h e w i e d e r h e r st e l l t e.

Wime 1911,1913 und 1914

Die Einberufung der 200 000 Italiener.

Rom, 3. September.

, 200 000 Italiener, die nach der Ankündigung in der

a n ^de- Mussolinis im September unter die Fahnen

en WCr!'en sollen, werden aus den Jahrgängen 1911, ' und 1914 rekrutiert werden. Sie werden mindestens g-). Monate Dienst zu tun haben und in der zweiten e dos September eingestellt werden.

Emmarlch in Abeffiuieu dementiert

$ Rom, 3. September.,

^euterm/rs k^ italienischer Seite wird das in einer rebe aeü^""g verzeichnete Gerücht entschieden in Ab- gente nnrR- wonach stärkere italienische Truppeukontin- iiaiienjsci^/m^ fur3en Zwischenfall, bei dem ein kleiner ben war" h ^MPosten von Abessinien überfallen wor- ^genwâru^ abessinisches Gebiet eingebrungen seien. Sm falle in Augenblick seien keinerlei derartige Vor- ^olonien ?!^n Gebieten zwischen den italienischen n ^vejpnien zu verzeichnen.

Mit begeisterten Kundgebungen empfingen, sind die beiden Söhne und der Schwiegersohn des Duce, Graf Ciano, in der Hauptstadt von Eritrea an­gekommen.

Sie haben ihren Dienst in einem Fliegerlager des £5. Bombengeschwaders sofort angetreten. Bei den Truppen wird der Einsatz der Ducesöhne als ein neuer Beweis für den entschlossenen Willen Mussolinis angesehen, das italienische Programm in Ostafrika bis zum Ende durchzuführen.

Das umstrittene Konzessionsgebiet in Abessinien.

Diese Karte läßt den Raum des abessinischen Kaiserreiches erkennen, in dem der Negus einem englisch-amerikanischen Konsortium die Ausbeutung der Mineral- und Erdöl­schätze verpachtet hat. Das Konzessionsgebiet ist schraffiert. (Scherl Bilderdienst MZ

Waffen und LI

, London, 3. September. Das abessinische Oelgeschäft nimmt nach wie vor das ungeschmälerte Interesse der eng­lischen Öffentlichkeit in Anspruch. Der Bevollmächtigte

der

amerikanischen Gesellschaft, der Engländer Rickett,

Letzte DiplomatenMnste.

Aussprache Eden Laval. Wird Frankreich seine Schaukelpolitik aufgeüen?

Während die Lage in Ostafrika sich mit jedem Tag weiter zuspitzt, unternimmt die Diplomatie ihren letzten Versuch, auf der Tagung des Völkerbundsrates zu retten, was noch zu retten" ist Zwei bewährte Genfer Kämpen werden mit Beratungen die Verhandlungen des Völker- bundsrates einleiten. Der englische Völkerbundsminister Eden, der von seiner Regierung scheinbar bestimmte Befehle erhalten hat, hat in Paris seine erste Aussprache mit dem französischen Ministerpräsidenten und Außen­minister Laval gehabt.

Wie es heißt, versucht Eden

Frankreich zur Teilnahme an energischen Maßnahmen gegen Italien zu gewinnen.

Die englische Presse erklärt klar und eindeutig, daß der Völkerbund seinen Zweck verfehlt habe, wenn Frankreich mit England nicht zusammengehe. DieTimes" wenden sich warnend an Frankreich und schreiben, Frankreich stehe vor der Wahl, entweder ein wichtiges Glied in der Kette seiner Freundschaften preiszugeben oder den völligen Zusammenbruch des Völkerbundes zu riskieren. Es handele sich in dem abessinischen Konflikt um den vor­sätzlichen Angriff eines Mitgliedes des Völker­bundes auf ein anderes Mitglied, nicht um die einseitige Verwerfung eines aufgezwungenen Vertrages. Wenn Ftalien den Frieden breche und die anderen großen Nationen des Völkerbundes diese Handlungsweise ver­zeihen würden, so würde dies eine unbegrenzte Aussicht aufgeduldete Plünderungen" eröffnen. Das ganze Kollektivsystem würde vernichtet und unwiderruflich sein Ende finden.

Demgegenüber verlautet aus Paris, daß

Laval wie bisher eine Festlegung Frankreichs ablehne, um seine Handlungsfreiheit zu wahren, bis Italien in Genf seine Erklärungen abgegeben hat. Die Entwicklung der Dinge scheint also Frankreich nicht zum Abgehen von seiner Schaukelpolitik bewegen zu können.

Mussolinis Marschroute für Genf ist unverändert.

Nichts kann ihn scheinbar von seinem Ostafrikavorhaben abbringen. Um jede falsche Hoffnung von vornherein zunichte zu machen, erklärte er in einer Unterredung dem Londoner BlattSunday Chronicle":Ich wünsche im

ist in Dschibuti eingefroren. Er äusserte sich einem Ver­treter des Reuterbüros gegenüber sehr optimistisch über das Oelvorkommen in Abessinien. Er sei überzeugt, daß im Bezirk Kirkur das Oel ebenso gut und reich sei wie im Irak. Es liege in einer Tiefe von etwa 400 Meterm Eine Röhrenleitung soll es nach dem Süden leiten. Be­merkenswert ist, daß die der abessinischen Regierung m Aussicht gestellte Kaufsumme geheimgehalten wird.

Einer Meldung aus Addis Abeba zufolge soll bt^ Ge,elljcha,t die Absicht haben, die Kaufsumme mit etwa 200 000 Pfund zu bevorschussen. Reuter behauptet in einer Meldung ans der abessinischen Hauptstadt, daß bereits Verhandlungen für die Lieferung von Gewehren und Mu­nition bevorstehen, deren Bezahlung aus diesem Vor­schuß geleistet werden soll.

Amerikanische Anleihe

für Abessinien.

Konzession als Gegenwert.

London, 3. Sept. (Funkmeldung.) Wie Reuter von der abessinischen Gesandtschaft in London erfährt, hat der Gesandte Dr. Martin am 19. Juli an den New Parker Mak­ler Leo P. Chertok ein Schreiben gerichtet, in dem eine Abrede bestätigt wlrd, wonach der Makler für einen Zeit­raum von 90 Tagen vom 19. Juli an gerechnet das aus- schliestliche Recht der Aufbringung einer Anleihe für Abes­sinien im Betrage von nicht weniger als 1 Million Dollar erhält. Als Sicherheit für diese Anleihe erklärte sich die abessinischen Regierung bereit, eine 50jährige Konzession für die Gewinnung von Gold, Platin, Oel und sonstigen Bodenschätzen in Gebieten zu gewähren, die noch näher be­stimmt werden und die unter absoluter abessinischer Kon­trolle stehen.

Wie verlautet, sind bisher auf Grund dieser Abmachung noch keine Beträge an die abessinische Regierung gezahlt worden.

Aus New Park ist inzwischen ein Bericht eingetroffen, in dem es heißt, daß sich Aeußerungen des Maklers mit den Mitteilungen des Londoner abessinischen Gesandten im wesentlichen deckten. Chertok behauptet, den Anleihebetrag von 1 Million Dllar inzwischen aufgebracht zu haben.

Völkerbund zu bleiben, wenn das möglich ist. Aber wenn die Entscheidung gegen Italien fällt, werde ich dem Völkerbund verlassen. Damit wird der Völker bund erledigt sein. Ich werde die italienische Frage gegen Abessinien Vorbringen. Dann werden die Nationen der Welt zu entscheiden haben."

*

Laval und Eden nach Een? adgereist

Ein gemeinsamer engtrsch-französischer Bericht.?

Paris, 3. September. Von gutunterrichteter englisches Seite in Paris erklärte man, Eden habe bei der Unten redung mit Laval am Montag nachmittag nachdrücklichst darauf hingewiesen, daß die englische Regierung nid)H mit dem Konzessionsvertrag zu tun habe. Der englisch! Vertreter in Addis Abeba fei angewiesen worden, den Kaiser freundschaftlich anzuraten, dieses Abkommen wieder aufzuheben. Wie man ferner englischerseits behauptet^ werden Laval und Eden in Genf einen gemeinsamen Be< richt vorbringen', Anschließend soll der italienische Ver- treter seinen Bericht vortragen und schließlich der Ver^ treter Abessiniens.

Ministerpräsident Laval ist bereits gestern abend mit Eden zusammen nach Genf abgereist. Eden will heute von Genf aus nach Aix-les-Bains fahren, um dem dori zur Erholung weilenden englischen Ministerpräsidenten zu berichten.

Neben den öffentlichen Sitzungen des Völkerbundsratf wird gleichzeitig in privaten Besprechungen der bereits in Paris begonnene Meinungsaustausch der englischen, französischen und italienischen Vertreter über eine mate< riellè Regelung der Frage fortgesetzt werden.

Wenn auch die Völkerbundsorgane demnach auf der be­vorstehenden Tagung eine größere Tätigkeit im italienisch­abessinischen Streit entfalten werden als bisher, so werde« doch nach wie vor die unmittelbaren Verhandlungen bei Mächte für die weitere Entwicklung maßgebend sein.

Es ist möglich, daß vor Beginn der Ratstagung eine Besprechung zwischen den Vertretern Englands, Frank­reichs und Italiens stattfinden wird.