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Zul-aer MZeiger

EMEL1 Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg

^ aS "£F^ Zulöa- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

k^ Sauptschriftleiter Friedrich Ehren- Z V

11 ^B JrJ^'m ^u'lda. Schristleitung unS Geschäftsstelle: Könkgstraße 42 Fernsprecher Nr. 2989

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Nr. 206 12. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 4. September 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Amerika rückt ab

Pachtvertrag rückgängig gemacht

Rücktritt der Standard Vamcuum Oil Co. vom abessinischen Konzessionsvertrag.

Washington, 4. Sept. (Funkmeldung.) Auf dringende Vorstellungen des Staatsdepartements bcschlotz die Standard Vamcuum Oil Co. den Rücktritt vom abessinischen Konzessionsvertrag. Nach wiederholten Besprechungen mit dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Standard Vamcuum Oil Co. gab Außenminister Hull die Rückgängigmachung des Pachtvertrages bekannt. Hull teilte die Rück- Mngigmachung auch telefonisch dem auf seinem Landsitz Hydepark weilenden Präsidenten Roosevelt mit. Ul Präsident gab seiner Befriedigung über diesen Entschluß Ausdruck, da er im Pachtverträge eine Ghrdung des Weltfriedens gesehen habe.

Diese Meldung bedeutet eine neue entscheidende Wendung in den mit Abessinien zusammenhängenden An­gelegenheiten. Sie bringt die Bestätigung dafür, daß Amerika entsprechend seiner grundsätzlichen Zurückhaltung im âjsinisch-italienischen Streitfall, wie es zu erwarten war, zum Beweis seines Abrückens mit Erfolg auf die Rückgän­gigmachung des Konzessions- bzw. Pachtvertrags der amerikanischen Gesellschaft mit Abessinien hingewirkt hat. Somit ist eine ganz neue Lage entstanden, die in den nachfolgenden Meldungen jedoch Noch nicht zum Ausdruck kommt, r« die Rückgängigmachung des Pachtvertrages erst im Laufe des heutigen Vormittags bekanntgegeben wurde.

«Ricketts Streich

Mr. Rickett. (Weltbild.)

In Londoner poli­tischen Kreisen ist man der Ansicht, daß Mr. Rickett, der den Konzessionsver­trag mit Abessinien abschloß, der S a ch e des Friedens einen schlech­ten Dien st er­wiesen hat. Es

,u be- ; das

scheint sich z: stätigen, daß

Londoner Außen­ministerium dadurch überrascht und vor die vollendete Tat­sache gestellt worden ist. Gegen den bri­tischen Ge­sandten in Addis Abeba wer­den s ch w e r st e Vorwürfe er-

. ,. hoben, weil ^r offen-

völlig ahnungslos" gewesen sei. Übereinstim- mend wird festgestellt, daß die weitere Entwicklung jetzt außerordentlich zugespitzt worden ist.

'Mnkreich nehme den Konzcssionsvertrag zum Anlast, um einen starken Druck auf Englands Haltung zu den europäischen Fragen auszuübcn.

ÂA^W jetzt von der englischen Regierung bindende Sicherungen hinsichtlich Deutschlands und der Ost- und von denen es seine Haltung in Genf ab- JE*10^1! wolle. Zwischen den Zeilen der eng- aber kommt deutlich zum Ausdruck, daß 0 keine derartigen Verpflichtungen übernehmen 9g. Man hofft aber, daß es trotz der schwierigen bauen gelingen werde, Italien goldene Brücken zu Sw- ''dl- es ihm ermöglichen, sich ohne Verlust seines S db.r Sache herauszuziehen.

. "A italienischen Stimmen aus Genf herrscht auch n Älkerbundskreisen der Eindruck, daß der Streich oem abessinisch?« Konzessionsverèrag den italieni- mn , sehen Standpunkt begünstige Hcicninh** ®?en® schwäche. Man hält es für aus- Wöie englische Regierung von der Ange- Mol^ g-lvußt habe. Gewissen Genfer Kreisen Mcimsf,1 -i e Alckett-Affäre nach Plänen des britischen Wölfen aufgezogen, jedoch durch die voreilige taten worden^ "* ^ä Abeba unvorsichtigerweise ver-

A i ü e t t, der Mann, dessen Name über 'iParis- beschäftigt? Nach einem Bericht des A pickett ein Mann von 47 Jahren, ein als SrhinM dicker" Engländer, wie das Blatt sagt, der Forellen Lande Berkshire Pferde, Blumen und $ebeutuV6 ^^P- Als Finanzmann sei er von mäßiger als Strohmann sei er wahrhaft ben Wtrnf^A Hauptinteresse gelte schon seit 20 Jahren Er arbeite seit langem in der für dww -v-lopment. Seit dem Jahre 1928 reise Rickett Mandschurei .lâlaft in der Welt umher, u. a. in der Mtorbenen ,n Kleinasien. Im Irak sei er Gast des '&troleumfn,,^ Feisal gewesen und habe auch dort Devëlgu^,. Anionen erworben. Von der British Oil geriet) Cjnct auch in Amerika die neue im Staate New Fi-ma gegründet worden, die nun «MWen obncMMtcn Hobt.

8 Ch-riok? schneie sich Yorker Makler Leo Y. Chertok be- ^esieverjx^ er Besprechung mit amerikanischen ^mych^ ^ ls Makler der großen amerikanischen e und Munitionsfabrik E. I. Du-

pontu. C o., und zwar als deren Vertreter für den rus­sischen Markt. Über die Konzessionsangelegenheit selbst erklärte er sich dahin, daß es seine volle Absicht sei, die 50jährige Konzession für die Gewinnung von Mineralien auf abessinischem Boden auszuüben. Er soll dann weiter gesagt haben, daß es sich bei der ganzen Konzessionsangelegenheit um eine rein private Sache handele, die in keinem Zusammenhang mit den Inter­essen der Firma E. I. Dupont u. Co. stehe. Hierbei habe er sich auch über seinen Londoner Geschäftsfreund aus­gelassen und habe betont, daß dieser die Gebietsfrage der Konzession bearbeite. Interessant ist ferner die Tatsache, daß Chertok gleichzeitig Vertreter der Seagrave Manufacturing Co., National Meter Co. und der Black and Clawson Co. ist, und zwar auch für diese Firmen, für den russischen Markt.

Eine Entschliehung der Nil-Gesellschaft.

London, 4. Sept. (Funkmeldung.) Die Nilgesellschaft, aus der am Dienstagabend der abessinische Gesandte Dr. Martin eine Rede hielt, nahm einstimmig eine Entschlie­ßung an, in der es heißt:Abessinien ruft das engliche Reich

Das Genfer Kulissenspiel

Die bekannten Gesichter, die nun einmal zu einer Ta­gung des Völkerbundes gehören, sind alle wieder in Gens versammelt. Alle diese alten Völkerbundskämpen werden aber diesmal wohl mehr oder weniger nur Statisten sein. Das Hauptinteresse beanspruchen der englische Völker­bundsminister Eden und der französische Minister­präsident Laval. Die Ratstagung ist eigentlich nur der Rahmen für die englisch-italienisch-sranzösische Ausein­andersetzung über den Abessinienkonflikt.

Die Entscheidung wenn überhaupt eine fällt, was sehr zu bezweifeln ist - fällt wie gewöhnlich hinter den Kulissen. Da man aber die Ratstagung in üblicher Form ablaufen lassen muß, muß ja wohl oder übel auch eine Tagesordnung festgelegt werden. Da Abessinien der klageführende Staat ist, ergibt sich von selbst, wenn nicht noch ein Programmstreit ausbricht, folgende Reihenfolge in den Verhandlungen:

1. Vorlegung des Berichts des Schlichtungsausschuffes über UaMlal. .

2. Vorlegung des Berichts über die Pariser Dreunachte- besprechungen.

3. Rede des abessinischen Vertreters.

4. Rede des italienischen Vertreters.

Hierauf wird der Völkerbundsrat selbst über das 311 befolgende Verfahren zu beschließen haben, u. a. auch über den Artikel der Völkerbundssatzung, der zur An­wendung kommen soll. Die Entscheidung hierüber wird von den Besprechungen der Vertreter der einzelnen Mächte untereinander und besonders von der Entwick­lung des französisch-englischen Meinungsaustausches abhängen.

Oie Suche nach dem Vergleich.

Die Vorbesprechungen zwischen Eden und Laval in Paris haben keine Entscheidung ge­bracht. Man rechnet in französischen Kreisen, daß Laval in Genf einen neuen Ausgleichsversuch unter­nehmen werde. Möglicherweise werde sein in Genf zur Sprache kommender Vergleichsvorschlag die erwünschte Lösung bringen, denn er scheine die Würde Italiens zu wahren, Großbritannien zufriedenzustellen und das An­sehen des Völkerbundes zu schonen.

auf, ihm bei der Aufrechterhaltung der Heiligkeit der Ver­träge und seiner eigenen Unabhängigkeit Beistand zu leisten".

Vor Annahme der Entschließung hatte ein ägyptischer Vertreter noch erwähnt, daß die englandfeindliche Propa­ganda Italiens gegenwärtig in Aegypten sehr lebhaft am Werke sei. Tie Aegypter hätten vielleicht manche Be­schwerde über England, aber dies bedeute nicht, daß Aegyp­ten der italienischen Freundschaft vor der englischen den Vorzug gebe.

Den Vorsitz der Tagung führte Oberst Lord Sempill. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. den brasiliani­schen Botschafter, die Gesandten Schwedens und Lettlands, die Geschäftsträger von Finnland, Bolivien, Kuba, Jugo- slavien und Polen sowie die englischen Oberkommissare für Südafrika, Rhodesia und Neufundland.

Eine Erklärung des Kaisers von Abessinien.

Paris, 4. Sept. (Funkmeldung.) Der Berichterstatter desJournal" in Addis Abeba wurde vom Kaiser von Abessinien empfangen, der ihm folgende Erklärung über­gab:Wir sind der französischen und der englischen Regie­rung für die von ihnen zu Gunsten des Friedens entfal­teten Anstrengungen dankbar. Wir freuen uns auch, die beim französischen und beim englischen Volk vorhandenen Strömungen zugunsten Abessiniens feststellen zu können. Unser Land hat niemand angegriffen und bedroht nieman­den. Alle seine Anstrengungen zielen auf die Aufrecht­erhaltung des Friedens ab. Wir werden unsere friedliche Haltung bis zum letzten Augenblick aufrecht erhalten. Wenn wir aber auf unserem Gebiet angegriffen werden, werden wir uns auch bis zum Aeußersten verteidigen.

Die Knegsvorbereilungen in Ostafrika.

Entsendung italienischer Eingeborenentruppen aus Libyen nach Ostafrila. Auch in Ägypten verdächtige

Regsamkeit.

Während die Diplomaten in Genf beraten, nehmen die Ereignisse in Ostafrika ihren Lauf. Mussolini hat mit dem Gouverneur von Libyen, Balbo, eine Unter­redung, in der Balbo eingehend Bericht über die Lage in seiner Kolonie erstattete und hierbei die militärischen Gesichtspunkte im Hinblick auf die Tatsache hervorhob, daß zahlreiche freiwillige eingeborene Truppen nach Ostafrika verschickt werden. Diese Truppen sollen nunmehr durch Streitkräfte aus dem Mutterland ersetzt werden. Die Entsendung starker Eingeborenen-Trup- P e n k o n t i n g e n t e hat sich als immer zweckmäßiger er­wiesen, da sie sowohl aus klimatischen Gründen wie auf Grund ihrer langjährigen Erfahrungen in Kolonial­kriegen ganz besonders zur Kriegführung in Ostafrika ge­eignet erscheinen.

Uber das Ergebnis der Zusammenkunft zwischen Eden und Laval wird in der Londoner Presse be­richtet, daß die Angelegenheit des abessinischen Olgeschäf- tes endgültig erledigt worden sei. Verschiedene Meldun­gen besagen, es werde zuversichtlich gehofft, daß Edens Bericht in Genf als gemeinsamer englisch-französischer Bericht vorgelegt werden könne. Der Pariser Bericht­erstatter desNews Chronicle" erklärtvon maß­gebendster Seite" zu hören, daß Laval nicht beabsichtige, den Anschein einer französisch-britischen Front gegen Italien zu erwecken.

Völterbundsratsverhandlungen

beginnen mit Vertagung.

Die ersteTat" des Völkerbundes im Konflikt zwi­schen Italien und Abessinien war die in Genf übliche Vertagung der ersten Beratung. Die Verhandlungen des Völkerbundsratts sollten ursprünglich Mittwoch vormittag beginnen. Die Vorverhandlungen am Dienstag haben aber nicht geklappt. Man hat deshalb eine erste öffent­liche Sitzung nach der üblichen vertraulichen Sitzung aus Mittwoch nachmittag einberufen. Eine neue Vertagung ist aber möglich.

Der italienische Vertreter Aloisi ist Dienstag nach­mittag, übrigens mit mehreren Kisten, in denen sich das Material gegen Abessinien befindet, in Genf eingetroffen. Zu dieser Zeit war

Eden mit dem Auto nach Aix-lcs-Bains gefahren, wo er abends eine Unterredung mit Baldwin hatte.

Man spricht auch von der Möglichkeit einer Unterredung des englischen Ministerpräsidenten Baldwin mit Aloisi in Aix-les-Bains, das nur 60 Kilometer von Genf entfernt liegt.

Sehr interessant ist die in Genf ausgetauchte Ver­mutung, daß Rickett, der angeblich mit Mussolinis Schwiegersohn Graf Ciano, dem bisherigen italienischen Presseminister, näher bekannt sein soll, die Msicht habe, im Namen seiner amerikanischen Auftraggeber m i t Mussolini über eine Beteiligung oder Weitergabe an der Konzession zu verhandeln. Dieses Gerücht ist für die Genfer Atmosphäre bezeichnend.