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Zul-aer Anzeiger

_ »-den Werktag. Wochenbeilage: Der Erscheint 1 ^^uaspreis: monatlich 1,70 ölM. «°-nn&rung^ durchHöhere Ge-

^Wben keine Ansprüche. Verlag Fried- »^ eftflau, Fulda, Königstraße 42. > mtionâruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- lanition ._ Ä^eiter Friedrich Ehren-

Sf Königstr. 42, Fèrnsprecher 2989 - ^antn? für den Inhalt: B e r n d H e t m . Fulda.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt

Schristlektung und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zerufprecher Nr. 2954

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Nr. 207 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 5. September 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Wie der Hauptmann, so die Kompanie

Appell Dr. Leys an Betriebsführer und Gefolgschaften.

Die Bezirksgruppe Saarland-Pfalz der Reichsgruppe Industrie veranstaltete in der Fruchthalle in Kaiserslautern eine Arbeitstagung, die von dem Saar- industriellen Röchling geleitet wurde. Dr. Ley ergriff auf dieser Tagung das Wort zu einer Rede, die sich über den örtlichen Rahmen der Tagung hinaus an die ^samten Betrieb sführer und Unter- nih m e r Deutschlands wandte und damit auch für die Gefolgschaften aller deutschen Betriebe eine Kund­gebung programmatischer Bedeutung wurde. Dr. Ley führte u. a. aus:

Früher mußte sich der Redner immer einstellen auf Klassen und auf die Schichten und die Berufe. Es galt früher als allgemein üblich, daß man mit dem Arbeiter nicht so reden könne wie mit dem Unternehmer. Hier allein lag schon die Unwahrhaftigkeit des Systems. Des­halb als Erstes und vor allem: Wahrhaftigkeit! Nur dann kann man wirklich etwas leisten, wenn man eine Gemeinschaft hat.

Wir bilden eine Gemeinschaft! Der Betrieb ist eine Einheit.

Wer sich dagegen sträubt, den muß man belehren, zultächst im Guten. Wenn er dann noch nicht will, muß man' ihn hart anfassen. Und wenn er schließlich und endlich über­haupt nicht will, muß man ihn vernichten.

Das frühere System zeichnete sich dadurch aus, daß man alles aus dem Betrieb heraustrug. Wenn irgendein Meister mit seinem Gesellen Krach hatte, dann gab es eine Staatsaktion, dann wurde der Reichstag damit beschäftigt. Immer wieder muß ich sagen: Ihr müßt euer Schicksal se l b st ordnen. Der Wohlfahrtsstaat von Weimar hatte uns so schön daran gewöhnt, daß alles für die Menschen geordnet wurde. Wir sind keine Amme, die die Menschen trocken legen will. Dadurch erzieht man nur Knechte und nichts anderes. Wir aber wollen Herrenmenschen. Die Menschen müssen wieder einen Stolz in sich tragen und müssen dahin ge­bracht werden, ihre Dinge selber zu ordnen. Und wenn sie sagen, es geht nicht, wir werden nicht einig, dann ant­worten wir: Ins Zimmer, schließt ab! Ordnet eure machen! Ihr könnt euch da drinnen so viel streiten, wie ihr wollt

Der Betrieb ist unsere Burg.

sie geht uns gemeinsam an, weil wir innerhalb dieser «g eine gemeinsame Ehre verteidigen werden. Dann haben wir den Klassenkampf überwunden.

Der Klassenkampf tobte ja nicht nur zwischen Unter­nehmern und Arbeitern. Der Klassenkampf war manchmal in einem Werk, meinetwegen zwischen Werkmeister und Arbeiter, viel größer; viel schärfer noch zwischen Vor- arbeiter und Arbeiter. Wenn Sie heute durch den Betrieb gehen und an früher denken, ist der Betrieb heute nicht Wner, als er früher war? Wenn Sie heute mit dem Arbeiter reden, dann können Sie ihm ruhig die Schwere mnes Berufes, die Härte feiner Arbeit vor Augen wen. Aber Sie müssen dem Arbeiter eine Gewißheit ver- Msen: Daß man ihn unter keinen Umständen betrügt

Nicht untergeben läßt. Wenn der Arbeiter weiß, b o e r U n t e r n e h m e r der Kamerad ist, dann men Sie vom deutschen Arbeiter alles verlangen.

sind Offiziere des Volkes. Denn es gibt bh'iL < ' das lieber Soldat wäre und bessere Soldaten x das deutsche Volk. Die Kompanie ist immer so, der Hauptmann ist, und nicht anders. Wenn Sie j^Ins der Erste und abends der Letzte sind, wenn Sie ivie er schafft, mit einem Wort: Wenn Sie ein äset deutscher Offizier sind, nicht nur laut Patent, aut Führertum, dann können Sie von Ihren wwen alles verlangen.

^ wahre Führertum offenbart sich in der Gefolg-

heißt: vernünftig sein. Vernunft aber ist das in und Verstand. Ich frage euch: Für glui'n^ it lhr?, Für die Maschinen oder für die Bank- Kakn^n oder für die Menschen? Das ist das wertvollste eriA' das unser Volk besitzt. Alles andere kann man Q stellen Sie sich bitte vor, wie man sich über die her ar 5 Urlaubs erhitzt und gestritten hat. Kann er norf, J? ipenn er müde ist, soviel schaffen, als wenn Werk,^ mr ist? Ganz unmöglich! DieWanderer- 100 Md r^den schlossen ihren Betrieb, ließen lediglich und f hm die wichtigsten laufenden Arbeiten zurück Beispiel ^gemeinsam zehn Tage weg. Ein leuchtendes ein befr'nAirl1 Durchführung den klugen Betriebsführern Wirkung Pius verschafft. Zur erfolgreichen Aus- ihn nicht dal . aia muß hinzukommen, daß der Arbeiter ben tonfm.' in seiner mehr oder minder unzureichen- Freudo« I derbringt, sondern daßKraft durch billig beschâ wirklich zehn Tage unbeeinträchtigte Er- assen <te mich auch einiges über

sagen, top ThemaLohnerhöhungen"

in der en nur da Sinn und Zweck, wenn und wo etwas versäumt worden ist. Nicht ^ Ziel sam mdeau, sondern höheres Lebensniveau muß Einrichtung p«, Messern Sie ihre Werke, ihre hygienischen " Eröffnen Sje Sport- und Spielplätze und

Badeanstalten! Es kommt Ihnen ja letzten Endes wieder zugute. Sie dienen damit der Gesamtheit des Volkes.

Vor allen Dingen wünsche ich, daß nicht mehr er­klärt wird:Weil ich ein Unternehmer bin, weil ich Aktien habe, oder weil ich Betriebsführer bin, bin ich etwas Besseres mit einer anderen, ja vielleicht sogar mit einer höheren Ehre."

Alle zusammen, ob General oder Musketier, haben wir eine gemeinsame Ehre!

Der Deutsche beklagt sich nicht, weil er gehorchen muß und weil ihm ein anderer befiehlt, sondern er beklagt sich über jene bittere Tatsache, daß gerade diese wünschenswerte klare Soldatenerhaltung verdrängt wurde durch ano­nymes Kapital. Unsere Bitte an Sie lautet: Helfen Sie uns mit! Wir sind selbstverständlich auf Sie mit angewiesen. Die Deutsche Arbeitsfront wäre nicht nur halb, sie wäre überhaupt gar nicht, wenn wir die Unter­nehmer nicht hätten. Wenn du, lieber Freund, uns sagst: Nun laßt mich doch, wie oft soll ich noch marschieren und Kundgebungen mitmachen? Noch oft, mein lieber Freund!

Die Gemeinschaft muß man üben, genau so, wie der Soldat den langsamen Schritt übt.

Wir werden das immer wieder üben: die Kundgebung, das Antreten, das Marschieren. Die Betriebsführer vorne­weg. Ihn soll ja jeder sehen.

Ich verlange nichts Unmögliches, und ich habe eine letzte Bitte an Sie: Hämmern Sie sich ein, Sie alle, die Sie hier sind, und auch die anderen, die Arbeiter, die Bauern, die Handwerker:Mag kommen was will, wir kapitulieren niemals!" Das muß der Wahlspruch jedes Deutschen sein.

Der Völkerbund hat das Wort

Scharfe Erklärung des italienischen Vertreters in Genf.

Unter großem Aufmarsch von Photographen, Film- operateuren und auffallend viel Publikum versammelte sich am Mittwochnachmittag der Rat des Völker­bundes zur Verhandlung über den abessinisch-italie­nischen Konflikt. Nach einer kurzen geheimen Beratung trat der Völkerbundsrat zu seiner angekündigten öffent­lichen Sitzung zusammen. Der Ratspräsident, der argen­tinische Gesandte in Bern. Ruiz Guinazu, teilte zunächst mit, daß der Spruch des ltalienifch-abcssinischen Schieds­gerichts über den Fall von Ual-Ual als einstimmige Ent- scheidung der fünf Schiedsrichter nunmehr vorliege und den Mitgliedern des Völkerbundsrats baldigst mUgeteUt werde. Nach einigen Bemerkungen des Präsidenten über die Geschäftsordnung erhielt dann sofort der englische Völkerbundsminèster Eden das Wort zu seinem Bericht über die Pariser Verhandlungen.

Die Erklärung Edens bestand aus zwei deutlich getrennten Teilen: dem mit der französischen Regierung vereinbarten Bericht über die Pariser Verhandlungen und einer Erklärung der englischen Regierung. Im ersten Teil wiederholte Eden in großen Zügen den Verlauf der eng­lisch-französisch-italienischen Verhandlungen in Parrs und das Angebot eines vom Völkerbund organisierten französifch-englisch-italienischenBeistandes" für Abes­sinien, bei dem den italienischen Interessen in weitestem Maße Rechnung getragen werden sollte.

Im Namen der englischen Regierung betonte er dann, daß England alles tun würde, um die friedliche Regelung des Konfliktes zu sichern, und daß es sich seiner Verpflichtungen aus der Völkerbundssatzung, die alle Regierungen binde, bewußt sei. Er betonte außerdem, daß von einem politischen oder wirtschaftlichen Konflikt zwischen Italien und England nicht die Rede sein könne; Eng< land sei überzeugt, daß seine besonderen, Interessen auch künftig von Italien geachtet würden. England handele nur als Mitglied des Völkerbundes.

Der französische Ministerpräsident Laval betonte seinerseits, daß Frankreich auf dem Boden der Völker­bundssatzung stehe. Keine Regierung habe sich in der Ver­gangenheit stärker für den Pakt eingesetzt als Frankreich Noch im letzten Jahre seien die Regelung der Saarfrage und die Beilegung der ungarisch-jugoslawischen Frage Erfolge der loyalen Zusammenarbeit der verantwortlichen Mächte gewesen.

Der Rat werde die Beschwerden Italiens über Abes­

sinien sicher mit der größten Aufmerksamkeit prüfen.

Laval schloß mit folgenden Worten: Wir alle haben den Willen, für die Verpflichtungen des Paktes einzutreten, wir alle wollen den Frieden.

Anschließend ergriff der italienische Vertreter, Baron Aloisi, das Wort zu einer längeren Erklärung, in der er unter Hinweis auf die i t a l i e n i s ch e D e n k s ch r i f t ausführlich begründete, warum Italien die in Paris ge­machten Vorschläge nicht habe in Betracht ziehen können. Er gab einen historischen Überblick über die Entwicklung der italienisch-abessinischen Beziehungen in den letzten 50 Jahren, um nachzuweifen,

Ein Telegramm Rombergs an Dr. Ley.

Der Reichskriegsminister Generaloberst von B l o m- v e r g hat an Reichsleiter Dr. Ley folgendes Danktele- gramm gerichtet:

Für Ihre und der Deutschen Arbeitsfront Glück­wünsche zu meinem Geburtstag danke ich herzlich. Der deutsche Soldat wird es nie vergessen, daß er die Grund­lage seiner Kraft in der Einigkeit und Schicksalsverbunden­heit wiedergefunden hat, die das deutsche Volk seinem Führer verdankt.

Vorbereitung des Erntedankfestes.

Dr. Goebbels besichtigte die Arbeiten auf dem Bückeberg.

Reichsminister Dr. Goebbels besuchte am Mittwoch in Begleitung des Gauleiter-Stellvertreters Schmalz den Bückeberg bei Hameln, um sich persönlich vom Stand der Vorarbeiten für das Erntedankfest zu überzeugen. Die Sachbearbeiter der Organisationsleitung berichteten dem Minister über das, was bereits geleistet worden war, und über die Maßnahmen, die noch im Gange sind.

Neue Gesandte und Generalkonsuln.

Der Führer und Reichskanzler hat folgende Ernennungen im Auswärtigen Dienst vorgenommen: den Gesandten zur besonderen Verwendung v o n K e l l e r zum Botschafter in Ankara, den Gesandten in Kairo von Stohrer zum Gesandten in Bukarest, den Vor­tragenden Legationsrai B o d e zum Generalkonsul in Marseille, den Vortragenden Legationsrat Voigt zum Generalkonsul in Zürich und den Gesandtschaftsrat bei der Botschaft in Paris Döhle zum Generalkonsul in Jerusalem.

daß Abessinien sich ständig der schweren Verletzung seiner vertraglichen Verpflichtungen schuldig gemacht habe,

und einbarbarischer Staat" sei, der weder seine Hand­lungen noch das Verhalten seiner Untertanen in Ge­walt habe.

Aloisi schloß mit folgenden Worten:Da es sich um die Lebensinteressen und um eine Angelegenheit allererster Ordnung für die italienische Sicherheit und Zivilisation handelt, würde die italienische Regierung ihre grundlegen­den Pflichten verletzen, wenn sie nicht endgültig Abessinien ihr Vertrauen entziehen würde und wenn sie sich nicht jede Freiheit des Handelns vorbehalten würde bis zu allen Maßnahmen, die für die Sicherheit der italienischen Kolonien und für die Sicherheit der eigenen Interessen Italiens notwendig werden könnten."

Nach Aloisi erhielt der abessinische Delegierte, Pro­fessor I è ze das Wort zu einer langen Rede, in der er zunächst die Erklärungen des englischen und fran­zösischen Delegierten begrüßte, die ganz im Rahmen der abessinischen Politik lägen. Er sei aber e r st a u n t über die Anklage Italiens, die in vollem Umfange ungerechtfertigt sei.

Es sei eine ernste und gefährliche Sache, wenn man innerpolitische Angelegenheiten eines Landes int Völkerbundsrat erörtere und daraus den Schluß ziehe, die Anklage gegen ein Land zu erheben und es Gewaltmaßnahmen unterwerfen zu wollen.

Professor Jèze erörterte dann noch einmal das ganze Ver­fahren, in dessen Verlauf der Zwischenfall von Ual-Ual eine Rolle gespielt habe. Auf Grund der von dem Schiedsgericht ergangenen Entscheiduna betrachte er Abessinien nicht als schuldig. Die Angelegenheit Ual-Ual sei damit im allgemeinen erledigt, und man könne jetzt nach seiner Auffassung zu einer Erörterung kommen, in welcher die italienisch-abessinischen Gegensätze überwunden werden könnten. Jedenfalls müsse derVölker- bundsrat jetzt zeigen,ob er die Machtzur Verhinderung eines Krieges habe.

Nach einer kurzen Erklärung des spanischen Vertreters, der die Anwendung des Paktes zur Aufrechterhaltung des Friedens forderte, schloß der Ratspräsident die Sitzung mit dem Bemerken, daß die abessinische Regierung zweifel­los zu den Erklärungen des italienischen Vertreters Stel­lung zu nehmen wünsche. Der Rat werde deshalb erneut zusammentrcten. Der Zeitpunkt werde noch bekanntgegeben werden.

*

Nie italienische Denkschrift.

Die römische Presse veröffentlicht die umfangreiche Denkschrift zum Abessinienkonflikt, die die italie­nische Regierung in Genf vorlegen wird. Vier Gesichtspunkte, so heißt es in der Denkschrift, hätten in den letzten 40 Jahren die Beziehung zwischen Abessinien und Italien stark belastet: