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M-aer Anzeiger

x Werktag. Wochenbeilage:Der

& ^^4® Zulöa- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Fulda, Montag, 16. September 1935

breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." VII. 35. 910. Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Weichstag in Nürnberg.

Nach 400 Jahren.

Ter historische Reichstag in Nürnberg.

~ Nach rund 400 Jahren fand in Nürnberg wieder ein «uAgfaa statt, das Bild aber, das sich heute bot, war Anderes. Denn der Nürnberger Reichstag von 1935 int Zeichen der Macht, der Einheit und Geschlossen­heit m deutschen Nation und des Deutschen Reiches. Die â Nürnberger Reichstage, die in den Jahren 1522, ® 1524, 1542 und 1543 stattsanden, waren aber attcs MM als ein Bild der Macht. Sie legten vielmehr 2Wiii§ von der Zersplitterung und dem Niedergang m deutschen Reichszcutralgewalt ab. Es war die Zeit dcr G.l a u b e n s k ä m p f e, der Spaltung zwischen te^ und Süddeutschland, der Spaltung zwischen den ymkitantifdjen freien Reichsstädten, zu denen auch Nürn- berz gehörte, zwischen den evangelischen Fürsten des Nordens einerseits und den katholischen Fürsten des Adens andererseits.

So knüpfte der Reichstag, den Adolf Hitler in Nürn­berg zusainmcngerufen hatte, gleichsam an die frühere ; Geschichte der einstigen Freien Reichsstadt an und ersetzte ein wenig ruhmreiches Blatt durch ein erhabeneres.

Der Saal des Kulturvereinshauses, in dem sich die Reichsbotcu des nationalsozialistischen Deutschlands versammelten, hat ebenfalls eine geschicht- - liche Bedeutung. Hier wurden die ersten Kon­gresse aus dem Reichsparteitag der NSDAP, ab- acbalten.

Obwohl der Sonntag reichlich ausgefüllt war durch den Appell der SA., SS. und NSKK. und die Fortsetzung des Parteikongresses, richtete sich die Spannung mit jeder Stunde mehr auf die denkwürdige Reichstagssitzung. Im Kulturvereinshaus selbst hatten bereits die Fraktion der NSDAP, und die Reichstngsverwaltung Büros ein­gerichtet, in denen es zuging wie in einem Taubenschlag. Quartiere für die Abgeordneten mussten beschafft werden. Bei den beschränkten Platzverhältnissen war die Platz- einteilung sehr schwierig. Im Saal wurde bis zuletzt gehämmert, geklopft, genagelt und gewerkt, um ihn einigermaßen für die Sitzung herzurichten. Telephon­zellen mussten aufgestellt werden, Telephonleitungen gelegt, für die Reichstagsstenographen Räume und Pulte hergerichtet werden

*

Dar ReichsKaggengesetz

Der Reichstag hat einstimmig das folgende Gesetz be- Hlossen, das hiermit verkündet wird:

Artikel 1: Die Reichsfarben sind schwarzweißrot.

Artikel 2: Die Reichs- und Nationalflagge ist die Zaken- t flagge. Sie ist zugleich Handelsflagge. '

Artikel 3: Der Führer und Reichskanzler bestimmt die ! »otm der Reichskriegsflagge und der ReichZdienstflagge. .Artikel '1: Der Reichsminister des Innern erläßt, soweit : W die Zuständigkeit des Reichskriegsministers gegeben die zur Durchführung und Ergänzung dieses Gesetzes «wrderlichen Rechts- und Verwâltungssvsrschriften.

Artikel 5: Dieses Gesetz tritt am Tage nach der Verkün­dung m Kraft.

Nürnberg, 15. September 1935. Der Führer und Reichs- anzler. Der Reichsminister des Innern. Der Rcickskriegs- mister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht.

Das AetchsdSrsekselet

Reichstag hat einstimmig das folgende Gesetz be- > das hiermit verkündet wird:

L 1- Staatsangehöriger ist, wer dem Schutzverband b-wktt^ .-ü Reiches cingehört und ihm dafür besonders %rri»?-u 21 Die Staatsangehörigkeit wird nach den erwerben " ^c® ^"HZ- und Staatsangehörigkeitsgesetzes Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deut- t/,, Lfl a^waübten Blutes, der durch sein Derhal- deutiÄ^» Ä er gewillt und geeignet ist, in Treue dem recht UL X ^^ Reich zu dienen. 2. Das Reichsbürger- wvrbcn ^ ^'kch Verleihung des Reichsbiirgerbriefes er- dollcn pvliiU^ ^erchsbürger ist der alleinige Träger der 8 3. ^ '"'^^ Rechte nach Maßgabe der Gesetze.

des Innern erläßt im Einver- Durchsübi-»« ^^ Stellvertreter des Führers die zur Rechts- ?V? Ergänzung des Gesetzes erforderlichen Nürnb ^'rwaltungsvorschriften.

I ^ lr« Schutze 6es bruMen Biule;

, »m.»,W der deutsches Ehre

^ deutsch,»en b"" der Erkenntnis, daß die Reinheit bestaub des n-,,.-^^^ die Voraussetzung für den Fort- ^ugsamei, yn: ,I^u.Volkes ist, und beseelt von dem un= schern . ^tc deutsche Nation für alle Zukunft W^ besM?..' Oer Reichstag einstimmig das folgende § 1; das hiermit verkündet wird: ^ugchörig^, ^flMießungen zwischen Juden nnd Staats- "stchen oder artverwandten Blutes sind ver­

boten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Auslände geschlos­sen sind. 2. Die Nichtigkeitsklage kann nur der Staats­anwalt erheben.

§ 2: Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen ober artverwandten Blutes ist verboten.

§ 3: Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blntes unter 45 Jahren nicht in ihrem Kaushalt beschäftigen.

§ 4: 1. Inden ist das Kissen der Reichs- und National­flagge und das Zeigen der Reichsfarben verboten. 2. Da­gegen ist ihnen das Zeigen der jüdischen Farben gestattet. Die Ausübung dieser Befugnis steht unter staatlichem Schutz.

§ 5: 1. Wer dem Verbot des 8 1 zuwiderhandelt, wird mit Zuchthaus bestraft. 2. Der Mann, der dem Verbot des 8 2 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis oder mit Zuchthaus bestraft. 3. Wer den Bestimmungen der §ß 3 oder 4 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft.

§ 6: Der Reichsminister des Innern erläßt im Einver­nehmen mit dem Stellvertreter des Führers und dem Reichsminister der Justiz die zur Durchführung und Er­gänzung des Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwal- tungsvorschriften.

§ 7: Das Gesetz tritt ant Tage nach der Verkündung. § 3 jedoch erst am 1. Januar 1936 in Kraft.

Die Rede des Führers und Reichskanzlers

Die Rede des Führers und Reichskanzlers im Reichs­tag hat folgenden Wortlaut:

Abgeordnete, Männern des Deutschen Reichstages! Na­mens der Deutschen Reichsregierung habe ich den Reichs- tagspräsidenten Pg. Göring gebeten, für den heutigen Tag den Deutschen Reichstag zu einer Sitzung nach Nürn­berg einzuberufen.

Der Ort wurde gewählt, weil er durch die nationalsozia­listische Bewegung in einem innigen Zusammenhang steht mit den Ihnen heute vorzulegenden Gesetzen, die Zeit, weil sich die weitaus größte Zahl der Abgeordneten als Parteigenossen noch in Nürnberg befinden.

Ich möchte Ihnen zu diesen durch einen Initiativantrag vorgelegten Gesetzen einige kurze allgemeine Bemerkun­gen machen. _

Der erste Teil des Reichsparteitages in Nürnberg ist zu Ende. Der Tag der Wehrmacht wird ihn morgen ab­schließen. Das Bild, das dieses Fest der Bewegung bietet, wiederholt den Eindruck des vergangenen Jahres in ver­stärktem Maße. Das deutsche Volk hat den Weg zu einer geschichtlich wohl noch nie dagewejenen Einigkeit und Diszr- pliu gefunden. Dieser Ausdruck der Festigkeit der Bewe­gung ist zugleich der Ausdruck der Kraft des heutigen Re­gimes. Was die deutsche Nation jahrhundertelang vergeb­lich ersehnt hat, ist ihr nunmehr geworden.

Das einige Volk der Brüder, frei von den gegenseiti­gen Vorurteilen und Kemmungen vergangener Zeiten.

Dieser inneren Stärke wird morgen das Bild entsprechen, das die Wehrmacht uns bieten wird. Nicht eine Massen­demonstration soll es sein, sondern nur eine Darlegung des inneren Wertes unserer neuen Armee.

Das deutsche Volk kann sich glücklich schätzen im Bewußt­sein dieser nach so furchtbarem Leid und langer Ohnmacht wiedererrungenen Stärke. .

llnb dies besonders in einer Zert, die schweren Krisen ausgesetzt zu sein scheint. Deutschland ist wieder gesund. Seine Einrichtungen sind nach innen und außen tn Ord­nung. (Stürmischer Beifall.)

Am fo größer ist die Verantwortung der Führung des Reiches in so ernsten Zeiten. Es kann für unser ganzes Verhalten nur eine einzige Richtlinie geben: unsere große nnd unerschütterliche Friedensliebe. Ein solches Bekennt­nis scheint mir jetzt nötig zu sein, da sich leider eine ge­wisse internationale Presse fortgesetzt bemüht, Dentschiand in den Kreis ihrer Kombinationen einzubeziehen.

Bald wird der Fall behandelt, daß Deutschland gegen Frankreich vorgehen werde, bald die Annahme, daß es sich gegen Oesterreich wende, dann wieder die Befürchtung, daß es Rußland, ich weiß nicht wo, angreife. Diese Be­drohungen werden dann meist als Argument für die Not­wendigkeit der nach Bedarf verschieden gewünschten Koa­litionen hingestellt. . . .

Nicht weniger großzügig wird tn dreier Presse aber auch die deutsche Freundschaft vergeben bezw. als ein Objekt behandelt, das jedem Staatsmann, der das Bedürf­nis empfindet, auch nur die Hand danach auszustrecken, sofort zur Verfügung steht.

Ich brauche Ihnen, meine Abgeordneten, Männer des Reichstages, Wohl kaum zu versichern, daß die deutsche Re­gierung ihre Entschlüsse nicht trifft aus irgendwelcher Ein- stellttng gegen irgendwen, sondern ausschließlich aus ihrem Verantwortungsbewußtsein gegenüber Deutschland. (Bravo und Heilrufe.)

Nürnberg, 15. September 1935. Der Führer und Reichs­kanzler. Der Reichsminister des Innern. Der Reichsmini­ster der Justiz. Ter Stellvertreter des Führers.

Hier tagte der Reichstag.

Das Kulturvereinshaus in Nürnberg.

(Scherl Bilderdienst M.)

Der Zweck unse er Arbeit ist aber nicht, die Resultate derselben in einem leichtfertigen und damit wahnwitzigen Abenteuer wieder zu verbrauchen.

Der Zweck des Aufbaues der deutschen Armee war nicht, irgendeinem europäischen Volk seine Freiheit zu bedrohen oder gar zu nehmen, sondern ausschließlich dem deutschen Volk seine Freiheit zu bewahren.

Dieser Gesichtspunkt bestimmt in erster Linie das außen­politische Verhalten der deutschen Reichsregierung. Wir nehmen daher auch keine Stellung zu Vorgängen, die nicht Deutschland betreffen, und wünschen nicht, in solche Vor­gänge hineingezogen zu werden.

Mit um so größerer Beunruhigung verfolgt aber das deutsche Volk gerade deshalb die Vorgänge in Litauen. Im tiefsten Frieden wurde das Memelland Jahre nach dem Friedensschluß Deutschland geraubt. Dieser Raub wurde vom Völkerbund legalisiert und nur an die Einhaltung einer dem Memeldeätschtum zu gewährenden und vertrag­lich niedergelegten Autonomie geknüpft. Seit Jahren wird nun das deutsche Element dieses Gebietes gesetz- und ver­tragswidrig mißhandelt und gequält. Eine große Nation muß dauernd zusehen, wie gegen Recht und vertragliche Bestimmungen Angehörige ihres Blutes, die man im tief­sten Frieden überfallen und vom Reiche weggenfsen hat, schlimmer behandelt werden als in normalen Staaten Ver­brecher. (Pfuirufe.) Ihr einziges Verbrechen ist aber nur, daß sie Deutsche sind und Dentsche bleiben wollen. Vor­stellungen der verantwortlichen Mächte in Kowno blieben wenigstens bisher bloß äußere Formalien ohne jeden Wert und alle inneren Folgen.

Die deutsche Reichsregierung sieht dieser Entwicklung mit Aufmerksamkeit und Bitternis zu. Es wäre eine lo­benswerte Aufgabe des Völkerbundes, sein Interesse der Respektierung der Autonomie des Memelgebietes zuzu­wenden nnd es prattisch wirksam werden zu lassen, ehe auch hier die Ereignisse Formen annehmen, die eines Tages nur von allen Seiten bedauert werden könnten. (Kändeklatschen und Bravorufe.) Die zur Zeit dort statt­findende Vorbereitung der Wahl stellt eine Verhöhnung von Recht und Verpflichtung dar!

Deutschland erhebt keinerlei unbillige Forderungen, wenn es verlangt, daß Litauen zur Einhaltung der unter­zeichneten Verträge mit tauglichen Mitteln .angehalten wird. (Langanhaltender Beifall.) Am Ende aber hat eine 65-MMonen-Nation das Recht zu verlangen, daß sie wenigstens nicht minder respektiert wird als die Willkür eines Zwei-Millionen-Dolkes. (Bravorufe und Hände- klatschen.)

Leider erleben wir, daß^ während die Völkerverständi­gung nötiger wäre als je, die bolschewistische Interpatio- nalr von Moskau aus die Revolutionierung, das heißt die Völkerverhetzung erneut offen und planmäßig betreibt. Das Schauspiel des Kominternkongresses in Moskau ist eine wirkungsvolle Unterstreichung der Aufrichtigkeit der von derselben Macht gefordertenNichteinmischungspolitik". (Sehr gut!)

Da wir, belehrt durch unsere eigene und, wie wir fest­stellen können, auch durch die Erfahrungen anderer Staa­ten, von Protesten und Vorstellungen in Moskau nichts erwarten, sind wir entschlossen, der bolscheMistiichen Re-