Zul-aer Anzeiger
SÖ&ÄI Tagâ« für «HW un» Vog°lsd-rif ;r ^-^'^''^^^ Julio- uni Haunetal♦ Julio« Kreisblatt fiÄ Friedrich Ehren.
Iht Fulda Königstr-t 42, 8«^«^ ^^^^ Schristlettung und Geschäftsstelle: Königstraße 42 4 Fernsprecher Nr. 2HS9
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w. 220 - 12- Jahrgang
Fulda, Freitag, 20. September 1935
Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. — „D.A." VII. 35. 910. — Zur Zeit ist Preisliste Nummer 3 gültig. — Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
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Die Sanktionspläne gegen Mussolini.
Wachsende Spannung zwischen Italien und England
London hofft nicht mehr auf friedliche Lösung.
Ponton 20. September. Die Londoner AbendblÄker' wffmtlichen in großer Ausmachung eine Reutermeldung
^ Genf, in der es heißt, daß Mussolini seinem Vertreter Iron Aloisi, der auf Empfehlung der Mächte die Vor-- Wgè des Fünferausschusses dem italienischen Regie-- Mgschef in Rom persönlich überreichen und erläutern joiltc' initgeteilt habe, daß er von Genf keinerlei Ratschläge "Wre weiter berichtet wird, hat der Sprecher des italienischen Auswärtigen Amtes in Rom die Vorschläge in ihrer jetzigen Form für unannehmbar erklärt.
3n Addis Abeba verlautet, einer weiteren Reutermeldung zufolge, daß Abessinien die Vorschläge höchstwahrscheinlich annehmen werde.
Die schwache Hoffnung, daß es dem Völkerbund doch noch gelingen werde, «-.inen friedlichen Ausweg zu finden, macht am Donnerstagabend in London einem ausgesprochenen Pessimismus Platz.
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Kirlschtstliche Blockade Italiens?
Aus Gen f wird gemeldet: Die zwischen den diplomatischen Vertretern Englands, Frankreichs und anderer Mächte geführten Verhandlungen über die Maßnahmen, die zu ergreifen sind, nachdem Mussolini die „Friedens- voischläge" des Fünferausschusses des Völkerbundes ab- Ohnt und seine Truppen gegen Abessinien in Bewegung gesetzt hat, haben Genfer Vernehmen nach ein vorgeschrittenes Stadium erreicht. Ein System „progressiver Sanftionen" gegen Italien wird in Erwägung gezogen. Aus gutunterrichteten Genfer diplomatischen Kreisen verlautet, daß die schwebenden Pläne die Abberufung sämtlicher in Italien akkreditierter Botschafter und Gesandten der Völkerbundsmächte, finanzielle und kreditpoliftsche voykottmaßnahmen und ein Verbot der Ausfuhr nach Julien als fortschreitende Stufen umfassen, deren Höhepunkt in einer vollständigen wirtschaftlichen . toürto ade, unterstützt durch Flotteneinfatz, bestehen
$M Meldungen aus London glaubt man in der eng- 'schen Öffentlichkeit, daß England selbst für den Fall, daß » nicht zu einem einmütigen Sanktionsbeschluß in Genf i don sich aus energische Maßnahmen gegen Italien l ""d vor keiner Folgerung zurückschrecken würde. Mehrere Blätter glauben, daß
die bisherigen Maßnahmen Englands bereits zu ernsten Besorgnissen in Italien geführt hätten. di der anderen Seite weist man auf militärische Vor- ^" Italiens hin, die offensichtlich nicht gegen sondern gegen Großbritannien ge- Ht seien Das betreffe vor allem die Vorberei- W"BalboS in Libyen. Wie die englische li;^ ^richtet, ist inzwischen ein großer Teil der eng- J A^uratflotte ins Mittelmeer entsandt worden. So idengrößtenSchlachtkreuzerder lehn L " d" und „K e n o w n", ferner drei Kreuzer,
1 •r ""d fünf Unterseeboote der Heimatflotte in mdbn»,!-^>, ebenso der Kreuzer „Ajax" von der West- 15 2 ' Als weitere Einheiten der Heimatflotte sind „Courn " " u n d d a s F l u g z e u g m u t t e r s ch i f s wenige Tage vorher im östlichen der Mr^ euMtroffen. Besonderes Augenmerk findet in Malta große Luftschutzübung über
Schure ische Presse betont, daß die ganze Hunnen > " Entscheidung jetzt in Rom liege. Die Hoff- fdjiap eilten ' ^ Mussolini sich mit dem Genfer Vor- rmd nur f «n erklären würde, sind fast gleich Null, bohlen Dunser Blätter geben der allerdings sehr Italic, '^ Ausdruck, daß Nlobilin,E^'Eber den fast schon mehr einer Gesamt- noch in , *0 seichenden Maßnahmen Englands doch ger Stunde verhandlungsbereit werden
Jm übriaen h . . würde. essen âUflLJ^ ^f? französische Presse mehr von der ^sammeustasr^" dAöglichkeit eines britisch-italienischen
5*S lich mit Wachskerzen
3n Gibraltar wurde nach einer ^eWng^ folgende amtliche Bekannt-
?> SaU^L3^.^ Kenntnis gebracht, daß ermeH^^ er Notstände unter Umständen als ^viLn. "'^ wwd, in ganz Gibraltar Die Lichter
Dies wird möglicherweise durch die Absperrung der Hauptkraftanlage geschehen. Der Bevölkerung wird daher empfohlen, sich Vorräte an Kerzen und anderem hinzu- legen. Es wird aber darauf aufmerksam gemacht, daß auch solche Lichtquellen sorgfältig abgedichtet sein müssen. Zuwiderhandlungen werden geahndet.
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Was besprach der englische Thronfolger in Budapest nnd in Wien?
Der P r i n z v o n W a l e s , der englische Thronfolger, hat seinen Aufenthalt in Wien, der zunächst auf zwei Tage beschränkt war, bis zum Wochenende ausgedehnt. Von der britischen Gesandtschaft wurde bekanntgegeben,
Memelwahlen unter litauischem Terror
Ein englisches Blatt enthüllt die unglaublichen Zustände im Memelland.
Die englische Zeitung „D a i l y M a i l" veröffentlicht einen aus Tilsit datierten Sonderbericht über dir Lage im Memelland. Der Berichterstatter schreibt u. a. folgendes: „Warum sollen wir überhaupt abstimmen, wir haben alles Vertrauen in solche Wahlen verloren!" Diese Worte, die ein deutscher Memellânder heute zu mir sagte, zeugen für das Mißtrauen, mit dem die Wahlen für den Memeler Landtag am Sonntag, dem 29. September, betrachtet werden. Bei den letzten Wahlen im Mai 1932 wurden 25 Deutsche gewählt und nur 4 Litauer. Seither jedoch ist der Landtag ausgeschaltet worden.
Seine Arbeiten werden jetzt von einem Direktorium weitergeführt, in dem vorherrschend litauische Interessen vertreten sind. Die Tätigkeit dieses Direktoriums ist, wie versichert wird, durch beunruhigende Ungereimtheiten gekennzeichnet. Es besteht einiger Grund für die Versicherung der Deutschen, daß kaum eine Spur von Autonomie übrigbleiben wird, die ihnen von den Unterzeichnern des Memelstatuts — England, Frankreich, Italien und Japan — gewährleistet worden ist.
Den deutschen Einwohnern ist keine Wahlpropaganda gestattet und die Exemplare ihrer einzigen Zeitung sind neuerdings beschlagnahmt worden.
Telephonanrufe und Telegramme sind einer g e - nauen Zensur unterworfen, und die Mehrzahl der nach Deutschland geschickten Briefe sind geöffnet worden, um, wie behauptet wird, nach ausländischen Lotterielosen zu sucben. Hitlers Erklärung in Nürnberg, daß ,die Vorbereitungen für die Memelwahl eine Verachtung der Gerechtigkeit und der Verpflichtungen zeigen", scheint voll und ganz durch das groteske System erwiesen zu sein, unter dem das Volk zu den Wahlen gehen wird Jedem Wühler wird im Wahllokal ein dicker Papier- block gegeben, der auf jedem Blatt den Namen einer
„Wehrpaß" statt Miittärpaß.
Ab 1936 Einführung der neuen Urkunde.
Während die zur Entlassung kommenden Soldaten auf Anordnung des Oberbefehlshabers des Heeres zunächst noch den bekannten M i l i t ä r p a ß erhalten, tritt Anfang 1936 eine völlige Neuerung eim Der Militär- paß wird dann durch den sogenannten „Wehrpaß ab- aelöst der sich zur Zeit in Vorbereitung befindet. Der Wehrpaß wird in Zukunft bereits bei der Musterung von den Wehrbezirkskommandos ausgestellt
Der R e i ch s k r i e g s m i n i st e r hat jetzt auch bie Frage des Abschlusses von freiwilligen Dienst- Verpflichtungen von Soldaten bei anderen Wehr- mackits- oder Truppenteilen als denen, denen sie an- nebört haben, geregelt. Der Abschluß von freiwilligen Dienstverpflichtungen bei Heer oder Luftwaffe mit sol- baren die der Kriegsmarine angebört haben, bedarf in jedem Falle, also auch nach Ablauf eines Jahres seit Entastung der Genehmigung des Stamm-Marineteils. Für Soldaten die einem in Ostpreußen stehenden Truppenteil in aktiver Dienstpflicht angehört haben, gilt eine Sonderregelung. ____________
Der kommende deutsche Strafvollzug.
Fort mit der Humanitätsduselei! — Sühne und Abschreckung.
Über die Richtlinien des neuen Strafvollzugs machte Ministerialrat im Reichsjustizministerium, H a u p t -
daß der Prinz sich eine leichte Erkältung zugezogen habe. Der Prinz hat dem österreichischen Bundespräsidenten Miklas einen halbstündigen Besuch ab- gestattet. Wenn auch der Inhalt der Unterredung st r e n g geheim gehalten worden ist, so besteht doch kein Zweifel mehr darüber, daß der Besuch des Prinzen inBudapest und Wien in der Zeit der größten Spannung zwischen Italien und England einen hochpolitischen Charakter trägt.
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Italien stützt sranzüsische Staatsrente» ab?
Sofortige Goldteilzahlung der Bank von Frankreich?
Paris, 20. September.
Die italienische Regierung soll die französische Regierung haben wissen lassen, daß sie dir in ihrem Besitz befindlichen französischen Staatsrenten abzustoßen und da- für Gold einzulösen beabsichtige.
Der italienische Botschafter soll betont haben, daß dieser Schritt im engsten Einvernehmen mit den französischen zuständigen Stellen erfolgen werde, um die französische Regierung durch plötzlichen Verkauf an der Börse nicht in Verlegenheit zu bringen. Wie verlautet, hat sich die Bank von Frankreich bereit erklärt, die in italienischem Besitz befindlichen französischen Renten, deren Gesamtwert etwa eine Milliarde Francs betragen soll, zunächst mit 400 Millionen Francs zu bevorschussen und die Uebernahme der Werte dann allmählich zu vollziehen. Die italienische Regierung könnte danach also sofort 400 Millionen Francs in Gold enurechseln.
der zahlreichen Kandidaten — bei der letzten Wahl waren es 346 — trägt: derselbe hat 29 Stimmen und wird daher von seinem Block die 29 Blätter abzureißen haben, auf denen die Namen der Kandidaten stehen, für die er stimmen will.
Das Verfahren wird wahrscheinlich jeden Wähler eine Viertelstunde lang beanspruchen. Da man sagt, daß nur etwa 70 Wahllokale für etwa 80 000 Abstimmende vorhanden sein werden — an Stelle von 217 Wahllokalen bei der letzten Wahl —, ist zu erwarten, daß viele von ihnen nicht einmal in der Lage sein werden, die Wahllokale vor Schluß des Wahlvorganges zu betreten."
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Memelwahl unter VSlkerbundskontroge?
In einem Genfer Artikel der „Basler Nachrichten", der sich eingehend mit der Memelfrage beschäftigt, wird den Hauptmächten nahegelegt, für das Memelgebiet ein Statut nach dem Muster des Saarstatuts oder Danzigs zn schaffen mit Einsetzung des Völkerbundes als Kontrollinstanz. Jetzt habe der Völkerbund kein selbständiges Eingriffsrecht in Memel. Die Hauptmächte könnten aber Litauen in dessen höchsteigenem Interesse veranlassen, ihm ein solches zuzugestehen. Das würde die Schaffung dauerhafter Ordnung bedeuten. Nur könne eine solche Regelung nicht improvisiert werden, und leider dränge es mit Memel. Sollten die umstrittenen Wahlen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ordnungs- und rechtsgemäß verlaufen, müsse das verzweifelt harthörige Litauen durch die Hauptmächte in eine ganz energische Kur genommen werden. „Wer nicht hören will, muß fühlen."
Vogel, nähere Angaben. Ausgehend^ von der Feststellung, daß der sogenannte humane Strafvollzug ein voller Mißerfolg gewesen sei, indem die Zahl der Vorbestraften ständig stieg - 1925 waren noch 24,9 v. H. aller Verurteilten vorbestraft, 1933 dagegen 43,7 v. H. —, erklärte er, daß der deutsche Strafvollzug zu sühne und Abschreckung zurückgekehrt sei.
Ein Ausschuß sei jetzt am Werk, Unterschiede der Strafarten heranszuarbeiten. So werde man bei der Bezeichnung der Gefangenen je nach Art der Strafe Unterscheidungen machen, auch in der Kleidung, Arbeitszeit, Vergünstigungen usw. Auch das Kahl- scheren der Zuchthausgefangenen käme wieder in Frage. Außerdem würden verschiedene Strafverschärfungen eintreten, wie geminderte Kost, verringerte Be- leuchtii-ng, härteres Lager u. a. Junge Gefangene sollen aber aus erzieherischen Gründen besonders behandelt werden.
Judenleindliche Kundgebungen in London
London, 20. September. Nach einer Meldung des „Daily Wörter" häufen sich im Londoner Stadtteil Stamford Hill
die Angriffe auf Juden. Am Dienstagabend fielen zahl- einem Lichtspieltheater über einen
reiche Personen Juden her, der begeben mußte.
vor sich
später in Krankenhausbehandlung