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. . Werktag. Wochenbeilage: Der Erscheint,, ^M^gspreis: monatlich 1,70 HiM. 6onn&runa5^ , durch „Höhere Ee-
fti feine Ansprüche. Verlag Fried-
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- unö Haunetal * Zul-aer Kreisblatt
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^ 223 - 12. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 24. September 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Muer Appell an
Opfermut und Nächstenliebe.
Beginn des dritten Winterhilfswerks. - Wer erhält die Monatstürplakette?
Erst wenige Tage trennen das deutsche Volk von dem »rossen historischen Ereignis von Nürnberg, das stärkster Ausdruck deS Gemeinschaftsgeistes war, und schon richten m unsere Gedanken aus da« große Werk dieses Geistes mhrcr Volksgemeinschaft, das Winterhilfswerk, das am 1. Oktober wieder beginnt.
In Nürnberg hat der Hauptamtsleiter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, Hilgenfeldt, den archen Rechenschaftsbericht über das Winterhilfswerk 1934/35 vorgelegt, das ein Ausdruck des Sozialismus der Tat ist. Millionenzahlen hat Hilgenfeldt vor uns auf- ziehkn lassen, Zahlen von Selbstlosigkeit, Opfermut und Nächstenliebe.
Wenn jetzt der Führer zum Winterhilfswerk 1935/36 aufruft, so wird die Nation dem Rus mit demselben Eiser und demselben Pflichtbewusstsein, wie am Wiirterbeginn der Vorjahre folgen. Die Zahlen des Winterhilfswerks sind uns Verpflichtung und Ansporn zur Nachahmung im kommenden Winter. Wohl ist die Not dank dem energischen Kamps gegen die Arbeitslosigkeit geringer geworden, aber noch haben wir die Pflicht, den etwa 1 % Millionen Arbeitslosen und denen, denen der Segen der Arbeit noch nicht ausreichend Brot gibt, durch den Winter zu helfen.
Die Volksgenossen, die ein fühlbares Opfer für das Winterhilfswerk 1935/36 bringen, werden wieder wie im Vorjahr, Monatstürplaketten erhalten.
Für den Erwerb dieser Monatstürplaketten Hai der Neichsbeauftragte für das Winterhilfswerk, Hilgen- seldt, im Einverständnis mit dem Herrn Reichs- und [ pnußischen Minister des Innern und dem Herrn Reichs- ! siMzminister folgende Richtlinien erlassen:
Anspruch auf Aushändigung der Plakette haben: ls) L o h n - und Gehaltsempfänger, die während der sechsmonatigen Dauer des WHW. 1935/36 (1. Oktober 1935 bis 31. März 1936) ein Opfer von 10 v. H. ihrer Lohnsteuer an das WHW. leisten;
Lohn- und Gehaltsempfänger, die wegen ihres geringen Einkommens zur Einkommensteuer nicht herangezogen werden, gegen ein Opfer von monatlich^ Mark;
Fcstb e s o l d e t e, die neben ihrer Lohnsteuer- leistung noch zur Einkommensteuer veranlagt werden, wenn sie neben ihrer monatlichen Spende in Höhe von 10 v. H. ihrer Lohnsteuer ein monatliches Opfer in Höhe von 3 v. H. ihres für das -e>ahr 1934 veranlagten Einkommensteuerbetrages an
Genf am Ende der Weisheit.
Fünferausschuh stellt Mißlingen der Schlichtungsverhandlungen im Abessinienstreit fest.
liiii/A Mnferausschuß des Völkerbundes zur Schlich- $ir»a« Libessinienstreits beschloß am Montag, am de» «Ä fieber zusammcnzutretcn, um einen Bericht an Ii i' “ ^w^i’ai auszuarbeiten, in dem das Mitz- ?Är Schlichtungsverhandlungen werden soll.
ber ^^^""g des Fünferausschusses am Montag, an "us Paris zurückgekehrte französische ecni» > ^ut L a v a l wieder teilgenommen hat, be- iiber i/t, ow^w Bericht des Vorsitzenden Madariaga ernab ra Überredung mit Aloisi. Aus diesem Bericht lehnuim \ » A61 italienische Vertreter lediglich die Ab- Wnen beanT„Süuurf§ des Fünferausschusses im ein- breitet h?hH W nicht etwa eigene Vorschläge unter- in diplomatischer Aloisi zum erstenmal, wenn auch "'"schrieben "Eenischen Ansprüche
schlisse-- Am ^ werden von den Mitgliedern des 9Iu§^ ”9« rauht? ""sgefaßt, daß Italien die sogenannten ""sprucki A? gebiete" Abessiniens für sich be- ^rifA 0?! fcwer die politische und mili- ^besinioii des Kernlandes von "M- Bei dieser Sachlage erschien eine Die Ah ^e'rmittlungsverhandlungen aussichtslos. ^ittaa iofsto ^UnA des Ausschusses auf Dienstag vor- ilchkeit neben Mitgliedern des Ausschusses die Mög- i» setzen. ' mit ihren Regierungen ins Benehmen Abessinien macht Zugeständnisse - Mussolini ^ellt Forderungen.
^^ier bie A. ? bc f f i n i e n durch seinen Genfer Vcr- ?^schusses 0 ? m.e der Vorschläge des Fünfer- '"' folqenhp ^"tteilen lassen, verlautet, daß Musso- Die J^erimgen ausgestellt hat:
^biets, nw f?.wetung eines Streifens abessinischen zn und Jtalienisih-Somalilattd mit- ^l'ch von ?N5ben, und die Abtretung eines Gebiets 2. der Kts Abeba;
-Zuaaya Abessiniens '.nm Meer solle durch
das WHW. entrichten, soweit die Steuerschuld nto)i durch Lohnabzug getilgt ist. Diese 3 v. H. werden also lediglich von der Einkommensteuerrestschuld errechnet.
2a) Gewerbetreibende und Angehörige der freien Berufe sowie sonstige Einkommenbezieher, die zur Einkommensteuer veranlagt werden, soweit sie monatlich ein Opfer in Höhe von 3 v. H Des für das Jahr 1934 veranlagten Einkommensteuerbetrages an das WHW. entrichten;
b) Inhaber von offenen Handelsgesell- f ch a f t e n und Kommanditgesellschaften, wenn fit monatlich 3 v. H. des für das Jahr 1934 veranlagter Einkommensteuerbetrages an das WHW. entrichten
c) Gewerbetreibende und Angehörige freier Beruf« sowie sonstige Einkommenbezieher, die nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden, wenn sie einer .-Mindestbetrag von monatlich 1,— Mark während bei Dauer des Winterhilfwerks opfern.
3. Kapitalgeselstschäften (namentlich Aktien gesellschaften und GmbH.), wenn sie während bei sechsmonatigen Dauer des WHW. (vom 1. Oktobci 1935 bis 31. März 1936) ein Opfer in Höhe von ins gesamt 20 v. H. der ihnen auferlegten Voraus Zahlungen auf die Körperschaftssteuer bringen. Falls im vorhergehenden Geschäftsjahr ein entsprechendes Einkommen nicht erzielt wurde und Vorauszahlungen auf die Körperschaftssteuer nicht festgesetzt sind, erhalten sie die Plakette, wenn sie für die sechsmonatig« Dauer des WHW. insgesamt Vz v. T. des Reinvermögens vom letzten Bilanzstichtag opfern. Wer wede: Reinvermögen besitzt, noch Vorauszahlungen auf di« Körperschaftssteuer leisten muß, hat sich, um di« Plakette zu bekommen, mit einem seiner Leistungsfähigkeit entsprechenden Betrage zu beteiligen, mindestens aber monatlich 1,— Mark an das WHW. zu opfern.
Die Richtlinien enthalten lediglich Mindestsätze zum Erwerb der WHW.-Plakette. Es wird jedoch die bestimmte Erwartung ausgesprochen, daß das von den Einzelpersonen und Firmen zu bringende Opfer in einem angemessenen Verhältnis zur tatsächlichen L e i st u n g s f ä h i g k e i t steht.
Das gebührenfreie Abbuchungsverfahren, die Eintopf-, Pfund- und Reichsstraßensammlungen bleiben von dieser Regelung unberührt.
einen „italienischen Korridor" zu einem von Italien kontrollierten Hafen erfolgen;
3. die völlige Abrüstung Abessiniens;
4. die zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Abessinien benötigten Polizeikräfte müßten italienischer Kontrolle unterstellt werden
Oer Völkerbund hat das Wort.
Rach der amtlichen Überreichung des Beschlusses des italienischen Ministerrats in Genf liegt es nach Ansicht zuständiger italienischer Kreise jetzt beim Völkerbund, den Beschluß, der die Tür zu Verhandlungen offen lasse, einer aufmerksamen Prüfung zu unterziehen. Italien warte jetzt ab, ob der Fünferausschuß in den nächsten Tagen bessere Vorschläge unterbreiten könne, die viel- leitht die vom Ministerrat verlangten ausreichenden Mindestgrundlagen für abzuschließende Realisierungen bieten könnten.
Die Beurteilung der Lage in London.
Mit der Entscheidung des Genfer Fünferausschusses, die Weiterverhandlung über den abessinischen Streit an den Völkerbundsrat zurückzuverweisen, ist die Lage — „ach übereinstimmender Ansicht in London — völlig auf dem toten Punkt angelangt. Im Hinblick auf die Dringlichkeit der Entscheidung, die nunmehr not- wendig zu sein scheint, fand
bereits am Montagnachmittag unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Baldwin in der Downing Street, dem Sitz des englischen Auswärtigen Amtes, eine
Besprechung der führenden Kabinettsmitglieder statt, die etwa eine Stunde dauerte und ausschließlich der Vorbereitung der Vollsitzung des Kabinetts galt. Naturgemäß sind in dieser Besprechung noch keinerlei Beschlüsse gefaßt worden; doch dürsten voraussichtlich die Richtlinien für die -Haltung vorgezeichnet worden sein, die der Vertreter Englands auf der bevorstehenden Ratstagung nach der Ablehnung der Vorschläge des Fünferausschusses durch Mussolini einnehmen W.
Leidensweg deutschen Volkstums.
Zu den Memelwahlen am 29. September.
Je näher der 29. September heranrückt, an dem im Memelland die Landtagswahlen stattfinden sollen, um so unverblümter und brutaler wird der Kampf dieses östlichen Zwergstaates, der doch mit in erster Linie gerade Deutschland seine Eristenz zu verdanken hat, gegen das Deutschtum im Memelland. Kann Kowno die Wahlen nicht mehr verhindern, so will es doch wenigstens die Deutschen daran behindern, ihre deutsche Stimme abzugeben. Um dies zu erreichen, bedient sich Litauen, das doch Anspruch darauf erhebt, als Kulturvolk angesprochen zu werden, Methoden, die wohl in der Zeit der Sklaverei unterworfenen Staaten gegenüber angewendet wurden. Und wenn alles nicht fruchten will, dann dreht man in Kowno den Spieß um, jagt in die Welt die niedrigsten Lügen hinaus und versucht ihr klarzumachen, daß nicht Litauen die Deutschen, sondern die Deutschen Litauen bedrohen. Als Helfer findet sich dann eine stets verleumdungsbereite Pariser Presse, die die Gelegenheit benutzt, um einen ihrer berüchtigten Hetzfeldzüge gegen Deutschland zu beginnen.
Aber wir lassen uns nicht beirren. Die Worte, die der Führer in seiner Nürnberger Reichstagsrede an Litauen adressierte, gelten für uns weiter: „Gesetz- und vertragswidrig mißhandelt und gequält" wird das Deutschtum, das nichts anderes will als deutsch bleiben. 140 000 deutschstämmige Volksgenossen ringen dort in jenem unglücklichen Lande an der Nordostgrenze Ostpreußens um ihre billigsten Menschenrechte. Das Grenzsanddeutschtum der Nachkriegszeit kennt viele Beispiele grenzenloser Demütigung und unerhörter Rechtsbrüche. Das Verhalten Litauens gegenüber dem Memelgebiet ist die Krönung dieser geschichtlichen Untaten.
Litauen hat alles getan, um von vornherein das Wahlergebnis zu seinen Gunsten zu verfälschen, dadurch den bereits geschaffenen rechtlosen Zustand zu einem Dauerzustand zu machen und der Weltöffentlichkeit zu beweisen, daß das Memelgebiet eine litauische Mehrheit hat.
Als Gerüchte entstanden, die über eine Wahleinschränkung berichteten, erklärte die RegierunKspresse Litauens: „Die litauische Regierung sei bestrebt, ihre Pflichten in bezug auf die Memelkonvention und das Statut loyal zu erfüllen." Einige Tage später schon kam die gesetzliche Legalisierung eines unglaublichen Wahlterrors. Bereits durch Verordnung vom 12. Juli 1934 wurde dem litauischen Kriegskommandanten die Befugnis gegeben, Angehörigen „staatsgefährlicher" Organisationen, die nicht sechs Monate vor ihrem Verbot ausgetreten sind, das Wahlrecht zu entziehen. In einem Erlaß des litauischen Staatspräsidenten über die Abänderung des Wahlgesetzes zum memelländischen Landtag vom 14. August 1935 (Regierungsanzeiger Kowno vom 16. August 1935) wurde durch die Abänderung von 20 Paragraphen der bisherigen Wahlordnung ein noch schärferer Wahlterror gesetzlich sanktioniert. Allen ehemaligen Mitgliedern von litauischerseits als „umstürzlerisch" bezeichneten Organisationen (Saß-Partei, Neumann-Partei) wurde ebenfalls das aktive und passive Wahlrecht genommen (§ 4), ohne daß diese tatsächlich jemals etwas gegen den litauischen Staat unternommen hätten.
Darüber hinaus läßt Litauen durch politische litauische Polizei sämtliche Pässe der deutschen wahlberechtigten Bevölkerung nachprüfen mit dem Ziele, durch die Behauptung irgendwelcher Mängel bei der Paßausstellung ben" Paß entziehen zu können und dadurch ebenfalls die Teilnahme an der Wahl unmöglich zu machen. Mit diesen Schikanen ist es Litauen bis jetzt gelungen, weit über 1 1 0 0 0 d e u t s ch st ä m m i g e Memelländer, also einen sehr erheblichen Teil der wahlberechtigten deutschen Bevölkerung, von der Wahl auszuschließen. Sogar vier Spitzenkandidaten der deutschen Einheitsliste hat Litauen auf diese Weise ausgeschaltet. Naturalisierte Bürger, die von einem anderen Staat (gemeint ist Deutschland) die Zusicherung besitzen, in dessen Staatsverband zurückzukehren (§ 5), dürfen nicht gewählt werden. § 39 des Gesetzes nimmt auch die Möglichkeit, auf die Liste mehr Kandidaten zu setzen, als Abgeordnete zu wählen sind. Dadurch soll erreicht werden, daß bei dem Vorhandensein nur einer einzelnen memel- ländischen Liste' durch spätere Mandatsaberkennung das Zustandekommen einer Mehrheit verhindert wird.
Der Grundsatz der Geheimhaltung der Wahl wurde gebrochen und den litauischen Organen die Möglichkeit gegeben, nachträglich die Wahl zu kontrollieren. Die bisherige Bestimmung, daß jeder Wähler nur eine Stimme besitzt, wurde gestrichen: eine neue
In den frühen Abendstitnden fand
im Hause des Ministerpräsidenten eine weitere Vorbesprechung statt, au der diesmal auch die Chefs der drei Wchrministcrien sowie der Stabschef der englischen Luftstrcitkrästc, Luftmarschall Sir Edward Ellington, teilnahincn.
über die weitere Entwicklung gehen in London eine Fülle von Gerüchten um. Auch liegen viele Mutmaßungen vor. Ein Austritt Italiens aus dem Völkerbund kommt, nach einem Reuterbericht aus Rom, vorläufig nicht in Frage, es fei denn, daß Italien „von Genf aus Hierzu getrieben" werde.