Zulöaer Anzeiger
. , Werktag. Wochenbeilage: Der Meint ^meruaspreis: monatlich 1,70 RM. 6onn^f- „Sinterung durch „Höhere Ge-
»°" ^renklau, Fulda ..... "
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
ss^^^H^^ Zul-a. und Haunetal *Zul-aer Kreisblatt
Friedrich Ehren»
^^ H KS^,f^ Schristlritung uni V-schâst-ft°ll«: kii-IMaß- * ♦ Ml>* Nr. 4989
Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. — „D.A." VII. 35. 910. - Zur Zeit ist Preis, liste Nummer 3 gültig. — Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau. Lauterbach-H.
^. 225 — 12. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 26. September 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
. des liwislhe« Aiitzeministers.
Zu Eden und Laval in Genf zitiert. — Lozoraitis verspricht, die Rechte der deutschen Wählerschaft zu respektieren.
reine Unterredung, die der französische Außenminister Laval und der englische Minister Eden am Mittwoch .^Gens hatten, bezog sich aus die Memelsrage. Der üauische Außenminister Lozoraitis wurde während einiacr Seit hinzugezogen. Es wurden ihm, wie verlautet, Erhaltungen wegen gewisser, neuerdings bekannt- Mvordener litauischer Maßnahmen im Memelgebiet cnmcht Lozoraitis soll das Versprechen abgegeben haben, U Litauen die Rechte der deutschen Wählerschaft bei den am Sonntag im Memclgcbiet stattsindenden Wahlen un- bedinat respektieren werde, ^n Völkcrbundskreiscn wird dies als Antwort auf die Nürnberger Reichstagsrede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler angesehen. Man erwartet, daß die Garantiemächte in diesen Tagen der Ncichsregierung eine entsprechende Mitteilung machen werden.
Memel, das Gefahrenzentrum für Europa.
Die englische Presse betrachtet, wie aus London gemeldet wird, mit Besorgnis die Entwicklung im Meinelgebiet, das allgemein als neues Gefahrenzentrum für Europa angesehen wird. Während ein Teil der Blätter den litauischen Darstellungen Glauben schenkt, daß die Wahlen völlig ordnungsgemäß verlaufen würden, weist „Daily Mai l" darauf hin, daß die Litauer versuchen würden, den neugebildetenLandtag sofort beschlußunfähig zu machen und nach seiner Eröffrumgsfihung nicht wieder einzuberufen. Zu diesem Zweck hoffe man in litauischen Kreisen, durch die bisherigen Wahlschèebungcn uns Einbürgerungen die deutsche Mehrheit des Landtages soweit herabzusetzen, daß dir Litauer durch Fernbleiben die Landtags- Verhandlung zunichte machen könnten.
Das würde also eine Wiederholung der Methoden sein, mit denen man den letzten Landtag 'wègeschaltet hatte, nachdem mehrere deutsche Abgeordnete als „Landesfeinde" und ihrer Mandate verlustig erklärt worden seien. Das Blatt weist dann weiter darauf hin, welche Maßnahmen die Litauer bisher zur Verfälschung des Wahlergebnisses getroffen hätte«, und meint, die S i g n a t a r m ä ch t e würden ver- pllichtei sein, einzugreifen, wenn tatsächlich der Versuch
Schlüsselstellung Englands im Abessimenstreit.
Laval und Eden beantragen in Genf Anwendung des Artikels 15 der Völkerbundssatzung.
Die englische L> f f e n t l i ch k e i t beschäftigt sich IrW01 mit der letzten Sitzung des englischen Kabi-
Die Lage wird in England so angesehen, daß der '^^ausbrnch auf Abessinien beschränkt werden könne P e> weiteren Folgen im Mittelmeer haben werde, fchüeßj'man aus den Ausführungen, die der englische > uliennunister Hoare in der Kabinettssitzuug gemacht m denen er seinen Schritt bei Mussolini begründet L .v" Rügland mutmaßt man weiter über d i e N o t e, bniische Regierung an Frankreich richten wird.
an, daß in dieser Livte England Frankreich versichern wird, daß Großbritannien unter lm>,.„„ '^"^" seinen Bölkerbundsverpflichtungen nach- Snn^ fo“^. Die Rote wird nach der „Morningpost" lunn ^6 8- B. die mitteleuropäische Entwick- ba i re?, berühren. Einige englische Blätter meinen, nik-t • sich auf eine neue Konferenz von Stresa einlafsen werde.
bah h? Ä'srgen find die englischen Blätter der Ansicht, Sollten m ^ in Dflafrika nicht mehr aufzuhalten sei. man in qL? en Schüsse in Ostafrika gefallen sein, so ist nur ,on der Ansicht, daß Sühnemaßnahmen sich könnten .wirtschaftlicher Art beschränken Vereinigung cini0e englische Blätter melden, hat die schlossen K eu9Ilf^en Schuh- und Stiefelmacher beweise Sân,n° ?,treif äu treten, falls sie gezwungeneren dle italienische Armee herstellen müßten. L> f?e n f l i^?er 2inie interessiert die französische toartet mit SJeu die Haltung Englands. Man er- sischen die englische Note auf die franzö- fmb. Dn^^"r.bw kürzlich nach London gerichtet worden toeil man Ji Lle sranzösische Öffentlichkeit pessimistisch, welch Binâ.^dt, daß die englische Regierung irgend d^sichtlickoi- w Mitteleuropa ablehnen wird. Zu- ßetoorben LV dle französische Öffentlichkeit nur dadurch der Stcllë in Genf, wo man seit Tagen nur auf ölanbt, daßnt ’ Ewen neuen Ausweg darin zu erblicken
der aus Ausschuß gebildet werden soll, Wung lkm^/undlage des Artikels 15 der Völkerbunds- , * zur Un9en) arbeiten soll und dessen Berich! ^"kerbrej,, "wiminigen Annahme dem Völkerbundsrat - »«”«8 S”. mü6le.
" ens gemeldet wird, sind Eden und
gemacht würde, den Landtag in dieser Weise auszuschalten. Zum Schluß erklärt der Berichterstatter: „Wie lange wird Litauen es wagen dürfen, diese Politik der Unterdrückung Deutschland gegenüber weiter fortzuführen!"
Gewissenlose litauische Wahlpropaganda.
Für die Gewissenlosigkeit, mit der di« l i t a u i s ch e n B e h ö r d e n sich an der Wahlpropaganda im Memelgebiet beteiligen, ist bezeichnend, daß dir litauische Post unter Streifband versandte Exemplare des „Memelcr Dampsboot" einfach gegen den „Memeler Beobachter", das in deutscher Sprache erscheinende Reptilienblatt der Litauer, austauscht. Beziehet des „Dampsboot" erhalten unter dem Streifband der Firma Siebert, die das „Dampfboot" herausgibt, an Stelle der „Dampfboot"-Eremplare solche des „Memeler Beobachters" vom gleichen Datum.
Die Erschwerung der Wahlpropaganda für die Memelländischen Einheitsliste wird dadurch wiederum in besonders krasser Weise beleuchtet. Allerdings haben die Wahlversammlungen bewiesen, daß die Memelländer sich durch solche litauischen Machenschaften in ihrer Gesinnung nicht im geringsten beeinflussen lassen. Deshalb ist auch der litauische Wahlausschuß zu einer Sitzung zusammengetreten, nm sich über die Verfälschung des Wahlergebnisses schon jetzt schlüssig zu werden.
Da; Fiasko der litauischen WahlveüaMml'msen
Memel, 26. September. In dem Kirchdorf Prökuls fand» am Mittwoch eine litauische Wahlversammlung statt, in der der ehemalige statutwidrige Präsident Reisgys und der ehemalige Laudesdirektor Szwillus austraten. Ebenso wie bei einer litauischen Wahlversammlung in Plicken verließen mehrere hundert Bauern den Saal. Nur zehn blieben im Versammlungsraum zurück. Dabei her ästete die litauische Politische Polizei mehrere Personen, u. a. auch den ehemaligen Fraktionsführer der Landwirtschaftspar- tei, Killus. Es entstand ein allgemeiner Tumult. Schließlich wurde litauische Grenzpolizei aus Memel zu Hilfe herangeholt.
Lava! übereingekommen, den Völkerbundsrat gemeinsam aufzufordern.
den italienisch-abessinischen Konflikt im Sinne von Artikel 15 Absatz 4 der Völkerbundssatzung zu behandeln.
Dieser Absatz setzt voraus, daß die Streitfrage bisher nicht geschlichtet werden konnte. Der Rat hat daraufhin einen auf einstimmigen Beschluß oder Mehrheitsbeschluß be- ruhenden Bericht zu erstatten, der die Vorschläge enthält, die er zur Lösung der Frage empfiehlt. Jedes im Rat ver- t-retene Bundesmitglied kann seine eigene Stellungnahme dazu veröffentlichen.
Die abessinische Regierung hat den Völkerbund ersucht, sofort, nötigenfalls aus ihre eigenen Kosten, eine neutrale Kommission nach Abessinien zu entsenden, um festzustellen, ob Abessinien Angriffsmaßnahmen treffe, und gegebenenfalls sich davon zu überzeugen, wer die Feindseligkeiten beginnt. Die Entsendung einer neutralen Kommission in Konfliktsgebiete ist in Artikel 15 der Völkerbundssatzung vorgesehen.
Mobilisieiung in Abessinien durchgeführt.
Nachdem es i n Abessinien drei Tage nicht mehr geregnet hat, ist durch K r i e g s t r o m m e l n im ganzen Lande die allgemeine Mobilmachung verkündet worden. Der Schall der Kriegstrommeln nahm in Addis Abeba seinen Anfang und verbreitete sich über die Gouvernementsstädte bis zur Grenze. Abessinien befindet sich also in vollsten, Verteidigungszustände.
Berettfchaltrdienlt les Böllerbunde;
Die Truppenbewegungen dauern an.
Der Kaiser verlangt Vorsichtsmaßregeln.
Genf, 26. September. Im Präsidium der VölkervundA- Versammlung hat sich unter den 13 Mitgliedern eine Mehrheit dafür ergeben, daß die Versammlung angesichts des italienisch-abessinischen Konfliktes nicht in der üblichen Weise nach Beendigung ihrer normalen Arbeit aufgelöst, sondern lediglich vertagt werden soll. Damit wäre jederzeit ein Wiederzusammentritt in der bisherigen Zusammensetzung ohne Neuwahl des Präsidiums und Erfüllung anderer Formalitäten möalick. _ ... ।
Bemerkungen am Rande.
Reichserziehungsminister R u st hat kürzlich eindeutig und eindringlich die Grundsätze umrissen, nach denen im nationalsozialistischen Deutschland die Verleihung desDoktortitelszu erfolgen hat. — Es ist im vergangenen System immer wieder die Klage von einem allgemeinen Absinken des wissenschaftlichen Niveaus aufgetaucht. Diese Klagen konnten nur auftreten, weil das ganze Zeitalter, genau so wie das politische System, das es beherrschte, gerade auf wissenschaftlichem Gebiet den Grundsatz der persönlichen hervorragenden Leistung vernachlässigt hatte. Es war eine Unmöglichkeit, daß sich Hochschulen dazu herabgewürdigt hatten, den Doktortitel — und sei es auch nur als persönliche Ehrung — nach dem Gesichtspunkt der politischen Botmäßigkeit zu verteilen. — Diese „Gesinnung", die in solchen „Ehrungen" ihren Ausdruck fand, hat sich nicht nur in diesen besonders krassen Einzelfällen, die uns allen nur zu gut noch in Erinnerung sind, sondern allgemein ausgewirkt. Es ist erfreulich, mit welcher Deutlichkeit der Erlaß des Reichserziehungsmiuisters diesen Zustand kennzeichnet und ihm den nationalsozialistischen Grundsatz der Leistung entgegengesetzt, für die auf wissenschaftlichem Gebiet der Doktortitel nur eine Anerkennung darstellt.
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In Frankreich beschäftigt man sich mit einem eigenartigen Spionagefall. Zwei Kommunisten sind in Straßburg verhaftet worden, und die bei ihnen gefundenen Schriftstücke behandeln fast ausschließlich Fragen der Landesverteidigung. Ein Teil der französischen Presse vermutet dahinter eine ganze Organisation, die derartig „interessantes Material" ins Ausland bringt. Dieser Einzelfall ist bezeichnend für die Verhältnisse nicht nur in Frankreich, sondern in der ganzen Welt. Von deutscher Seite ist immer wieder aus den Umfang der kommunistischen Zersetzungsarbeit hingewiesen worden. Der Reichsparteitag in Nürnberg hat sich eingehend mit diesem Problem auseinandergesetzt. In der übrigen Welt hat man immer wieder die deutsche Warnung leicht in den Wind geschlagen oder für übertrieben erklärt. — Es kennzeichnet die Skrupellosigkeit des Kommunismus bei seiner Zersetzungsarbeit, daß wiederum Frankreich, der Bundesgenosse Sowjetrußlands, das erste Objekt der illegalen Tätigkeit der Komintern ist. Die Ironie wird noch dadurch erhöht, daß am gleichen Tage, da aus Paris die Meldung von der Spionageaffäre kommt, aus Moskau die äußere Rangangleichung der Sowjetarmee an das französische Heer gemeldet wird. Die Sowjets interessieren sich nicht nur für so äußerliche Dinge wie die französische Offiziersrangordnung, sondern ihr Interesse geht — wie das Straßburger Beispiel zeigt — bis zu den geheimsten Fragen der Landesverteidigung. Frankreich bekommt die Kehrseite des sowjetrussischen Interesses und der kommunistischen Freundschaft deutlich zu spüren. Es ist seit dem Kominternkongreß nicht die erste „Lehre", die man ihm von Moskau aus erteilt hat.
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Die Schweiz hat ihre besonderen Sorgen. Sie ist ja schon immer die Zufluchtsstätte der politischen Flüchtlinge gewesen, deren Weste nicht ganz sauber und deren Gesinnung recht zweifelbast ist. Ein großer Teil derer, die im Deutschland Adolf Hitlers nichts zu suchen haben oder die ihre Geschäfte im neuen Reich nicht mehr als nutzbringend ansahen, hat in den Schweizer Bergen seine Zelte anfgeschlagen. Die meisten von denen sind solche, die nirgend eine Heimat haben. Sie wechseln die Heimat wie ein ac.es Hemd. Die Schweiz ist über diese Gäste, meist jüdischer Rasse, nicht erbaut. Das können wir uns wohl vorstellen. Sie bringen dem Lande auch sicher keinen Segen, denn wo sie sind, da knistert es im Gebälk. Ihre Tätigkeit ist Hetze, sie säen Unfrieden, ihr Leben zerstört Moral und gute Sitte. Sie werden sehr bald lästig, aber das stört sie nicht. Ihr Auftreten ist deswegen nicht minder aufdringlich. Zu diesen Emigranten kommen jetzt noch Deserteure, von denen Italien den Hauptanteil stellt. Diese ganzen Fremdlinge werden jetzt für die Schweiz ein Problem. Denn das Land bedankt sich für diese Schmarotzer. Jetzt wird sich der schweizerische Nationalrat damit beschäftigen. Vielleicht wird man auch an den Völkerbund die Sorgen herantragen. Auf jeden Fall können wir die Sorgen der Schweiz verstehen. Wir kennen das Gesindel und können es gern missen!
Wie die römische Presse am Mittwoch meldet, liegen im Hafen von Neapel zehn Dampfer ausfahrtbereit, die in den nächsten 24 Stunden mit rund 9000 Soldaten und Schwarzhemden und großen Materialbeständen nach Ost- afrika tn See gehen werden. ,
Wie aus Gibraltar gemeldet wird, sind dort ine englischen Zerstörer „Faulkner", „Fnry" und „Forester" ein» getroffen.
Beim Völkerbundsrat ist nunmehr die Note Abessiniens eingetroffen, in der Kaiser Haile Selassie unter Hinweis auf die Räumung einer 30-KiIometer-Zone an der Grenze durch seine Truppen den Rat neuerlich um Entsendung unparteiischer Beobachter bittet. In der Note wird weiter die Ergreifung von Vorsichtsmaßregeln zwecks Vermeidung von Zwischenfällen vom Rat verlangt.