ful-aer /lnzeiger
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SÖg^Ol 5 Tageblatt für Rhön und Vogelsberg ^SKÄ: Zulöa- und Haunetal♦ Zulöaer Kreisblatt »““l1 sÄ'W F-i-d-ich Ehren. ^
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breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. — „D.A." VII. 35. 910. — Zur Zeit ist Preis- liste Nummer 3 gültig. — Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Fulda, Samstag, 28. September 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
„Der Lärm der Kanonen wird die Genfer Gespräche stören"
Deutliche halbamtliche Erklärung aus Rom. — Genf zu ernsthaften
Maßnahmen entschlossen.
gflä der Darstellung gut unterrichteter englischer teilt herrscht in Gens nach dem einmütigen Beschluß aus Mendung des A r t i k e l s 1 5 eine sehr ernste und ent- Wssene Stimmung.
Es heißt, der Völkerbund werde jetzt vor weiteren -chritten nicht zurückschrecken. Es sei vielmehr wahrschein- lid daß sehr bedeutende Vorsichtsmaßnahmen schon in änlichster Zeit getroffen würden. So sei u. a. der Vorschlag gemacht worden, internationale Polizeiflug' «e die italienisch-abessinischen Grenzen entlang patrouil- lieren zu lassen, um aus diese Weise am schnellsten und durften über die Entwicklung von Kampfhandlungen und die Rolle des Angreifers berichten zu können.
Fn Rom scheint man indessen nur noch wenig Inter- ksse an den Genfer Plänen zu haben. Das beweist ein Artikel des halbamtlichen „Giornale v'Jtalia", der in sehr ironischer Form mit dem „U nsinn Genfer Methoden" Abrechnung hält. Das Blatt schreibt u. a., Italien habe jetzt anderes zu tun, als sich um „Genfer Prozeduren" auszuregen. Während in Gens ein milder Herbst herrsche, werde in Abessinien feierlichst das Fest des Endes der Regenzeit gefeiert. Vielleicht werde der Tag nicht mehr fern sein, an dem die Gespräche am Genfer See durch den Lärm der Kanonen gestört würden. Die Genfer Herrschaften würden dann merken, daß Italien angefangen habe, feine alten und neuen Konten zu regeln. Italien wisse, daß seit 40 Jahren die 500 Toten von Dogali und die 5000 von Abba Garima ungerächt und »»begraben ruhten.
Dank an den Negus.
Der neue Dreizehnerausschuß des Völkerbundes, der übrigens den spanischen Botschafter Madariaga zu seinem Präsidenten gewählt hat, hat dem Kaiser von
ZmhmeM Wahlterror im Memllâ
Die Wahlen in den Augen der Gesandten der Garantiemächte.
Die litauischen Parteien im Memelland sind an- Minend bestrebt, ihre Niederlage, die sie in den von Mn einberufenen Wahlversammlungen erleben, durch Wichtslose Gewaltmaßnahmen wettzumachen. So ver- mete in Plicken ans einer Wahlversammlung die Mische Polizei eine Anzahl von unschuldigen Memel- jWrn, bearbeitete sie mit dem Gummiknüppel und schaffte mit einem Auto in das Zuchthaus Bajoren. E i n wurde blutig geschlagen und " b ü 6 e n getreten. Derartige Verhaftungen wen auch aus anderen Orten gemeldet. In G r a b st e n wen ein litauischer Polizeibeamter bei einer Familie Mr und verprügelte die Tochter, schlug sie zu Boden fachte ihr blutige Verletzungen bei. Frau Köhler bedroht" einem andern Polizeibeamten mit Erschießen englische Gesandte in Kowno begibt sich zum mn?!a9 nach Memel, um sich an Ort und Stelle von
.lauf zu überzeugen. Auch die Regierungen in re'ch- und Italiens haben ihre Gesandten »ehist^t angewiesen, sich am Wahlsonntag im Memel- aufzuhalten und persönlichen Bericht zu erstatten. ^anzose Wer den Htamf$en AechMruch. „Tri,,«» Irauzösische Senator L e m e r y spricht in der Reckiüli„ Nations" einmal ein offenes Wort über den ÄpÄ lm Memelland. Solche Feststellung aus fran- Sist besonders beachtenswert.
13 Mai schreibt u. a.: Durch einen Gesetzeserlaß vom Nimm»» h°be sich Litauen das Recht genommen, bie Sein äT? ^s Memelstatuts selbständig auszulegen. Prooinr.» e gewesen, das Memelgebiet seinen anderen Oberhoheit "^»gleichen und somit sich die vollständige M e hrb"; über dieses Gebiet zu sichern. D»e und die k' der Bevölkerung sei deutsch geben. Um» könnten diese Tatsache nicht über- ichreib, pPlJ ^^ngnahme ans die bevorstehenden Wahlen bet Zwjsckmu?. weiter, die litauische Regierung habe in rech' Wahlgesetz geändert: Das Wahl- Peamn^c."-5ch^ahalen Bürgern" entzogen worden, si'sbestnnm:ing, die allen Mißbräuchen °enn bet ö Hn e. Lemerv fragt zum Schluß, ob 8 e e i g n ^"erbund nicht diese Umstände sehe, „d i e ™’ee$ imW ♦ 1 en , ben Frieden zu stören", Leiter, U der Völkerbundssatzungen heiße und "ng bor s de" Völkerbund denn die nötige Ach- ?M et LU1n * r Autorität durchsetzen wolle, wiunuttgen daß Litauen offensichtlich die . Be- 5 internationalen Statuts verletzen dürfe?
Abessinien dafür gedankt, daß er seine Truppen von den Grenzen um 20 Kilometer zurück- genommenhat, um weitere Zwischenfälle mit Italien zu vermeiden.
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Fieberhafte italienische Befestigungsarbeit auf dem Dodekanes.
Nach Meldungen der griechischen Blätter setzen die Italiener die Befestigung des Dodekanes fieberhaft fort. Auf der Insel Astropalos wurden 1500 Soldaten gelandet, die sofort mit Befestigungsbauten begannen. Aus der Insel Karpathos landeten 25 Wasserflugzeuge und 500 Mann. Ferner ankern zwei Kriegsschiffe vor der Insel. Auf Rhodos erfolgen ständig Landungen von militärischen Abteilungen. Zahlreiche griechische Einwohner der Insel sind wegen angeblicher Freundschaft für England verhaftet worden. Bei K a l y m n o s ist eine große Anzahl von Torpedobooten, Unterseebooten und Wasserflugzeugen zusammengezogen. In K r e t a ist außerhalb der Fünfmeilenzone ein italienisches Kriegsschiff vor Anker gegangen.
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Arabisches Hilssangebat an benBSNerbm»
London, 28. September. Der „Star" verzeichnet die Meldung, daß Saudi-Arabien dem Völkerbund militärischen Beistand gegen etwaige italienische Angriffe aus Abessinien oder britische Gebiete im mittleren Osten an- aeboten habe. Das Blatt glaubt, dieser Meldung hinzu- fügen zu können, daß es Mussolini gelungen sei, rm nahen und mittleren Osten die gesamte christliche und mohammedanische Welt gegen Italien zu mobilisieren-
Neue memeldeutsche Beschwerde bei den Signatarmächien.
Ein Vertreter der deutschen Mehrheit des früheren Memelländischen Landtages hat den Vertretern der Signatarmächte in Genf eine neue Beschwerde überreicht, in der nachgewiesen wird, daß bie
3u den Wahlen im Memelland am 29. September.
(Scherl Bilderdienst — M.)
Statutwidrigkeit d e s litauischen Vor- gehens nicht nur in dem neuen Wahlgesetz sondern auch vor allem in den dazu ergangenen Ausführungsbestim- munqen und den Anordnungen der Wahlkreiskommission lieat.' Die öffentliche Kontrolle werde ausgeschaltct und ein S n st e m dec Willkür organisiert. Der Beschwerde sind Schriftstücke und Wahlproteste beigefügt
Reiche Ernie ohne Gegen.
Frankreich weiß nicht, wohin mit Weizen und Wein. Litauens Agrarpreise Hungerprcise. — USA. ersticken in
Baumwollvorräten.
Die deutsche Ernte ist eingcfahren. Auf dem Bückeberg werden alle Vorbereitungen getroffen, um am 6. Oktober das große Erntedankfest des deutschen Volkes für den Sieg der Erzeugungsschlacht 1935 in würdiger Weise zu begehen. In diesem Erntedank aber unterscheidet sich das neue Deutschland von der Mehrzahl der landwirtschafttreibenden Staaten der Welt. Gerade in den Ländern, in denen sonst der Bauer sein Auskommen hatte, geht heute das Gespenst der Sorge um. Nicht der Mangel, sondern die Sorge des Überflusses lastet aus der Landwirtschaft; der Überfluß drückt auf die Preise, drückt sie so herunter, daß der Bauer nicht einmal mehr mit ihnen seine Unkosten decken kann
Da ist Frankreich. Seine Erntezeit ist heute alles andere als Segenszeit. Verzweiflung liegt über der Bauernschaft. Die Erntearbeiter verlangen ihren Lohn, die Banken die Zinsen für die aufgenommenen Erntekredite, Genossenschaften und andere bäuerliche Hilfsorganisationen dringen auf Rückzahlung der Warenkredite, die Handwerker und Kaufleute präsentieren die Rechnungen für all die Waren, die sie dem Bauer willig mit dem Ziel geliefert haben: Zahlung bei Einbringung der Ernte. Der Bauer möchte zahlen, aber er weiß nicht wovon, denn W e i z e n u n d W e i n , die für den französischen Bauern dasselbe bedeuten wie der Roggen für die deutsche Landwirtschaft, bringen seit Jahr und Tag Preise, die nicht mess ihren Mann ernähren. Auch die Viehwirtschaft ist unrentabel geworden. Und alles das, weil allzuviel gute Ernten in den letzten Jahren waren. Rekordernten füi Weizen und Wein brachte besonders das letzte Jahr. Damals sah sich die Regierung gezwungen, angesichts des enormen Preissturzes, der für diese landwirtschaftlichen Erzeugnisse einsetzte, Hilfsstellung einzunehmen, um den Bauer vor Verzweiflung und voreiliger Tat zu schützen. Drei Milliarden Franken hat sie ausgeworfen, um den überschießenden Weizen unb Wein aufzukaufen und dem Bauern einen einigermaßen erträglichen Preis zu sichern. In diesem Jahre ist die Ernte zwar etwas geringer ausgefallen, aber die vorhandenen Vorräte sind noch so yroß, daß die Preise weiter abgleiten, zumal noch die Weczen- und Weinkonkurrenz der nordafrikanischen Kolonien aus das Ernteangebot des Mutterlandes drückt. Die Unzufriedenheit steigt; steigt nicht nur beim Bauern, sondern auch beim Verbraucher, der infolge der enormen Verdienste im Zwischenhandel unverändert hohe Wein- unb Brotpreise bezahlen muß. Die Regierung aber lehnt grundsätzlich Hilfe ab. Wein und Brot, die bisher die selbstverständlichen Beigaben jeder Mittags- und Abendmahlzeit im ärmsten und im wohlhabendsten französischen Hause, in der Kutscherkneipe und im Luxushotel waren, die einst Frankreich den Ehrenruf eintrugen, das sozial am stärksten ausgeglichene Land der Erde zu fein, sind heute eine Gefahr für Wirtschaft und Politik. Besonders für die Politik, denn der Bauer hat sich in seiner Verbitterung, in seiner drängenden Not zu einer Bauernfront zusammengeschlossen, die nicht nur Schutz der Regierung für ihre agrarpolitischen Ziele verlangt, sondern auch einen erbitterten Kamps gegen bie „bunt« len Mächte des Finanzkapitals" führt. Der Bauer ist politisch geworden, so wie vor 1933 der deutsche Bauer unter dem Druck der Not politisch wurde und sich unter der schwarzen Fahne der Bauernschaft sammelte. Nur mit dem einen Unterschied: während der deutsche Bauer sich dem Nationalsozialismus verschrieb, steht der französische unter dem verhängnisvollen Einfluß der von Moskau her ins Land gesandten hetzerischen Elemente. Das Ende des französischen Bauernstreiks und der Unruhen ist nicht abzusehen.
Auch in Litauen, jener südlichsten der baltischen Republiken, spielt sich unter dem Druck des Ostens und des Überflusses ein Bauernkampf großen Stiles ab. Trostlose, verfallene Gehöfte, schmutzige Katen künden schon von außen die Not dieses reinen Agrarlandes an. 70 Prozent der litauischen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Für diese 70 Prozent ist heute ärgste Notzeit, vor allem deshalb, weil bie Regierung aus politischer Verblendung heraus sich von ihrem natürlichen Absatzmärkte Deutschland ab« gewandt und unabhängig zu machen versucht hat. Statt dessen glaubte Litauen in England, dem wirtschaftlichen Bewerber um die Raudstaaten, einen willfährigen Abnehmer feiner Agrarerzeugnisse, vor allem seiner Butter, Eier, seines Fleisches und seines Getreides zu finden, wie es einst Deutschland gewesen mar. Aber die Hoffnung trug. Unb auch die Sowjetunion, die durch gelegentliche Abnahme einiger Viehbestände politischen Einfluß auf Litauen zn nehmen versucht, ist kein Ersatz für den deutschen Käufer geworben. So kommt es, daß heute in Mengen landwirtschaftliche Erzeugnisse in Litauen verderben, so kommt es, daß sie nur noch Preise erlösen, bei denen der Bauer verhungern muß. Ein Kilo Butter kostete im November 1934 2,65 Lit (1 Lit - 42 PsenniaG. ein Kilo Schweinefleisch 1,5 Lii, zehn Eier 0,90 Lit, ein Zentner Weizen 8,8 Lii, ein Zentner Roggen 6,8 Lit. Heute liegen die Preise in Litauen sogar noch tiefer, so daß man von einer Wirtschaftskatastrophe auf dem Lande sprechen muß. Unter den Bauern herrscht murrende ^lluzufriedenheit, Steuern können sie nicht zahlen. Der Tauschverkehr ist gang und gäbe. Das schlimmste aber ist, daß bei Bauer, der nichts mehr zu verlieren hat, sich den Terrororganisa- twnen der Stadt angeschlossen Hat. die mordend und