M-aer Anzeiger
SZSESL 4 Tageblatt für Rhön NN» Vageisberg.
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^ 231 - 12. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 3. Oktober 1935
Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. — „D.A." VII. 35. 910. — Zur Zeit ist Preis- liste Nummer 3 gültig. — Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
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Heiligtum der Nation.
Hindenburgs endgültige Beisetzung im Mahnmal von Tannenberg
Dem „Schutzherrn des Deutschen Reiches und der Etschen Nation", wie der Führer vor einem Jahr den sstkehard aller Deutschen, Generalfeldmarschall von Hindenburg, genannt hatte, wurde an seinem Geburtstage der Dank seines Volkes dadurch zum druck gebracht, daß er, der Held des Weltkrieges und firmer der Heimat vor dem feindlichen Einmarsch, an dki Stelle endgültig beigesetzt wurde, die seinen Ruhm in â Welt verkündet: im Tannenbergdenkmal. Diese Me, wo nun der greise Recke in heimischer Erde, in- Men von für die Freiheit Ostpreußens heldenmütig ge- Meiier deutscher Soldaten ruht, ist künftig e t n Heiligtum des deutschen Volkes, das der Führer in einer Kundgebung zum ..Reichsehrenmal T a n n e n b e r a" erklärt hat.
Vor der Grust.
Im weiten Rund innerhalb der acht Türme des Tannenbergdenkmals hatten schon am Mittwochmorgen alle zu dieser Feier geladenen Gäste Aufstellung genommen. Die acht Türme waren mit einfachem Schmuck, an der einen Seite mit dem Hakenkreuzbanner, an der anderen Seite mit der alten Reichskriegsfiagge, geziert. Der Hindenburgturm, unter dem sich die Gruft befindet, trug nur den Schmuck zweier langer schwarzer Trauerfahnen. Auf den durch Granitblöcke abgeteilten Stufen des neugestalteten Jnnen- raumes standen die Abordnungen der Wehrmacht, der Partei, der Perbände und die Arbeiter, die an den Umbauten beschäftigt waren. Daneben standen die engsten Freunde des Generalfeldmarschalls, seine Mitkämpf e r a u s d e m Weltkrieg. Von den Familienangehörigen waren Generalmajor a. D. vonHin - Senburg mit Gattin, die Töchter des Generalfeldmar- schaüsFrau von Pentz und Frau von Brockhusen «schienen, weiter die Enkelkinder des Generalfeldmar-
Reben ihnen saßen Generalfeldmarschall von Mackensen, Kammerherr von Oldenburg- isaauschau und Gesandter von Papen. Die drei Nenburgregimenter, das 3. Garderegiment zu Fuß, das Oldenburger Infanterieregiment Nr. 91 und das 2. Masu- Infanterieregiment Nr. 147, hatten Sonderabord- nungen geschickt. Auch der Kommandant des früheren Panzerkreuzers „Hindenburg", Konteradmiral a. D. v o n Karpfs, und eine Abordnung des Landeskriegerverban- saargebiet, mit der alten Fahne, waren anwesend.
Der Führer betritt den Oenkmalshof.
Punkt 10 Uhr kam der Führer, begleitet von den âlbesehlshabern der Wehrmacht und seinem Stellver- Reichsminister Heß. Tausende von Händen zum Gruß gen Himmel, während der Führer a Den Ehrenkompanien vorbei an das Grabmal trat, «er hoben sich die Hände zum Gruß der Fahnen, die ' > mit einer Ehrenkompanie einmarschierten. Dann 118 der Choral „Christus, der ist mein Leben, und derben mein Gewinn" auf, und
leisem Trommelwirbel wurde der Sarg v„n Iburgs, während sich die Häupter entblößten, Z^öteren des Heeres, der Flieger und der « â"rwc aus dem Turm herausgetragen.
èin .d" Wehrmacht, ein Fliegergeneral und als P1“ gezogenem Degen uptgaben den Sarg uenwache. Unter stetem Trommelwirbel wurde er
^riegsbeginnr Bomben auf Adua
Mobilmachung in Abessinien proklamiert
London, 3. Okt. (Funkmeldung) Reuter mel- Mt""b Addis Abeba: Der Kaiser von Abessinien Donnerstag vormittag 11 Uhr die allgemeine Ulachung proklamiert.
^ssiniskher Protest an den Völkerbund.
Eens meldet"^' 5^ (Funkmeldung.) Wie Reuter aus bund ein. ^^ abessinische Regierung an den Völker- suna A sichtet, in der gegen die Bombardre- Ichen Pot» t Einspruch erhoben wird. In der abessinl- ^WiaU/fc- «uf den Verlust an Menschenleben und das iibria-n^^^ ^roesen, der durch das Lustbombardement, ^^lustllitc andauere, verursacht worden sei. Die M ' Vl?"Ian9tct^- Ferner besagt das Telegramm, ^ Proviin Art Adrigst bombardiert worden sei. Zn 8at ikqt den sei eine Schlacht im Gange, Adri- "'^ ”on 'âua.
Ration «ul ^?" berichtet Reuter, daß durch eine Pro- s^orbnef 'kammenziehung der Truppen bei Dessqe "wichen 1 to» wo sich das Hauptquartier des abef- _ " Prinzen befindet. Einer anderen Reutermel
bls zum Haupteingang getragen und hier auf eine mit Tannengrün geschmückte Bahre gelegt. Der Sarg war bedeckt von einer riesigen Reichskriegsflagge. Darauf lagen Helm und Degen des Feldmarschalls. Den Marschallstab trug ein Generalstabsoffizier dem Sarge voran.
Langsam wurde der Sarg an den präsentierenden Ehrenkompanien vorbei zur Gruft getragen und vor der Gruft auf ein Blumenbeet abgesetzt.
Oer Keldgotiesdienst.
Dann sprach Feldbischof v. D o h r m a n n. Er stellte ferner Predigt die Textworte voraus: „Glaubet an Gott, so werdet ihr sicher sein, und glaubet seinen Propheten, so werdet ihr Glück haben". Der Feldbischof verlas die Worte, die die Bronzetüren des Hindenburgturmes tragen, und erinnerte noch einmal daran, daß a us der Innenseite der Leitspruch des Lebens und Schaffens des Generalfeldmarschalls steht: „Ora et labora — Bete und arbeite". Diese Thesentür von Tannenberg werde ihre Stimme erheben, wenn die deutsche Jugend komme und wenn die alten Kämpfer an die Gruft herantreten, jene Kämpfer, die sich für die Ehre und Freiheit des Vaterlandes eingesetzt hätten. Dieses Hindenburgwort spiegele die innerste Gesinnung des Generalfeldmarschalls wider. Der Generalfeldmarschall v. Hindenburg habe in den folgenreichen Tagen des Jahres 1933 den Weg beschritten, der Deutschland aus der Zerrissenheit, der Arbeitslosigkeit, der Ehrlosigkeit, der Wehrlosigkeit herausführen sollte in eine neue, bessere Zeit. Jetzt gelte es, daß alle Deutschen
Alarm der Schwarzhemden.
Glocken läuten, Sirenen heulen, die Menschen eilen zu den Sammelplätzen
Höchste Spannung.
Der seit einigen Tagen mit größter Spannung erwartete Generalappell der Faschistischen Partei Italiens ist Mittwoch nachmittag Tatsache geworden. Um 15.30 Uhr ertönten überall die Sirenen und dieGlorken, um die Schwarzhemden zu ihren Sammelplätzen zu rufen. Wenige Minuten vor- her war der Appellbefehl über den Rundfunk gegangen. Um 17 Uhr sprach der Generalsekretär der Faschistischen Partei, Starace, über den Rundfunk zu den alarmierten Formationen.
Überall sah man Menschen nach Hause eilen, die schnellstens ihre Uniform anlegen wollten, um sich auf den großen Plätzen Roms und vor den Dienstgebäuden der Faschistischen Partei einzufinden. Aus allen Ministerien und den großen öffentlichen Bauten sah man Menschenmassen strömen. Es herrschte eine allgemeine starke Spannung und Erwartung. Was wird dieser Generalalarm, die „Adunata", wohl bringen? Und das Heulen der Sirenen dauerte immer noch fort . . .
° Die Büros und Geschälte batten auf den Zivrl-
dung aus Addis Abeba zufolge ist der abessinischen Regierung nichts von einer angeblichen Besetzung Aduas durch italienische Truppen bekannt.
Der Völkerbundsrat für Sonnabend 10.30
Uhr einberufen.
Genf,3. Okt. (Funkmeldung) Vom VolkerSundsse- kretariat wurde Donnerstag kurz nach 13 Uhr amtlich mit- geteilt, daß der Völkerbundsrat für Sonnabend 10.30 Uhr einberufen worden ist.
Addis Abeba, 3. Okt. (Funkmeldung.) Wie soeben bekannt wird, haben die Angriffe der italienischen Bombengeschwader auf Adua und Adrigat v l el e Tote gefordert. Zahlreiche Häuser sind zerstört worden. Ras Scnoum hat diese Tatsache dem Völkerbund telegraphisch mitgeteilt und um Hilfe gebeten. Nach einer neuesten Meldung ist in der Landschaft Agame eine große Schlacht im Gange.
Die Mobilmachung wurde um 11 Uhr vormittags 'm Vorhof des kaiserlichen Schlosies in Anwesenheit von 3000 Mann Truppen und unter dem Dröhnen der Kriegstrommein vom Hofzeremonienmeister verkündet.
neue Menschen würden, wie es der Arbeiterdichter in die schönen Worte gefaßt habe:
„Nicht Geld und Macht und Waffen
Bannen die Not;
Nicht unsere Hände schaffen
Das Morgenrör.
Nicht eher kommt auf Erden
Die neue Zeit,
Ehe wir nicht Menschen werden
Voll Ewigkeit."
Mit diesen Worten weihte der Bischof die Gruft.
Die feierliche Beisetzung.
Der Feldbischof hatte geendet. Die Fahnen wurden erhoben und das Deutschlandlied klang auf. Während der Klänge der Nationalhymne marschierten die Fahnen der drei Hindenburg-Regimenter zur Gruft. Nachdem die Regimentsfahnen Aufstellung genommen hatten und dem Deutschlandlied das Horst-Wessel-Lied gefolgt war, erklang der Parademarsch des 3. Garderegiments zu Fuß, und die außerhalb des Denkmals aufgestellte Salutbatterie feuerte 21 Schuß Ehrensalut. Die Offiziere hoben den Sarg wieder an, um ihn langsamen Schrittes in die Gruft zu tragen. Vorweg schritt der Ches des Generalstabes des 1. Armeekorps, Oberst Hollidt, der den Marschallstab des Generalfeldmarschalls trug. Den Sarg begleitete eine Ehrenwache. Langsam ging es hinein in die Gruft, und dort wurde der Sarg niedergesetzt. Vier Stabsoffiziere traten als Ehrenwache auf, und nun ertönte das Lied vom guten Kameraden, während sich wieder Fahnen und Feldzeichen zum Gruß senkten.
Der Führer trat in die Gruft, gefolgt von den Oberbefehlshabern der Wehrmacht und von den Angehörigen des Feldmarschalls. Dann kamen die Angehörigen zurück. Der Führer verweilte noch einige Minuten in stillem Gedenken allein am Sarge. Dann stieg er entblößten Hauptes die Stufen hinauf.
mobilmachungsbefehl hin geschlossen. Die Angestellten hatten zwei Stunden Zeit, sich in Uniform an den festgesetzten Plätzen zu versammeln, überall ertönten Lautsprecher und die Musik der marschierenden Regimenter. Ein Meer von Flaggen bedeckt die Häuserfronten. Es regnete heftig, so daß die Angehörigen der aufmarschierenden Formationen vollkommen durchnäßt wurden.
15 Millionen Italiener hatten die Arbeit verlassen, um der Welt zu zeigen, daß das italienische Volk im schweren außenpolitischen Ringen geschlossen hinter dem Duce stehe.
In weniger als einer Stunde hatte sich das Straßenbild von Rom vollständig geändert. Alle öffentlichen Gebäude waren illuminiert. Die Menschen stauten sich auf den Straßen und strömten in großen Massen den Hauptplätzen zu. Flugzeugstaffeln kreisten über der Stadt. Militär marschierte in voller Kriegsausrüstung durch die Straßen. Alle Straßenbahnen und Verkehrsmittel waren überfüllt. Kaum nach einer Stunde beherrschte bereits das Schwarzhemd das Straßenbild. Überall sah man Bilder des Duce. Plakate wurden angeschlagen, auf denen Worte Mussolinis wiedergegeben sind.
Im Mittelpunkt der allgemeinen Probcmobilmachung stand eine Rede Musiolinis, die er vom Balkon des Palazzo Venezia an über 10 000 aus dem Platz vor dem Palast versammelte Faschisten richtete.
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Abessinischer Einspruch gegen die italienische Grenzverletzung.
Die abessinische Regierung hat an den Völkerbund eine neue Protestnote gesandt, m der gegen die italienische Grenzverletzung schärfster Einspruch eingelegt und um Entsendung einer neutralen Kommission zur Feststellung des italienischen Vorgehens gebeten wird. Unter dem Eindruck des Vorgehens der ltalienychen Somalilandtruppen wird die abessinische Mobilmachung nunmehr verkündet werden. In die in der Welt umherschwirrenden Gerüchte über eine bereits erfolgte Überschreitung der Grenze sowohl von Eritrea wie von Jtalienisch-Somaliland aus ist nach anderen Meldungen aus Addis Abeba keine rechte Klarheit zu bringen. Es besteht keine Möglichkeit, genaue Meldungen zu erhalten. Von. Addis Abeba zu den Grenzgebieten der Nordfront sind es etwa 800, zur Südfront 700 Kilometer ohne leg- lichc Drahtverbindung. Meldungen kommen nur durch Kuriere. Der Kaiser hat im Flugzeug Aufklärer nach der Gegend von Adua entsandt, nm sichere Meldungen zu erhalten. Nach einem Telegramm des abessinischen Konsuls in Dschibuti sollen sich die italienischen Pormarschbewegungen bestätigen. Die Truppen sollen aus Askaris unter Führung weißer Offiziere bestehen. Die Abteilungen sollen mit Transportkolonnen versehen sein und auch über Flugzeuge verfügen. Man will wissen, daß die italienische Gesandtschaft nächste Woche Addis Abeba verlassen wird.