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M-aer Anzeiger

. , Werktag. Wochenbeilage:Der ErMMt. lesenci5; monatlich 1,70 NM. Sonntag,-^b^inderung durchHöhere Ee-

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Nr- 233 - 12. Jahrgang

Fulda, Samstag, 5. Oktober 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Wernalttag - Bauernfest.

Bon Dr. Karl Nügheimer.

Qum drittenmal feiert die Nation mit dem Bauern das Erntedankfest, und ist es wirklich erst das dritte Mal? ton wurde uns die Feier wie eine altüberkommene Sitte «verständlich und vertraut. Die Zeitung mit ihren lkicinisfrischen Schilderungen und Bildern, der Rundfunk, Eisenbahn und Kraftwagen, die uns schnell an dem einen M -ufammenführen, alle diefe Mittel unserer groß- itoen technischen Zeit bewirken, daß in Kürze Millionen weit an einem Ereignis Anteil nehmen, das sich früher « durch jehrzehntelange Uebung bekannt und beliebt hätte »hon können. War die erste Bückeberg-Feier vor zwei Ken ein Freudenfest des der Vergessenheit entrissenen und âder in das politische Dasein der Nation eingegliederten Wernstandes, so gilt uns heute die Herbstfeier schon als eine midmä^ge Bekundung und Darstellung der nun fest im Kltelpunkt stehenden bäuerlichen Lebenshaltung. Daß der Bauernstand wichtig ist für Volk und Staat, das ist heute irdem Deutschen selbstverständlich. Das Reichs-Erntedankfest Milde ein Symbol größten Stiles für eine L e b e n s h a l * Hing, wurde eine Sammlung aller Ausdrucksmöglichkeiten für die Bauernarbeit und ben Bauernalltag. Hier vereinigt sich aller Wille zum Leben in bäuerlicher Form: im Gleich­schritt mit dem Gezeitenablauf, mit Saat, Wachstum und rate, in der Tracht, wie sie das bäuerliche Tagwerk erfordert, -n der Bewegung, zu der Acker und schweres Arbeitsgerät den Körper zwingen.

Nicht verächtlich mehr sind die Aeußerungen des dörf­lichen Daseins, sondern voll natürlicher Weihe, vom Staate scldft sanktioniert, von einer jungen, neue Ideale suchenden Generation als Anzeichen eines erstrebenswerten Lebens­inhaltes betrachtet. Was der Bauernalltag an Wert und Sinn enthält, gesteigert symbolisch darzustellcn.' ist die Aufgabe des Erntedankfestes, im Ausmaße eines Staatsaktes, weil ja ier Sinn des bäuerlichen Alltags im größten Gedankenkreis den ganzen Staat milumschließt. Denn nicht nur über den persönlichen Gewinn freut sich heute der junge Bauer, wenn

als früher abringt,

es

er seinem Acker einen höheren Ertrag als früher abringt, sondern immer deutlicher wird ihm die Bedeutung dieses Erfolges für das ganze Volk, daS sich aus eigener Scholle mähren will, bewußt.

Sammelbecken deS bäuerlichen Lebenswillens ist das

Nkberg-Fest, und wie von den Wasservorräten eines Stau» !Ä gehen von dieser Jahresfeier die Kanäle aus, die den neuen Willen zum bäuerlichen Dasein speisen. Als eine ge- wltige Kraft erweist sich der dörfliche Lebensstil, gefördert unö neu ausgelöst durch die politischen Maßnahmen, aber «och ans eigenem Mute lebendig, obwohl jahrhundertlaug ein- Mgt, beiseitegedrängt, schlecht genährt. Ueber eine Epoche, ^en ganze Anteilnahme der Industrie, der Weltwirtschaft, dem Großverkehr galten, hielt sich bei uns in Deutschland das Bauerntum zäh am Leben. Starke bäuerliche Lebenstriebe Ochsen dem Formwillen der Politiker immer noch entgegen. Wir finden in den Heimen und Schulen unserer jungen Genera- iion wieder den altväterischen HauSwebstuhl; wir sehen zu- . Astige Bäuerinnen an der Gestaltung dörflicher Feste arbeiten, ie einst ihren Kindern, Knechten und Mägden den Hof auch Illich wieder zum Mittelpunkt des LebenS machen sollen. Und « stolz auf diese Dinge, neben aller modernen Weltoffenheit, - welche Umstellung gegen frühere Jahre!

^ie Wirtschaftsform, die Art und Weise, Güter zu er- M"'läßt sich beim Bauern von dem privaten, rein mensch-

Daseinsablauf nicht trennen. Jede Stunde des Tages Feierabends ist vom Acker und der häuslichen Wirt- W her geregelt. Der Bauer kann nicht acht Stunden oder ehr oder weniger willkürlich aus seinem Tag heraus- währenddessen Stall und Feld besorgen und dann m Familienmitglieder in ein veliebig zu gestaltendes

1 n entlassen, _. paß ein Sohn etwa als Sportler satten oder vielleicht sogar den eigentlichen Lebensinhalt e "nd der andere als Briefmarkensammler oder è* Wandersmann und die Tochter im modischen L< ^ als Kinofreundin... Gewiß kann auch das Bauern- oll dem Anteil haben, aber nur in beschränktem, W ?â)em Maße. Der erste und eigentliche Lebensinhalt QiÄem Eiern seine Bauernarbeit sein, sonst kann er nicht K Auer bestehen.

Kann I wMnl aber den Bauern haben, wir brauchen den im »an i ^^ Nahrung für das Volk aus dem Heimatboden baiiiherv 021 ^^ Einfuhr überflüssig macht, wir müssen bände mit der Arbeit am 7....... " Entwickle, ^Uwen _ in einer Zeit, da uns die in Unö b9 Millionen Arbeitslose auf die Straßen sch!

Arbeit viel Frucht bauen und gleichzeitig vielen Händen In ib^'.'rmöglicht nur die bäuerliche Wirtschaftsform.

k ?ncn Bereich kann jedes Tier und jede Pflanze Boden werden, kann die intensive Pflege dem

be§ Kornâ^ ®rtTQ9 abringen, kann allein von den Abfällen

6er Küche und des Kuhstalles Geflügel und s-haftiAMn werden wo der fabrikmäßige Landwirt- Mellt'^' ouf Masse, Gleichheit, Schnelligkeit ein- lassen 'inüßte^^^ès ungepflegt und unbenutzt umkommen ^en^M^gt^61 fruchtbaren Kleinarbeit gehört eben der arbeite« die Familienmitglieder müssen zusammen-

Schlackten. Ernten die Tochter mui beraten V Stellung uuo eigene Wege nach jechs Uhi Küssen ertem ö,e Erfordernisse der Jahreszeit, des Wetters ^lselduddxi» werden: Gießen am trockenen Tag und Kar- Weiiien ^cit " r Reife wenn es auch verlockender Mreit bann»,. Melmäßig zur Abendstunde von Pflichten 00,1 Stand,,,,stehen, und zur Viehzucht gehört eben das ^ichi L^âllvängerte Kleid.

^^rdeschwp-^ wrr nun jeden verachten wollten, der nickt ö Ott den Stiefeln trägt. Aber soviel sollte jedem

ig macht, wir müssen Poden möglichst viele in einer Zeit, da uns die industrielle " ' ' ...... ' ^ hwemmte.

Deutschen klar sein: Die richtige Bauernarbeit, die dem Boden viel «bringt, viele Menschen beschäftigt und viele Kinder groß­zuziehen ermöglicht, sie ist nicht denkbar ohne diese Dinge ohne den Verzicht auf gewisse Lebensgewohnheiten, die städtisch sind und bisher als allgemein verbindlich und hochangesehen galten. Ohne den Willen zum Leben im Stallgewand und in der Gebundenheit des Dorftages wären die staatserhaltcnden Aufgaben, die wir dem Bauern stellen, nicht zu erfüllen. Noch einmal: die Getreide- und Viehfabrik könnte , dem Menschen wohl von jenen städtischen Freiheiten geben, -aber sie sonnte auf unserem Boden nicht so viele Menschen ernähren!

Lieber ein paar Wochen Vutterknappheit als Millionen ohne Arbeit und Brot.

Dr. Goebbels über die Lebensmittelfrage.

150 000 deutsche Volksgenossen waren auf dem Halleschen Thingplatzgelände zusammengeströmt, um Reichsminister Dr. .G o e b b e l s zu hören. Bei der 91n= tunst auf dem Thingplatz wurde Dr. Goebbels mit viel­tausendstimmigen Heilrufen begrüßt. Nichts konnte wohl die Beliebtheit und Volkstümlichkeit des Reichsministers besser zum Ausdruck bringen, als die Rufe von allen Seiten im Svreckckor: ..Wir a r a t u l i e r e n !"

Adua gefallen.

Die Einnahme Don Adigrat abessinischerseits nicht bestätigt.

Addis Abeba, 5. Okt. (Funkmeldung.) Wie amtlich mitgeteilt wird, ist Adua am Sonnabend morgen gefallen. Die Meldung von der Einnahme Adigrats wird hier nicht bestätigt, dagegen scheint die Einnahme von Aksum bevorzustehen.

Der Dreizehnerausschuh erneut zusammengetreten.

Genf, 5. Okt. (Funkmeldung.) Der Dreizehneraus­schuß des Völkerbundsrates, der bis 1 Uhr nachts an dem Bericht über den gegenwärtigen Stand des italienisch­abessinischen Konfliktes gearbeitet hat, ist heute vormittag ><11 Uhr erneut in Anwesenheit von L«val und Eden er­neut zusammengetreten.

Endlich kam der Minister zum Wort. Er spreche, so erklärte er, in einer Zeit stärkster internationaler Span­nungen, während über Abessinien schon die Geschütze donnern und die Fliegerbomben herunterbersten. Die Welt stehe vor schweren Entscheidungen, und es sei ein tröstliches Gefühl, zu wissen, daß Deutschland wie­der eine Weltmacht sei, nachdem es seine Wehr­hoheit wiedergewonnen habe. Es sei ein Irrtum, zu glauben, drß ein Volk allein dadurch den Frieden er­halten könne, daß es ibn liebe. Der Friede stehe nicht beim Schwachen; er stehe beim Starken und werde nicht mit Lamentationen g,esschert.

Wieder werden die deut­schen Bauern aus allen

Gauen des Vaterlandes auf dem Festplatz am Bückeberg in ihren male­rischen Trachten erschei­nen, um in der Feier- Stunde den Dank des deutschen Volkes für ihre Arbeit aus der deutschen Scholle entgegenzu­nehmen.

(Scherl Bilderdienst M.)

Tank darum dem Schicksal, daß der Wille zur bäuerlichen Lebensform noch lebendig ist. Der Lebensstil, den das Bücke- berg-Fest dartut und neu wachsen läßt, soll nicht nur das Dajein verschönern und verbrämen, er hat eine Wirklichkeit schaffende Kraft... Sie gehen daher mit ihren eckigen Schrit­ten, die wir nicht überheblich belächeln, sie tun stolz ihre Art dar und spenden Kraft für Ihresgleichen. Und daß sie daher­marschieren, ist nicht Pose und Sonntagsvergnügen, sondern notwendiger Beitrag zu der schicksalhaften Aufgabe. unserer Zert: das Volk neu mit der Scholle zu verhaften.

Der Minister kam dann auf

die Lebensmittelversorgung

des deutschen Volkes zu sprechen. Wenn man der Regie­rung zum Vorwurf mache, daß zur Zeit die Butter etwas knapp geworden sei, so müsse er fragen:Sind wir denn der Herrgott, der die Sonne scheinen läßt? Und regieren wir auch über den Himmel, der die Ernte macht?

Kann man uns verdenken, daß wir lieber einmal für 14 Tage oder drei Wochen eine immerhin noch erträgliche Butterknappheit in Kauf nehmen, um die dadurch gesparten Devisen für die Rohstoffeinfuhr zu verwenden, mit der wir die Arbeitsschlacht schla­gen, als daß Millionen ohne Arbeit und damit auch ohne Brot bleiben?" jHier bricht die Menge in stürmische Zustimmung aus.) Wir wissen, wie" schwer es.ist, sich mit dieser oder jener Knappheit zeitweilig abzufinden. Aber worauf man dringen muß, ist doch, daß das deutsche Volk in so schwerer Zeit Disziplin hält. Es darf nicht vorkommen, daß gewisse Fette, wie Schmalz, die an sich in genügender Menge vorhanden sind, durch Angstkäufe künstlich verknappt werden."

Die Versorgung der Bevölkerung mit Brot, Kar­toffeln, Rind-, Kalb- und Hammelfleisch, Fischen, Milch, Eiern, Zucker und vielen anderen Lebens­mitteln ist in Deutschland absolut sichergestellt.

Dagegen ist allerdings eine vorübergehende Schweine- k n ä p p h e i t festzustellen. Diese Schweinekuappheit hat ihre ganz natürliche Ursache. Im vorigen Jahre haben wir eine schlechte Ernte gehabt. Wir hatten keine Futter­mittel und mußten deshalb die Schweinebestände lichten; und das, was wir im vorigen Jahre an Schweinefleisch zu viel gegessen haben, müssen wir dann eben in Gottes Namen in'diesem Jahre weniger essen.

Im übrigen wird dieser Knappheit schon zusehends überwunden.

Wir haben am 1. Juli dieses Jahres nur einen Bestand von 20 Millionen Schweinen gehabt. Bis zum 1. Sep­tember ist dieser Bestand bereits auf 22ll- Millionen gestiegen. Können wir denn nicht die Zeit warten, bis diese Schweine gemästet sind, oder hätten wir wirklich Devisen im Übermaß freimachen sollen zur Einfuhr von Schweinen? Die Arbeits­losen hätten dann warten müssen. Was würden diese dann sagen, wenn wir uns vor ihnen entschuldigen woll­ten, indem wir erklärten: Wir mußten Schweine kaufe«, das deutsche Volk wollte es so." (Brausender Beifall.)

Auf dem Gebiete der Butterversorgung werde schon in allernächster Zeit eine Entspannung eintreten.

Es werde alles versucht, um durch handelspolitische Ab­machungen auftreten,be Schwierigkeiten zu überwinden. Die Regierung müsse aber auch Rücksicht auf diese