Möaer Anzeiger
SZAN/ND. ^ Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg rS" °§ "l^K^ Iulöa- unö Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt
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^ 239 — 12. Jahrgang
Fulda, Samstag, 12. Oktober 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Geheime Sanktionsberatungen.
Die Sanktionskonferenz wählte einen Sechzehnerausschuh. — Wie steht es um die Rechtsgrundlage der Sanktionskonferenz?
Nachdem die Vollversammlung des Völkerbundes am Donnerstag die Sanktionen gegen Italien grundsätzlich be- Flossen hatte, wurde eine sogenannte Ständige -anltionskonserenz eingesetzt mit dem Auftrag, die Sanktionen im einzelnen seftzusetzen. Die Sanktions- lonfercnz hielt am Freitag ihre ersten Beratungen ab. ^urck üimif wurde der portugiesische Völkerbundsvertreter
a s c o n c e l l o s zum Präsidenten gewählt. Mit der Benruudung, daß die Konferenz heikle wirtschaftliche Fragen zu erörtern haben werde, wurde die Öffentlichkeit msèeschlvßen.
Nach bewährter Genfer Methode beschloß die Sank- iioiNkonferenz zunächst, aus der großen Konferenz von 52 Michliedstaaten einen Ausschuß von 16 Mit- gliedstaaten zu bilden.
Dem Sechzehnerausschuß gehören folgende Staaten an: zronkreich, England, Sowjetrnßland, Polen, Spanien, Mafrika, Griechenland, Holland, Schiveden, die Schweiz, Jugoslawien, Belgien, Argentinien, Kanada.. Rumänien und die Türkei.
Pon polnischer Seite ist in der Sanktionskonferenz die Frage gestellt worden, wie es eigentlich mit den Vollme chten und der v ö l k e r r e ch t l i ch e n G r u n d l a g e dieser Konferenz bestellt sei. Darauf erklärte der Präsident ausweichend, zunächst möchten die einzelnen Delegationen ihm brieflich mitteilen, welche Vertreter und welche Stell- veri'reicr, welche Sachverständigen und welche politischen Berater an den Verhandlungen teilnehmen. Man müsse natürlich später, wenn man zu einem Beschluß komme, mit dessen Hilfe man dann den einzelnen Staaten Sanktionen empfehlen wolle, auch regelrechte Vollmachten bestreu.
Auch Manien gegen Sanktionen.
Nach der ersten Sitzung der Sanktionskonferenz ist die Mversammlung des Völkerbundes vorläufig vertagt Wen. Die Versammlung ist aber nicht geschlossen Wen, d. h. sie kann in jedem Augenblick wieder ohne -Normalitäten zusammenberufen werden. Die Mitglieder der Vollversammlung des Völkerbundes bleiben in Genf, !öcil sie gleichzeitig Mitglieder der Sanktionskonferenz sind. Auch der Völkerbundsrat hat feine Sitzungen nicht geschlossen. Er bleibt formal versammelt, um, wie der Präsident der Vollversammlung, Benesch, verkündet hat, Amer zur Verfügung zu stehen, wenn sich Bedingungen 7 J-W friedliche Lösung des Konflikts im italienisch- MssWischen Krieg ergeben sollten. Bei Beginn der Voll- dnsamntlung erteilte der Präsident Benesch noch nach- , GW dem Delegierten Albaniens das Wort zu Mr Erklärung über die Entscheidung des Völkerbunds- W die Italien für schuldig erklärte. Der albanische -Negierte schloß sich dem Einspruch «n ^? rns u n d Österreichs an, und zwar mit der Zündung, daß trotz aller Treue zum Völkerbund
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Ä den ^'^ abessinische Feldherr von der Nordfront, wird y„ duschen Kriegsberichten von der Nordfront wieder V^" ^üen Tagen des Kriegsbeginns ab immer 6et)0Unt 1 Name des abessinischen Feldherrn, Nas den ^«enannt. Diese Aufnahme zeigt Ras Seyoum, ’S von Tigre, mit zwei seiner Mitarbeiter. (ScheTl-BiLerdverrst — M)
durch Verträge mit Italien gebunden sei und deshalb die Entscheidung des Rats ablehnen müsse.
Darauf nahm der Präsident noch einmal zu den Ausführungen des italienischen Völkerbundsvertreters, Aloisi, Stellung, in denen dieser dem Völkerbund vorgeworfen hatte, daß er ein unrechtmäßiges Verfahren gegenüber Italien angewandt habe. Nach darauf folgendem Vertagungsbeschluß stellte Benesch in einer Schlußrede noch einmal zusammenfassend fest, daß sich 5 0 Mitglieder
mit dem Schuldspruch gegen I t a
e n und
damit mit Sanktionen einverstanden erklärt haben. Er verlas die angenommene Entschließung, um ihr nochmals völkerrechtlich Rechtskraft zu geben, und erklärte dann, daß die Sanktionskonferenz den Umfang ihrerAufgaben prüfen müsse und dann Beschlüsse über die Sanktionen in Form einer Empfehlung an die Staaten fassen müsse.
Der Argus besteht aus Abreise des italienischen Gesandten.
Der abessinische Außenminister überreichte dem ita - ltenischenGesandteninAddisAbeba, Graf Vinci, eine Note, in der ihm das Agrement entzogen wird. Das Agrement läuft am Sonnabend, 11 Uhr vormittags, ab. In dieser Note wird ausgeführt, daß die abessinische Regierung in Anbetracht der Eröffnung der Feindseligkeiten die Mission des Gesandten beim Kaiser
Vormarsch der italienischen Süd-Armee
Erbitterte Nahkämpfe um Wasserstellen.
Die weiteren Nachrichten vom Kriegsschauplatz scheinen zu bestätigen, daß i m S ü d e n A des (tut ens die Italiener unter heftigem Widerstand der Abesstmer r m Vormarsch durch die Wüste Ogadcn begriffen sind Der Marsch bestünde im wesentlichen aus Kämpfen um die einzelnen W a s s e r st e l l e n , die teilweise unter größter Erbitterung mit dem Bajonett aus- gesochten
würden Der militärische Mitarbeiter der Londoner Zeitung „Daily Telegraph", Generalmajor Temperley, erwartet allerdings den wirklichen Widerstand erst am ©"be hör Mülle südöstlich von Harrar in den Vorbei q e n d e s H o ch p l a 1 e a u s. Die abessinischen Trup- « m 0« Su°d»vm,-° >â und W° d°«â Ä» - u^°' SS«
aleÄreitiaen Vormarsch von Eritrea und Somaliland aus ÄS »»= SM" ^ kneifen r» unerwartet Deftige »id-°ftand der SEr tat Sorten habe Diese Plaue verzögert und tat ’*” 7 S unigtem Vormarsch vom Süden her Italiener w faßt die Ergebnisse des Feldzuges von einer Woche Dauer dahin zusammen, daß die italienischen Fortschritte sich unerwartet verlangsamt
. , mvei inier seien nirgends zu fassen gewesen "^ÄS' UM â Ä® Ä
scheidende Kampfhandlung erfolge.
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Abessinien bereitet Gegenoffensive vor.
Addis Abeba, 12. Okt. (Funkmeldung.) Zu abessinischen Kreisen verlautet, daß sich die drei Heerführer Ras Seyoum, Ra- Kaisa und Ruchi vereinigt haben und an der Nord- frnnt mit 100 000 Mann einen Gegenstoß vorbereiten. Diese Verbindung der abessinischen Streitkräfte haben die Einschließung von Adua zum Ziel. Der 3u|am- menif^ mit den ital. Truppen wird wahrscheinlich am Oberlauf des Mareb stattfinden. Auch an der Ostfront sollen abess. Angriffsvorbereitungen im Gange sein.
^ie ital Fliegertätigkeit, die in Bombenabwürfen und Maickinengewehrfeuer zum Ausdruck kommt, hat sich be- sond^s an der Südfront erhöht. Die Erfolge sollen allerdings schwach sein.
Der Kaiser wird vorläufig in Addis Abeba verbleiben.
' „en hat der Kriegsminister sein Hauptquartier in
Dessie awsgeschlagen
als beendet betrachtet. Die Note verweist ferner auf das Versprechen, die Funkanlage der Gesandtschaft nicht zu benutzen, was nicht eingehalten worden sei. Der italienische Gesandte protestierte schriftlich gegen die Behauptungen der Note und erklärte, die Funkanlage der Gesandtschaft nicht benutzt zu haben. Graf Vinci nahm die Aberkennung des Agrements zur Kenntnis und gab die Erklärung ab, daß das gesamte Personal der Gesandtschaft am Sonnabend früh Abessinien verlassen werde. Er selbst verweigert jedoch die Abreise, bis der Konsularagent von Magallo in Addis Abeba eingetroffen sei. Der Kaiser hat dem Gesandten jedoch nicht erlaubt, bis zu diesem Zeitpunkt in Addis Abeba bleiben zu dürfen.
KeinessallsVerhandlmgenmiMuffolâ
Der Negus gewährte dem bekannten amerikanischen Berichterstatter Knickerbocker eine Unterredung. Aus die Frage des Berichterstatters nach seiner etwaigen Bereitschaft zu Waffenstillstands- und Friedensverbandlungen erklärte er in äußerst bestimmtem Ton, daß er keineswegs bereit sei, auf Grund der gegenwärtigen Lage mit Mussolini zu verhandeln, und zwar auch dann nicht, wenn Mussolini sich mit dem jetzt von den Italienern besetzten Gebiet begnügen würde. „Äthiopien ist", so erklärte er wörtlich, „bereit zur Zusammenarbeit mit dem Völkerbund, aber nicht bereit, mit Italien auf der Grundlage zu verhandeln, daß Italien äthiopisches Gebiet behält, das es widerrechtlich in Verletzung des Völkerbundsvertrages besetzt hat." Über seine weiteren militärischen Pläne befragt, erklärte der Negus: „Weitere Rückzugsbewegungen oder ein Widerstand seitens der äthiopischen Truppen würden rein militärische Gründe haben. Unsere heilige Pflicht ist es, unser Gebiet zu verteidigen. Mit dem ganzen Gewicht unserer Heeresmacht werden wir kämpfen. Der Eindruck, den die italienischen Zivilisationsmethoden überall in Äthiopien gemacht haben, ist der des Entsetzens und des Abscheus."
Der italienische Gesandte verweigert Abreise aus
Addis Abeba.
Addis Abeba, 12. Okt. (Funkmeldung.) Die für Sonnabend vormittag in Aussicht genommene Abreise der Mitglieder der italienischen Gesandtschaft ging unter dramatischen Umständen vor sich. Das Eesandtschastspersonal erschien mit einstündiger Verspätung am Bahnhof. Der Gesandte Graf Vinci befand sich nicht darunter, er hatte sich vielmehr in den Keller der Gesandtschaft eingeschlossen. Zur Zeit sind Vermittlungsversuche zur Beilegung des Zwi-
Einspruch Italiens gegen
die Waffenausfuhrsperre.
Genf, 12. Ott. (Funkmeldung.) Im Völkerbunds- fekretariat ist, wie verlautet, eine Note des italienischen Staatssekretärs Suvich eingegangen, in der gegen die am Freitag von der Sanktronskonferenz beschlossene Waffenausfuhrsperre gegen Italien nachdrücklich Einspruch erhoben wird.
RMH
Vom Kriegsschauplatz: Italienische Truppen
vor Adua. Essenausgabe in einem italienischen Heereslager vor Adua. Zm Hintergrund die Zelte für die italienischen Soldaten. (Scherl-Bilderdienst — M)