Möaer Anzeiger
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m^â Tageblatt für Rhön und Vogelsberg liH " Flièdriâ» Ehrenklau, Lauter- Zulöa- unö Haunetal > Zulöaer Kreisblatt ^tatwnsorucl. Gleiter ^liet)li(f) Ehren-
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0^21 ^hrgang
Fulda, Mittwoch, 23. Oktober 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Englische Parlamentsaussprache über den Abessimenkrieg.
Der britische Autzenminister erstattet Bericht. — Auch die Opposition kommt zu Worte.
Der Völkerbund sei eine Einrichtung des Friedens. Des müßten sich die Leute erinnern, die verlangten, das England den Suezkanal schließen und die italienischen Secverbindungen abschneiden sollte.
Da England dies nicht allein könne, würde es keinerlei kollektive Übereinstimmung hierfür geben. Es sei infolgedessen gefährlich und provokativ, hierüber auch nur zu reden. Der wirtschaftliche Druck, der jetzt beabsichtigt
Das englische Parlament hält seine letzte Sitzung vor Vrt Neuwahlen ab. Die auf mehrere Tage berechnete tzssprache beschäftigt sich mit dem Abessinienkrieg und du weltpolitischen Lage. Nach der grundlegenden Rede dB britischen Außenministers Sir Samuel Hoare wer- tm noch mehrere namhafte Politiker und voraussichtlich inich Ministerpräsident Baldwin das Wort nehmen. M die Stellung der Regierung werden im Hinblick auf die bevorstehenden Parlamentswahlen auch die Redner der Opposition beachtenswert. Die Regierung hat ihre Eegner im Lager der Arbeiterpartei, deren Wortführer Major Attlee ist, und bei den Liberalen, deren Führer Ar Herbert Samuel ist. So ist die Parlaments- Wng neben ihrer außenpolitischen Bedeutung gleich zkitiA Stimmungsbarometer für die innerpolitische Lage Englands.
Zur Vorbereitung der Parlamentssitzung fanden zahlreiche Besprechungen statt, zu denen sich auch die Ver- ireier der Admiralität sowie die Stabschefs der drei Waffen einfanden. Wie es heißt, sind außer der abessinischen Frage auch die Voraussetzungen für die nächste Floiien k o n f e r e n z, die nach einer Meldung der „Daily Mail" im nächsten Monat in London stattfinden soll, sowie auch die Verhältnisse im britischen Bergbau und die Gefahr der Streikbeweanna besprochen worden.
Sir Samuel Hoare spricht.
Die Unterhaussitzung begann gegen 3 Uhr. Die Ab- Mdnetensitze und die Galerien waren voll besetzt. Zu- ii^ft teilte Ministerpräsident Baldwin mit, daß der S^Hcintin am Mittwoch bekanntgegeben Werden würde. Nachdem dann ein Arbeiterparteiler und ein Linksliberaler lurz zu den Wahlen gesprochen hatten, begann Außen- minister Hoare seine Unterhausrede mit einem warmen Nachruf für Arthur Henderson. Dann wies er mit Nachdruck darauf hin, daß sich die Ereignisse seit seiner letzten Rede zur internationalen Lage überstürzt hätten. Er erinnerte an den Kern seiner damaligen Unterhausrede und die danach eingetretenen Geschehnisse. Die englische Politik sei diese ganze Zeit hindurch unverändert geblieben. (Großer Beifall.)
Hinter dieser Politik der Regierung stände das gesamte Parlament und die große Mehrheit der Nation.
Ein stärkendes Moment sei auch die Solidarität des britischen Weltreichs, insbesondere die Einmütigkeit der großen Dominien, deren Repräsentanten ihre eigene Mei- Mg zum Ausdruck gebracht hätten, ohne jeglichen Druck bitens des Mutterlandes. Sie seien zu denselben Schlüssen geiommen wie die Londoner Regierung.
Wenn sich England geweigert habe, für bbpothetische Umstände neue Verpflichtungen einzugehen, W stände seine Haltung in einem klaren und konkreten Fall aber fest.
^lo englische Regierung sähe in dem Völkerbund nicht nur ein Instrument zur Verhinderung eines Krieges, iondcrn auch ein Instrument zur Unterdrückung von
Kriegsunruhen.
M -^n wolle im Ausland augenscheinlich nicht ver- daß die meisten Engländer in dem Völkerbund i- et) die B r ü ck e z w i s ch e n England und "lopa sähen. Werde diese Brücke ernstlich geschwächt gar zerstört, so werde die Zusammenarbeit zwischen ß- ""d dem Kontinent schwierig und gefährlich.
s Schwächest, Verzögerungen und Irrtümer, die m Dem Völkerbund vorwersen könnte, aber man dürfe
Bleser noch jungen Organisation keine Wunder handele"' c§ üch um eine sehr schwierige Frage
Das System der kollektiven Sicherheit berge augen-
$ scheinlich große Schwierigkeiten in sich, Ziel' kollektive Aktion fordere auch ein gemeinsames 5h s ♦ Eine gemeinsame Entscheidung von mehr als ^" einer Auseinandersetzung zwischen dem sei -unb einem seiner mächtigsten Mitgliedsstaaten bunsnc .Buchung gekommen, die Aufgabe des Völker- sebr unmöglich aufzugeben. Diese Versuchung sei neiatpl E gewesen für gewisse Staaten, die sogar dazu ' ~ zu erliegen
^ England habe diese Versuchung bestanden. Bows, ^""eUen habe der Völkerbund England noch mehr setzim^ungen auserlegt. Diese hätten zu Auseinauder- zwischen Mächten, die stets miteinander schaftli^Uuch gestanden hätten, und hätten auch wirt- too En.. Obrigkeiten nach sich gezogen in einer Zeit, Ntën l'ch anschickte, sich von einem großen Wirt- ^. Hergang zu erholen.
ne der Freunde Englands bezweifelten und cnt- ®enn stellten Englands Ziele.
habe i#” England der Vorwurf erhoben werde, es toibert S ^ Führung an sich gerissen, dann müsse er- reichez \ . ' daß die Vertreter des britischen Welt- ^itran.i, "^ großen internationalen Aussprache eine g^ Rolle spielen könnten. England habe
Italien keinen Zweifel gelassen, wie es sich gegenüber kollektiv angewandten Wirtschaftssanktionen verhalten würde, die allein die Absicht verfolgten, die Kriegsdauer abzukürzen. Frankreichs Antwort aus Englands Anfrage bezüglich des Verhaltens der Franzosen bei einem Angriff auf die englische Mittelmeerflotte sei völlig zufriedenstellend gewesen.
Die Solidarität zwischen England und Frankreich sei endgültig hcrgcstcllt. Ein Angriff würde gemeinsam abgeschlagen werden.
Für militärische Sanktionen müßte erst ein Kollektiv- abkommen vorhanden sein, das nicht da sei. England habe niemals die Absicht gehabt, allein zu handeln. In Genf sei nicht über die militärischen Sanktionen gesprochen worden. Selbst ähnliche Maßnahmen seien noch nicht einmal ein Bestandteil der englischen Politik.
Es sei noch keine einzige Woche vorübergegangcn, in der sich England nicht bereit gezeigt habe, eine für den Völkerbund, Italien und Abessinien ehrenvolle Beilegung des Streites mit in die Wege zu leiten.
Noch sei für diese Zeit vorhanden, ehe der wirtschaftliche Druck auf Italien ausgeübt werde. Wenn noch in elfter Stunde eine Einigung zustande käme, würde es England am meisten begrüßen, das in Italien einen alten Freund sähe.
Zarte Verhandlungsfäden.
Versuchte Annäherung Rom-Paris-London. — Die Meinungen gehen noch weit auseinander
Zwischen Rom, Paris und London spinnen sich leichte Verhandlungsfäden an. Ohne schon ernsthafte Friedensgespräche zu führen, fühlt man doch vorsichtig vor und" prüft das Gelände. Vielleicht fuhren diese Gespräche zu ernsthaften Verhandlungen. Von einer gemeinsamen Verhandlungsgrundlage scheint man allerdings noch weit entfernt zu sein.
In Rom hat der britische Botschafter Drum- m o n d sich mit dem italienischen Unterstaatssekretar im Außenministerium S u v i ch über den italieuisch- abessiuischen Streit ausgesprochen. An zuständiger Stelle in Rom wird dazu erklärt, daß es verfehlt erscheine, von regelrechten Verhandlungen zu sprechen, denen ein von italienischer oder anderer Seite vorgebrachter Plan zugrunde liege. Die Fühlungnahme bezwecke
lediglich eine allgemeine Klärung der Lage, ohne daß hierbei nach einem bestimmten Schema verfahren würde. Alle Türen stünden offen. Irgendwelche Ergebnisse seien noch nicht erzielt worden. So^ wird besonders in italienischen Kreisen hervor- gehoben, daß noch nicht entschieden sei, wie viele Schiffe England ans dem Mittelmeer zurückziehe und wieweil dementsprechend Italien zu einer Verringerung seiner Truppen in Libyen schreite. .
gutunterrichteten Londoner Kreisen warnt man vor einem
unbegründeten Optimismus.
An der gesamten Lage habe sich wenig oder nichts geändert Es sei mit der Möglichkeit zu rechnen, daß Teile der jetzt im östlichen Mittelmeer konzentrierten britischen Flotte nach Gibraltar oder Aden gehen, wenn Italien einen Teil seiner libyschen Truppen zurücktransportrere. Enalands scheinbares Nachgeben gegen. Frankreich und Italien wird in Londoner Kreisen jedoch mit den in nerpolitischen Verhältnissen in Verbindung gebracht. Es sei anzunehmen, daß die Regierung nach den Wablen wieder eine wesentlich „steifere Haltung einnehmen werde.
Nach den von dem französischen Ministerpräsidenten Laval bearbeiteten Vorschlägen ist
~ die Voraussetzung jeder Friedensaktion die Mitwirkung des Völkerbundes und die Einstellung der Feindseligkeiten in Abessinien, weiter die Zustimmung Abessiniens zu Verhaudlungen und ihren Ergebnissen.
Nur unter dieser Voraussetzung wäre England zu Ver- Haudlungen bereit. Für die Verhaudlungen selbst ist zwischen Paris und Rom folgende Grundlage erörtert worden: Abtretung der Provinz Tigre an Italien, Abtretung von weiteren Randgebieten Abessiniens im Süden und Norden an Italien, dafür aber Schaffung eines unter internationaler Kontrolle stehenden abessinischen Korridors an der Grenze zwischen Französisch- Dschibuti und Englisch-Somaliland nach dem Hasen S e i l a, der abessinischer Hafen werden soll. Das würde die Trennung der beiden italienischen Kolonialgebiete Eritrea und Jtalienisch-Somaliland durch einen international kontrollierten abessinischen Landstreifen, bedeuten, während Mussolini gerade mit der lanfenden Offensive die Vereinigung der beiden Kolonialgebietc durch neues italienisches Gebiet erstrebt.
Reichsstatthalter Löper gestorben.
Dessau, 23. Okt. (Funkmeldung.) Heute morgen
5% Uhr ist der Reichsstatthalter in Braunschweig und Anhalt und Gauleiter von Magdeburg-Anhalt Hauptmann a. D. Wilhelm Friedrich Löper nach längerer Krankheit sanft entschlafen.
sei, solle nicht so ausgedehnt werden, daß es zu einem Kriege komme.
Der Außenminister wies endlich -um Schluß darauf hin, daß die Atempause, in der man sich jetzt befinde, bevor der wirtschaftliche Druck angewandt werde, benutzt werden müsse, um eine Regelung zu erreichen. Weil man die Augen auf die Zukunft richte, bete England, daß sich die Grundsätze des kollektiven Vorgehens durchsetzen möchten, und daß schnell ein Weg gefunden werden möchte, um diesen Streit zu beendigen.
Wenig Hoffnung in Paris.
Französischer Kabinettsrat über die Verhandlungen mit London und Rom.
Im französischen K a b i n e t t s r a t, der am Dienstagvormittag am Quai d'Orsay zusammentrat, berichtete Ministerpräsident und Außenminister Laval über den Stand der gegenwärtigen Verhandlungen um den italienisch abessinischen Streit. Er wies auch darauf hin, daß der Innenminister und der Justizminister ein Gesetz über öffentliche Kundgebungen vorbereiten, sowie ein Waffe ugesetz, das den Handel, die Einfuhr und das Tragen von Waffen regeln soll. Die Tatsache, daß die erwähnten Gesetze jetzt Gegenstand der Ministerberalungen sind, hängt augenscheinlich mit der bevorstehenden Landestagung der Radikalsozialistischen Partei zusammen.
Über den außenpolitischen Teil des Kabinettsrates ist nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. In gut unterrichteten Kreisen macht sich aber, wie aus Paris gemeldet wird, eine gewisse Skepsis hinsichtlich der Vermitt- lungsversuche zwischen Rom und London geltend. Während Mussolini außerhalb des Völkerbundes verhandeln wolle, sei die e n g l i s ch e Regierung nur zu Verhandlungen im Rahmen von Genf bereit. Abgesehen davon sei die Spanne zwischen den beiderseitigen Wünschen noch bedenklich groß.
Italienischer Frachtdampfer muß englischen Hafen verlassen.
Zunächst scheint England die Maßnahmen gegen Italien trotz der Friedensfühler mit aller Schürfe durchführen zu wollen.' Kurz nachdem die britische Regierung angekündigt hatte, daß sie die Haage r Neutra 11 = t ä t s b e st i m m u n g e n von 1 907, nach denen sich mit Kriegsmaterial beladene Schiffe nicht länger als 24 Stunden in fremden Häfen aufhalten dürfen, anwenden würde, bat der erste italienische Dampfer die Maßnahme zu spüren bekommen: ein italienischer Fracht- dampfer ist anfgefordert worden, den Hafen von Mombasa, des größten britischen Hafenplatzes in der Kolonie Kenia, zu verlassen.
MemetWah! als guitlft erklärt
Memel, 23. Oktober.
Die Wahlkreiskommisfion hat am Dienstag in einer abschließenden Beratung über die eingegangenen Be,chtver- den gegen die Memeltvahlen beschlossen, sämtliche, Einsprüche z u r ü ck z u w e i s e n und die Wah! für gültig zu erklären. „ . , ..
Die Zusammensetzung des Landtags bleibt demnach die gleiche. 24 Abgeordnete entfallen aus die Einheitsliste und zusammen fünf auf die litauischen Listen. Das abgeänderte Wahlgesetz sieht vor, daß gegen diesen Beschluß der Wahlkreiskommission der Gouverneur des Memelgebtet^, der Vorsitzende des Direktoriums und jeder Wahlberechtigte binnen fünf Tagen Einspruch beim Obersten litauischen Gerichtshof erheben können, worauf dieser seine Entscheidung binnen zehn Tagen zu treten hat.