Fuldaer Anzeiger
SLLK.SL 4 Tageblatt für Rhön uni Vogelsberg
-ich Maluck: l ^âèdrâ Ehrenklau, Lauter- Zul-a- und Haunetal * Zul-aer Kreisblatt ^^'"^uptschriftleiter Friedrich Ehren- V
nlu’ Äfjj^ 3®14$ e^Sfi'm â^ Schristleitung und Geschäftsstelle: Konigstraße 42 ❖ Fernsprecher Nr. 2gS4
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„. 249 - 12. J-hrg-ng
Fulda, Donnerstag, 24. Oktober 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Die zweite Etappe des italienischen Vormarsches.
Das Ziel der Nordarmee ist Makalle. 3m Süden Vormarsch auf Harrar.
An den abessinischen Fronten spitzen sich die Dinge M neuem zu. Die Italiener beginnen die zweite Etappe i hresVormarsches, nachdem sie eine kurze Ruhepause dazu benutzt haben, um Zufahrtsstraßen bis -in Front anzulegen, auf denen sie Munition, Lebens- niittel und Wasser nachschieben können. I tu Norden hân die Italiener Tanks, Panzerwagen und Flugzeuge lilsuilnnengezogen. Unter dem Kommando des General- stckssies Badoglio, der den greisen General de Bono libgelöst hat, werden sie in diesen Tagen die Offensive von Mlcm ausnehmen, deren Ziel die Stadt Makalle in der Provinz Tigre ist. Mit Erreichung dieses Zieles würden die Italiener einen starken abessinischen Stützpunkt in ihre Hand bekommen, denn von Makalle bis Addis Abeba führt eint gute Straße.
Die A b e s s i n i e r haben in Erkenntnis der Wichtig- leitdes neuen italienischen Vorstoßes großeTruppcn- i,lassen im Norden vereinigt, um die jetzige Stellung unter allen Umständen zu halten. Schätzungs- weise stehen den Italienern 35 0 00 0 M a u n a b e s s, - nischcr Truppen unter dem Kommando des Ras Seyen m gegenüber. Wie es heißt, hat der Kaiser Widerstand bis zum letzten Mann befohlen. Die Abessinier erwarten den Hauptstoß an der östlichen Sinise. Zur Verstärkung der abessinischen Nordarmee ist lir Kriegsminister Ras Muluge t a mit 100 000 taget» aus schnellstem Wege im Anmarsch.
An derSüdfroni bereitet General Graziani, der sich M seine Siege an dem Schebelifluß den Vormarsch wch das Flußtal frei gemacht hat, einen Vorstoß auf voirahai vor. Der Besitz dieser Stadt würde ihm den Weg nach Harrar frei machen. Und das würde die Bedrohung des abessinischen Lebensnervs bedeuten. — An der Ostfront sind die Italiener sehr besorgt um das Schicksal der am Berge Mussa Ali a b g e s ch n i t t e - "/ n italienischen Abteilung, von der bereits 250 Mann infolge Durst und Fieber umgekommen sein sollen.
*
Eine Schlacht an der SsmaWont?
London, 24. Oktober.
Aus Addis Abeba wird gemeldet, daß auf Grund der in der abessinischen Hauptstadt eingegangenen Berichte mit größeren italienisch-abessinischen Gefechten in nacher ^ukunst zu^ rechnen sei. Unbestätigten Gerüchten zufolge N im Süden Abessiniens bereits eine schwere Mittet im Gange sein. Der abessinische Befehlshaber -los Dèsta stehe mit etwa 300 000 Mann einem ita- Oent^en Kontingent von 140 000 Mann gegenüber, und Mar aus einer Front, die sich vom Webbi Schebeli nordwärts erstrecke. Der rechte Flügel der abessinischen Teup- w seinen Stützpunkt am Schebeli habe, sei in ein ae-echt mit den Italienern eingetreten. Der linke Flügel er unter dem Oberbefehl von General Graziani stehenden 11(1 ruschen Truppen bewege sich nordwärts.
Abschiedsfeier für Wilhelm Loeper.
^ Dessau, 24. Oktober.
abend versammelten sich im ehemaligen tninim-• ■ ^*aaI im Hause des anhaltischen Staats- ^ engsten Mitarbeiter vom Gauitab, die Vertreter aller Par:eigliederungen und Orga- hlrick. dem ganzen Gau, der Oberpräsident von der an^n^Sierungspräsident von Iagow und Vertrete: zu einer unö braunschweigischen Staatsregierung AeizIH^/^ebsfeier für den verstorbenen Gauleiter und
Hauptmann Loeper.
^Mitera " ^sitenben Worten des anhaltischen Staats- Staatsrn ^E^berg richtete der stellvertretende Gauleiter teil in 8 geling eine Ansprache an die Versammel- Dcrstv'l,?' cr u' a. ausführte: Wenn wir das Leben des ton betrachten, so war es ein einziger Weg Wieste ?-. it, Leiden und Kämpfen. Wie tief dieser fühlte j„^ ieye Wann empfand und wie glücklich er sich neu, wi-n ..Bewußtsein, unserem Führer dienen zu kön- ^ittâmo-, Cb er sein Volk hatte und wie er an seinen ten Dortes "'^ Mitarbeitern hing, geht aus seinen letz- h dieser §: hervor, die er au mich gerichtet hat und die ich , ^^"be Ihnen verlesen möchte:
neu o'k^ Frucht unseres Kampfes unser Vaterland «ns ci)th J 1U Glanz und Herrlichkeit und dauern bis zu 6ea»v, r Zeiten. Ich bitte Sie, sich zum Führe, alles La "nd ihm zu sagen, daß ich ihm danke für ihn L er mir gegeben hat — der Himmel möge und sein Werk. Sagen Sie ihm, daß ich
Anschij- ^m treu war immerdar."
^ haus^!? - ^?ab sich die Trauergemeinde zu 'Fuß ^ 5 Beichsstatthalters und nahm an der Bahre ^ten Gauleiters stillen Abschied "
NattenllÄer MüZug aus Libyen
London, 24. Oktober.
Wie hier verlautet, hat der italienische Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, S uv ich, am Dienstag dem britischen Botschafter in Rom mitgeteilt, daß die italienische Regierung Anweisung gegeben habe, eine Division italienischer Truppen aus Libyen zurückzuziehen. Sir Eric Drummond habe diese Entscheidung als Beitrag zur Besserung der Beziehungen zwischen England und Italien begrüßt.
Reuter meldet, daß der italienische Befehl für die Zurückziehung einer Division aus Lybien nicht mit der Forderung nach einer entsprechenden Geste durch Großbritannien verbunden sei. Der italienische Entschluß ergebe sich aus der Verbesserung der Beziehungen zwischen England und Italien, die durch die letzte Rede Sir Samuel Hoares und die Versicherungen des englischen Botschafters Sir Eric Drummond gefördert worden sei.
Ein Sehn Aas Gugsas zum Gonv-ruem ernennt.
Nach Meldungen aus Addis Abeba haben italienische Flugzeuge an der Nordfront Flugblätter abgeworfen, Vie folgenden Inhalt haben: „An Vas Volk von Tigre. Auf Befehl König Emanuel III und Mussolinis hat General de Bono Seine Hoheit Haile Selasjic, den To I n N« s
3 u ni Gouverne u r der Gebiete Allawa und Takassc ernannt. Volk von Tigre! Seid glücklich, daß das Haus des Kaisers Johannes mit Hi'fe der italienischen Negierung wieder aufersteheu wird! Gehorcht ihm wie uns!"
Appell Mussolinis an die Frauen.
Der Duce hat sich an die Frauen Italiens gewendet, um sie als die „Wächter der nationalen Verteidigung" zum Widerstand gegen die Sanktionen aufzu fordern. In einem Aufruf der im „Giornale d'Jtalia" veröffentlicht ist, werden die Frauen darauf hingewiesen, um was es bei veu Sanktionen gegen Italien gehe. Sie werden daraus aufmerksam gemacht, daß man verhindern wolle, daß Italien seine Erzeugnisse im Auslande verkaufe und Erzeugnisse unv Nob- stosfe für die Kriegführung aus dem Auslande einfuhre. Die Frauen müßten Italien in der Abwehr der Sanktionen unterstützen, sie müßten einfacher in ihr e n Ansprüchen w e rdenundsparen. Alle Artikel aus Ländern, die sich an den Sanktionen beteiligen, sollten sie ,licht kaufen und die vielen Millionen, die bisbei für ihren Schmuck und ihre Schönheit ins Ausland gegangen seien, müßten sie jetzt sparen, damit der Staat von diesen Mü- lionen das nötige Brot, Kohle, Petroleum, Eisen usw. kaufen könnte.
Rerchsstatthakter Loeper f.
(Scherl Bilderdienst — M.)
Des Führers Beileid.
Der Führer und Reichskanzler sprach Frau Loeper mit folgendem Telegramm sein Beileid zum Tode ihres Gatten aus:
„Zum Hinscheiden Ihres Gatten spreche ich Ihnen mein herzlichstes Beileid aus. Er war einer meiner ältesten und treuesten Mitkämpfer, dessen Bcrdicnste um die Wiedcraufrichtung des Reiches unvergänglich sind. In Dankbarkeit und Verbundenheit gedenke ich seines Wirkens als Gauleiter und Reichsstatthalter. Möge Ihnen der Gedanke an das große Werk Ihres Gatten Trost in Ihrem schweren Schmerz geben."
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Der Stellvertreter des Führers, Rudolf H e ß , betrauert in Loeper einen der besten Kameraden und beklagt in seinem Beileidstelegramm den Verlust eines bedeutenden Mitgestalters des geschichtlichen Schicksals Deutschlands. — Reichsinnenminisier Dr. Frick hat in seinem Telegramm an Frau Loeper des alten Soldaten und mutigen Vorkämpfers bet Bewegung gedacht. - Reichs- miurster Dr. Goebbels betont in seinem ’ Beileidstelegramm, daß hie Bewegung in Loeper einen der alten Gardisten aus der ersten Reihe, die, tu Kampf und Entbehrung groß geworden, das Reich gründeten, verloren habe.
Zinsbelastung und Verschuldung der deuMen Laudwirlschast.
Von Karlheinz Backhaus, Sachbearbeiter im Reichsnährstand.
Soeben legt die Deutsche Remenbank-Kredii- anstatt jLandwirtschaftliche Zeniralbankl ein Heft vor, das den Titel trägt „Die Kreditlage der deutschen Landwirtschaft". Tarin wird das Ergebnis der mit dem Reichsnährstand gemeinsam angestellten Untersuchungen über die Kreditlage der Landwirtschaft im Wirtschaftsjahr 1933/34 nieöergelegt Aus Anlaß dieser Veröffentlichung sind die folgenden Ausführungen aus berufener Feder von größter Bedeutung. tDie Redaktion.)
Die Maßnahmen der nationalsozialistischen Agrarpolitik haben u. a. auch eine grundlegende Bereinigung der Schuld- und Zinsverpflichtungen zum Ziele gehabt. Bestimmend für diese Wandlung waren einmal eine tiefgreifende Wandlung der landwirtschaftlichen Ertragslage, eine nicht unbeträchtliche Senkung ver öffentlich e n L a st e u und gleichzeitig die direkten Maßnahmen zur Entspannung der Kreditlage der Landwirtschaft.
Die G e s a in t v e r s ch u l d u n g der Landwirtfchaft ist im Fabre 1933/34 zurückgegangen unv ebenso bat auch die Zinsbelastung Ver Laiivwirtschafl einen weiteren Rückgang erfahren. Gemessen am Stande vom I Juli 1933 haben die Schulden bis zum 30. Juni 1934 um fast 2 v. H. abgenommen. Die aus den Schuldbeträgen erwachsende Z i n s l a st ist dagegen im Wirtschaftsjahr 1933/34 im Vergleich zum Vorjahr ummehrals 1 0 v. H. z u rüet - gegangen. Vergleicht man die Höhe der Zinsbelastung der deutschen Landwirtschaft im Wirtschaftsjahr 1931/32, das den Höchststand der Zinsbelastung für die deutsche Landwirtschaft brachte, so ist festzustellen, daß im Vergleich zum Berichtsjahr eine Senkung um etwa 25 v. H. herbeigeführt worden ist. Nach den Schätzungen, die vom Reichsnährstand gemeinsam mit der Deutschen Rentenvank- Kreditanstalt durch eingehende Untersuchungen festgestellt worden sind, macht die Zinslast einen Betrag von etwa 730 Millionen Mark aus. Es muß aber berücksichtigt werden, daß erstens in dieser Summe die Tilgungsbeträge enthalten sind und daß zweitens noch weitere Eriuätzi- gungen der Zinslast zu erwarten sind, da die Umschuldung noch nicht abgeschlossen ist.
Die folgende Übersicht gibt einen zusammenfassenden Überblick über die Ertrags- und Verschuldungsverhältnisse der deutschen Landwirtschaft und über das Verhältnis von Zinslast zu Verkaufserlös. Im ungünstigsten Wirtschaftsjahr 1931/32 beanspruchte die Zinslast 13,6 v. H. des Verkaufserlöses. Dieser Anteil ist im Berichtsjahr auf nicht ganz 10 v. H., insgesamt also um 27 v. H. zurückgegangen. Wirtschaftsjahr Zinslast Verkaufserlös Zinslast in v. H.
Milliarden Mark d. Verkaufserlöses
1925/26
0,61
8,1
7,5
1926/27
0,63
8,3
7,6
1927/28
0,79
9,3
8,5
1928/29
0,92
10,2
9,0
1929/30
0,95
9,8
9,7
1930/31
0,95
8,6
11,0
1931/32
1,01
7,4
13,6
1932/33
0,85
6,4
13,3
1933/34
0,73
7,5
9,7
Interessante Einblicke gibt die gebietsmäßige Aufgliederung der l a n d w i r t s ch a s 11 i d) e n Verschuldung und die Darstellung bet Verschuldung in den verschiedenen Größenklassen. Bei dieser Untersuchung zeigt sich, daß in Ostdeutschland und in Westdeutschland bis zu veu Betrieben von 125 bis 200 Hektar eine ansteigende Tendenz der Gesamtvcrschuldung je Flächeninhalt festzustellen ist und daß die höchste Gesamtverschuldung sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland die über der Erbhofgröße liegenden Betriebe von 125 bk* 200 Hektar aufweisen. Über die Gebiets- und flächen- mäßige Verteilung der Verschuldung am 1. Juli 1934 in Mark je Hektar landwirtschaftlicher Verschuldung gibt die folgend c Aufstellung eine Übersicht.