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Möaer Anzeiger

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259 - 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 5. November 1935

Einzelverlaufspreis 10 Pfg.

W

Kriechenland wieder Monarchie.

95 v. H. der Stimmen für den König. Keine Parteien mehr. Festlicher Einzug Georgs II. in seine Hauptstadt.

Nach dem er-

König Georg II.

Wagenborg Bildarchiv M.)

warteten Ausgang der griechischen V o l k s a b st i m - m u n g, bei der sich über 95 v. H. aller abgegebenen Stim­men für die Rückkehr des Königs entschie­den, ist G r i e ch e n - land bereits wieder Lur Monarchie erklärt worden.

Ministerpräsident Kondylis, als Platzhalter des noch in England befind­lichen Königs Ge­org II., hat den König telegraphisch von dem überwälti­genden Ergebnis der Abstimmung unter­richtet. Wie es heißt, soll König Georg am

15. oder 17. November wieder in seine Heimat zurück- lehrcii, um die Regentschaft zu übernehmen. Das griechische

(Mineo hat bereits am Montag vor dem Regenten Kon- dM dem König die Treue geschworen.

?ic Volksabstimmung ist in völliger Ruhe verlaufen. Männer über 21 Jahre, die ihre Militärpflicht geleistet t*n oder leisten, sowie die Militärfreien, mußten an der Abstimmung teilnehuwu. Lediglich tue grauen warM ausgeschlossen. Wer von den Wahlpflichtigen nicht wählte.

Der Bermittlungsauftrag

an England und Frankreich

Bevorstehende Verschärfung der Sanktionen gegen Italien?

Mehrere Unterausschüsse bereiten in Genf dre Mchstc Sitzung des Großen Ausschusses der ranktionsko nferenz vor, der am Mittwoch zu mmentritt. Nach einer Mitteilung des Generalsekreta- des Völkerbundes haben das Waffen ausfuhr- kibot 51 Staaten angenommen, die Kreditsperre W) 51 Staaten, die wirtschaftlichen S a n k - bis jetzt 49 Staaten und den Vorschlag der ^8ensei t ig e n U n t e r st ü t? u n g 41 Staaten. Es Wen von Den 56 Mitgliedsstaaten des Völkerbundes Mr Österreich, Ungarn und Albanien nur die Domiui-

Republik, deren Präsident nicht in der Haupt- W anwesend ist. Die Regierung hat mitgeteilt, daß sie

Entschließungen nicht fassen könne. England, und Mexiko haben sich nachträglich der Ent- Wng für die gegenseitige Unterstützung noch an-

?er G r o ß e A n s s ch u ß der Sanktionskonferenz ain Mittwoch um folgende Fragen beraten:

' Do"! it ll g der Schuld eiMrage, und zwar der Ritten, die Italien bei den Staaten bat, die ab 18. No »emoer eine Einsuhr aus Italien nicht mehr durchführen , Wyen;

der Perscharstuna der w i r t s ch a s 1 l i ch e n Sanktionen durch ein neues Verbot der Einfuhr von ! â ~1 Eisen und Stahl nach Italien;

' M Mayen des D u r ch g a n g v e r k e h r s, die be,onders ; das M Schweiz sehr wichtig sind;

f) Problem der laufenden Vertrage;

le iB.ctjtiflc Frage, inwieweit die Sauktionsstaaten den ndvon G ü l e r n , die der Sperre nach JtaUen ' erliegch, au§ Ländern oder in Länder zu verhmdern die nicht an den Sanktionen teilnehmen.

rn wird wahrscheinlich auch in den nächsten Wochen da tu ' Lesprechttngen dieser Art fortgesetzt abhalten, der § laufend Schwierigkeiten bei der Durchführung Auktionen ergeben werden. , ,

. l^n politischen Erörterungen in Genf kam zum Ausdruck, daß

»eine friedliche Beilegung des Konflikts zwischen uih dem Völkerbund oder zwischen Jlaücn ^besfinèey vor dem 18. November nicht sei möglich fonie^ ö« aber in der letzten Sitzung der Sanktrons- Don -^ âur großen überraschi'ng für eine ganze Reihe beliebten^ ^^ in einer in Gen, in solchen Fällen immer ro3, absichtlich unklarer Form England und daß hip Vl$ gegenüber den Wunsch ausgesprochen, 5a« n^kD^^tidlungen mit Italien fortgesetzt werden, ^diw« lturch den unerwarteten Vorschlag bey

wurde bestraft. Aber auch ohne diese Zwangsmaßnahmen wäre die Beteiligung außerordentlich hoch gewesen.

Nach dem am Montag bekanntgegebenen vorläufigen -Zahlergebnis stimmten von 1 527 714 Wahlbeteiligten

1 491992 für die Monarchie und 32 454 für die

Republik. Die Neststimmen waren ungültig.

Selbst in der früheren Hochburg der Republikaner, auf der Insel Kreta, hat die Volksabstimmung eine über­wältigende Mehrheit für die Rückkehr des Königs ergeben.

Ministerpräsident Kondylis hat einen A u f r u f an das griechische Volk gerichtet, in dem er darauf hinweist, daß König Georg II. von nun ab der Herrscher aller Griechen sei. Er kenne weder Parteien noch politische Ansichten, er kenne nur Griechen, denen er uneingeschränkte Gerechtigkeit und Gleichheit gewährleisten wolle. D i c politischen Parteien hörten auf zu be = stehen. es gebe nur noch eine einzige Königspartei.

Überall im Lande wurde der Ausgang der Volks­abstimmung begeistert gefeiert. Athens Straßen waren am Wahlabend festlich beleuchtet.

No5 in dieser Woche soll eine Sonderabordnung im Auftrage der griechischen Regierung nach London reisen, um mit dem König das Programm für die mit der Rückkehr des Königs verbundenen Feierlichkeiten zu ent- wersen. Bereits am Mittwoch werden die Streitkräfte des Landes auf Georg ll. vereidigt. Der König soll von einer Abordnung, bestehend aus dem Kriegsminister, dem Ver­kehrsminister und dem Präsidenten der Nationalversamm­lung, aus London abgeholt werden. Er wird mit der Bahn bis Brindisi fahren und dort ein griechisches Kriegsschiff besteigen, das ihn nach Athen bringen soll. Wad) einem feierlichen Empfang im Piräus wird ein festlicher Einzug des Königs in seine Hauptstadt veranstaltet werden.

einer Reihe dem Vatikan nahestehender Vertreter unter- stützt wurde. Man wird sich besonders in Paris um den sofortigen Wiederbeginn der vorläufig gescheiterten Ber- handlüngen mit Italien bemühen.

1315 Kandidaten bei den englischen Parlamentswahlen.

Am Montag erfolgte die amtliche Bekanntgabe der für die 615 Sitze des englischen Parlaments aufgestellten 13 15 Kandidaten, die endgültig zur Wahl gestellt werden. In 4 2 W a H l b e z i r k e n ist es nur zu emer e i n z i g e n Kandidatur gekommen; die betreffenden Kandidaten können somit als gewählt gelten. , Unter ihnen befinden sich der Ministerpräsident B a l d w i n und der Handelsminister R u n c i m a n.

den zehn Tagen bis zur Wahl werden die .Alt- alieder des Kabinetts noch in 30 Wahlversammlungen sprechen wobei noch weitere Ankündigungen über die künftige Regierungspolitik erfolgen sollen. Die englische Kresse beschäftigt sich im übrigen vor allem mit dem von Schatzkanzler Chamberlain in einer Rundfunkrede angeinndigten Fünfjahresplan zum A u s b a u d e . britischen S1 r a ß e u w e s e n s nach deut­schem Vorbild.

Österreich in her Zange.

Es soll entweder Zinsen zahlen oder die Sanktionen mitmachen.

Zwei hohe Beamte des österreichischen K i na n z m i n i st eriu m s werden, wie in London ver- laulci demnächst in London ankommen, um Verhand- lungen über die von einer britischen Bankengruppe der Österreichischen Kredilanstalt vor einigen Jahren ge­währte Anleihe zu führen. Von den restlichen 200 Mi>- (ionen Schilling sind am l. Januar acht Millionen zur Rückzahlung fällig Obwohl diese Summe verhältnis­mäßig niedrig ist, wird die Zahlung bei dem gegen- wärtigen Stand der österreichischen Finanzen schwer durchführbar sein

Das Volk Hal sich zum Führer bekannt. Bekenn' dich zum Volk und spende!

Ans alle umschließt ein brüderlich Band: Dann geht auch die Not bald zu Ende.

Max Barthel.

Griechenlands Könige.

Griechenland ist wieder ein Königreich geworden. Nach der Volksabstimmung am Sonntag, in der sich das grie­chische Volk mit erdrückender Mehrheit für die Wieder­errichtung der Monarchie aussprach, hat der derzeitige Regent, Ministerpräsident General Kondylis, bekannt­gegeben, daß König ® c o r g 11. am 17. November wieder nach Athen zurückkehren werde. Formell hat er den Thron seiner Väter bereits wieder bestiegen, denn nach einem Parlamentsbeschluß ist Griechenland schon seit Montag­früh wieder Monarchie. Das Heer, das von jeher königs­treu war und sich vor allen Dingen für das Königstum eingesetzt hat, trägt bereits wieder die Krone an der Mütze. Überraschend schnell ist der Umschwung gekommen, die Gegner des Königs haben keine Gelegenheit mehr gehabt, sich zur Wehr zu setzen, und so ist es bezeichnend, daß selbst der größte Teil der Republikaner für die Mo narchie gestimmt hat, damit Griechenland endlich wieder zur Ruhe kommt.

Die Geschichte der griechischen Könige ist zwar erst gute hundert Jahre alt, aber ihr Schicksal war bisher so wechselvoll, wie wohl kaum bei einem anderen Königshause. Als die Griechen sich 1826 von dem Joch der Türken frei gemacht hatten, wurden sie nicht etwa selbständig. England, Frankreich und Ruß­land als Schützermächte machten einen sehr starken Ein­fluß geltend, der sich bis in die neueste Zeit bc nerkbar macht. Fünf Könige hat Griechenland in diesen hundert Jahren auf dem Thron gehabt, und Georg IL, der jetzt aus seinem Asyl in England wieder nach Athen zurückkehren wird, ist nicht etwa der erste griechische König, der in die Verbannung geschickt worden ist. König Otto aus dem Hause Wittelsbach wurde 1832 als erster König von Griechenland eingesetzt. Er brachte dem Lande die Nationalfarben blau-weiß, die es auch beute noch führt. Allerdings konnte der junge König nicht alle Griechen unter seinem Szepter vereinigen, denn die kleinasiatischen Kolonien waren unter türkischer Herrschaft geblieben, und auch Kreta, die große Insel im Süden des Ägäischen Meeres, blieb weiter selbständig. Zahllose kleine und größere Revolutionen begleiteten die 30 Jabre lang dauernde Regenscyasl Ottos, und schtießlich mußte er den Verschwörern weichen und außer Landes gehen.

Nun sahen sich die Schutzmächte nach einem neuen Herrscher für Griechenland um, und bereits ein Jahr später, 1863, bestieg ein dänischer Prinz aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksbnrg den _ Thron. Er konnte alsMorgengabe" die Ionischen Inseln mit in fein Königreich bringen, als er als Georg I. von der Nationalversammlung begrüßt wurde. Unter seiner Herrschaft kamen dann auch Teile von Thessalien und dem südlichen Epirus, sowie endlich auch die Insel Kreta zu Griechenland. Mit Kreta hatte er sich aber auch einen Revolutionsherd geschaffen, der für die kommenden Jahre immer wieder neue Unruhe ins Land brachte. Denn dort erstand ihm in dem Advokaten Venizelos ein er­bitterter Gegner, der mit allen Mitteln die Mo­narchie zu untergraben verstand. 50 Jahre lang war Georg I. König von Griechenland, 1913 wurde er von Verfâwörern in Saloniki ermordet.

Sein Sohn Konstantin folgte ihm auf den Thron. Konstantin war der Schwager Kaiser Wilhelms IL Er schien den Revolutionären besser gewachsen zu sein und konnte auch zeitweilig Venizelos ausschalten. Der Weltkrieg allerdings machte es ihm unmöglich, selbstän­dig zu bleiben. Die Ententemächte zwangen Griechenland unter Bruch des Völkerrechts, seine Neutralität aufzu­geben. Venizelos, der sich auf die Seite der Alliierten geschlagen hatte, stürzte im Juni 1917 den Köni g. Als sein Nachfolger wurde nicht Kronprinz Georg, der jetzige Georg II., eingesetzt, der als deutschfreundlich be­kannt war und auch seine militärische Ausbildung beim 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam genossen hatte, sondern dessen Bruder Alexander. Nach Kriegsende bekam Griechenland neuen Gebietszuwachs, da die Alliierten den größten Teil von Thrazien und den Golf und das Hinterland von Smyrna in Kleinasien zu Grie­chenland schlugen. Alexander I. mußte sich allerdings saft völlig die Herrschaft von Venizelos gefallen lassen, der der eigentliche Lenker der griechischen Politik war. Schon 1920 starb Alexander. Er war bei einem Spaziergang im Park von einem Affen angefallen und ge­bissen worden.

Nach dem Tode Alexanders machte sich Griechenland von dem Einfluß des Demagogen Venizelos frei und holte sich Konstantin aus der Verbannung zurück. Konstantin setzte den Kampf gegen die Türkei fort, war dabei aber vom Kriegsglück wenig begünstigt. Dadurch kam es zu einer Off izie r sv erschwö ru ng gegen ihn, und so mußte er bereits nach zweijähriger Negierung außer Landes fliehen. Wenige Monate später wurde er im Ausland ermordet. Sein Nachfolger war G e o r g II., der fast völlig von der britischen Politik ab­hängig war. Als der König versuchte, sich hiervon frei zu machen, sah Venizelos seine Zeit wieder gekommen. Wenige Monate nach der Thronbesteigung wurde Georg 11. wieder abgesetzt. Georg ging außer Landes und hielt sich seitdem fast ausschließlich in Westeuropa auf. Einen Thronverzicht hat er allerdings niemals aus­gesprochen und er hat auch immer wieder alles in Be­wegung gesetzt, um erneut an die Macht zu kommen und das Erbe seiner Väter zu verwalten.

Die Zeit arbeitete für ihn. Zwar hatte Venizelos eine Zeitlang nun die unumschränkte Macht, bald aber mußte er anderen Machthabern weichen. Griechenland konnte sich nicht entscheiden, ob es monarchistisch oder