M-aer Anzeiger
? Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Hauptschchleiter Friedrich Ehren- Z
tu«; .^JÄ 4^ fWfr^ Schristleitung und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Fernsprecher Nr. 2484
5^266 — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 13. November 1935
Anzeigenpreis 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. — „D.A." X. 35. 910. — Zur Zeit ist Pre-s- liste Nummer 3 gültig. — Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
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Stolte? '
ein „Akt der Feindschaft".
In der Protestnote, die die italienische Regte- luiiq an die Völkerbundsstaaten und zur Informierung an diejenigen Staaten, die nicht im Völkerbund vertreten Md, gerichtet hat, wirb gegen die in Genf b c - ich,offenen wirtschaftlichen Sanktionen dki Mächte Protest erhoben und mit ernsten Gcgenmaßnahmen gedroht. Es werden italienische Schritte wirtschaftlichen und finanziellen Charakters an- qetüttbigtr um zu verhindern, daß sich aus der gegen- mrtigen Lage neue Gefahrenmomente entwickeln. Italien halir sich bisher vom Genfer Völkerbünde nicht lösen wâ'.'., ungeachtet seiner Gegnerschaft gegen das Vorgehen, das zu Italiens Schaden unternommen sei. Denn sic liiitcrbindung der ganzen italienischen Ausfuhr sei nicht als eine wirtschaftliche Ttaßnahmc. Sie sei ein magrer Akt der Feindschaft, der die unver midlichcu GegenniaMahncen Italiens voll rechtfertige.
Die nach der letzten Völkerbündsversammlung eiu- : getretene Lage, so erklärt die Note, habe den itane- nischen Gründen und den Protesten Italiens bedeutungs- volle Bestätigung gebracht. Die Bevölkerung Abessiniens sei zahlreich gekommen, um sich unter den Schütz Italiens zu stellen. Die Note bestreitet dann die Zuständigkeit des SchllchtnngsaWschusses, der die Sanktionen beschlossen habe, und wendet sich dann mit aller Schärfe gegen das Wassenaussubrverbot nach Italien und die Anshebung des gleichen Verbots mannften Abessiniens.
Die italienische Regierung wendet sich in der Protest- nofe weiter
gegen die zahlreichen Maßnahmen von wirtschaftlichem und finanziellem Charakter,
ok gegen Italien ergriffen wurden. Solche Sanktionen Men zum erstenmal gegen Italien augewendet werden « Umständen, die die italienische 9kgienuig und das italienische Volk als ungerecht und willkürlich empfinde w gegen die die Regierung stärkste Verwahrung anlegen müsse. Die Sanktionen und Gegensanktionen, ja wird weiter betont, würden schließlich die schwersten malischen und psychologischen Folgen nach sich ziehen, ihdem sic eine Verwirrung der Geister beschwören, die diel länger dauern könne als die Folgen der Sanktionen selbst. Die Note schließt: Die italienische Regierung wird sich freuen, zu wissen, in welcher Weise jede Regierung in freier und souveräner Willensbildung die Absicht hat, sch gegenüber den Zwangsmaßnahmen zu verhalten, die Mn Italien vorgeschlagen wurden.
6MH der Clisteinzeit werben WemA
Errichtung von 60 Fortbildungsschulen in einem Landkreise.
, Die ländlichen F o r t b il d u n g s schu l e n im Pkise Mayen (Regierungsbezirk Koblenz), der von ^aats wegen als Reichsnotstandsgebiet erklärt wurde, 'Wn durch die Jahre der Systemherrschaft und Wrrt- Miskrise 1929 bis 1932 und durch die damit zusammen- Mgende schlechte Finanzlage der Gemeinden fast völlig Ä Erliegen gekommen, so daß schließlich nur noch ike. Schulen den Unterricht durchführen konnten.
der Kreis Mayen durchaus landwirtschaftlicher Struktur ist, waren die Folgen dieser, von finanziellen "Wendigkeiten diktierten Maßnahmen für die Land- Mcnd verheerend. Die Fortbildung der schulentlassenen Jugend mußte nicht nur im eigenen Interesse der Jugendlichen selbst, sondern auch aus staatspolitischen ll^en ermöglicht werden. ,
M Dn Kreisausschutz Mayen hat in der Erkenntnis,
umfassende Wiederbelebung der ländlichen Fort- v'ldungsschulen für die Weiterbildung der Land- . jugend unerläßlich
bldÜ^ neue Kreissatzung beschlossen, die das Fori- di s ?Mulwesen im Kreise Mayen regelt. Trager °. ? Schulwesens wird die Kreisverwaltung selbst Sie uud betreibt die Schulen unter eigener Ver- dein Zunächst haben vierzig Schulen mit Nemberbeginn ihre Arbeiten ausgenommen. ^$n benâ^^g Schulen werden die Schüler aus den h arten Gemeinden unterrichtet, sofern dort kerne vorhanden sind.
öum 1. April 1936 wird das Schulwesen so aus- L “ ' daß der ganze Kreis Mayen von einem
Netz ländlicher Fortbildungsschulen - »ns- »samt sechzig _ überzogen ist, bic alle sortbildungs- schulpflichtigen Jugendlichen erfassen.
tegeh? ^r jetzt vom Kreistag angenommenen Neu- Bcru L baut die Fortbildungsschule als landluhe dieaus her Dorfschule auf. Sie hat dellich/^be, die Arbeit der Landjugend, die diese täglich zu et17 Kl begründen und damit Verständnis Zur sie lauf Die Landarbeit, wie sie der Jah res- bringt, wird somit die Grundlage für den bilden.
oeotn die SonMionen.
Gegenmaßnahmen Italiens unvermeidlich.
Frankreich zur italienischen Protestnote.
In der französischen Hauptstadt hat der italienische Botschafter C e r u t t i mit dem französischen Außenminister eine längere Unterredung gehabt, bei der er dem französischen Regierungschef die Protestnote Italiens übergab. In der französischen Presse nimmt man an, daß die italienischen Vergeltungsmaßnahmen folgendermaßen aussehen werden:
1. Italienische Kreditverweigerung an Angehörige der die Sanktionen anwendenden Staaten;
2. Kündigung der Handelsverträge mit diesen Staaten;
3. Verbot der gesamten Warcneinsuhr aus diesen Staaten;
4. Drohung, Italien werde sich an der österreichischen Lage desinteressieren und den größeren Teil seiner an der Brennergrenze stehenden Truppen zurückzuziehen;
5. Italien werde den Völkerbund zum mindesten während der Zeit der Sanktionsanwendungen verlassen.
In französischen politischen Kreisen betrachtet man den Protest Italiens als ein wenig beruhigendes Zeichen für die Lösungsmöglichkeiten des Abessinienstreites. Die f r a n z ö s i s ch e Presse spricht die Besorgnis aus, daß Italien in seiner Abwehr der Sanktionen zu weit gehen könne, und daß es Maßnahmen ergreifen werde, die ihrerseits wieder zu Gegenmaßnahmen führen müßten.
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Einfuhr nach Italien unter strenger Konirâ
Im römischen Amtsblatt erschien eine Ver- fugung, durch die fast sämtliche zur Einfuhr nach Italien bestimmten Waren angabepflichtig sind und einer besonderen Erlaubnis bedürfen. Auf der Liste stehen u a. Schweinefleisch, Butter, Kaffes, Kakao, verschiedene Lurus- waren, Leder, Seide und zahlreiche Metalle. Wie die italienische Valutenüberwachungsstelle bekanntgab, muß die italienische Ausfuhr nach Frankreich im voraus bezahlt werden. Andere italienische Maßnahmen bezwecken durch Regelung des Bürobetriebes in den öffentlichen Betrieben eine Ersparnis von elektrischem Licht.
Heue Besprechung Mffolini- Drummond.
Mussolini hat den englischen Botschafter Drummond zu einer längeren Unterredung empfangen.
Die große Crziehungsaufgabe besteht darin, die jungen Menschen in ihrem Berufe zu einem dienenden
Mitglied der Volksgemeinschaft zu machen.
Die eigentliche fachliche Weiterbildung ist Aufgabe der bestehenden bäuerlichen W e r k f ch u l e n, denen ihre Arbeit nicht nur erleichtert wird, sondern die damit bestimmt auch einen noch größeren Zustrom erhalten werden. Die Schulpflicht besteht grundsätzlich für alle, zunächst aber nur für die männlichen Jugendlichen nach der Schulentlassuna bis zum 19. Lebensjahr, für die eine Verpflichtung zum Besuch einer kaufmännischen oder gewerblichen Berufsschule nicht besteht.
Leiter der Reichssielk für Umsiedlung. Gleichzeitig Leiter der Retchsstelle für Landbeschaffung im Rcichskriegsministcrium.
Rach Ausscheiden des bisherigen Leiters der Reichs- stelle füt Landbeschaffung im Reichskriegsmrmstermm ist nrd. den Reichskriegsminister im Einvernehmen mit dem Minister für Ernährung und Landwirtschaft der Sonderbeauftragte im Reichs- und preußischen Mmistermm für Ernährung und Landwirtschaft, Staatsmmlster Riecke, berufen worden, der gleichzeitig auch zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Reichssiedlungsgeselftchast bestellt worden ist. . . * -
Staatsminister Riecke ist ferner durch den Herrn R-ickisminister für Ernährung und Landwirtschaft die L i uug der Reichsstelle für Umfiedlung übertragen worden. Der bisherige Leiter der Stelle war Ministerialdirektor Dr. Runte, der vor einiger Zeit als Regierungspräsident nach Arnsberg versetzt worden ist.
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Der Deutsche Giedlerbund e. V. vom Iieichsarbeitsmimfter anerkannt.
Nach der Anerkennung durch den Siedlungs - beauftragten im Stabe des Stellvertreters des Führers hat nunmehr auch der Reichs- und preußische Arbeitsminister durch Erlaß vom 8. November 1935 (S. 9
Fünfzehn Jahre Freie Stadt Danzig.
Erinnerung an den 15. November 1920.
Es war am Abend des 9. November 1920, als sich im Uhrensaal des Auswärtigen Amts in Paris die Vertreter Danzigs vor den Bevollmächtigten der Staaten der Entente einfanden, um den endgültig festgelegten Vertrag zu unterzeichnen. Der bestimmte, 'datz ab 15. November 1920 der Freistaat Danzig konstituiert sei, auf Grund der Artikel 100 bis 108 des Vertrages von Versailles. An diesem Tage erklärte dann in Danzig der vom Völkerbund als Oberkommissar eingesetzte englische Oberst Strutt in Anwesenheit der Vertreter der fremden Staaten in der 43. verfassunggebenden Versammlung die Stadt Danzig mit dem umliegenden Landgebiet feierlich zur Freien Stadt.
Man hat sich in Versailles darauf berufen, daß Danzig zu Polen zurückzukehren habe, da die Stadt Jahrhunderte hindurch polnisch gewesen sei, und wenn die volle Angliederung an Polen nicht durchführbar sei, müsse wenigstens in völliger Trennung Danzigs von Deutschland eine staatliche Neugründung erfolgen. In diesen Gedanken verfangen, hat man völlig übersehen, datz die alte Stadt, groß geworden durch deutsche Arbeit und durch deutsche Kulturkraft, eine deutsche Gründung gewesen ist, daß hierbei die Deutsche Hanse und der Teutsche Orden mitbestimmend tätig gewesen sind. In der späteren Entwicklung erhoben oft beutelüsterne Nachbarn Ansprüche auf den Besitz der Stadt, so vor allem die Herzöge von Pommerellen, der Orden, aber auch die Markgrafen von Brandenburg, später die Könige von Polen. So hat die Geschichte der Stadt ein wechselvolles Gesicht. Aber trotz aller Wirrsale hatte sie einen sichtbaren Llufstieg, ihr Handel dehnte und reckte sich, und machte den Namen Danzigs weithin bekannt. Eine besonders schwere Zeit brach über die Stadt Hereins als im Kriege 1806/07 ein französisches Heer die Festung Danzig belagerte. Nach vier Monaten tapferster Gegenwehr mutzte die Besatzung kapitulieren, die Franzosen hielten ihren Einzug. Jetzt begann für die Stadt eine wahre Leidenszeit, die sieben Jahre währte. Im Frieden zu Tilsit wurde Danzig von Preutzen abgetrennt und — schon damals also — zum Freistaat erklärt. Er sollte zwar unter dem gemeinsamen Schutze der Könige von Preußen und Sachsen stehen, aber Napoleons Absicht ging dahin, durch diese Neugründung einen Stützpunkt für seine militärischen Operationen zu haben. Damals sagte ein Tallehrand: „. . . wenn der Kaiser die Stadt einnimmt, so behält er sie für sich, um von hier aus Herr der Ostsee zu sein". Und so war es auch: Schwerstes hatte Danzig gerade unter den Vorbereitungen zum russischen Feldzug zu leiden, und als dann die Franzosen geschlagen zurückfluteten, als Preußen und Russen die Stadt belagerten, die der französische General Rapp monatelang verteidigte, da fielen wieder viele Bürgerhäuser und Speicher der Beschießung zum Opfer, mancher Danziger Bürger wurde von Kugeln oder Seuchen dahingerafft. So war, als endlich der Franzose kapitulierte, vom alten Wohlstand nichts übriggeblieben, Ruinen überall.
Nachdem die drohende Gefahr, auf Betreiben russischer Kreise, wieder Freistaat, diesmal unter russischer Aufsicht, zu werden, abgewandt und Danzig, tvas durchaus dem Wunsch der Bürgerschaft entsprach, wieder mit Preußen vereinigt worden war, setzte langsam der Aufstieg ein, für Danzig brach eine neue, eine glückliche Zeit an. Danzig wurde Hauptstadt der neugebildeten Provinz Westpreußen, infolgedessen Sitz zahlreicher Behörden, es wurde eine starke Garnison und bekam die Technische Hochschule, kurz, das Leben der Stadt versprach viel Gutes für die Zukunst. Dieser Blüte machte der Weltkrieg mit seinem Zusammenbruch, Versailles mit seinem gegen Deutschland gerichteten Hatzfriedeu ein Ende.
Auch wenn es nicht gelang, die französisch-polnischen Wünsche zu Hundert Prozent durchzusetzen, — vornehmlich scheiterte dieses Vorhaben am englischen Einspruch — so wurde doch Danzig vom deutschen Volkskörper abgeschnitten und zum Freistaat ernannt, ohne daß die deutsche Bevölkerung nach ihren Wünschen gefragt worden wäre. Der Völkerbund hat den Schutz des Freistaates übernommen, der Völkerbund selbst, der doch sonst stets nicht laut genug das Selbstbestimmungsrecht der Völker verkündete. Als an jenem historischen 15. November 1920 Danzigs Schicksal verkündet wurde, lag der entscheidende Genfer Ratsbeschluß noch gar nicht vor. Er erfolgte erst zwei Tage später, am 17. November. Die grundlegende Verfassung bekam dann Mitte Mai 1922 ihre endgültige Gestalt.
Der Freistaat Danzig ist ein Z w a n g s g e b i l b e von Versailles, darum weist sein jetzt löiäbriaes
Nr. 180—133/35) den Deutschen Siedlerbund e. V. als einzige Organisation der deutschen Kleinsiedler anerkannt und ihn mit der Betreuung und Wirtschaftsberatung der Kleinsiedler beauftragt. Damit ist der Deutsche Siedlerbund die einzige parteiamtlich und staatlich anerkannte Organisation aller Heimstätten- und Eigenheimsiedler.
Die Beauftragung des Reichsbundes der Kleingärtner und Kleinsiedler Deutschlands e. V. für das Kleinsiedlungswesen Jjat der Reichsarbeitsminister zurückgeno mm e n. Die dem Reichsbund noch angeschlossenen Kleinsiedler werden in den Deutschen Siedlerbund übergesührt, während die Betreuung der Kleingärtner auch weiterhin dem Reichsbund obliegt.